Gesucht: Zitat zu frühen Soziologen und deren Wissenschaftsverständnis

  • Hallo!

    Ich hoffe, dass mir hier vielleicht jemand helfen kann. Ich sitze an einem Aufsatz über Qualitätskriterien qualitativer Soziologie (bitte keinen Streit, ob man sowas/sollte darf) und ich möchte etwas geschichtlich nachzeichnen, wie die frühen Soziologen ihre Methoden verstanden haben. Ich kann mich noch an meine Vorlesung erinnern, wo mir gelehrt wurde, dass Durkheim, Weber und der ganze Pulk sich sehr auf naturwissenschaftliche, positivistische Standards versteift haben, weil sie die Soziologie respektabel machen wollten. Eine Vorlesung kann ich nur leider nicht zitieren.

    Könnt ihr mich in die Richtung eines Aufsatzes, Buches o.ä. lotsen, wo ich eine zitierbare Aussage dazu finde? (und ggf noch mehr darüber erfahre?)

  • Hey Zora,


    ich habe ein bisschen überlegen müssen, um einen Ansatzpunkt zu finden. Da ich mich gerade genau mit der "Gegenseite", also den quantitativen Methoden beschäftige finden wir vielleicht hier ausnahmsweise mal zusammen ;)


    Die Ursprünge der Sozialforschung waren nicht von Anfang an in "qualitativ" und quantitativ" unterschieden, so, wie wir es heute kennen.

    Diese Unterscheidung hat sich erst im Laufe der Zeit gebildet. Vielleicht hilft es an die Anfänge zurückzugehen und sich z.B. mal "The Polish Peasant" von William I. Thomas und Florian Znaniecki (1919/21) anzuschauen.

    Es war eine sehr groß angelegte Untersuchung die sich auf die Auswertung von Briefen, Lebensberichten, Tagebüchern etc. konzentrierte. (vgl. Schnell et al.:31)


    Ansonsten gab es noch den "Verein für Socialpolitik". Sie haben seit 1881 viele Untersuchungen durchführen lassen und u.a. auch Max Weber mit der Auswertung eben dieser beauftragt (vgl. Schnell et al.:23)

  • Vielleicht hilft es an die Anfänge zurückzugehen und sich z.B. mal "The Polish Peasant" von William I. Thomas und Florian Znaniecki (1919/21) anzuschauen.

    Es war eine sehr groß angelegte Untersuchung die sich auf die Auswertung von Briefen, Lebensberichten, Tagebüchern etc. konzentrierte. (vgl. Schnell et al.:31)

    Das würde ich auch empfehlen. Eine frühe Quali-Untersuchung war "Die Arbeitslosen von Marienthal". Wenn du danach suchst, solltest du wissenschaftliche Quellen mit verwertbaren Aussagen zu damaligen Standards finden.


    Würdest du auch englischsprachige Quellen in Betracht ziehen? Es gibt die Buchreihe "The Heritage of Sociology" der Chicago University Press. Die "Chicagoer Schuler" war eine frühe soziologische Richtung, die sich mit investigativ-qualitativer Forschung befasste. Ich habe daraus die erste Quali-Studie zu Wohnungslosigkeit gelesen - "The Hobo" von Nels Andersson von 1923. In dieser Richtung könnte evtl. etwas für dich dabei sein.