Philosophy Jam: Was ist Freiheit?

  • Ich möchte einen Aspekt meines Freiheitsgedanken anbieten.

    Er lautet: Verhalten versus Agieren.


    Es ist doch so, das der Mensch in allen Kulturen ein Verhalten hat. Meint: Es tut das was gesellschaftlich erwünscht ist.

    Das Individuum (bei uns) isst mit Besteck, sagt "Gesundheit" nachdem jemand genießt hat und so weiter. Was ist aber wenn ich keinen Sinn in solch einem Verhalten sehe? (Es mag vielleicht sein, das irgendwann es Sinn machte jemanden "Gesundheit" zu wünschen weil geglaubt wurde das dies ein Anzeichen einer Erkrankung war.)

    Persönlich wäre es mir viel lieber ich könnte agieren. Meint: Das zu tun was meine Intuition ist.

    Zum Beispiel möchte ich die meisten unbekannten Menschen in meiner fröhlichen Art grüßen, nicht um die Rechnung in einem Cafe bitten (Da gibt es nichts zu bitten. Einer Bitte kann abgeschlagen werden. Ich sage dann: "Die Rechnung" oder "Ich möchte zahlen").

    Da ich mich als vernumftbegabten Menschen sehen möchte, sollte es mir möglich sein, ein Verhalten zu hinterleuchten und zu entscheiden ob dieses Sinn macht oder nicht.

    Nein; nicht jeder darf tun was er möchte! Stehlen, verletzen, zu schnell fahren usw. Der kategorische Imperativ sollte zwar als "Regel" genügen, doch ich meine der Satz „Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt“ passt hierzu ganz gut.


    Mein Wunsch an dich ist: "Sei du selbst und nicht ein anderer. :love:"

  • Hallo zusammen,

    hi Folks,



    "Freedom just another word for nothin´ left to loose, nothin´ ain´t worth nothin´but it´s free" ;)


    ... so lautet ja eine bekannte Textzeile aus dem Song von Kris Kristofferson und der berühmten Version von Janis Joplin, nach wie vor ein guter Song für meinen Geschmack, aber so einfach ist es wahrscheinlich nicht mit der Freiheit ...


    tia, was ist Freiheit? sicherlich ein "weites Feld" würde ich sagen und ich bringe einfach mal mit ein paar anfänglichen Gedanken die aber jetzt ziemlich wild und ungeordnet daherkommen vielleicht im Sinne einer anfänglichen Stoffsammlung ...


    Ich denke wirkliche Freiheit ist was sehr wertvolles


    Für die Freiheit sind ja zu allen Zeiten sehr viele Leute gestorben, haben Ihr Leben gegeben oder es aufs Spiel gesetzt ...


    Andererseits kann die Freiheit auch gern benutzt oder missbraucht werden um Massen zu bewegen und zu instrumentalisieren, da denke ich vielleicht an Kriege usw.


    Es gibt glaub en Buch von Erich Fromm, mit dem Titel "Die Angst vor der Freiheit", hatte ich mal gelesen, ist schon lange her aber somit ist die Freiheit anscheinend auch was gefährliches für manche, gar nicht von allen gewünscht oder tunlichst vermieden ...


    Von Sartre kann ich mich ebenfalls vage erinnern dass er den Menschen geradezu "Zur Freiheit verdammt" ansah, sein Leben zu gestalten, voll verantwortlich für sich zu sein usw., heutzutage glaub auch nicht mehr so populär ...


    In Quentin Tarantinos Film "Django Unchained" gibt es eine Scene die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, ein paar Sklaven werden befreit aus so einem Gitterverschlag, aber als die Tür offen ist wollen Sie irgendwie nicht raus, sie kennen die Freiheit nicht, es ist für sie so ungewohnt und fremd ... krasse Scene ... sie schliessen die Tür wieder, von INNEN ...


    Vielleicht gibts auch eine äussere und eine innere Freiheit, also könnte äusserlich alle Freiheit bestehen, Reichtum oder materielle Unabhängigkeit und frei zu tun und lassen was jemand gern möchte im gesetzlichen Rahmen usw. und doch von innerne Zwängen, Fesselungen, Verstrickungen oder sonstwas in Zaum gehalten ..., kann man da von Freiheit sprechen?


    oder genau anderstherum, z.B. eingesperrt im Gefängniss oder in schwierigen unfreien Verhältnissen aber trotzdem mit sich und der Welt im reinen und innerlich völlig frei, solls glaub auch geben ... (warscheinlich eher selten) ...


    oder die Freiheit in unserer modernen Gesellschaft oder postmodernen Gesellschaft, in denen wir als Konsumenten, Verbraucher, bestenfalls als Wähler hingetrimmt werden und dann die Freiheit zwischen dem oder dem Produkt besteht oder liegt da die Freiheit sich gerade in der Enthaltung von manchem ...


    in Corona Zeiten gewinnt der Freiheitsaspekt auch wieder eine eigene Dynamik ... gegen "gefühlte Unfreiheit" macht sich anscheinend nach wie vor Wiederstand bemerkbar und breit, wie es aussieht ...


    Also das war jetzt einfach mal spontan ein paar Gedanken dazu geäusssert, sehr ungeordnet, ich gebe es zu ... aber es ist definitiv ein spannendes Thema mit vielen, vielen Aspekten, klingt sehr spannend sich dem Thema "Was ist Freiheit?" von vielen Seiten und Aspekten zu nähern und vielleicht auch etwas Licht rein zu bringen ...


    Sonntägliche Grüße

    Tom N.

  • Jede Befreiung von etwas legt einem zugleich neue Fesseln an.


    In Quentin Tarantinos Film "Django Unchained" gibt es eine Scene die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, ein paar Sklaven werden befreit aus so einem Gitterverschlag, aber als die Tür offen ist wollen Sie irgendwie nicht raus, sie kennen die Freiheit nicht, es ist für sie so ungewohnt und fremd ... krasse Scene ... sie schliessen die Tür wieder, von INNEN ...

    Dieser Gedanke ist uralt und geht mindestens schon auf das Alte Testament zurück. Viele der Israeliten sehnten sich nach dem Komfort Ägyptens zurück, weil sie die Verantwortung für das eigene Leben nie gelernt hatten. Aber eine noch eindrücklichere Stelle gibt es im Buch Jeremia 34,8 ff. Dort geht es darum, dass gewissen Herren ihre Sklaven zwar wie vom Gesetz gefordert, ihre Sklaven freigaben, aber da sie diese mit nichts entließen, waren diese gezwungen, wieder zu ihren Herren zurückzukehren. Das ist quasi die Art von Freiheit im Kapitalismus.


    Wir sind einerseits gefangen in unserem Körper, aber der Körper nimmt uns gleichzeitig auch Arbeit wie atmen, verdauen und den Herzschlag ab. Undenkbar, wenn wir diese Dinge bewusst regeln müssten. Jede Begrenzung bietet immer Freiheiten im gewissen Rahmen. Absolute Freiheiten sind für Individuen nicht möglich.


    Und dann gibt es natürlich noch die Art von Freiheit nach Müntefering : "Freiheit ist, wenn man tun kann, was man soll" :-D

  • Aber eine noch eindrücklichere Stelle gibt es im Buch Jeremia 34,8 ff.

    Hab dafür auch mal wieder einen Blick in die Bibel geworfen 🙂


    Jede Befreiung von etwas legt einem zugleich neue Fesseln an.

    Hm, das würde ich bisher nicht als völlig gesichert auffassen ... Wenn dann ist das ja eher die Frage, also ich meine gibt's Freiheit oder auch Befreiungen welche wirklich frei machen oder wirklich befreien, ohne neue Fesseln anzulegen ...


    ein Beispiel:

    mal ganz sprich-wörtlich und physisch aufgefasst, ich bin gefesselt, mit einem Strick oder Handschellen zum Beispiel, werde ich davon befreit, also Strick oder Handschellen werden gelöst dann ist diese Befreiung doch erst mal keine neue Fesselung, oder? Außer dass ich vielleicht mit der neu gewonnen Freiheit umgehen muss ... aber ein bisschen mehr Freiheit hätte ich dadurch schon im Leben, zumindest schon mehr Bewegungsfreiheit ...


    ok, in dem Beispiel war die Fessel jetzt klar umrissen und deshalb vielleicht dann auch leichter zu lösen, die richtigen Fesseln könnten vielleicht versteckter, unterschwelliger, subtiler, geheimer bis verheimlichter, familiengeschichlicher, befremdlicher, gesellschaftlicher, gewohnheitsmäßiger, sozusagen auch höchst "normaler" angelegt sein ... usw.,usf. ...


    Äh, was will ich jetzt damit sagen?


    Vielleicht das ein Weg zur Frage "Was ist Freiheit?" auch darüber gehen könnte festzustellen was Unfreiheit ist oder worin viel Unfreiheit besteht bzw. was die Fesseln sind, die zu lösen schon eine lösende Befreiung bewirken könnte, sozusagen den aus sich selbst lohnenden Geschmack von Freiheit kosten lässt ... 🤔


    Oh, ist schon spät, wenn das Geschriebene etwas wirr ist, dann ist dies natürlich schon dem nächtlichen Schlafenszeitbewusstsein geschuldet 😬💤


    Ja dann, freie Träume wünsch ich ...

  • Die Beispiele von sich der Freiheit enthaltenden Menschen ist einfach die erlernte Hilflosigkeit (Erlernte Hilflosigkeit ist die aufgrund negativer Erfahrung entwickelte Überzeugung, die Fähigkeit zur Veränderung der eigenen Lebenssituation verloren zu haben).


    Freiheit ist für mich, wie schon in meinem ersten Post geschrieben, in meinem Leben das tun zu können das meinem Wesen (Person) entspricht.

    Und ja, Tom. Die unsichtbaren, gesellschaftlichen Fesseln sind die schlimmsten. Aus Angst ausgeschlossen zu werden, verhalten sich Indiviuen lieber als vernünftig zu agieren (Zivilcourage). Was würde wohl aus dieser Gesellschaft werden, wenn ich als glücklicher Mensch die Emotionen bekomme die mir zustehen, weil ich so agiere wie es mir gute Gefühle macht und nicht mehr mir Ersatzbefriedigungen dafür erkaufen muß!


    Träume sind da um verwirklicht zu werden!

  • Vielleicht das ein Weg zur Frage "Was ist Freiheit?" auch darüber gehen könnte festzustellen was Unfreiheit ist oder worin viel Unfreiheit besteht bzw. was die Fesseln sind, die zu lösen schon eine lösende Befreiung bewirken könnte, sozusagen den aus sich selbst lohnenden Geschmack von Freiheit kosten lässt ...

    Ich verstehe schon. Freiheit ist immer das, womit ich lernen kann umzugehen. Was ich gewohnt bin. Die gemeinsamen Gewohnheiten zeichnen eine Kultur aus und werden in diesem Kontext dann als Brauch oder Sitte bezeichnet. Das ist Konditionierung, Programmierung und das möglichst unreflektiert. Solche Kulturen kann man nicht künstlich durch Verordnung von Nationalstaaten herstellen. Diese sind immer auf ein enges Umfeld begrenzt. Darüber hinaus gibt es schon Abweichungen.


    Wir müssen viele unserer Freiheiten reflektieren und in Frage stellen, denn sie sind auch auf Unfreiheiten anderer begründet, auch und wenn sich diese Anderen bereits daran gewöhnt und sie zu ihrer Identität gemacht haben mögen.

  • Eine Anregung zum Thema hörte ich in einem Beitrag vom Deutschlandfunk Kultur zum Thema Intelligenz ab Minute 17:22


    https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=478859


    Hier geht es um die Entwicklung von Intelligenz im Zusammenhang mit dem Klima. Der kalte Norden hat quasi eine Einschränkung, die den Bewohnern ein "Management des Mangels" abfordert und dadurch zur Ausprägung von Fähigkeiten führt, welche dann wiederum auf scheinbar höhere Intelligenz gegenüber südlichen Bewohnern schließen lässt.


    Tatsache scheint also zu sein, dass Einschränkungen und Mangel, also Unfreiheiten, gewisse Fähigkeiten erst ausprägen und fördern, wohingegen bei zu viel Freiheit und Verfügbarkeit Potenziale verkümmern. Das finde ich gleichzeitig faszinierend, aber auch ein wenig deprimierend.

  • Ich glaube inzwischen, dass es sehr schwer ist Freiheit zu definieren, vor allem in einer Gesellschaft in welcher die Überzeugung weit verbreitet ist, man selbst wäre bereits frei. Wir leben dann mit den Widerspruch, dass wir in einer freien Gesellschaft leben würden und schleppen uns Tag für Tag durch einen Alltag der uns die Luft zum Atmen nimmt.


    Ich denke um sich dem Begriff anzunähern würde es zunächst einmal helfen sich anzusehen, wann wir uns frei fühlen. Ich denke hier wird schnell spürbar, dass es im 1. Schritt zunächst einmal nur darum geht, von allen Forderungen und Verpflichtungen frei zu sein. Zumindest denjenigen zu denen wir uns nicht selbst verpflichtet haben, sondern verpflichtet wurden oder den Verpflichtungen welche uns über die Zeit zur Last geworden sind und wir diese Last nicht geschafft haben abzulegen.


    Besonders gut gefällt mir ein Text zur Freiheit aus "Der Prophet" von Khalil Gibran. Hier der Teil zur Freiheit aus der Hörbuchfassung von "Der Prophet".