Themenwunsch: Der Blick über den Tellerand

  • Hallo ihr zwei (und natürlich auch alle anderen),

    in der Folge »Kapitalismus mit der Brille von Max Weber« wurde es immer mal wieder angesprochen: Wie sehr sind wir von Kultur, Religion geprägt?

    Ihr betont auch immer wieder, dass die Ausführungen europäische Modelle sind. Mich würde ja mal der Blick über den Tellerrand interessieren.

    Wie erklären sich andere Kulturen? Welche Denker sind dort prägent? Welche anderen Modelle leiten dort den Alltag? Ist das Denken in Modelle nicht auch eine europäische/westliche Idee?

    Ich finde so etwas immer sehr spannend. So lerne ich meistens auch mich besser kennen und stelle fest, dass meine Ordnungssysteme gar nicht so universell sind.

    Gerade in Zeiten von post-kolonialen Gesten, Migration und Globalisierung sollte Zusammenleben doch auch auf so einer Ebene diskutiert werden.


    Das Thema ist in der Form natürlich sehr, sehr groß, aber ich wollte es mal in den Raum schmeißen.


    Vielen Dank auf jeden Fall für eure super Arbeit! Auch das neue Format der Academics ist beeindruckend und hilfreich!


    PS: Als Buch-Empfehlung für einen spannenden Exkurs in das Denken Asien (China und Japan) kann ich Byung-Chul Hans »Shanzhai – Dekonstruktion auf Chinesisch« und Kenya Haras »Weiss« empfehlen. (Ich bin von Hause Designer, weshalb die Bücher etwas in die Richtung gehen)

  • Grundsätzlich muss hier global gedacht werden, auch wenn es nicht-westliche Denkmodelle gibt , so finden sie heutzutage in Referenz zum westlichen Denken statt. So wird in postkolonialen Ländern die dominante Theorie gelehrt, und entweder mit dem anderen Denken kombiniert, oder abgelehnt. Im konstruktivistischen Jargon, akkomodiert oder assimiliert 🙂 Dipesh Chakrabarty geht darauf in seinem Buch Provincializing Europe ein. Ein grundlegender Artikel dazu sind die Multiple Modernities von Eisenstadt. Er zeigt auf, dass das Projekt der Moderne nicht singular ist. Wenn es konkret darum geht, wie manchmal Dinge komplett anders gedacht werden, dann kann man die Muqaddimah von Ibn Khaldun lesen. Entgegen dem westlichen Modell einer linearen Geschichtsentwicklung geht Ibn Khaldun von einer zyklischen Entwicklung aus. So wurde von den osmanischen Intellektuellen dann der Untergang des osmanischen Reiches erklärt, und so kann auch das türkische Verständnis eines neoosmanischen Reiches erklärt werden. Ein anderes Beispiel ist direkt der Koran, in dem nicht das Licht der Flamme das Wissen darstellt, sie wird verstanden als blendend. Das Mondlicht ist leichter und erhellt allumfassend, die Flamme jedoch trügt mit ihrem stechenden Licht. Das ist anders als das jüdische-christliche Bild, wo der Mensch seine Flamme voraus tragen soll. Das kann man in Diskussionen über Berufsvorstellungen, aber auch wie geht man mit dem Zufall um sehen.Falls Interesse besteht oder in eine andere Richtung soll es gehen, dann kann ich noch viel mehr Literatur nennen.

  • Falls Interesse besteht oder in eine andere Richtung soll es gehen, dann kann ich noch viel mehr Literatur nennen.

    Sehr gerne. :thumbup:


    Dafür würde es sich vielleicht sogar lohnen einen neuen Diskussionsstrang zu öffnen, oder?
    Arbeitstitel "Literatursammlung nicht-westliche Philosophie" oder andere Betitelung?

    roman Würdest du denn ein neues Thema aufmachen oder sollen wir das übernehmen?

  • Bei einem "Blick über den Tellerrand" würde mich eine Folge über die Verbindung von Sozial-/Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften reizen. Es wird ja häufiger von den "zwei Kulturen" im akademischen Sinne gesprochen, die sich offenbar selten begegnen. Dabei wäre es höchst interessant zu erörtern, was möglich ist und wo man Veränderungen ins Curriculum bringen sollte.


    Auf die Idee kam ich, da gerade in einem skeptischen Podcast die mangelnde Kommunikation zwischen Gender Studies und Evolutionsbiologie angesprochen wurde.

  • Auf die Idee kam ich, da gerade in einem skeptischen Podcast die mangelnde Kommunikation zwischen Gender Studies und Evolutionsbiologie angesprochen wurde.

    Nils Magst du den Podcast vielleicht bei unseren Hör- und Lesetipps vorstellen? Hör- und Lesetipps


    roman   jns via Twitter habe ich folgende Empfehlung erhalten:

    https://historyofphilosophy.net/ Podcast über die Geschichte der Philosophie und zwar weltweit.

  • Bei einem "Blick über den Tellerrand" würde mich eine Folge über die Verbindung von Sozial-/Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften reizen. Es wird ja häufiger von den "zwei Kulturen" im akademischen Sinne gesprochen, die sich offenbar selten begegnen. Dabei wäre es höchst interessant zu erörtern, was möglich ist und wo man Veränderungen ins Curriculum bringen sollte.


    Auf die Idee kam ich, da gerade in einem skeptischen Podcast die mangelnde Kommunikation zwischen Gender Studies und Evolutionsbiologie angesprochen wurde.


    Ich glaube das die ANT und auch die Science und Technologiy Studies hier sehr anschlussfähig sind.