Soziopod #026: Der Papst Abgang – CEO oder Felsen?

Diese Episode war zugegebenermaßen eine schwere Geburt. Im ersten Anlauf gescheitert und fast wäre es gar nichts aus dem Thema geworden. Doch dann kam die zündende Idee. Einfach mal in der alten Schrift nachschlagen und nachlesen was es ursprünglich eigentlich mit dem Amt des Papstes auf sich hat und die soziologische Entdeckung die Herr Breitenbach und Doktor Köbel dort gemacht haben ist unheimlich interessant und womöglich eine enorme Erschütterung für die Instiution der katholischen Kirche. Etwas, das sie womöglich jetzt noch gar nicht so realisiert hat. Ist der Rücktritt des Papstes, des sogenannten heiligen Vaters, eigentlich noch von Rücktritten eines profanen Vorstandsvorsitzenden zu unterscheiden? Warum tritt ausgerechnet ein Papst zurück, der so konservierend zu einer Rückkehr zur Spiritualität und der Abwendung vom Weltlichen aufgefordert hat? Wie wirkt das nun auf die hierarchische Religionsgemeinschaft und die Marke “Katholische Kirche” aus? Besteht jetzt eine Chance auf Modernisierung – denn der Rücktritt ist ein symbolischer Dammbruch unvorstellbaren Ausmaßes, denn nun könnte man theoretisch auch das heilige Sakrament der Ehe in Frage stellen, ganz nach dem Motto: Ich kann hier einfach nicht mehr.

13 Comments

  1. DavidKlarname Reply

    Erinnere ich mich falsch oder habe ich im psychologischen Teil meines Studiums davon gehört, dass es sowas wie "Selbstüberredung" gibt. Also dass man etwas immer und immer wieder sagt, um sich selbst davon zu überzeugen, dass das auch wirklich stimmt. Autosuggestion oder sowas?
     Ich musste da spontan dran denken, als Dr Köbel von Ratzingers Buch berichtete, wo dieser immer und immer wieder schrieb: Und das beweist, dass die alte Lesart die einzig richtige ist!

  2. Mich verwundert, dass ihr bei diesem Thema die orthodoxen Kirchen völlig außen vor gelassen habt. Diese zweifelten den Anspruch des römischen Bischofs, alleiniges Oberhaupt der christlichen Kirche zu sein nämlich schon sehr früh an.
    Ich kenne mich mit der Geschichte der Kirche nicht genügend aus um mehr dazu beizutragen, hätte diesen Aspekt in eurer Sendung aber interessant und wichtig gefunden.

  3. Pingback: Vorhersage Freitag, 15.02.2013 | die Hörsuppe

  4. Was ich auch noch hinzufügen würde ist, dass es ja in den religiösen Traditionen schon dieses Bild gibt, dass der Schamane oder Priester seine tiefe Einsicht in die Welt durch eine persönliche Krise bekommt. Im Christentum ist das meist eine Art Erweckungsgeschichte. Der Papst hat nach dem, was auch im Podcast gesagt wurde genau diese Geschichte nicht, sondern ist ein intellektueller Christ, der sich mit dem Glauben wohl primär kognitiv auseinandergesetzt hat. Damit ist die Idee zurückzutreten für ihn pragmatisch machbar, während das wohl für seinen Vorgänger aufgrund eines anderen Hintergrundes unvorstellbar gewesen wäre.

  5. Vielen Dank für diese Folge!
     
    Zwei Anmerkungen:
    1. Der historische Jesus
    In Dr. Köbels Ausführungen zu Ratzingers Buch (vor allem bzgl. Ratzingers Methodenmix, einerseits Bibelexegese zu betreiben und andererseits historisch zu arbeiten) erweckt Ihr schon den Eindruck, als sei völlig unproblematisch von einem historischen Jesus auszugehen.
    Hier hätte ich mir gewünscht, dass einmal kurz kommentiert wird, dass wenn man harte historische Quellenkritik betreibt, wie sie unter Historikern üblich ist, um Fiktion von Geschichte zu unterscheiden, keine geeignete Quelle übrig bleibt. In unserem Kulturkreis wird die Existenz des Christentums selbst als Argument herangezogen, um eine etwas weichere Quellenkritik zu rechtfertigen.
    Ich habe auch Verständnis dafür, dass Ihr das Fass nicht aufmachen wolltet, es war ja auch heute nicht Euer Thema, aber dennoch hätte ich mir bei einem Podcast, der Popper und die wissenschaftliche Methode hochhält, gewünscht, dass "der historische Jesus" einmal kurz kommentiert wird.
     
    2. Der Fels
    Als ich Euch zuhörte, wie Ihr den Moment der Berufung des Simon Petrus zum Fels und die "richtige Antwort" besprochen habt, ist mir aufgefallen, dass man das was Jesus da sagt, auf die Formel bringen könnte: "Weil Du glaubst, bist Du der Fels, das Fundament meiner Kirche."
    Daraus muss man m.E. nicht zwingend eine einzelne Zuschreibung in der Form: "Du, Simon, bist der Fels." machen, sondern könnte es auch als "Du, Gläubiger, bist der Fels." interpretierten. Damit bekäme diese Stelle den Charakter eines Gleichnisses, in dem sich _jeder_ Gläubige angesprochen fühlen kann von dem Satz: "Du bist der Fels.", weil jeder einzelne das Fundament darstellt. Das finde ich, auch wenn ich kein Anhänger der Kirche bin, einen schönen Gedanken.
    Beitragen wollte ich es aber vor allem deshalb, weil ich interessant finde, dass man nicht zwingend ein Amt aus dieser Stelle ableiten muss.
     
    Vielen Dank nochmal, es war mal wieder eine Freude Euch zuzuhören und hat mal wieder zum Nachdenken angeregt.
     
    Beste Grüße Stefan

  6. Wieder eine sehr interessante Folge, vielen Dank!
    Bis auf Kleinigkeiten auch theologisch wohltuend fundiert.
    Interessant zur Entwicklung des Papsttums ist natürlich auch ein Blick auf die Historie. Proto-Katholik Augustinus vertritt ganz klar die Meinung, das die Kirche das Königreich Gottes auf Erden sei. So versteht sich die römische Kirche ja auch selber. Also nicht die Demokratie Gottes oder die Genossenschaft Gottes. So braucht die Kirche einen königliche Stellverteter Gottes quasi als Statthalter. Dieser Job ist vom theologischen Amtsverständnis nicht einseitig kündbar.
    Ich traue mich zu vermuten, das der Papst an Depressionen leidet. Weit aus dem Fenster gelehnt, aber es gibt Indizien.

  7. BlumeEvolution Reply

    Natürlich könnte ich jetzt an kleinen, inhaltlichen Fehlern rummäkeln – aber insgesamt ist das eine sehr gute und informative Folge geworden! Schön, dass es auch im deutschsprachigen Onlinebereich noch Stimmen gibt, die sich ohne Schaum vorm Mund (in die eine oder andere Richtung) äußern können, die informieren und dabei auch noch erkennbar Spaß haben. Dickes Lob aus Schwaben – und des isch koschtbar!

  8. Erstaunlich, erstaunlich: von den vier gleichberechtigten Patriarchen in Antiochia, Ägypten, Rom und Byzanz schert im 5. Jhdt. einer aus, läßt sich von Konstatin (angeblich) Rom und die Kaiser-Insignien “schenken”, ursupiert Petrus als Vorgänger und setzt mit dem historischen Fake der Konstantinischen Schenkung seinen Alleinvertretungsanspruch für die gesamte Christenschar durch.
    Der (zu respektierende) Wunsch des Menschen nach Transzendenz ist gewaltig – und hätte nicht der tapfere Thüringer Martin Luder – so hieß er wirklich – seine Gründlichkeit bei der Bibel-Lektüre bis zum Schisma getrieben, würde sich heute noch die Sonne um die Erde drehen.
    Wo bleiben Markus, Matthäus und Lukas, wo die anderen 3 übertölpelten Erzväter (s.o.), wo der ultimative PODCAST, wo der erhellende Blitz aus dem Himmel, der – gäbe es ihn sensu proprio – gegen diese atemberaubende Legende aus dem Himmel fahren müßte?
    Apropos Thüringen. Daß Luther dort soviel Resonanz erfuhr, verdanken wir einen ganz banalem Grunde. Während westlich der Elbe die gigantischen Ablass-Gelder bereits per bargeldlosem Transfer nach Rom verbracht wurden (dank florentinischer Banken), waren es östlich dieser Kulturlinie zahllose schwer bespannte Pferdefuhrwerke, die – dem verelendeten Volk gut sichtbar – die großen Kisten mit den eingesammelten Peters-Pfennigen gut sichtbar aus dem Lande führten. Eine Reminiszenz, die bei unserer derzeitigen Bankenkrise sicherlich zu entsprechendem Volkszorn und zu Reformationen geführt hätte, wären deren astronomische Geldfüsse nicht unsichtbar gewesen …

  9. Es ist eine grosse Freude Euch zuzuhören. Aber beim Thema Religion klingt Ihr so, als würdet Ihr noch zuhause wohnen. Schade.

  10. Ratzinger hat ja gesehen wie sich Johannes Paul II. leidend bis in den Tod öffentlich zur Schau gestellt hat.

    Ich glaube, dass Ratzinger das für sich einfach nicht wollte. Mehr noch, er ist regelrecht erschrocken von der Vorstellung selbst hochbetagt, hochkrank und hochleidend ans Fenster auf dem Petersplatz geschoben zu werden und öffentlich zu sein.

    Da spielt vielleicht einfach auch eine gewisse Eitelkeit mit rein bei ihm.

    Er hat das Papstamt 8 Jahre ausgeübt und ist dann mit 85 Jahren quasi in den Ruhestand gegangen.

    Ich glaube dass dieser Schritt von ihm schon lange geplant war:

    – er wollte nicht öffentlich leidend bis zu seinem Tode zu sehen sein.
    – er wollte noch etwas von seinem Lebensabend im Privaten haben.
    – er wollte ja gar nicht Papst werden und hat Johannes Paul II. mehrmals um die Versetzung in den Ruhestand gebeten.
    – Nach dem Tod von JP II. hat er dann die Pflicht angenommen, um das Amt die nächsten Jahre zu führen um die Kirche nach der langen Amtszeit von JP II. stabil zu halten, und ist dann abgetreten.

    Ich halte diesen Schritt auch für sehr modern, weil er ermöglicht späteren Päpsten ebenfalls den Gang in den Ruhestand. Vielleicht zeigt auch dass er mit 85 abgetreten ist, nachfolgenden Päpsten bis zu welchem Alter ein Papst sein Amt ausüben sollte und dann aufgrund nachlassender geistiger und körperlicher Kräfte abtreten sollte.

Leave A Reply

Navigate