• Ich brauche eure Hilfe.

    Es geht mir um meine These, das wenn einem Individuum sich seiner Würde bewusst ist, meiner Meinung nach die Basis eines würdevollen Lebens sein sollte.

    Doch es ist mir nicht möglich eine Deffinition für das Wort "Würde" zu finden.

    Leiht mir eure Gadanken dazu, damit ich in Zukunft eine Umschreibung für diesen Wert haben um ihn in meine Welt zu tragen.

  • Hallo Stefan,


    ich kann dir eine Art Definition anbieten, diese ist allerdings schon etwas älter ... weiss jetzt nicht ob dir die hilft, aber dient vielleicht als Anregung ...


    Sie stammt aus dem kleinen Werk "Über die Würde des Menschen" von Pico della Mirandola, dieser Text zählt zu den berühmtesten Texten der Renaissance (wenn man dem Umschlagstext auf dem Reclam glauben darf) zählt und geht "der Frage nach dem Wesen des Menschen, seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten, seiner Stellung und Aufgabe in der Welt und eben seiner Würde und Willensfreiheit" nach ...


    In der Zeit hat sich ja das Menschenbild etwas gewandelt, vorher hauptsächlich Geschöpf Gottes, dann in der Renaissance wurde ein neues Menschenbild geschaffen, Mensch quasi selber Schöpfer ...


    Die Definition von menschlicher Würde lautet dort so:


    "Keinen bestimmten Platz habe ich dir zugewiesen, auch keine bestimmte äußere Erscheinung und auch nicht irgendeine besondere Gabe habe ich dir verliehen, Adam, damit du den Platz, das Aussehen und alle die Gaben, die du dir selber wünscht, nach deinem eigenen Willen und Entschluß erhalten und besitzen kannst. Die fest umrissene Natur der übrigen Geschöpfe entfaltet sich nur innerhalb der von mir vorgeschriebenen Gesetze. Du wirst von allen Einschränkungen frei nach deinem eigenen freien Willen, dem ich dich überlassen habe, dir selbst deine Natur bestimmen. In die Mitte der Welt habe ich dich gestellt, damit du von da aus bequemer alles ringsrum betrachten kannst, was es auf der Welt gibt. Weder als einen Himmlischen noch als einen Irdischen habe ich dich geschaffen und weder sterblich noch unsterblich dich gemacht, damit du wie ein Former und Bildner deiner selbst nach eigenem Belieben und aus eigener Macht zu der Gestalt dich ausbilden kannst, die du bevorzugst. Du kannst nach unten hin ins Tierische entarten, du kannst aus eigenem Willern wiedergeboren werden nach oben in das Göttliche."


    Mir gefällt diese Umwandlung der Sichtweise ganz gut, dieser Sichtweise liegt schon eine gewisse Würde innen, würd ich sagen, der Mensch als Künstler seines eigens Lebens verstanden (Former und Bildner), das eigen Leben ist dann das Kunstwerk ... daran haben ja glaub auch andere Philosophen dann weiter geführt ...


    aber wie gesagt nur so als Anregung für deine Frage ...


    Greetz

  • Das Konzept der dignitatis humanae basiert ursprünglich auf der biblischen Gottesvorstellung. Das ist auch deswegen im säkularen Rahmen noch wichtig, weil sowohl Gott als auch die von ihm geschaffene Welt, in die er den Menschen gesetzt hat, als Bezugsrahmen zur menschlichen dignitatis stehen. "untheologische" Erklärungen zur Würde des Menschen neigen dazu, tautologisch zu werden. Also, die Würde des Menschen ist nicht aus sich selbst heraus erklärbar.


    Das lateinische dignitatis bedeutet neben dem ziemlich aufgeblasenen Begriff Würde auch weiterhin noch Amt, Rang, Stellung. Im Griechischen übrigens axiom Es geht hier also um eine Position und einem Bezugsraum in der Weltordnung. Man kann den Begriff auch ganz trocken mit Wert übersetzen. Aber so trocken ist der Begriff Wert nicht. Es gibt ja keinen Wert ansich, ohne denkende Geister, die sich gegenseitig einen Wert beimessen. Diese bewertenden Geister sind ebenfalls irgendwo in der Weltordnung positioniert und von ihrer Position ist ihre Bewertung abhängig. Nun muss man aber etwas ins Spiel bringen, dass außerhalb dieser Weltordnung steht, dass diese Weltordnung begründet. Man kann es nennen wie man will. Den Souverän oder Gott beispielsweise.


    Im Grundgesetz geht es nicht darum, dass sich jeder Mensch seiner Würde selber bewusst wird, sondern dass die staatliche Gewalt die Würde des Menschen zu achten und zu schützen hat. Es wird hier dem Menschen eine Position innerhalb des Konzeptes zugewiesen. In Kommentaren zum Art. 1 GG liest man beispielsweise davon, dass der Schutz der Würde so aussehen muss, dass kein Mensch zum Objekt von Interessen gemacht werden darf. Ob das allerdings tatsächlich richtig umgesetzt wird, ist fraglich, wenn die Polizei von Bürgern mehr zu respektieren ist, als die Polizei ihre Bürger respektiert oder wie es vor einigen Monaten in der Debatte über zu lange Arbeitszeiten im Bundestag hieß, dass man im Plenarsaal nichts trinken dürfe, weil das gegen die "Würde des Hauses" sei.

  • Habt Dank für eure Mühen mir in dieser Frage bei zu stehen.


    Tom Novembre: Ich meine immer wieder, das "alles" was wir für ein gutes Leben brauchen schon ergründet wurde. Zum Beispiel Aristoteles höchstes Ziel des Menschen: die Glücksehligkeit. Darum ist es nur recht, solche schon vor Jahrhunterten gut druchdachten Ideen noch in unserer Zeit als wahr an zu erkennen. Denke einmal daran was mit dieser Welt passieren würde, wenn viele Menschen sich dieser Würde bewusst würden und diese, zu Recht, einfordern ? Eine bessere!, schöne neue Welt könnte entstehen. Ich werde mir den Text kopieren und so manchen zukommen lassen.

    Vielleicht sieht das Herr Köbel auch so wie ich, das die jetzige Gesellschaft deswegen so ist, weil die Individuen so kumunizieren wie sie es jetzt tun. Die Gesellschaft wird sich dementsprechen ändern wenn Individuen anfangen, im Sinne der Bewusstheit ihrer Würde zu komunizieren.


    Tetagmenon: Das mit dem dignitatis habe ich in einem Wikipedia Artikel gelesen. Doch Ehre und Ansehen kann sich ein Mensch erwerben. Die Würde steht einem Lebewesen zu (Ja. Ich möchte im nächsten Schritt dies allen Lebewesen zu gestehen) ohne das es etwas tun braucht. Darum brauche ich deine Hilfe. Ich habe deswegen mit diesen Begriff angefangen weil der Wiener Psychologe Raphael Bonelli meinte, das einem Lebewesen kein Wert zugesprochen werden kann sondern eine Würde hat

    Das mit dem Gesetz ist soweit schon gut so. Doch es greift für die persönliche Entwicklung zu kurz. Es ist vollkommen richtig das von einer übergeortneten Institution in jeden Fall und immer diese Würde zu achten ist. Unwürdige Beispiele sind Guantanamo Bay, Zwergenwerfen und vielleicht Prostitution. Genau wie du von der Objektivierung geschrieben hast.

    Was mich schmunzeln ließ war "die Würde des Hauses". Wer lässt sich so einen Blödsinn einfallen? Das nächste Mal darf man deswegen nicht mehr auf die Toilette gehen.


    Für mich hat solch eine Debatte eine geniale Sache. Sobald wir über den Begriff der Würde besser bescheid wissen, fühle ich mich verpflichtet diesen ein zu fordern und allen anderen zuzugestehen!

  • Doch Ehre und Ansehen kann sich ein Mensch erwerben.

    Das ist richtig. Das hat was mit den persönlichen Beziehungen der Menschen zueinander zutun. Das kann man kritisch sehe wie man will, abschaffen wird man es wohl kaum können. Ich denke das hat was mit Setzung von Prioritäten innerhalb eines begrenzten Wahrnehmungshorizontes zu tun.


    Ich habe deswegen mit diesen Begriff angefangen weil der Wiener Psychologe Raphael Bonelli meinte, das einem Lebewesen kein Wert zugesprochen werden kann sondern eine Würde hat

    Ich glaub, ich kenn den Kontext der Aussage sogar, bin aber grad nicht ganz sicher, ob ich da nicht was verwechsel.


    Mich hat diese Aussage jedenfalls gewundert, aber vermutlich hat er beim Begriff einige Prämissen gesetzt, die es beim Wort Wert so nicht gibt, weil er z.T. auch negativ konnotiert ist. Er geht wahrscheinlich davon aus, dass eine unantastbare Würde den Wert des Menschen so hoch ansetzt, dass er über allem steht. Der Mensch wäre hier also preislich unauslösbar, was dann natürlich dem Prinzip eines Preises, also eines Wertes widerspricht. Der Preis definiert die Käuflichkeit und Verfügbarkeit einer Sache. Etwas, was nicht käuflich ist, hat keinen Preis, aber deswegen ist es nicht wertlos. Im Gegenteil. Aber so nah liegen Null und Unendlich beisammen ;)


    Das mit dem Gesetz ist soweit schon gut so. Doch es greift für die persönliche Entwicklung zu kurz.

    Das Grundgesetz ist auch kein Spielraum für eine philosophische Debatte, sondern legt die Rechtsnorm fest. In diesem Fall die Stellung der Staatlichen Gewalt zum Menschen. Für die Staatliche Gewalt hat die Würde des Menschen als höchstes Gut zu gelten, Punkt aus ! Es muss hier nicht irgendwie erst bewiesen werden ob, oder dass dies so ist. Der Text ist eher als Bekenntnis zur Beziehung zu verstehen, nicht als Ergebnis einer Forschung.


    Was mich schmunzeln ließ war "die Würde des Hauses". Wer lässt sich so einen Blödsinn einfallen?

    Wahrscheinlich ist die Bundesregierung daran immer mit beteiligt gewesen und davon war die Linke nie Teil bisher. Die Kritik wurde damals von Anke Domscheit-Berg los getretten. Aber wie das halt so üblich ist, nimmt sich die hiesige Regierung von der Opposition überhaupt nichts an. Das ist es dann, was Merkel als Demokratie lobt. Debatten ja, aber nur solang die Union das letzte Wort behält.


    Für mich hat solch eine Debatte eine geniale Sache. Sobald wir über den Begriff der Würde besser bescheid wissen, fühle ich mich verpflichtet diesen ein zu fordern und allen anderen zuzugestehen!

    Da wir hier (noch) eine geltende Rechtsnorm haben, kann man das auch einfordern. Gewisse Interessen versuchen aber dies zu unterlaufen, zu verdrehen, für sich zu reklamieren etc. Ich meine damit keinesfalls die AFD, sondern die jenigen, die bisher immer schon in unserem Lande BRD die Vorherrschaft hatten. Die AFD wird da keinesfalls besser sein, aber die war halt einfach noch nicht an der Regierung.


    Jeder kann seine persönliche Stellungnahme zur Würde des Menschen, zur Würde aller Lebewesen abgeben und dementsprechend handeln. Von irgendwem einfordern kann man das aber nicht, nur von der Staatlichen Gewalt. Nur was die amtierende Regierung da für ein Rechtsverständnis hat, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Zu nennen wäre da die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zum Thema Sanktionen in Hartz 4. Da wurde teil CDU-typisch konservativ, in meinen Augen konform mit der weberschen Idee des protestantischen Arbeitsethos argumentiert.

  • Du scheinst dich viel mit der Politik auseinander zu setzen. Das finde ich Spitze. In einem Team braucht es Menschen die ein Thema verfolgen weil es ihnen persönlich wichtig ist. Den Beitrag habe ich mir mit Freude angesehen. Genau diesen Ansatz meine ich. Auch deinen letzte Beitrag kann ich nur zustimmen.


    Als Philosoph sage ich immer gerne: "Es geht mir nicht darum wie etwas ist, sondern wie es besser wäre!" Darum versuche ich die "Gesellschaft" zu ändern, die wiederum die Politik ändern sollte. Für mich geht die Veränderung vom Menschen aus. Und am einfachsten ist es, je mehr Menschen diese überdachten Einstellungen zu den Bürgern tragen.

  • Wenn es um Wertschätzung geht, kann ich auch die Arbeiten von Axel Honneth zum Thema Anerkennung empfehlen. In seinem Buch zur Ideengeschichte der Anerkennung komme ich aber zu dem Schluss, dass in der längeren Vergangenheit überhaupt nicht Wertschätzung mit Anerkennung gemeint war, sondern viel mehr sowas wie eine Zumutung von Verantwortung. Interessanterweise scheint genau dieses Konzept auch dem Verständnis von Würde zu entsprechen, dass die deutsche konservative Politik hat, die ich oben ansprach. Nach Axel Honneth wäre hier das Problem, dass diese Art von Würde keinerlei Wertschätzung der existierenden Personen inne hat, sondern von Prämissen ausgeht, die es praktischerweise nicht gibt und somit sämtlichen Menschen eine Idealisierung überstülpt. Beispielsweise wird bei Teilnehmern am Freien Markt Augenhöhe vorausgesetzt, die in Form ökonomischer Autonomie, Souveränität und Potenz vorliegen muss, die vielleicht in der gehobenen Schicht der Theoretiker gegeben sein mag, nicht aber bei der breiten Schicht der proletarischen Bevölkerung, die einem etablierten Freien Markt auf diese Weise nur zum Opfer fallen können.

  • Ich denke der Grund warum es so schwer ist eine Definition für den Begriff Würde zu finden ist, weil sein Inhalt hochgradig subjektiv ist. Ich möchte hierzu zwei Quellen anführen. Einmal die Bedeutungen welche der Duden hierfür bereit hält und einmal das Grundgesetz. Für mich sind beide ein passender Ausgangspunkt zu meiner philosophischen Perspektive auf die Würde.


    1. a) Achtung gebietender Wert, der einem Menschen innewohnt, und die ihm deswegen zukommende Bedeutung

    1. b) Bewusstsein des eigenen Wertes [und dadurch bestimmte Haltung]

    1. c) hohe Achtung gebietende Erhabenheit einer Sache, besonders einer Institution


    2. mit Titel, bestimmten Ehren, hohem Ansehen verbundenes Amt, verbundener Rang, verbundene Stellung

    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
    (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
    (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.


    Aus meiner Sicht ist Würde etwas, was leider falsch verstanden wird, wenn diese im Außen gesucht wird. In meiner Vorstellung kann Würde einem Menschen nicht gegeben und auch nicht genommen werden. Natürlich kann ich versuchen, dass ein Menschen sich würdelos fühlt, indem ich ihn Handlungen aussetze welche er als "unter seiner Würde" betrachtet. Die Erschütterung der eigenen Würde gelingt mir letztlich nur, wenn ich mit meinen Handlungen auch das Selbstverständnis des Menschen in der Lage bin zu erschüttern und in eine Position gelange in welcher mein Gegenüber zur Überzeugung gelangt, ich hätte die Macht ihm seine Würde zu nehmen. Hätte mein Gegenüber die Überzeugung, ja die Gewissheit, dass ihm die ihm innewohnende Würde nicht genommen werden kann, wäre es mir unmöglich so etwas zu tun.


    In der Hinsicht halte ich es für Problematisch eine Vorstellung von Würde zu unterstützen, welche sich von den Handlungen anderer abhängig macht. Entsprechend lese ich den 1. Satz im 1. Absatz des 1. Artikels des Grundgesetzes nicht als Handlungsanweisung sondern als Feststellung einer Tatsache. Daher sagt der 2. Satz auch nicht, die staatliche Gewalt solle jedem Menschen Würde gewähren, so wie (Grund-)Rechte in den weiteren Artikel gewährt werden. Sondern es wird nur davon gesprochen, dass diese geachtet und geschützt werden soll. Da Würde von der Integrität des eigenen Selbst abhängt, bedeutet diese Aussage für mich nichts anderes als dass der Mensch selbst zu achten und zu schützen ist.