Soziologie und Klimawandel

  • Der Klimawandel wird die Herausforderung des 21. Jahrhunderts werden, mit massiven Folgen für Umwelt und Gesellschaft. Doch in den Sozialwissenschaften scheint das Thema bisher keine grosse Rolle zu spielen? (Beispielsweise: Die Sozialwissenschaften - ein ziemlich weißer Fleck der Klimaforschung.) Dabei gibt es doch enormen soziologischen Forschungs- und Diskussionsbedarf: Wie reagiert Gesellschaft auf Klimaflüchtlinge, auf Wassermangel, auf Hitze, auf den Verlust von Land durch steigende Meeresspiegel, auf das Massensterben, auf neue und unvorhergesehene Wetterlagen, usw.?


    Wie seht Ihr das? Habt ihr Literaturtips zu dem Thema? Welche Auswirkungen wird eures Erachtens nach der Klimawandel auf die Gesellschaft haben? Sind wir noch zu retten?

  • zu welchem Thema konkret? Zum Klimawandel gibt es ja massig Literatur. Entscheidend ist ja wohl, dass wir als Individuen und als Gesellschaft darauf reagieren müssen ob es uns gefällt oder nicht, früher oder später. Ich bezweifle jedoch, dass gesellschaftliche Problemsysteme durch individuelle Lösungssyteme beseitigt werden können. Was nicht heißt, dass der Einzelne sich nicht klimafreundlich verhalten sollte!


    Ich selbst habe unter anderem von Al Gore, "Eine unbequeme Wahrheit" und "Die Zukunft", von Jørgen Randers, "2052", von Franz-Josef Radermacher, "Global impact" und "Welt mit Zukunft" hierzu gelesen. Dies im Vorfeld zu meinem Studium der systemischen Literatur (siehe meine Signatur) die für mich immer noch die Basis darstellt wie unsere gesellschaftlichen Probleme angegangen werden können.

    mein Entwicklungspfad: über die Thematik Nachhaltigkeit erkennend, das ist richtig, jedoch nicht die Basis

    Donella H. Meadows Buch "Die Grenzen des Denkens" entdeckt und verstanden das ist die Basis :)

    intensive Literaturstudie "komplexe Systeme" über die Kybernetik kommend, G.Bateson, HvFoerster und viele andere aufgesogen

    Übertragen erster Erkenntnisse in die tägliche Praxis

    Literaturstudie heutiger Wissenschaftler wie Hartmut Rosa, Armin Nassehi, Wolfram Lutterer, Maria Pruckner

    Soziopod entdeckt ;)

  • Was mich wundert und was ich in diesem Forum gerne diskutieren möchte ist, dass es keine Bindestrich-Soziologie, also eine Soziologie des Klimawandels zu geben scheint, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Dabei sind die Folgen des Klimawandels auch gesellschaftlich katastrophal. Hier nur zwei Beispiele:

    • Der katastrophale Krieg in Syrien ist wohl auch durch den Klimawandel bedingt. (Kein monokausaler Zusammenhang aber eine der zahlreichen Ursachen.) Die daraus entstehende Flüchtlingswelle hat Europa destilliert und massiv zum Aufstieg des Populismus beigetragen und wohl auch zum Brexit.
    • In Kapstadt herrschte im letzten Jahr enormer Wassermangel, der dann zur Destabilisierung der öffentlichen Ordnung führte: Militär wurde eingesetzt um Infrastruktur zu schützen, Rassenvorurteile sind wieder aufgebrannt und Verschwörungstheorien wurden in Umlauf gesetzt.

    Mir scheint dass der Klimawandel eine Reihe von Krisen auslösen wird, die nach bestimmten Mustern ablaufen werden, die (soziologisch) vielleicht vorhersehbar sind, und auf die man sich gesellschaftlich vorbereiten kann. Es gibt ja bereits das Konzept der resilient city. Welche bestehenden soziologischen Theorien könnten eurer Meinung nach hilfreich sein, um die gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels abzuschätzen?


    Ich selbst habe unter anderem von Al Gore, "Eine unbequeme Wahrheit" und "Die Zukunft", von Jørgen Randers, "2052", von Franz-Josef Radermacher, "Global impact" und "Welt mit Zukunft" hierzu gelesen.

    Danke für die Leseliste, einige Titel kenne ich schon, die anderen werde ich mir gerne anschauen. Ich lese derzeit The Uninhabitable Earth. Life After Warming. Von David Wallace-Wells. Ein sehr guter und erschreckender Überblick zum derzeitigen Stand der Folgenabschätzung.