• Mein Professor für Logik und Wissenschaftstheorie hat immer gesagt, dass es vernünftig ist, radikale Skeptiker unter Quarantäne zu setzen. Damit hat man sich das Problems natürlich noch nicht entledigt, aber immerhin kann man weiterdiskutieren, ohne permanent von skeptischen Einwänden daran gehindert zu werden.

  • Naja Skeptizismus ist ja im Idealzustand und im ursprünglichen Sinne eben nicht das Zweifeln um des Zweifelns Willen, sondern eher ein systematisches Hinterfragen von Hypo-Thesen und damit ein wichtiges Werkzeug zum Erkenntnisgewinn und eine Methodik, die eine Diskussion ja auch erst wirklich erkenntnisreich macht.

  • Naja Skeptizismus ist ja im Idealzustand und im ursprünglichen Sinne eben nicht das Zweifeln um des Zweifelns Willen, sondern eher ein systematisches Hinterfragen von Hypo-Thesen und damit ein wichtiges Werkzeug zum Erkenntnisgewinn und eine Methodik, die eine Diskussion ja auch erst wirklich erkenntnisreich macht.

    Ich meine hier vorallem Skeptizismus wie er in der Philosophie verstanden wird.

    "...Grundsätzliches zum Skeptizismus

    Skeptizismus bedeutet, dass man die Erkenntnis von letzten Wahrheiten prinzipiell für unmöglich hält. Dem Skeptizismus steht entgegen der Dogmatismus...

    " http://www.philolex.de/skeptizi.htm


    Also sowas ähnliches wie "radikaler konstruktivismus"


    Wenn man meint wissen und erkenntnis kann garnicht erst entstehen usw wie willst du dann überhaupt noch irgendwas machen? :)


    ps: mir leuchten skeptische argumente sehr ein, aber wenn man es dann konsequent denkt.... wieso schreibe ich dann hier noch? äääh


    noch ein lesenswerter artikel "Anything Goes" https://geschichtedergegenwart…etwas-andere-postmoderne/

  • Da empfehle ich die Gedanken von Heinz von Foerster, der zur genauen gegenteiligen Auffassung gelangt in Bezug auf den radikalen Konstruktivismus (RK). Eben weil wir nichts genau wissen (und selbst das wissen wir nicht) wächst unsere persönliche Verantwortung in all dem was wir tun. Und die Welt wird niemals alleine, sondern immer mit und durch andere konstruiert.

    Desweiteren sagt der RK nicht, dass Realität nicht existiert, sondern dass diese niemals erkannt, erfasst oder abgebildet werden kann. Ernst von Glasersfeld spricht bei diesem Zustand von Viabilität, also etwas ist solange viabel (gangbar) bis es verworfen wird.

    Das mit der Wahrheit ist so eine Sache. Da ist der RK wenig hilfreich, weil er zwar behauptet dass man die Lüge oder den Irrtum feststellen kann, aber das wiederum würde automatisch die Wahrheit durch die Hintertür mit einführen. Den RK ging es vor allem darum den Menschen klar zu machen, dass es postulierte Wahrheiten gab, die sich als falsch und fatal herausgestellt haben und großes Leid erzeugt haben, eben weil sie nie kritisch hinterfragt wurden. Und rein biologisch gesehen argumentiert der RK damit, dass wir die Welt nicht sehen wie sie ist, sondern dass unser Gehirn aus einem Chaos aus Reizen ein Bild und damit Ordnung schafft. Erst der Beobachter - durch das Beobachten - schafft damit Realität. Daher das berühmte Beispiel mit dem Baum und dem Geräusch, also macht ein umfallender Baum ein Geräusch, wenn niemand da ist, der es hören kann? Der Baum sendet Schallwellen aus, muss aber auf eine Reizverarbeitung stoßen (Ohren), die daraus ein bestimmtes Signal formen. Taube Menschen können den umfallenden Baum ggf. nur spüren, heißt das es gibt kein Geräusch? usw.

    PS: Skeptizismus wird nicht nur im Sinne des RK völlig unterschiedlich verstanden. Es gibt nicht DIE Definition und DAS Verständnis von Skeptizismus in der Philosophie ;-)

    PPS: Ich halte den RK für ein interessantes Denkwerkzeug und weniger für eine ultimative Welterklärungsformel und so haben es die VertreterInnen des RK vermutlich auch eher gemeint. Ein Werkzeug skeptisch zu bleiben und trotzdem Verantwortung für das Wahrhaftige zu übernehmen. Watzlawick und Co waren ja schließlich keine Nihilisten. ;-)

  • Grundsätzlich bin ich auch ein RK Fan, da es mir auch viel gebracht hat, ich möchte dennoch ein bisschen Zweifeln :) . Da es zum guten Ton gehört sollte man ja auch den RK hinterfragen :D den da gibts es auch schwierigkeiten...

    Ok wir „wissen nichts“ das führt zu mehr Verantwortung weil wir uns auf nichts berufen können woran wir die Verantwortung abgeben können. Also sind wir eben gezwungen Entscheidungen zu fällen, was normalerweise mit dem eingehen von Risiko zu tun hat. Das führt aber wiederum entweder zur Frage der „richtigen“ Entscheidung (also wieder Wahrheit die es hier nicht gibt), zur "besseren" Entscheidung (also messbar an Irgendetwas das es hier nicht gibt) oder eben ist jede Entscheidung gleich gut oder schlecht, da wir ja nichts Wissen können gibt es auch keine Kriterien und auch kein RIsiko das man eingeht, ausser das Scheitern an einer größeren "Gegenmacht". So wie ich den RK verstehe ist jeder Weg viable solange er halt funktioniert.


    Das Problem ist das man wenn man genug Resourcen, Macht und Ignoranz besitzt seinen "gangbaren Weg" durchboxen kann auf kosten von Anderen, und oftmals wird hier niemand zu Verantwortung gezogen. Es legitimiert eben das man alles machen kann solange es geht. Ich finde das vorallem auf Politischer/Sozialer Ebene problematisch. Man kann z.b. Ausbeutung betreiben solange sich keiner wehrt, und nicht jeder hat die Resourcen (in jeglicher materieller, psychologisch oder ideologischer hinsicht) sich zu wehren. Vage vermutung ....am Ende führt das zur Erhaltung des Status Quo.


    Sicher man könnte erwidern dann ist es an der Verantwortung "der Starken" das zu sehen, da aber alles legitim ist kann man es auch sein lassen, den hier käme ja wieder Ethik ins Spiel, und das ist ja die Frage nach dem Richtigen/Guten.


    Auch Faschismus ist ein gangbarer Weg oder warum nicht?


    lg




    PS: oh jetzt bin ich doch wider vom Thema abgekommen, das ist wohl keine Kritik am RK als Erkenntnistheorie als mehr eine Befürchtung der Folgen des RK.