Soziopod #044: Mi- Mi- Migration

Intro/Outro aus:
Samy Deluxe – Mimimi aus dem Album “Berühmte Letzte Worte”

21 Comments

  1. Hey Leuts, super Folge!
    Wenn es mal wieder mehr in Richtung Philosophie gehen sollte würde mich mal “Ludwig Wittgenstein” interessieren. Oder andere Idee …vielleicht schafft ihr es ja auch mal Gäste einzuladen die sich mit einem Thema befassen. Wer weiss…
    Auf jedenfall weiter so. 🙂

    • Wittgenstein wollte ich auch schon länger mal vorschlagen. Ich wundere mich schon, dass der noch nicht Thema war.

  2. Gießnerin hier: Empörend! Gießen hat sich ganz schön herausgeputzt in den letzten Jahren. Ich finde ihr solltet mal wieder zu Besuch kommen, vielleicht könnt ihr ja neue positivere Bindungen herstellen. 🙂

    Noch eine Frage: Ihr benutzt den Begriff “Biodeutsche” am Anfang. Ich zuck immer zusammen, wenn ich den höre. Was soll das sein? “Biologische Deutsche”? Sowas wie Arier? Finde das problematisch, gibt es da keinen besseren Begriff? Mir fällt aber leider auch keiner ein.

    • Hätte vielleicht erstmal zu Ende hören sollen, wird ja später noch näher auf “Biodeutsche” eingegangen. Dem kann ich nur zustimmen!

      Insgesamt sehr gute Folge.

      • Herr Breitenbach Reply

        Danke sehr. Und mit Gießen muss ich mir mal überlegen 😉

  3. Guten Tag,

    ich habe im Punkt gleichberechtigte Kulte bzw. bessere/schlechtere Kultur etwas… gestockt.
    Grundsätzlich kann man zwar (wie ich finde) nicht differenzieren welche Kultur eine bessere oder schlechtere ist. Im Punkt Immigration wird das aber gewisser maßen vorgegeben. Bzw. durch den Umstand suggeriert. Das Problem dabei ist schlicht und ergreifend das eine Partei, jene welche Flüchtet, als Bittsteller kommt. Dementsprechend scheint es in “seiner” Region/Religion/Land… irgendetwas schief zu laufen.

    Darum, so würde ich den Faden weiter spinnen, sagen viele das ihre eigene Kultur besser ist. Schließlich flüchtet man selber ja nicht aus seinem Land. Man hat ja schließlich keinen Grund. Vielleicht läuft nicht alles perfekt, aber zumindest noch besser als an dem anderen Ort.

    Integration von Migranten kann also meiner Meinung nach nur dann passieren wenn sie freiwillig ohne äußeren Zwang und über einen langen Zeitraum passiert. In einer der letzten Folgen habt ihr über die Grenzen des nahen Osten Gesprochen und das der IS diese Grenzen aufheben will. Ich denke dass so eine Situation ideal wäre für eine gleichberechtigte Kultur. Wenn dort die Grenzen geöffnet werden würden und die Bürger aus Liebe/Beruf oder ähnlichen immer weiter austauschen, dann könnte tatsächlich eine gemeinsame Region entstehen. Da an dieser Stelle niemand als Bittsteller kommt, sondern es langsam und natürlich mit einander verwächst.

    Auch eine andere Situation wäre wenn zwei Völker gemeinsam auf der Flucht auf ein Stück unbewohnte Erde stoßen und diese zu “ihren” Land ernennen. Beide Kulturen sind auf der Flucht, also scheint in beiden Ländern etwas schief gelaufen zu sein. Somit können beide Kulturen wieder auf natürliche Weise zusammen wachsen und eine neue Kultur entwickeln.

    Was im Moment jedoch der Fall ist dass Menschen zur Flucht aus ihrem Land gezwungen werden. Somit ist im Kopf zumindest bereits ein Ungleichgewicht.

    Würde mich sehr über eine Meinung freuen.

    • Herr Breitenbach Reply

      Das hieße z.B. eine Kultur, die Krieg in anderen Ländern führt ist die bessere Kultur, weil sie den Krieg nicht bei sich zu Hause hat? Sehr schwierige Hypothese. Aber ich kann in etwa nachvollziehen in welche Richtung das geht. Allerdings sehe ich bereits das Problem im Begriff “die Kultur”. Das ist nämlich auch wieder eine sehr grobe Schubladisierung. Was wäre z.B. mit pazifistischen Atheisten im Kulturraum XYZ, der sich im Krieg befindet? Sind die dann nicht Teil der Kultur usw. Sehr schwierig.

  4. Zum Thema der Frage “wo kommst Du her” habe ich eine Beobachtunf. Hier im Lande ist die Frage immer darauf zielend, aus welchem Land man kommt und hat etwas ausgrenzendes an sich. Mit dieser Erfahrung sind meine Frau (Orientalin) und ich (Biodeutscher) in die USA geflogen, wo wir die ganze Zeit gefragt wurden, wo wir herkämen. Es dämmerte uns nach ein paar Tagen, dass es nicht darum ging, unseren ausländischen Status näher zu checken. Es ging mehr darum: kommt ihr aus Austin, New York oder ganz woanders her. Es ging also wirklich einfach um Interesse an Menschen, nicht um Ausgrenzung/Abgrenzung.

    • Herr Breitenbach Reply

      Ja. Es gibt solches und solches. Ich denke die Frage nach der Herkunft (Egal ob Stadt oder Land) ist immer eines der ersten Fragen, denn mit dieser Information kann man sehr schnell erste Einordnungen machen. Also Interesse haben muss ja nicht gleich mit einer bösen Absicht verknüpft sein.

  5. Die Folge hat mich diesmal ganz besonders geflasht. Danke! Bitte noch lange weiter so. Ein Wunsch wäre ja mal eine ganze Sendung über Foucault und eine über Luhmann.

  6. Zum Thema Geschlechterspektrum (um Minute 45):
    Weise ich nicht erst dadurch männlich/weiblich bestimmte Attribute zu, indem ich sage “Jemand ist eher weiblich / eher männlich”? Denn erst dadurch treffe ich ja eine Aussage, dass Geschlecht mehr ist, als die reine biologische Eigenschaft, Träger von Samen- respektive Eizellen zu sein.
    Wäre vor dem Gesichtspunkt der Gleichberechtigung der Geschlechter nicht vielmehr komplett Abstand zu nehmen von dem Spektrumsbegriff und an dessen Stelle die Erkenntniss zu setzen, dass Menschen eben vollkommen unabhängig von Ihrem Geschlecht Attribute aufweisen? Warum nicht der komplette Verzicht auf Geschlechterrollen, die über die körperliche Beschaffenheit eines Menschen hinausgehen?
    Damit es nicht falsch rüberkommt: Ich möchte nicht Menschen, die sich beispielsweise Ihrem Geschlecht nicht zugehörig fühlen ausgrenzen, aber doch auch ein transsexueller Mensch ist doch dann, nach der Geschlechtsangleichung, entweder Mann oder eben Frau. Übersehe ich etwas?

    Fachfremde Grüße aus der Jura-Bibliothek der Uni Würzburg!

    • Im Soziopod #025 nehmen sie das recht gut auseinander. Wenn ich das richtig zusammen gefasst bekomme geht es wie du sagste eine trennung zwischen der biologischen unterschiedlichkeit (die faktisch existiert und nicht wegdiskutiert werden soll) und der normativen beschreibung von verhaltensweisen nach geschlechlichen kategorien. Diese sind wie du sagst schwierig, aber für mich verstänlich dadurch dass wir kein besseres Wort haben. Es gibt erstmal dieses klischehaft mänliches und klischehaft weibliches verhalten, ganz beschreibend und ohne bewertung. Auch wenn ich dein Anligen verstehe – Ich wüsste keine gute alternative bezeichung für diese beiden extrempunkte. Sie spannen dieses Spektrum auf, in dem wir uns alle bewegen.

      So verstehe ich es jedenfalls. Hör dir gerne #025 dazu an, Herr Breitenbach und Herr Köbel nehmen das mal wieder viel besser auseinander als ich das jemals könnte.
      http://soziopod.de/2013/02/soziopod-025-geschlecht-und-gewalt-immer-noch-das-alte-spiel/

      Schönen gruss von einem noch viel fachfremderen Informatiker 🙂

  7. Ich würde gerne versuchen, eure Definition von Item präzisieren: Items finden sich in Fragebögen oder Beobachtungsbögen, mit denen u.a. Sozialwissenschaftler Variablen messen wollen. Wenn etwas sozialwissenschaftlich interessantes quantitativ gemessen werden soll, handelt es sich oft um Dinge, die nicht direkt gemessen werden können. Als passendes Beispiel könnte man den Integrationsgrad einer Person nehmen. Dieser lässt sich nicht direkt Messen (wenn Biologen etwa die Populationsgröße der Füchse im Wald messen wollen, zählen sie einfach alle Füchse im Wald, das geht mit dem Integrationsgrad nicht). Man muss also beobachtbare Anhaltspunkte finden, die auf die Variable hindeuten. Das nennt man Operationalisierung. Stark vereinfacht (!!) könnte man den Integrationsgrad messen in dem man für das Individuum erfasst, ob es zuhause deutsch spricht oder nicht. Dies wäre dann das Item mit dem auf die Variable Integrationsgrad geschlossen wird. Wie sinnvoll, präzise oder eindeutig die Operationalisierung einer Variable über ein bestimmtes oder mehre Items ist, kann starke Auswirkungen auf die Ergebnisse einer Studie haben. Dazu nochmal ein Beispiel: Operationalisiert man den Migrationshintergrund als “Eine Person ist selbst eingewandert: ja oder nein” oder “Eine Person hat Vorfahren in 4 Generation, die eingewandert sind: ja oder nein” wird ohne Zweifel einen starken Unterschied machen. Im ersten Fall werden viel weniger Personen als Person mit Migrationshintergrund gezählt als im zweiten. Die Operationalisierung und die Items sind also ein interessanter, weil für das Ergebnis ausschlaggebender Teil einer empirischen Untersuchung.

    Bezüglich neuer Folgen wäre ich, wie viele andere Kommentierende, für Michel Foucault, da ihr euch häufig auf ihn bezieht.

    viele Grüße und danke für eure anregenden Podcasts
    Roman

  8. Nils Köbel Reply

    Daher ist jede Operationalisierung mit einer Entscheidung verbunden, was man als wichtig für einen Untersuchungsbereich erachtet (z.B.deutsch sprechen zuhause) und was nicht. Jede quantitative Forschung muss dies reflektieren.

  9. Eine gewohnt gute Folge. Bin leider gestern erst zum Hören gekommen. Aber dennoch vielleicht ein kleiner Nachklapp zur Frage nach der Herkunft. Eure Ausführungen haben mich sofort an einen Text von Yasmin Hafedh, vorgetragen im Rahmen eines Poetry Slams, erinnert:
    https://youtu.be/9Zl3fNQmiCo
    Ihr Kontext ist ein wenig anders, aber sie trifft das Thema mMn sehr gut auf den Punkt.
    Hört mal rein, ich denke das wird euch gefallen. 🙂

  10. Hi Leute
    hier auch noch n Musiktipp…Kölner Rapperin Cheru http://www.cheru.de/
    Track 4 und 8 passen super zur Sendung und zum Thema zwischen zwei Kulturen stecken.

    Wenn Mannheim klappt wäre cool. Als Thema bin ich für Marx oder Rechtsradikalismus.

    Und Themen für zukünftige Sendungen…hoffe ja immer noch auf eine Folge zum Anarchismus und seinen Ideen, gern auch Syndikalismus. Leider wird das in Deutschland ganz oft kaum thematisiert.

    Juti, schönes Wochenende!
    LG Ivonne

  11. Hey ihr Beiden!

    Wenn man sich schon was wünschen kann, mache ich dann doch mal fleissig mit: Wie wäre es mit dem Thema der Rolle / des Wertes von Arbeit in der zukünftigen Gesellschaft – insbesondere in Hinsicht auf der steigenden Automatisierung / Robotisierung, das heisst der Wertgenerierung unabhängig von Humankapital. Das bedingungslose Grundeinkommen taucht dann als Schlafwort auf.
    Das ist auf jeden Fall etwas über das ich nachdenke und wo ich mich über eine gute soziologische Betrachtung freuen würde.

    Danke für eure hoch-qualitativen Analysen und viel Spass euch noch 🙂

  12. Vielen Dank für die tolle Sendung!

    Falls sich jemand die Voyager-Folge anschauen möchte, die Dr. Köbel anspricht: Sie heißt “Memory Alpha”.

  13. Ich möchte mein Argument für eine Folge über Michel Foucault konkretisieren. Eine solche Folge würde für sich alleine natürlich schon viel bringen, ohne Frage. Da ihr aber in so vielen Folgen auf Foucault verweist, würde jede einzelne dieser Folgen nochmal an Tiefe gewinnen. Es würde also nicht “nur” eine einzige weitere geistreiche Folge zum bestehenden Episodenrepertoire hinzukommen, sondern ein Großteil des bisherigen Gesamtwerks Soziopod würde dadurch aufgewertet werden. Knackig formuliert: Was viel zitiert wird, sollte auch erklärt werden.

    viele Grüße und wie immer Danke für eure Arbeit
    Roman

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