Diskussion: Soziopod Live & Analog #012: “Europa wählt!” in München

  • Hi find ich gut das ihr da mal mehr gestritten habt :)


    intressant der punkt ob man in einer demokratie eine verantwortung trägt sich intensiv mit themen auseinanderzusetzen, weil man ja "macht" erhält.

    das man sozusagen einen "wahl-führerschein" machen soll oder nur experten die politik gestalten.

    ich sehe das eher skeptisch den experten haben auch interessen die sich nicht unbedingt mit denen von nicht-experten decken.

    wer soll den dann bestimmen wer ein experte ist und ab wann man sich genug damit befasst hat.

    ich finde es auch ein wenig arrogant das hat sowas von "ich bin ja so schlau und habe es mir verdient" ..."ihr seid die dummen die nix wissen" evtl weil es mir nicht in den kram passt und ihr habt euch nicht damit befasst.

    Vielleicht ist der nächste demokratische schritt auch die wirtschaft zu demokratisieren im sinne eines BGE (?).

    Jemand der von existenzängsten geplagt wird hat kein sinn/keine zeit für bildung und demokratie.

    es geht doch darum die macht so minimal wie möglich zu halten indem man sie verteilt ?

    das gegenteil von diktatur wo nur einer alle macht hat, es geht schnell, einer haut auf den tisch. demokratie ist die ganze macht auf alle verteilt und es geht langsam weil jeder was anderes will.


    hierzu noch einer der für eine art experten-demokratie ist:


    was auch evtl zum thema passen könnte:



    grüße

  • Guten Morgen.


    Ich hatte ja nicht damit gerechnet, dass mich der Artikel 13 bis in den von mir geschätzten Soziopod verfolgen würde.


    Zwischendurch war die Rede von Mindestlohn und sozialer Ungerechtigkeit. Bei der EU-Urheberrechtsreform, zu der Artikel 13 gehört, geht es ebenfalls um ein soziales Thema.


    Wie kann man für Mindestlohn und Gerechtigkeit eintreten und gleichzeitig so unsolidarisch gegenüber Urhebern sein? Es ist keine Zensur, wenn die Benutzung fremden Eigentums in Zukunft Regeln folgt und nicht mehr im rechtsfreien Raum geschieht.


    Die Argumente sind alle hinreichend ausgetauscht und die möchte ich nicht wiederholen. Wie jede demokratische Regelung ist auch diese ein Kompromiss. Er ist nicht in Stein gemeißelt und wird auch in Zukunft immer wieder angepasst werden. Aber ich möchte feststellen, dass es im Kern nicht um einen Konflikt zwischen jung und alt geht, sondern zwischen unfair und fair.


    Die Rechte von Urhebern sind Teil der Menschenrechte. Ich habe von keinem der Aktivisten gegen Artikel 13 etwas zur sozialen Frage von Urhebern vernommen. Ich wiederhole mich – wie kann eine sich selbst als links begreifende Bewegung so unsolidarisch sein?

  • Liebe Soziopodler,
    Europa war bislang nicht sonderlich identitätsstiftend, weil das Projekt Europa, trotz der ursprünglichen Idee, als Friedesprojekt und Solidaritätsprojekt gedacht zu sein, sich doch am Ende eher als Wirtschaftsprojekt entwickelt hat. Dies haben die Bürger Europas mit Billigkonkurrenz, Sozialdumping und den Auswirkungen von Steuerflucht bezahlt.
    Die Auswirkungen dieser Identitätskrise sind bekannt: Kulturelle und politische Abschottung in Polen und Ungarn, serparatistische Bestrebungen in Spanien, Aufkündigung der Solidarität durch Großbritannien.
    Insofern geht die Verabschiedung des Artikel 13 in die richtige Richtung, nämlich den Schutz von Grundrechten der Urheber vor einem entgrenzten digitalen Kapitalismus. Wenn die Generation Internet dies so nicht möchte, muss sie ihren analogen Hintern in ein analoges Wahllokal bemühen. That's democracy.

  • Ich finde Europa sehr wichtig, nicht als Abschluss sondern als Schritt hin in die richtige Richtung, hin zu einer Verbindung aller Menschen, auf Augenhöhe. Gerade die Klimaproblematik zeigt doch eindeutig das die Menschheit nur gemeinsam zum Ziel gelangen kann. Zumindest jenen die nicht die Augen davor verschließen.


    Und noch ein Tipp von mir gegen Politikverdrossenheit: Geht selber in die Politik!

    Ich bin seit einem Jahr Mitglied in einer Partei und ich habe endlich das Gefühl etwas bewegen zu können, nicht viel aber immerhin. Zumindest habe ich mich diese Woche mit einer Landtagsabgeordneten getroffen und Ihr ein Anliegen vortragen können. Das tut gut.

    Demokratie geht nur wenn wir mitmachen.


    Und was man unbedingt im Hinterkopf behalten muss, Demokratie braucht Zeit für Abstimmungen, das bedeutet dicke Bretter bohren. Wer dazu keine Lust und Zeit hat spielt immer Autokraten in die Hand. Und wenn die Macht erst mal weg ist wird es Schwer sie wieder zu bekommen. Popper lässt grüßen.

  • Sehr spannend und anregend diese Diskussion! Meine Gedanken dazu sind Folgende: Ist die Frage nach einer europäischen Identität wirklich so wichtig? Wozu dient eine gut ausformulierte und gefestigte Definition der Identität zur Erreichung gemeinsamer Ziele? Hilft sowas den Menschen vor Ort?


    Meines Erachtens sollten die 27 Mitglieder der EU ihre gemeinsamen Ziele zu erst einmal richtig erkennen, dann gescheit abstimmen und die Erreichung dieser Ziele primär im Blick behalten! Das ist die Gegenwart, die für die Zukunft arbeitet!


    Ganz sachlich betrachtet gibt es da jetzt diese 27 Mitgliedstaaten, die sich EU nennen. Geeint durch übergeordnete Bedürfnisse nach Frieden, Wohlstand, Freiheit und wachsender Demokratie, die sich zur Aufgabe macht, aktuelle Probleme demokratisch zu lösen, für ein besseres Leben miteinander und vor allem auch füreinander.


    Sinnvoll wäre dann doch eine Identität, die sich einzig und allein aus ihrer funktionierenden Handlungsfähigkeit, ihren Aufgaben, Zielen und den in Verbindung stehenden Zwecken ableitet! Dann könnte so eine europäische Identität aus der Summe der gemeinsamen Ziele, im Großen und im Kleinen sich immer wieder neu im Minutentakt definieren! Wäre es so schlimm, wenn sie nicht vorlesbar wäre, sondern ganz aktuell nur das bedeutet, was sie tut und damit bewirkt?


    Das heißt, wenn wir nur zielorientiert auf die Arbeit des Europäischen Parlaments schauen, dann sind es gemeinsame Herausforderung, Ziele und die einhergehende Erfolge, die eine Identität der EU bestimmen. Für mich kann es daher nur eine sich im dauerhaften Prozess wandelnden Identität geben, die sich stetig weiterentwickeln darf und auch muss! Zweckdienlich und aktuell! Bestenfalls ausgerichtet für ein besseres Leben aller EU-Bürger und drüber hinaus.


    Also, wenn es unbedingt eine Definition geben muss, sollte das die Kernaussage sein! Alles andere ist noch abstrakter und bringt dem Tagesgeschäft auch nichts!

    Ich hoffe meine Ausführung ist halbwegs nachvollziehbar und verständlich?


    Vielen Dank fürs Lesen und bitte korrigiert mich, wenn ich Unsinn rede!

  • Lieber Patrick, lieber Niels,
    auf dem Nachhauseweg mit Euch aus München im Ohr hat es mich schier zerissen. Es ist für mich einfach nicht fassbar, wie egoistisch und subtil man aneinander vorbeireden kann. So geschehen auf Eurem sehr bewegenden Podcast zum Thema Europa. Es ist für mich geradezu magisch, wie es dazu kommen kann, dass derart viele Personen, Euch nicht verstehen, Dinge sagen, die nichts mit den diskutierten Themen zu tun haben und dann doch wieder. Ein schlimmes Kuddelmuddel der Egoismen. Es muss Euch fürchterlich ergangen sein, danach, und wahrscheinlich seid ihr genauso ratlos wie ich.
    Was ich bei fast allen Diskutanten vermisse ist ein Gestaltungswille, bei allem durchaus eloquenten Gerede. Vielleicht ist dies der Nucleus der Frustration, dass man nicht einmal in Ansätzen glaubt, etwas gestalten zu können.
    Am besten Gefallen hat mir – ja, es gab' auch Positives – Eurer: Demokratie ist eben gerade nicht, seine persönlichen Präferenzen erfüllt zu sehen sondern sich mit der andersmeinenden Mehrheit zu arrangieren und das was jener Herr um 1:10:00 sagte.
    Ich befürchte, Euer Podcast wird nichts hinsichtlich Europa beeinflußt haben. Er ist aber beredtes Zeugnis davon, wie komplex ein Meinungs- oder Europa-Bildungsprozess ist.

    Von Herzen wünsche ich Euch Life-Events und Podcasts, die Euch und die Zuhörer weiterbringen.


  • Ich befürchte, Euer Podcast wird nichts hinsichtlich Europa beeinflußt haben. Er ist aber beredtes Zeugnis davon, wie komplex ein Meinungs- oder Europa-Bildungsprozess ist.

    - im Gegenteil: Ich beantrage gerade mich und gleich auch meine bereits wahlberechitgten Töchter ins WählerInnenverzeichnis eintragen zu lassen als Auslandsdeutsche!


    Was ich bei fast allen Diskutanten vermisse ist ein Gestaltungswille, bei allem durchaus eloquenten Gerede.

    In der lebhaften Diskussion habe ich viel Gestaltungswille, nicht nur in der Einführung in das Thema, sondern auch in den Beiträgen gehört.Es ist anspruchsvoll, wenn (vereinzelt) polemisiert wird, eine Herausforderung an unsere Podcast-ler, die brillant gemeistert wurde!

    Am besten Gefallen hat mir – ja, es gab' auch Positives – Eurer: Demokratie ist eben gerade nicht, seine persönlichen Präferenzen erfüllt zu sehen sondern sich mit der andersmeinenden Mehrheit zu arrangieren

    Eben! Herr Breitenbach hat es gut am Ende zusammengefasst, dass es nämlich möglich ist, auf einem guten Niveau zu streiten und sich zu verständigen.

    Von Herzen wünsche ich Euch Life-Events und Podcasts, die Euch und die Zuhörer weiterbringen.


    Damit stellt der Podcast wieder einmal einen super Lernort für mich dar:)


    Weiter so und herzlichste Grüsse vom Bodensee!