Soziopod #023: Der (spektakuläre) Aufstieg und Fall des Subjektes

Herr Breitenbach beschwerte sich bei Doktor Köbel über diesen sperrigen Titel und füllte gleich mal ein propagandistisches Füllwort ein, während der Doktor ein wenig Bammel vor der Folge hatte. Erstaunlicherweise ist das Thema allerdings weniger sperrig verlaufen, denn in dieser Ausgabe geht es wirklich um die Wurst, also um alles. Ja Sie haben richtig gelesen: Um alles. Denn ohne den Subjektbegriff würden wir es heute vermutlich noch völlig normal finden Menschen als Ketzer zu verbrennen oder wären auch gar nicht in der Lage putzige Katzenbilder über unsere Smartphones zu verschicken. Mit der kopernikanischen Wende trat der Mensch nämlich in ein völlig neues Zeitalter. Und welche Rolle Kant, die olle Spaßbremse, dabei spielte und warum Herr Breitenbach immer wieder mit Memen und Genen rumfuchtelt, erfahren Sie in dieser brandneuen Ausgabe des Soziopods.

Weitere Links zur Sendung folgen ggf. noch

Subjektivismus bei Wikipedia
Charles Taylor (WP)
Charles Taylor: Ein säkuläres Zeitalter
René Descartes (WP) und sein “Cogito Ergo Sum” (WP)
Richard Dawkins: Das egoistische Gen
Susan Blackmore: Die Macht der Meme
Karl Jaspers (WP)

14 Comments

  1. Pingback: Vorhersage Samstag, 12.01.2013 | die Hörsuppe

  2. Ein gutes neues Jahr auch für Euch, liebe Soziopoder!Vielen Dank für Euren neuen Podcast. Zuerst dachte ich, na was gibt denn das? Aber je länger ich zuhörte, desto spannender fand ich Eure Ausführungen. Besonders sympathisch fand ich zwei Stellen, an welchen Herr Breitenbach seinen Unmut über die Abwertung des irrenden Diskutanten äußerte, anstelle, dass man mal auf die widersprüchlichen Argumente eingeht und die Chancen in der Gegenargumentation erkennt. Und gegen Ende der Ausdruck der Erschöpfung, weil die Spannung zwischen Des-Engagement und Expressivität so anstrengend ist ;-)Beide Empfindungen teile ich sehr und ersterer ist ja gerade das was ich so wunderbar an Eurem Podcast finde. Kontroversen werden ausgetragen und es bemühen sich beide bei der Sache zu bleiben und sich nicht in Rechthaberei zu verheddern.Für mich ist es immer wieder befremdlich, wieso Des-Engagemnet und Expressivität als Kontrapositionen und im Widerstreit gesehen werden. Wieso eigentlich? Und können wir sicher sein, dass es nicht noch einiges anderes gibt? Mir scheint als wären beide wesentliche Mechanismen der "modernen" Evolution. Eine "Weiterentwicklung" (ohne Wertung) war über Jahrmillionen immer nur durch eher zufällige, teilweise auch kontingente Mechanismen möglich. Stichwort Mutation und Selektion, durchaus auch im weiteren Sinne. In der Expressivität liegt für mich der Antrieb zu Kreativität, zum Widerspruch, zum Bewahren, zum Aufbruch, zum Trotzdem. Umgekehrt hilft der Verstand Zusammenhänge zu erkennen oder durch strukturiertes oder systematische Vorgehen Voraussetzungen zu schaffen, die der "Weiterentwicklung" zuträgliche Entscheidungen bewirken. Letztere sind immer expressiv, denn die Vernunft "muss" nichts entscheiden. Also eigentlich ergänzen sich beide Mechanismen und darauf sollten sie auch achten und sich nicht wechselseitig versuchen zu unterdrücken. Beispielsweise hilft auch das "Bauchgefühl", wenn der "Kopf" Gefahr läuft sich in Sinnlosem (sinnig im Sinne eines Fortschreitens, einer Weiterentwicklung) zu verlieren.Die Frage nach dem Mainstream hat auch mich lange beschäftigt. Ich meine es gibt hier alle Spielarten und man sollte sich hüten z.B. anzunehmen, es gäbe irgendjemand, der noch nicht über den Sinn des Lebens oder über die Frage der Freiheit nachgedacht hat. Die Unterschiede bestehen in "Intensität" und "Häufigkeit" dieser Gedanken. Bei manchen Menschen durchdringen sie deren Leben und beeinflussen deren Zukunft. Bei anderen werden sie nur angerissen und erfahren keine Tiefe. Ich vermute es gibt hier kein Kontinuum zwischen dem einen und dem anderen Ende, sondern so etwas wie Sprünge.Die "a priori" Nicht-Erfahrungen wie Zeit und Raum, etc., von welchen Ihr in Eurem Podcast spracht (ich halte das jedoch auch für Erfahrungen, atomare Erfahrungen eben, die sich auf nichts kleineres zurückführen lassen) gibt es meiner Auffassung nach auch bei Tieren. Aus Ihnen sind dort ebenfalls komplexere Erfahrungen entstanden, wie z.B. wo das Tier wann welche Nahrung sucht und findet. Oder welche Orte und Wege gefährlich sind, weil dort Raubtiere oder andere Gefahren lauern. Nur die Komplexität dieser "Erfahrungswelten" unterscheidet sich von der unserigen deutlich. Wir sind da viel weitergegangen, z.B. in unseren sozialen Strukturen, Politik oder ähnlichem. Aber auch innerhalb unsere Spezies gibt es diese Sprünge oder Stufen der "Reflektiertheit" und in wie weit ein "Durchdenken" und eine "Reevaluierung" das Handeln bestimmt. Mein Wunsch ist es, dass beide Instrumente immer intensiver und sich ergänzend genutzt werden. Nur so kann sich die Welt "weiterentwickeln", vielleicht auch zu einem nachhaltig besserem. Den "Kopf" nicht zu nutzen ist genauso verwerflich wie das "Hören auf den Bauch" nicht zu kultivieren.
    Viele Grüße
    Jörg

  3. Schön, dass ihr das neue Jahr gleich mit einem so spannenden Thema begonnen hat, ein bisschen freut es mich auch, weil ihr – bewusst oder unbewusst – mein Wunsch, Foucault zu behandeln, aufgegriffen habt.
     
    Die Diskussion konnte man gut nachvollziehen, den Verlauf des Subjektbegriffs in der Philosophie hab ihr ganz gut nachgezeichnet. Was die Konsequenzen daraus betrifft, denke ich folgendes:
     
    Die reine Vernunft wie von Kant propagiert ist keine alleinige "Erlösungsformel" für den Menschen. Zwar kann ich bei vielen seiner Ideen mitgehen, doch auf der anderen Seite haben uns die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts auch gelernt, dass das keine Garantie ist, furchtbare Exzesse und Verbrechen von Menschen an Menschen zu verhindern. Dass das gerade nach Kant kam, ist eine Entwicklung, die vielleicht noch genauer untersucht werden sollte.
     
    Somit kommen wir zur Moral als "Absicherung der Vernunft", das wird wohl auch so in dem Werk von Charles Taylor (vielen Dank für den Verweis auf diesen Autor noch!) gesehen: "Nicht eine neutrale Vernunft, vielmehr eine ethische Idee stehe am Anfang der Moderne" <a href="http:// (http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Taylor_%28Philosoph%29)” rel=”nofollow”> <a href="http://(http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Taylor_%28Philosoph%29)” target=”_blank”>(http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Taylor_%28Philosoph%29). Moral bietet dann die Möglichkeit, den Mut zur Aufklärung auch wirklich "vernünftig" einzusetzen und so kann es zu einer "aufgeklärten Aufklärung" kommen. 
     
    Ich wünsche Euch und mir noch viele weitere spannende Folgen
    Markus

  4. breitenbach Reply

    @joergy Vielen Dank für das Feedback und die wertvollen Ergänzungen und neuen Fragestellungen.

  5. @mdeimann Auf den Buchtipp von Dr. Köbel hin lese ich derzeit Heinz von Foersters "Teil der Welt". Dort lese ich über so spannende Dinge wie den Unterschied zwischen entscheidbaren und unentscheidbaren Fragen.
    unentscheidbar ist eine Frage, wenn es keine klare richtige oder falsche Antwort darauf gibt. Etwa die Frage was ich heute zu Abend essen soll ist unentscheidbar. Ich kann zwischen einer Menge Möglichkeiten wählen was ich esse. Dann trage ich die Verantwortung für meine Entscheidung.
    Es ist schwierig, rein vernünftig zu entscheiden, immer das Richtige zu tun, da die meisten Fragen, über die wir entscheiden müssen, unentscheidbar sind und keine richtigen Antworten bieten- sondern nur Möglichkeiten.
    Ethisch zu handeln bedeutet nach der Ansicht von Heinz, sich seiner Freiheit zwischen Wahlmöglichkeiten bewusst zu werden und die Verantwortung für seine Entscheidungen zu tragen.
    ich finde, Taylors Satz "Nicht eine neutrale Vernunft, vielmehr eine ethische Idee stehe am Anfang der Moderne"  verträgt sich ganz gut mit dieser Einstellung.

  6. breitenbach Reply

    @daiKAIZEN  @mdeimann Kleine Korrektur, der Buchtipp war von mir, nicht vom Doktor 🙂

  7. Daniel Bauer Reply

    Sehr geehrte Soziopoden,
     
    zunächst einmal ein Dankeschön, für den tollen Podcast.
     
    Zum angesprochenen egoistischen Gen möchte ich gerne eine Anmerkung machen. Das Gene keine Interessen haben, ist Ihnen natürlich klar, es ist ja nur eine Metapher. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, haben sie das egoistische Gen aber so aufgefasst, als machten uns unsere Gene egoistisch. In Dawkins Buch "Das Egoistische Gen" ist das zentrale Thema aber Altruismus. Es wird aufgezeigt, dass es gerade unsere  "egoistischen" Gene sind, die uns sozial machen. Der Kopiererfolg eines Gens, dass altruistisches Verhalten verursacht oder begünstigt, ist häufig größer, als der von Genen, die egoistisches Verhalten bewirken. Dawkins wird in diesem Punkt ständig, gelegentlich auch absichtlich, falsch verstanden. Inzwischen ist er mit der gewählten Metapher auch nicht mehr sonderlich glücklich.
    Dawkins steht auch nicht für eine schicksalhafte Determination durch Gene, sondern gerade dafür, dass man mehr Freiheit erreichen kann, wenn man sich seiner genetischen Bedingtheit bewusst ist und sie somit überwinden kann.
     
    Mit freundlichem Gruß,
    Ihr begeisterter Hörer
     
    Daniel Bauer

  8. In erster Linie möchte ich meine Freude über den Fund des Soziopod hier äußern. Die Diskussionen bereichern mich imens Sachverhalte und Fragen, die sich mir stelle, besser einordnen und dadurch natürlich auch weiterführen, bzw. verstehen zu können. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

    Im Verweis auf Konrad Lorenz möcht ich zur Diskussion beitragen, wie dieser in "Der Spiegel der eigenen Erkenntnis" erwähnt, dass bereits unsere Gene, die unser Verhalten im wesentlichen bestimmen, sich in der Evolution bereits als eine Art Abbild der Wirklichkeit entwickelt haben. Das Auge ( oder primitive Augenfelcken)und all die Gene die dazu benötigt werden, haben sich zum Vorteil entwickelt, da es von vornerein Licht gegeben hat. Ich weiß es nicht wie weit Kant sein a priori gefasst hat, aber unter dem Gesichtspunkt, stehen uns durch unsere Gene, in besonderer Hinsicht auf das Verhalten und die Bildung von Neuronen ( Denkstrukturen), sehr viel mehr zur Verfügung als man bisher annimmt.

    An dieser Stelle fand ich es auch etwas schade, dass von Eurer Seite nicht weiter auf Gentechnologie oder die Erschaffung eines Übermenschen eingegangen worden ist. Natürlich wird dieser der Gedanke schnell faschistoid, aber die Möglichkeiten sind enorm.

    Es gibt bereits ein Human Connectome Project, dass sich mit der Entschlüsselung von neuronalen Netzwerken beschäftigt und Größen von Facebook und Google haben neulich so etwas wie einen Nobelpreis für Biowissenschaftler ins Leben gerufen ( der anbei sehr viel besser dotiert als der "Normale" ist).

    Der Protesengott erfährt immoment die digitale Revolution. Als nächstes wird er ( für den Markt ausreichend gut) verstehen, wieso er wie denkt und versuchen daraus das best mögliche Kapital zu machen. Eine Diskussion über den Übermenschen wird finde ich in Technologischer Hinsicht dirngend notwendig.

    Ich hätte dazu gerne noch Eure Meinung gehört.

    Mit freundlichen Grüßen und bestem Dank,

    Simon

  9. Erstmal ein lob und anschliessend ein kleiner einwurf :

    Survival of the fittest ; also welche gene überleben, hervorgebracht durch zufällige mutation.

    Welche sind dadurch das sie fortpflanzung "forcieren" in der lage weiter zu " überleben"

    Beides in kürze

    Danke

  10. Alle Kommentare sparen bisher das Wichtigste aus – hat Herr Köbel Meerschweinchen?

    • ..wenn überhaupt sind die Meerschweinchen von Herrn Breitenbach. Dachte am Anfang es ginge um ein Babyphone.. 😉

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