#005 Luhmann kompakt

  • In dem Podcast ziehen Sie / zieht Luhmann (?) recht schnell den Schluss, dass, weil eine Schule, um zu funktionieren, dem System Kind adäquate Reize offerieren soll, diese "positiver" Natur sein müssen. Also dass das System Kind - das nur lernt, wenn es im Lernen einen systemrelevanten Vorteil erkennt - daraus folgernd nur Angebote mit Spaß, Freude etc. am Lernen erhalten solle.
    So schön der Gedanke ist, ist er möglicherweise etwas schnell geschossen. Funktionieren tut das System Schule ja auch, wenn das System Kind aus Angst vor Strafe lernt. Die Vermeidung von Strafe ist auch ein adäquater Anreiz für das System Kind (die Schwarze Pädagogik lässt grüßen).

    Ich habe mal in Berlin bei einem chinesischen Großmeister Kung Fu gelernt, der uns - Berlin! - nach der Methode des positiven Anreizes "erzogen" hat (zahlende mitteleuropäische Bildungsbürger sind halt eine andere Klientel, als von ihren Eltern ins Kung Fu verdammte Chinesen). Er selbst kannte beide Methoden, Kung Fu Schülern das Kung Fu beizubringen. Mit Drill und Strafe ebenso wie mit der "Spaß"-Methode.
    Er kam irgendwann zu dem Schluss, dass beide Systeme etwa gleich erfolgreich sind. Was sich aktuell auch damit deckt, dass das autoritäre Bestrafungs-System China mindestens genauso erfolgreich agiert, wie das eher liberale Anregungs-System Europa.

  • habe die neue folge jetzt noch nicht gehört aber was mir dazu einfällt....

    Es kommt wohl auch drauf an welche kriterien erfüllt sein sollen damit man sagen kann das es "funktioniert".

    wenn es nur darauf ankommt das jemand was gelernt hat das er wieder abrufen kann trifft das wohl zu. Aber was bringt es aber wenn jemand etwas kann (gelernt hat) aber keine motivation hat es weiterhin anzuwenden weil er damit "negative" erlebnisse verbindet?

    Vielleicht wäre der punkt auch wichtig um den erfolg zu definieren ? Vielleicht könnte man das "nachhaltigkeit" nennen.

  • Mit Bestrafung kann man vielleicht mechanische Dinge wie Kung Fu "beibringen", aber kann man damit auch Menschen unterstützen, sich mit ihrer Persönlichkeit voll zu entfalten, kritisch zu denken, empathisch zu erfassen und kreative, multiperspektivische Lösungen auf eine Vielzahl von Problemen zu entwickeln? Operante Konditionierung funktioniert, aber eben nicht für alles.

  • ja intressant etwas das freiraum und selbstentfaltung benötigt kann evtl nicht erzwungen werden.

    das bringt mich auf den gedanken...

    wenn du in der "kreativ-branche" arbeitest wirst du quasi bestraft dafür wenn du nicht kreativ bist.... zumindest schwebt die angst vor misserfolg und verlust des arbeitsplatzes doch über den meisten jobs. deshalb sind kreative berufe nicht kreativ. leute verkaufen sich als "kreativ" eine art habitus, wissen dann aber immer genau was zu tun ist. :P