Soziopod #001: The day after privacy – Was passiert wenn alle alles über alle wissen?

Herr Breitenbach und Doktor Köbel diskutieren über das Thema “The day after privacy – Was passiert eigentlich wenn alle alles über alle wissen?”

Was ist Post Privacy? Können wir dem Schicksal einer gläsernen Gesellschaft überhaupt noch entgehen? Wie können wir den Umgang mit der Thematik gestalten und welche Rolle sollte die Politik und die Bildung in Zukunft übernehmen?

Links zur Sendung:

Nackt im Netz – Ein Audio-Dossier des bayrischen Rundfunks

Eine schöne Linksammlung um sich den Überblick über die gesamte “Post Privacy” Debatte zu verschaffen.

Defintion Post Privacy von mspro auf ctrl+verlust

Interview mit dem Philosophen Byung-Chul Han in der Brand Eins über die Notwendigkeit von Geheimnissen

Olaf Kolbrück: “Für ein vergessliches Web”

Der Cicero über die Illusion der totalen Transparenz

Jeff Jarvis neues Buch: Private Parts

The beauty world without privacy

Chaos Radio Express: Privacy

Constanze Kurz im Interview

Sascha Lobo: Facebook ist nur ein Symptom

Post Privacy my Ass – Von der Utopie des perfekten Filters

Karl Poppers “Offene Gesellschaft”

Arendt und die Privatsphäre von Julia Schramm

the network, a headless tail bei wirres.net

Politology Podcast – Über Datenschutz, Post-Privacy und die Spackeria

Der Juckeldiduckel-Datenschutz des Staates: Ablenkungsmanöver statt Gesetzestreue #Staatstrojaner

Das Internet sollte nicht lernen zu vergessen, wir sollten lernen zu verzeihen.

Der amerikanische Journalist Jeff Jarvis veröffentlicht seine Krebskrankheit.

25 Comments

  1. Wer schützt uns denn vor den illegalen Aktionen des Staates? Genau das ist der Ansatz der Post-Privacy-Debatte. Diesen Aspekt sollte man nicht vergessen. Man sollte den Leuten nicht einreden, über Regeln, Gesetze und staatliche Datenschützer besser geschützt zu werden. Das ist ein trügerischer Glaube.

    Das sollte man nicht gleichsetzen mit Defätismus oder Indifferenz gegenüber den Sauereien, die auch von Technologiekonzernen ausgehen. Es geht auch nicht um den Glaubenssatz: „Wenn wir alle transparent sind, wird alles schön“, so die etwas spöttische Bemerkung von Constanz Kurz in einem Interview. Das ist nicht der Punkt. Man sollte allerdings auch nicht Faktor Machbarkeit in seinen netzpolitischen Überlegungen ausklammern. Siehe auch: http://gunnarsohn.wordpress.com/2011/10/09/der-ju

  2. admin Reply

    Danke. Das wird das Gespräch bereichern, sowie leider der gesamte Bundestrojaner-Skandal. Am Dienstag werden wir aufzeichnen.

  3. Zuerst eine technische Anmerkung: Es stört beim Zuhören noch extrem, dass man das Atmen so stark hört. Besonders das Einatmen fiel mir besonders auf. Und beim "Moderator" (ich hab eure Namen jetzt nicht parat) würde ich empfehlen, noch mehr Höhen rein zu mischen oder das Mikrofon anders zu halten oder ein anderes Mikrofon zu benutzen. Das klingt ziemlich dumpf und damit sinkt die Sprachverständlichkeit.

    Inhaltlich war es eine interessante Diskussion, wobei mir als netzpolitisch Interessierten nicht sonderlich viel neu war.

  4. Finde den Podcast auch nicht schlecht.

    Die Frage nach dem gläsernen Mensch kam aber nicht erst mit dem Internet auf. Im Sozialismus/Kommunismus gab es auch Strömungen, die einen offenen Menschen ohne ein Recht auf Privatheit propagierten. Solche Bewegungen gibt es aber auch in anderen Bereichen, z.B. sind mir Menschen bekannt, die keine Zimmertüren in ihrem Haus haben.

    Das Recht auf Privatheit ist kein Recht welches man einfach so geschaffen hat, sondern weil Menschen ein Bedürfnis danach haben. Und dieses Bedürfnis hört nicht einfach auf, weil das Intenet zum Teil des Alltags geworden ist.

    Warum wir diese Diskussion führen, liegt meines Erachtens daran, weil jeder alles einfach postet ohne zu bedenken wer alles mitlesen kann. Sobald das Bewusstsein in der Allgemeinheit für Datennutzung steigt, wird auch auf die Privatsphäre wieder mehr wert gelegt.

    Und ich halte es für Unsinn, dass weniger Privatheit für mehr Demokratie sorgen soll. Hierfür gibt es kein mir bekantes Beispiel aus der Menschheitsgeschichte. Lasse mich gerne eines Besseren belehren.

  5. Herr Breitenbach Reply

    @Faldrian: Danke fürs Feedback. Bin selbst mit der Qualität noch nicht zufrieden. Das Equipment ist gut, was letztlich fehlt ist die Erfahrung im Umgang. Sprich Aussteuerung und Position des Mikros. Und das Mastering werde ich noch mal neu machen. Das war dann noch schnell am Abend was aber tatsächlich in Zukunft keinen Sinn macht. Wir wollen also nicht nur großen Wert auf die Qualität des Inhaltes sondern auch des technischen Rahmens legen. Aber wie so vieles ein Lernprozess. 🙂

    Ansonsten war für Menschen die sowieso tief im Thema drin sind nicht viel neues. Aber uns geht es ja auch nicht darum die neusten Erkenntnisse zu liefern, sondern wir wollen beide "Welten" zusammenführen. Ich hoffe das ist uns etwas gelungen.

  6. Herr Breitenbach Reply

    Danke für dein Feedback.

    Du hast natürlich vollkommen Recht. Der heutige Mensch hat ein Bedürfnis nach Privatheit, aber nur wenn er einen Grund für dieses Bedürfnis hat. Ich glaube es gab/gibt Kulturen wo es einfach nicht notwendig war sich derart zurückzuziehen (kleine Menschenansammlungen wie Stämme oder Dörfer) wie wir es heute kennen. Und wie auch von dir erwähnt gibt es Bewegungen, die ja genau das Gegenteil vorleben wollen. Die Frage bei uns war ja eher, ob die technologische Entwicklung irgendwann zwangsläufig dazu führt, dass wir a) weniger Bedürfnis nach Privatheit haben und b) überhaupt noch die Möglichkeit dazu erhalten. Beides ist sicherlich eng miteinander verknüpft. Schrumpft die Möglichkeit, könnte auch das Bedürfnis danach sinken (nur eine These)

    Vielleicht schreibt Nils noch ein paar Zeilen dazu?!

    Sobald Privatheit zur Politik wird (z.B. breites Abtreibungsouting in den 70er etc.) ist sie auch der Demokratie behilflich, denn sie zeigt Bedürfnisse auf, die sonst eigentlich unter einem Tabu versteckt waren und unter denen vielleicht viele Menschen gelitten haben. Eine Trennung von Privatem und Politischen sehe ich nicht. Das gilt zum Beispiel gerade für den Privatesten Raum. Denke nur mal an Gewalt in Ehen und Familien etc. Wenn diese privaten Gegebenheiten niemals öffentlich werden würden, wäre ein Leid manifestiert und damit auch der Sinn und Zweck einer Demokratie fraglich. Jedenfalls meine Meinung.

  7. Sehr spannend. Die Argumente für eine Offenlegung des Privatlebens, um eine liberale Gesellschaft zu verwirklichen, Bekenntnis zum Schwangerschaftsabbruch, Outing zur Homossexualität oder Kommunizieren über einer Krankheit wie Aids, habe ich nicht bedacht, die Argumente sind aber nachvollziehbar.

    *Mein Bauch gehört mir* ist aber auch kein Satz der aus Lust und Laune gesagt und geschrieben wurde. Es gab einen trifftigen Grund, auch wenn kein eigennütziger. Man hat Courage gezeigt und ist gegen einen empfunden Mißstand angegangen. Insoweit gebe ich dir Recht, privates kann ein Teil des öffentlichen sein unter den Bedingungen, dass es zur Änderung eines Mißstandes führt und die Offenlegung freiwillig erfolgt.

    Ich habe aber noch einmal nachgedacht, warum wir, oder speziell ich, auf Privatsphäre so bestehen. Ich habe nie etwas gemacht, was nicht auch Millionen anderer Menschen gemacht hätten. Trotzdem wäre es mir unangenehm, wenn jeder all das wüsste. Es ist wohl Schamgefühl. Beispiel Pornos: direkt auf den Konsum angesprochen, streitet es jeder ab, Ausnahmen bestätigen die Regel. Schamgefühl ist aber anerzogen und hat sich in Laufe der Jahrhunderte grundsätzlich verändert. Schamgefühl wird in der Kindheit vermittelt, in der meist die Nutzung des Internets außer Frage steht, somit werden die Ansichten der Eltern auf das Kind übertragen. Werden solche Gefühle nicht mehr vermittelt und jegliche Tabus gebrochen, könnte es tätsächlich dazu führen, das Menschen kein Verlangen mehr nach Privatheit haben. Ich denke aber wenn überhaupt, dann bedarf es noch einiger Generationen.

    Ein anderer Aspekt der Privatsphäre ist der Selbstschutz. Gerade im Internet ist der Datenschutz ein wirklicher Schutz. Es gibt Berufsgruppen, die per se eine Auskunftssperre bei dem Meldeamt beantragen können und diese ohne weiteres gewährt wird. Jeder würde diese Handhabung ja ad absurdum führen, wenn er sich mit Bild und Namen im Netz zu erkennen gibt. Andere Beispiele gibt es auch zur Genüge (Schutz vor gewalttätigen Lebenspartnern, Personen die auf Grund religiöser oder politischer Anschauung auch hier in Deutschland gefährdet sind, und zwar nicht vom Staat) . Dass dies nur ein kleiner Teil ist, mag sein, wobei ich ihn subjektiv eher als höher einstufe, aber dieser Teil würde bei einem Ende der Privatheit im Netz hinten runter fallen. Ob wir auf diese Menschen verzichten wollen, die ja gerade auf wirkliche Probleme in der Gesellschaft hinweisen können, muss man sich dann auch fragen. Das niemand wirklich anonym im Netz unterwegs ist, ist klar, aber es muss wenigstens möglich sein, so wenig Daten wie möglich preis zu geben und trotzdem an den Segnungen von Blogs und Netzwerken teilnehmen zu können. Ein öffentliches Bekenntnis gegen einen totalitären Staat führt nämlich leider nicht wie bei dem Diskurs über Schwangerschftsabbrüchen zu einer Revision eines Gesetzes, sondern auf eine Abschussliste von Fundamentalisten. Das zählt für mich auch zur Privatsphäre. Es mag sein, dass wir hier in der rechtstaatlichen Bundesrepublik, in Europa und im gesamten Westen übereinkommen, dass wir besser mit dem gläsernden Menschen auskommen weil wir nichts zu befürchten haben, das Internet verbreitet sich aber auch in Ländern, die ganz anders darüber denken. Facebook kommt aus Amerika mit westlichen Ansichten, wie sehe aber ein Netzwerk aus Japan aus oder eines aus dem Iran? So abwägig ist das nicht, wird Al Jazeera doch gleichrangig mit CNN gesehen. Das hätte vor 10 Jahren niemand gedacht und es ist eine Bereicherung in Hinblick auf die Vielfalt. Aber alleine schon eine finanzielle Beteiligung eines chinesischen Staatsunternehmens an einen Netzwerk lässt die Verknüpfung von privat und politisch etwas anders aussehen. Facebook gehört zu 10% der mail.ru Group, deren Besitzer dem luppenreinen demokratischen Kreml nahestehen, nur mal so.

    Jede Neuerung hat anfangs einen erheblichen Wildwuchs gezeigt, nun sind es die Social Networks die prächtig gewachsen sind und ich glaube, dass auch hier eine Selbsregulierung einsetzt. Zumindest glaube ich nicht an die Abschaffung aller privaten Nischen.

  8. Interessant. Kurz ein paar Gedanken dazu:

    Google+ hat m.E. die circles eingeführt um eben dem Bedüfnis Rechnung zu tragen, dass man bestimmte Informationen nur mit bestimmten Menschen teilen möchte. Google+ möchte dem Nutzer also das peer-group-feeling einräumen, wohlwissend das diese sozialen Räumlichkeiten notwendig sind um Informationen preis zu geben.

    Was m.E. gut in die Diskussion gepasst hätte, (weil Dr. Köbel vermutlich ein sehr guter Experte ist) ist die mögliche Notwendigkeit der Privatssphäre bei Jugendlichen und Heranwachsenden, insbesondere gegenüber Eltern, Geschwistern und Lehrern. Und das fände ich mal ein interssantes Gespächsthema: Meldet sich ein Jugendlicher noch bei facebook an, wenn dieser Sozialraum schon von seinen Eltern okkupiert wurde. Und damit verbunden auch die Frage: Könnte facebook irgendwann deswegen unsexy werden, weil jede Generation sich ihren eigene Plattform und Code sucht.

    Aber ansonsten, sehr nett und entspannt.

  9. Pingback: Podcast The day after privacy « Social Media für Training und Unterricht

  10. Ich fand's sehr interessant und freundlich gemacht. Viele Aspekte mit guten Beispielen angesprochen was bei dieser 'Fass-ohne-Debatte' nicht einfach ist.

    (In Sachen Technik / Stimmtechnik stimme ich Faldrian zu.)

    Viel Erfolg weiterhin!

  11. Herr Breitenbach Reply

    Danke fürs Feedback. Ich denke das Thema "Identitäten" werden wir auch noch einmal gesondert aufgreifen.

  12. Herr Breitenbach Reply

    Danke. Und ja, die Technik ist ganz oben bei mir auf der Agenda. Ärger mich gewaltig, dass ich nicht vernünftig getestet habe.

    Lernen durch Schmerz! 😉

  13. Herr Breitenbach Reply

    Danke für den ausführlichen Kommentar dessen Beantwortung fast eine gesamte Sendung wert wäre.

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  15. Mir gefällt das. 🙂

    Ich glaub ja, irgendwann gibts den digitalen Radiergummi, der auch sowas wie "Vergessen" technisch löst. Das würde die Sache vereinfachen. Wir hätten wieder Technik geschaffen und Technik ist gut, wenn die Probleme nicht mehr lösbar erscheinen. Was heißt eigentlich sozial und was ist an digitalen Netzwerken eigentlich sozial? Warum soll ich eigentlich ständig irgendwas machen, um überhaupt wahrgenommen zu werden? Ich kann jedem empfehlen, mal was von Joseph Weizenbaum zu lesen. Das sollte Pflichtlektüre in der Schule werden!

  16. Pingback: Was macht eigentlich Patrick Breitenbach? | Karlshochschule International University

  17. Sehr interessantes Gespräch über Identität und Post Privacy. Mir sind während ich euch zugehört habe, immer wieder zwei Beispiele eingefallen, eines habt ihr selbst genannt, in dem es keine Privatsphäre mehr gibt. Das eine waren die Borgs aus Start Trek als negatives Beispiel und das andere, welches ihr nicht erwähntet, mir aber immer vor Augen schwebte waren die Betazoiden, die ich als positives Beispiel sehe. Zur Erinnerung, die Betazoiden können die Gedanken anderer lesen und somit auch die Intimsten Gefühle und Gedanken ihres Gegenüber erkennen. Diese extremste Form von "Post Privacy" führt zuminest in der Fiktion von Star Trek dazu, daß diese Rasse extrem individualistisch ist und auch überaus ehrlich untereinander. Ihre Ehrlichkeit ist verletzend und sind wir ehrlich zu uns selbt, lügen wir oft unsere Mitmenschen an, um sie nicht zu verletzen. Was würde aber passieren, wenn man 100%ig ehrlich zueinander wäre? In so einem Fall würde sich die Frage nach einer Privatsphäre auch nicht mehr stellen. Privatsphäre resutliert doch nur dadurch, das eine asymetrische Verteilung von Wissen über die jeweiligen Menschen existiert. Ich kenne meine Fehler und mein Gegenüber spiele ich eine Rolle vor, damit es nicht merkt, welche Fehler ich habe und somit ein besseres Bild von mir hat, als wenn er mich so kennen würde, wie ich eigentlich bin. Aber dieses Rollenspiel macht oftmals krank. Wäre es eventuell manchmal nicht besser und man wäre ehrlicher zu seinen Mitmenschen. Es würde einem selbst gut tun, denn man könnte somit endlich so sein, wie man ist und nicht, wie es andere von einem erwarten. Ich kenne mich damit ein wenig aus, ich habe über 40 Jahre versucht eine Rolle zu spielen die nicht zu mir passte.

    Ich habe euren Podcast in iTunes abonniert und finde ihn sehr gut.

    Liebe Grüsse vom Bodensee,

    Michaela

  18. Patrick Breitenbach Reply

    Danke für den Input und das Lob, liebe Michaela!

    Ich denke das Thema "Lüge" und "Wahrheit" könnte man mal seperat besprechen. Danke für die Anregungen.

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  21. Eine sehr interessante Folge! Was bei der zweiten Hälfte allerdings genervt hat war, dass der Herr Breitenbach dem Doktor Köbel ständig ins Wort gefallen ist bzw. ihn gar nicht erst zu Wort kommen lassen hat. Das lag wohl daran, dass er sich sehr emotional in das Thema hineingesteigert hat, was ja positiv ist. Aber oft hätte ich gern gewusst, was Doktor Köbel gesagt hätte, wenn man ihn ausreden lassen hätte.

    Ich hoffe, dass das bei den nächsten Folgen ein bisschen anders ist. Ansonsten – wie gesagt – sehr interessant! Ich habe auf jeden Fall ein paar neue Denkanstöße bekommen.

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