#023 Der spektakuläre Aufstieg und Fall des Subjektes

  • Ich habe in der Folge einige Anregungen gefunden, die ich gerne teilen würde. Auch wenn es sich um sehr viele Themen handelt.


    Zunächst eine Grundfrage: Hat Kant je einen Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen gemacht? Aus meiner Sicht ergibt sich folgender Unterschied: Gefühle sind oberflächlich und wenig konsistent. Hunger oder Appetit zum Beispiel. Nach 4 Stunden am Arbeitsplatz meldet sich mein Magen zurück und meldet, hunger. Nach dem Mittagessen sollte das Gefühl vergangen sein. Liebe wäre dagegen eine Emotion - in vielen Fällen. Auch wenn das Gefühl des "Verliebtseins" nicht mehr andauert, oder ein Streit dazu führt, dass sich ein Paar gerade nicht gut versteht, bleibt die Emotion. Emotionen sind daher langfrsitiger und wesentlich tiefgehender.


    Aus meiner Sicht ist dies desshalb ein so wichtiger Unterschied, weil gerade die Emotionen unser Handeln, oft unterbewusst, wesentlich bestimmen. Selbst wenn wir in dem Glauben sind, rational zu handeln. Sie zu ignorieren mag zwar rational wirken, ist es aber nicht. Am besten sieht man dies an Säugern. Ohne die Liebe einer Bezugsperson - meistens Mutter - sterben sie, oder tragen zumindest für ihr weiteres Leben, Schäden davon. Ebenso ist eine häufige Ursache von Depressionen - in modernen Gesellschaften - dass Emotionen und Gefühle, bzw. emotional fundamentale Bedürfnisse ignoriert werden. Nicht selten erkranken Menschen während ihres Studiums an Depressionen oder Angststörungen, weil sie den Aufschrei ihres Körpers und Seele nach Ruhe - und oft auch nach Kontakt zu anderen, usw. - ausgeblendet haben. Nach rationellem Denken musste schließlich der gute Abschluss her - mit der Krankheit im Nacken, aber zu einem hohem Preis. Einschließlich der Arbeitsunfähigkeit, während die Logik doch diktiert die Karriere in den Fordergrund zu stellen.

    Ist eine ehrlich Selbstreflektion, einschließlich der Akzeptanz seiner Emotionen, nicht deshalb auch ein durchaus rationales Verhalten?


    /**

    *Zweiter Punkt

    **/


    Es wurde auf den Unterschied zwischen einem expressivem und desengagiertem Selbst hingewiesen. Ich habe eine weile darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass auf mich betrachtet, einige Anteile beider Subjekttypen passend sind. Sowohl das desengagierte, als auch das expressive. Zu meiner Ausbildung als Fachinformatiker gehört es, dass ich Sachverhalte nüchtern betrachten kann. Ich lerne komplexe Sachverhalte zu analysieren und logische Lösungen zu finden. Wie ich mich fühle, darf für das Programm keine Relevanz haben. Künstlerische Schöhnheit spielt bestenfalls bei der Übersichtlichkeit des Codes eine Rolle - er soll schließlich noch gelesen werden können. Gleichzeitig treibt mich eine Neugierde an, die Welt zu entdecken. Eine Emotion, tief in mir, die das Verlangen erweckt, Wissen zu sammeln und die Natur zu erforschen, bzw. in meiner Freizeit auch zu erleben. Es ist diese Leidenschaft, die mich dazu getrieben hat, die Ausbildung anzufangen - wobei es viele Arbeitgebnern wichtig war, sie zu haben.

    Irgendwie scheinen mir die beiden Subjekttypen desshalb eher als zwei Extreme eines gmeeinsamen Spannungsfeldes, in welchem diese beiden Extreme auch durchaus bestens ineinander greifen können.


    /**

    * Dritter Abschnitt

    **/


    Ungefähr in der hälfte der Folge wird angesprochen, dass die Vernunft beim Essen immer wichtiger wird. Was ich allerdings bemerke, ist dass gerde die Lebensmittelindustrie auch hier sehr stark auf emotionaler Ebene arbeitet. Man soll essen, was "gut" für einen ist. Es geht darum, sich fit zu fühlen, sich etwas "gutes" zu tun. Versteckt wird der emotionale Anteil dann hinter der Logik, obgleich der Ansprechpartner das lymbische System ist.

    Ebenso im Dialog. Schlagworte wie "regional", "saisonal", "ohne Gentechnik", "bio", "grün" werden schnell mit gesundem Essen assoziiert. Schlagwörter wie "Gentechnik", "Konservierungsstoffe", etc. mit schlechtem. Selbst wenn das Wissen darum, wieso dem so ist, noch lange nicht aussreicht um eine nüchterne Aussage zu treffen.

    Aus meiner Sicht verstecken sich hier expressive Argumente hinter einer falschen Nüchternheit.


    Später spricht Herr Köbel an, dass heute das wissenschaftliche Denken stark im Vordergrund steht. Zum Beispiel beim Arztbesuch. Die Diagnose würde dann nach wissenschaftlichen Kriterien hinterfragt, oder eben angenommen. Liegt hier nicht auch oft der Wolf im Schaafspelz begraben? Denn das Annehmen der Diagnose ist oft doch eher gerade auch ein Zeichen von Vertrauen, der Instutition, bzw. der Autorität gegenüber, weniger aber eine nüchterne Zustimmung, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Denn derjenige mit dem meisten Wissen, ist der Arzt. Nicht der Patient. Der Patient eignet sich dieses Wissen vielleicht an, aber noch lange nicht so tief und fundiert, wie es der Arzt hat. Gleichzeitig hinterfragen gerade viele Anhänger der Alternativmedizin, die "moderne Medizin", mit scheinbar guten Argumenten, welch zwar die Sprache der Vernunft zu sprechen scheinen. Wenn ich aber dann mit den Befürwortern in den Diaglog gehe, wird schnell klar, dass die Argumente dann doch auf sehr emotionaler Ebene ausgetauscht werden. Genauso wie ich - ich zumindest - zu dem Hausarzt gehe, der mir eine verlässliche Diagnose und Beratung gibt.


    Ich denke - und jetzt komme ich endlich zu einem Ende ^^ - wir befinden uns heutzutage in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite ist natürlich der Anspruch eines vernünftigen Denkens da. Auf der anderen Seite ist das Wissen so manigfaltig und die Entwicklung neuer Erkentnisse so rasend, dass kaum jemand Spezialist in allen Gebieten sein kann. Ich kann nicht gleichzeitig Informatiker und Arzt sein. Ich kann es veruschen, aber eines der beiden Fachgebiete werde ich vernachlässigen müssen. Deshalb sind wir prinzipiell auf andere Menschen angewisen. Vernünftig sein bedeutet in diesem Kontext deshalb nicht nur alles Wissen zu Hinterfragen, sondern eben dem Auswahlverfahren nach dem ich anderen Menschen Vertrauen schenke, zu hinterfragen.

    "Man ist nie so lächerlich durch Eigenschaften, die man besitzt, als durch jene die man zu haben vorgibt."


    Jolan tru,

    Chris :whistling:

  • ChrisH Danke für deine Gedanken!

    Ich habe dazu einen interessanten Artikel gefunden: https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=179970


    Kant versuchte Gefühle und Emotionen komplett auszuklammern. Das haben wir in verschiedenen Episoden immer wieder mal aufgegriffen mit der Metapher von Captain Kirk und Mr. Spock. Erst im Team macht das Sinn ;-)

    Und deine Beobachtungen zum Thema Ärzte und Autoritäten sind nachvollziehbar. Allein der symbolische weiße Kittel machen schon viel aus.

    Und man kann natürlich in diesen Tagen vor allem die Politik in die Emotionen einreihen. Der Populismus bedient sich ausschließlich den Gefühlen und den Emotionen und lässt jedwede Vernunft außen vor (auch wenn Populisten das bestreiten würden, weil sie ja im Namen der Vernunft agieren). Also alles ziemlich kompliziert und unser westlicher Kulturkreis ist natürlich prädestiniert dazu all diese Dinge immer sauber trennen zu wollen. Was oftmals eben nicht so einfach funktioniert.

  • Ohne Populismus hätte es vermutlich keinen Mauerfall gegeben oder sich überhaupt irgend eine Bewegung mobilisieren können.

    Populismus hat überhaupt erst zu einem autoritärem sozialistischem Regime geführt.

    "Man ist nie so lächerlich durch Eigenschaften, die man besitzt, als durch jene die man zu haben vorgibt."


    Jolan tru,

    Chris :whistling: