Kritik: #16: Sigmund Freud

  • Lieber Soziopod,

    bei eurer Erklärung des Ödipus-Komplexes ist euch ein Fehler unterlaufen. Mit seiner Betrachtung des Ödipus-Mythos (nicht nur die Tragödien des Sophokles, auch Aischylos und andere haben sich damit engagiert) begründete Freud eine komplett eigene Schule der mythischen Interpretation. Er sieht Mythen nämlich als Träume einer ganzen Kultur, in der diese ihre unterbewussten Triebe ausleben; bei Ödipus also den Trieb seine Mutter zu heiraten und den Vater zu töten, der Zuschauer durchlebt diesen Plot 'auf der Bühne' und muss diesem Trieb eben nicht in der realen Welt nachgehen. Der Elektra-Komplex ist dann eben die Adaption auf das weibliche Geschlecht, da die Oresteia einen dem Ödipus-Mythos ähnlichen Stoff aufweist und dementsprechen auch gleich interpretiert werden kann. Die Interpretation von Herrn Breitenbach zu dem 'moralischen Anspruch' eines Mythos wird als funktionalistische Interpration bezeichnet (mit Malinowski als Hauptvertreter), Herr Köbels Meinung, dass Mythen die Moralischen Methoden einer Kultur repräsentieren als strukturalistisch (Strauss). Die freudianische Interpretation geht eben auf die Auslebung von Trieben auf der Bühne ein. Trotzdem wieder recht interessanter Soziopod (ist ja schon ein bisschen her) und mein Text bitte mehr als Anmerkung beziehungsweise Ergänzung denn als Kritik verstehen.

    Mit allerfreundlichsten Grüßen:)