Soziopod Radio Edition #008: Live in Bremen – Arbeit, Arbeit

Alle 14 Tage sind wir Mittwochs um 21:05 Uhr auf Bremen Zwei im Radio zu hören.

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6 Comments

  1. Sehr geehrter Herr Köbel, sehr geehrter Herr Breitenbach,

    es gibt sehr viele Aspekte welche ich deutlich anders sehe, als Sie in Ihrer Diskussion ausgeführt haben. Allerdings bei aller Diskussion um Grundeinkommen, Arbeit und Gesellschaft geht es letztendlich um eine grundsätzliche Frage: Traue ich jedem Menschen zu selbstbestimmt leben zu können oder bin ich der Überzeugung, dass Menschen Vorgaben von außen benötigen um lebensfähig zu sein?

    Die Antwort auf die Frage macht sehr deutlich welches Menschenbild man selbst hat. Interessant bei der Antwort ist die Betrachtung von Ursache und Wirkung. Wenn Menschen nach dem Verlust einer Erwerbsarbeit in ein Loch fallen, liegt es an der Notwendigkeit einer Arbeit oder weil Menschen so lange in einem System gelebt haben in welchem ihnen die Selbstbestimmung in Jahrzehnten abgewöhnt wurden?

    Ich möchte an dieser Stelle noch mal mein Gesprächsangebot wiederholen sich einmal persönlich über das Grundeinkommen, Gesellschaft und Wirtschaft zu unterhalten. Ich denke, dass das Veränderungspotenzial des bedingungslosen Grundeinkommens sehr gering ist, weil es den Grad an Freiheit letztlich nicht vergrößert sondern die Fesseln noch enger macht und Abhängigkeit erhöht. Aus meiner Sicht geht es darum dem Menschen seine persönliche, individuelle Freiheit zurück zu geben. Der Begriff “Soziale Marktwirtschaft” ist inhaltsleer, ebenso wie die Anklage an den “freien Markt”, da es niemals freie Märkte gegeben hat. Wenn Sie immer so gerne das Thema Macht ansprechen, wäre es interessant sich mit der Geschichte des Geldes und der Entstehung von Märkten – wie sie von David Greaber dargestellt wird – auseinanderzusetzen, statt weiterhin eine von Adam Smith erfundene Entwicklungsgeschichte des Geldes weiterzutragen.

    Aus meiner Sicht ist die Synthese von Marx und Weber ganz einfach: Es ist sowohl als auch. Der Mensch wird von seinem Umfeld geprägt und beeinflusst und ebenso ist er in der Lage sein Umfeld zu gestalten und in Frage zu stellen. Macht ist nur dann ein Problem wenn man sie unwidersprochen hinnimmt und zulässt.

    Mit freundlichen Grüßen aus Würzburg
    Martin Finger

    • Jörg Sommer Reply

      Hallo,

      ich wäre auch an einer Diskussionsrunde interessiert. Es wäre schön, wenn es dazu kommt, denn ich finde in der Diskussion in Bremen ist die Bedeutung der Arbeit als gesellschaftsförderndes Ereignis zu kurz gekommen. Die Bedeutung der Arbeit war eher im Beschaffen des Unterhalts für das Individuum verankert, aber die Bedeutung für die Gesellschaft als integratives Ereignis kam mir leider zu kurz. Ich finde auch, dass es von dem Punkt aus auch viele, interessante Aspekte beim Blick auf eine Grundeinkommen oder ein »Recht auf Arbeit« gibt.

      Zur Sendung allgemein kann ich sagen, dass sie mir wieder sehr gut gefallen und viele Denkanstöße geliefert hat.

      Viele Grüße Jörg

  2. Prof. Dr. Köbel: “Philosophen sagen ja immer, der Mensch sei so ein Mängelwesen….”

    Ein Willkommen im Soziopod an Arnold Gehlen und seine Philosophische Anthropologie!

  3. Ich stelle mir die Frage, ob man wirklich jede Arbeit aufteilen kann. Sicherlich ist es leicht, das Straßenkehren unter mehreren Menschen aufzuteilen. Je spezialisierter die Fähigkeiten von jemandem sind, umso schwieriger kann er/sie ersetzt werden.

    Wie soll man das Bedürfnis ermitteln? Das hat ja in der DDR schon nicht geklappt.

    In Finnland wird das bedingungslose Grundeinkommen ausprobiert. Was ist daran schlimm, das mal auszuprobieren?

  4. Vielen Dank für die abermals gelungene (Live-)Sendung. Es kamen wieder vielfältige und interessante Aspekte im Vortrag und auch in der Diskussion auf. Beim Hören sind mir zwei Vorträge von Prof. Dr. Marianne Gronemeyer (sie lehrte jahrelang in Wiesbaden und ist ja vielleicht bereits bekannt) in den Sinn gekommen, die sich thematisch gut anschließen lassen.

    Zum einen hat mich ein Aspekt der angeführte Definition von Max Weber über die Arbeit aufmerksam werden lassen, nämlich die Bedürfnisse. Gerade dieser Aspekt und der von Frau Gronemeyer analysierte Zusammenhang von Macht und Bedürfnis ist das Kernstück ihres theoretischen Gebäudes. Das Thema Macht ist im Soziopod ja schon beinahe ein stetiger Beisitzer, was sehr zu begrüßen ist und im Kontext der Bedürfnisse wird dieser Zusammenhang noch einmal deutlicher ausgeleuchtet (das Bild mit den Scheinwerfern hattet ihr ja auch schon und ich finde diesen Scheinwerfer äußerst erhellend).

    Zum anderen wäre dann das Thema der Arbeit selbst. Hier fiel mir Marianne Gronemeyer ein, als es darum ging, Lebensmittelspekulanten zu verteufeln oder nicht. Sie hat sich in ihrer letzten Publikation weniger mit den Fragen nach Grundeinkommen, haben alle Arbeit, können alle Arbeit haben usw. beschäftigt, sondern vielmehr mit der Frage, was “gute” Arbeit ist, ob es eigentlich noch “gute” Arbeit gibt und wenn ja, wie diese beschaffen ist.

    1. Ein Vortrag zu ihrem Hauptwerk “Die Macht der Bedürfnisse”:

    https://www.youtube.com/watch?v=h3LJuOni7yE

    2. Ein Podcast zu ihrer letzten Publikation “Wer arbeitet, sündigt…”:

    http://vorarlberg.orf.at/radio/stories/2517865/

    Viel Vergnügen beim Hören.

    Beste Grüße und danke für euren Podcast,
    Andreas

  5. Hallo zusammen. Fragen, die für mich von Interesse wären und zum Thema gehören sind folgende: Was ist Faulheit? Was ist Fleiß? Was ist Denkarbeit? Gibt es Denkfaulheit? Was kostet eine Stunde Arbeitszeit? Wie sind Lohn Unterschiede gerechtfertigt? Warum ein Großverdiener für die Arbeit, die er sich selbst mit seine Stundensatz entlohnen würde einen anderen einstellt und nur ein Bruchteil bezahlt? Wer entscheidet was höher und was niedriger bezahlt wird? Es gibt so viele Fragen, die dazugehörigen, aber getrennt behandelt werden, doch möglicherweise zum selben Komplex gehören.

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