#025: Geschlecht und Macht - Immernoch das alte Spiel?

  • Malzeit.

    Ich hab gerade die episode 25 gehört und laut mit den beiden mitdiskutiert, obwohl die mich ja gar nicht hören konnten... und dachte, jetzt muss es doch mal raus. Also fasse ich hier zusammen, was ich eben meinem Tablet erzählt habe und hoffe, dass irgendjemand das ein Bisschen interessant findet.


    Vorweg: Als nordeuropäisches, körperlich weibliches Bleichgesicht bin ich sehr zufrieden damit, wie die beiden Herren das Thema behandelt haben. Ich habe hauptsächlich ergänzungen und, da die Episode schon älter ist, neue Erkenntnisse. Ich versuche, mich so kurz wie möglich zu fassen.


    1) Ich muss Doktor Köbel widersprechen. Das Machtungleichgewicht zwischen körperlich männlichen und körperlich weiblichen Menschen (ich nenne es im Folgenden: Patriachat) ist nicht urlat.

    Es gab eine sehr schöne Doku auf arte (zum Weltfrauentag) über neue Interpretationen schon vorhandener Daten. Das Viedo selbst ist im Moment nicht aufzutreiben. Hier ist der Link zur Beschreibung in der ARD Mediathek: https://programm.ard.de/TV/art…ichte/eid_287242680194436

    Ich versuche es zusammenzufassen:

    - Gräber sind gute Indikatoren dafür, wie viel das begrabene Indiviuum der Gruppe, die es begraben hat, wert war. --> Grabbeigaben, Ernährungszustand (durch chemische Analysen der Knochen)

    - Jäger-Sammler-Frauen waren im Schnitt so muskolös wie heutige Olympiaathletinnen --> Muskelansätze an den Skeletten

    - jede Menge Hölenmalereien mit Jagdszenen wurden vermutlich von Frauen gemalt --> die Handabdrücke, die als Signatur diehnen, können oft Frauenhänden zugeordnet werden --> bei uns ist die Linie, die man auf der Handfläche von Zeigefinger bis zum Kleinen Finger ziehen kann länger, als die Linie die man waagerecht über das Handgelenk ziehen kann. Bei Männern sind beide Linien meist gleich lang.


    Fazit: in den nomadisierenden Jäger-Sammler-Kleingruppen waren vermutlich alle Gruppenmitglieder gleich viel wert und eine Aufgabenverteilung auf Grund des biologischen Geschlechts gab es vermutlich nicht.


    Das ändert sich erst mit der Sesshaftwerdung. Ab der Neolithischen Revolution gibt es dann die Unterschiede in den Gräbern. Wie genau, Warum und welche Auswirkungen das hat, konnte man in der Doku so schön sehen... aber die ist im Moment nicht aufzutreiben.


    Das Patriachat ist also nur so alt, wie die Sesshaftwerdung, also recht jung.

    Um das ins Verhältnis zu setzen:

    Die ältesten Knochen, die als Homo Sapiens durchgehen (diese Zahl stammt aus einem aktuellen Artikel im "Spektrum der Wissenschaft" Artikel: "zum Laufen gemacht") sind... festhalten.... 300 000 Jahre alt. Die entsprechende Textstelle ist leider hinter der Paywall (wer den artikel lesen will: https://www.spektrum.de/magazin/zum-laufen-geboren/1686874).

    Funde von 2003 konnten immerhin auf 160 000 Jahre zurückdatiert werden (https://www.spektrum.de/news/der-aelteste/619703). Was immernoch beeindruckend ist. Sesshaft sind wir menschen erst seit ca. 10 000 Jahren.

    Also 300 000 Jahre moderner Mensch; davon ca. 10 000 Jahre Patriachat. 10 000 Jahre sind viel. Aber eben nicht uralt.

    "Das war schon immer so." Ist nicht nur kein Argument, sondern auch faktisch falsch.;)


    2) Herr Breitenbach wünschte sich ein paar Patentlösungen und ich hab ein paar Vorschläge:

    - Gehe immer davon aus, dass der andere Mensch genausoviel Mensch ist wie du. Und damit genausoviel wert.

    - Achte darauf, wie dein Gegenüber auf dich reagiert. Besonders, wenn du in der herrschenden Hirarchie höher stehst. Was Dummes machen ist nicht das Problem. Nicht zu merken, dass es dem Gegenüber unangenehm ist, das ist der Knackpunkt.

    - Sei dir der herrschenden Hirarchie bewusst!

    - Kämpfe nicht gegen Menschen sondern gegen Ideen. In den Köpfen der anderen Menschen und in deinem eigenen Kopf.


    Und zuletzt was sehr Konkretes. Ein sketch aus der Heute Show

    - Wenn du wissen willst, ob ein Anmachspruch ok ist, stell dir vor du wärst Insasse in einem Gefängniss und ein größerer, stärkerer Insasse würde genau diesen Spruch zu dir sagen. Wenn dir die Vorstellung unangenehm ist, ist der Spruch nicht ok.

    (Ich wünschte ich könnte den Sketch auf YouTube finden...)


    3) Zu guter letzt eine schmissige Definition für Feminismus:

    Feminismus ist das radikale ausleben der Überzeugung, dass Frauen auch Menschen sind.

  • Vielen lieben Dank für die interessanten Ergänzungen. Sehr spannend.

    Und danke für die Vorschläge. Kann ich so unterschreiben. Ich hoffe doch sehr, dass die Überzeugung Frauen seien auch Menschen dann doch deutlich überwiegt. Mir wäre an der Stelle der nächste Schritt wichtig, nämlich dass Frauen gleichwertig zu Männern sind - trotz Verschiedenheit. Das gilt sowohl für Geschlecht wie auch für Alter, Herkunft etc.

  • Hatte doch fast angenommen, dass ich diese Folge bisher gar nicht gehört hab, bis ich aber dann "sozusagen" schnell merkte, dass ich sie doch schon kannte :D


    Kann sie aber nun nach einigen Jahren noch mal unter neuem Blickwinkel wahrnehmen. Ich muss darüber aber noch nachdenken.