Flucht vor sich selbst im Zeitalter der Smart Phones

  • Ich bin in einem Video - welches eigentlich wenig mit Soziologie zu tun hat - auf den Gedanken gestoßen, dass die häufige Nutzung von Smart Phones auch etwas mit einem Fluchtversuch des eigenen Selbst zu tun hat. Das heißt, es geht auch darum vor sich selbst zu fliehen, um - einen eventuellen Schmerz, oder Stress - nicht mehr spüren zu müssen.

    Ich konnte mich in der Idee gut widerfinden. Ich habe erkannt, dass ich besonders dann Musik höre, oder auf dem Smart Phone unterwegs bin, wenn ich gesresst bin, in der Hoffnung den Stress zu lindern. Meistens klappt das nicht. Oder zumindest nur vorrübergehend. Böse, schlechte Gedanken an die Ausbildung, meine Familie, oder einfach nur die laute Geräuschkulisse lassen sich so manchmal sehr gut unterdrücken. Es geht also auch darum, sich selbst nicht spüren zu müssen.

    Dies war auch ein Grund für mich, meinen Facebook Account wieder zu sperren. Eine Flucht vor dem eigenen führt langfristig zu nichts, irgendwann holt es einen ein.


    Ein weiteres Beispiel wären für mich meine regelmäßigen Ausflüge an die Lesum. Im Frühling habe ich das erste mal einen Instagram Account eröffnet, dann aber schnell wieder gelöscht, weil es für mich auch wieder ein guter Fluchtpunkt war, um vor dem Gefühl der Einsamkeit zu fliehen. Letztendlich war ich nicht mehr im Moment, an der Lesum, sondern auf Instagram um diesen Moment mit anderen Menschen zu teilen. Hierbei ging aber viel verloren, wirklich verbundener habe ich mich auch nicht gefühlt. Letztendlich war es nur ein gutes Werkzeug um davor zu flüchten.


    Wie geht es euch da? Ist dies ein Einzelfall, nur auf eine bestimmte Gruppe von Menschen zutreffend, oder ist diese Flucht doch auf gesellschaftlicher Ebene stark verbreitet?


    Zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=QsA6zwaskHs

    "Man ist nie so lächerlich durch Eigenschaften, die man besitzt, als durch jene die man zu haben vorgibt."


    Jolan tru,

    Chris :whistling:

  • Das ist leider ein weit verbreitetes Symptom. In der Ruhe und dann in der Langeweile stößt man früher oder später auf sich selbst und das kann sehr unangenehm werden.

    Wenn ich mich aber entwickeln will dann muss ich erst mal sehen wo ich den stehe und wer ich bin. Dafür muss ich durch die Stille.

    Da kommt man ins grübeln bzgl. der Entwicklungsmöglichkeiten der jetzigen Gesellschaft die gefühlt 24 Stunden täglich an 7 Tagen die Woche abgelenkt ist.


    Dafür möchte ich ein kleines Buch vorstellen: „Kleine Philosophie der Langeweile“ von Lars Svendsen, Insel Verlag 1999

  • Ich zitiere den alten Paracelsus: "Die Dosis bestimmt das Gift". Ich würde der Smartphone-Nutzung nicht nur eine klare Funktion zuschreiben. Dazu ist die Beziehung zwischen Mensch und Maschine in dieser Angelegenheit viel zu komplex. Natürlich kann man sich der Welt und der eigenen Identität durch Smartphones entziehen, genauso wie man an der Gesellschaft teilhaben kann und durch das Feedback anderer sich selbst wahrnehmen kann.

    Nichtsdestotrotz ist es sehr wichtig über den Gebrauch der Technologie kritisch zu reflektieren. Der Rückzug ins Schweigekloster könnte man schließlich auch als Eskapismus auslegen oder dass man die Konflikte mit anderen und damit die Konfrontation mit sich selbst scheut. Alles eine Frage der Perspektive.

    Was ich sagen will: Smartphonenutzung und die Auseinandersetzung mit sich selbst schließen sich per nicht aus. Genauso wenig wie Meditation ein Garant zur Selbstfindung ist.

    Wie immer ist "Balance" hier für mich entscheidend.

  • Das eigene selbst ist erfordert zunächst eine recht vage Definition von irgendetwas.


    Inuits stehen sechs Stunden regungslos am Eisloch. Das würden selbst diejenigen unserer Kultur nicht aushalten, welche ein beschauliches Leben führen. Der Abstand zwischen der Smartphonegeneration und den Beschaulichen ist minimal gegenüber dem der Beschaulichen und der Inuit. Dennoch wird der erste Abstand als problematisch angesehen, der zweite aber nicht. Oder wer starrt regelmäßig über Stunden die Wand an. Ich will sagen, dass hier ein Daseinsbild als Referenznorm gesetzt wird, dass eigentlich ein relatives ist. Möglicherweise adaptiert das Hirn kommender Generationen den Lebensstil einfach und nur jene haben Probleme damit, welche noch mit einem Bein im Leben vor der Smartphonewende lebten. Aber freilich, vielleicht auch nicht und die Urenkel drehen alle durch.

    2 Mal editiert, zuletzt von Sonntagssoziologe () aus folgendem Grund: Ich meine, das eigene Selbst erfordert erstmal eine Definition, ist ja selbst keine ... ;)

  • Was ich bei solchen Diskussionen oder Erklärungsansätzen immer wieder interessant finde ist, dass es nahezu immer die gleichen Ansätze und Diskussionen bei neu und stark aufkommenden Medien / Mediennutzungen gibt. Seit dem Einzug von Zeitungen und Romanen, dem Kino, dem TV und so weiter, gibt es fast immer ähnliche Muster und Gründe dahinter. Oft ist es dann so, dass bestimmte Medien irgendwann so stark etabliert sind und genutzt werden, dass überwiegend die positiven Seiten gesehen werden, dass diese zu einem positiv konnotierten "Kulturgut" gehören und sich Kritik und Bedenken auf "neuere" Medien fokussieren.

    Ein Beispiel dafür sind heutzutage meiner Meinung nach Bücher. Aus irgendeinem Grund wird allgemein oft einfach positiv angesehen, dass jemand irgendein Buch liest. Bei einem Blick in die Buchhandlung kann man aber auch schnell sehen, wie viel Quatsch und Unsinn man auch lesen kann (damit meine ich in erster Linie den "Sachbereich", Fiktion und Geschichte sind in der Regel natürlich subjektive Geschmackssache). Abgesehen davon könnt ich auch acht Stunden am Tag Bücher lesen und das wäre meiner Ansicht nach ein ähnlich gelagerter "Eskapismus". Und ja, Bücher, gerade auch Romane wurden anfänglich auch stark kritisiert, zum Beispiel auf Seiten der Kirche. In diesem Sinne mal sehen, wie sich da "Smartphone Nutzung" und alles was damit so zusammenhängt mal einreiht und das zum Beispiel in 20 - 30 Jahren gesehen wird.

    Ich habe da mal eine sehr interessante und gut gemachte Vorlesung mit dem Titel "Angstmedien - Medienängste" besucht, da wurde diese historische Entwicklung von den wichtigsten Medien und deren Rezeption gut nachgezeichnet. Seitdem bin ich da immer etwas "entspannter" und gelassener bei solchen Debatten. Letztlich kommt es sowieso auf die individuelle Nutzung an: Maß und Balance halten und überwiegend die positiven Seiten des Mediums anwenden, selten mal über die Stränge schlagen (vier, fünfmal mal im Jahr zu lang vor der Konsole sitzen passiert auch schon mal) - kann passieren und bringt einen auch nicht gleich um. Das hakt man dann ab und macht wieder wie gewohnt weiter. Dann passt das schon.

  • Ich möchte mal eine Frage in die Runde werfen:

    Letzten habe ich von einem Versuch gehört bei dem Personen vor die Wahl gestellt wurden sich zu entscheiden zwischen 10 min in einem leeren Raum mit sich allein oder Stromschläge zu bekommen. Dabei hätten sich 75% der Männer und 50% der Frauen für Stromschläge entschieden.

    Hat hier jemand schon davon gehört? gibt es den Versuch wirklich und wenn ja, wie waren die Rahmenbedingungen.

    Ich will hoffen das dies eine Fack news ist.

  • Hat hier jemand schon davon gehört? gibt es den Versuch wirklich und wenn ja, wie waren die Rahmenbedingungen.

    Ich will hoffen das dies eine Fack news ist.

    Von dem Versuch habe ich auch gehört. Hier ein Artikel der Süddeutschen dazu: https://www.sueddeutsche.de/wi…e-als-nichtstun-1.2029363


    Es stimmt tatsächlich, dass viele mit dem Alleinsein überfordert sind. In sich hineinzuschauen und mit sich alleine zu sein wird für viele Menschen immer schwieriger. Vor allem in Zeiten, in welchen es es wahnsinnig leicht ist, sich immer und überall abzulenken. Ob dies ein modernes Phänomen ist? Ich weis es nicht. Ich denke die Smartphones haben solch ein Verhalten nicht erst verursacht. Vielmehr waren schon vor den Smartphones in uns uns ein Bedürfniss, welches zu diesem Verhalten geführt hat.

    "Man ist nie so lächerlich durch Eigenschaften, die man besitzt, als durch jene die man zu haben vorgibt."


    Jolan tru,

    Chris :whistling:

  • Ich zitiere den alten Paracelsus: "Die Dosis bestimmt das Gift".

    Ich denke nicht, dass es sich hierbei um Gift handelt. Die Vergangenheit zeigt uns, dass Menschen sich für ihr Wohlbefinden schon immer Fluchtpunkte geschaffen haben. Ich denke da an das Theater, die Oper, den Schnaps nach einem harten 12 Stunden Arbeitstag. (Bücher auch!) In den letzten Jahren ist dies aber nun auf eine ganz andere Dimension angewachsen, denn die Werkzeuge tragen wir oft genug bis zu 24 / 7 mit uns. Vielfältigste Möglichkeiten, alles verpackt in einem Gerät. Das birgt Verführung und Reiz.

    Ich denke, dass die Bedürfnisse und Sehnsüchte die uns zur Flucht durch Literatur und kunst gebracht haben, nun auch bei SmartPhones greifen. Wodurch aber viel Reflektionsarbeit nötig ist. Sowohl mit sich selbst, als auch gegenüber der Technologie. Optimal eher durch eine sachliche, neugierige Auseinandersetzung - denn ein Zurück zu dieser ( in unserer Gesellschaft verbreitetes Bild ) romantischen Vergangenheit, die vielleicht niemals existiert hat, dass kann auch keiner wollen.

    "Man ist nie so lächerlich durch Eigenschaften, die man besitzt, als durch jene die man zu haben vorgibt."


    Jolan tru,

    Chris :whistling:

  • "Wenn es uns leicht fiele, nichts zu tun, wären wir womöglich schon ausgestorben."

    Es fällt uns aber sehr leicht nichts zu tun. Das ist auch gut so den es ist ja auch energieeffizient.


    Da das leben in der Regel – und vor allem während der bisherigen 99% der Existenz des Homo Sapiens – aus einem ständigen Wechsel zwischen Anstrengung zur Nahrungssuche oder zur Verteidigung des eigenen Lebens und anschließenden Ruhephasen besteht ist es ja ausgeglichen. Nur in den letzten 100 – 150 Jahren ist dieses Gleichgewicht aus den Fugen geraten.


    ChrisH hat auch ganz recht dass das Smartphone nicht der Auslöser ist sonder nur diesem Hang zum Nichtstun sehr entgegen kommt.

  • Theoderich   ChrisH

    Wobei ich die Frage "Was ist eigentlich Anstrengung?" oder "Nichtstun" extrem spannend finde. Konzentriert vor dem Eisloch sitzen geschieht mit hoher Anspannung und Anstrengung. Unser Gehirn ist ja auch quasi in Daueranstrengung (bei Denkprozessen), selbst im Schlaf. Sogenannte "Freizeitbeschäftigung" ist sehr oft mit Anstrengung verbunden (Spiel und Spaß).

    Wie also genau definieren wir dieses "Nichtstun"?

  • Theoderich   ChrisH

    Wobei ich die Frage "Was ist eigentlich Anstrengung?" oder "Nichtstun" extrem spannend finde. Konzentriert vor dem Eisloch sitzen geschieht mit hoher Anspannung und Anstrengung. Unser Gehirn ist ja auch quasi in Daueranstrengung (bei Denkprozessen), selbst im Schlaf. Sogenannte "Freizeitbeschäftigung" ist sehr oft mit Anstrengung verbunden (Spiel und Spaß).

    Wie also genau definieren wir dieses "Nichtstun"?

    Finde ich auch, dass das eine sehr berechtigte Frage ist. Die Antwort dürfte da individuell auch sehr unterschiedlich ausfallen. Es gibt ja Leute die gerne schlendern oder sich draußen irgendwo hinsetzen und einfach gerne beobachten und weiter nichts dabei machen. Würden diese Leute dann aber selber auch sagen, dass sie "nichts machen"?. Für andere wiederum wäre das vermutlich genau das. Seinen Gedanken nachhängen oder Tagträumen wäre vielleicht auch so ein Beispiel, was für die einen was machen ist und für die anderen eben nicht.

    Alles in allem gar nicht so einfach dieses "Nichtstun". Frei nach Watzlawick könnte man sich auch die Frage stellen, ob das überhaupt geht. Nach dem Motto: Man kann nicht nichts tun. Würde man dass so sehen, dann wird es mit der Behauptung wir hätten verlernt nichts zu tun, natürlich schwierig.

  • Wie so vieles besteht die "Flucht" in der Verdinglichung von Beziehungen. Hartmut Rosa hat da mit seiner Resonanztheorie einen für mich sehr wertvollen Beitrag geleistet! Menschen versuchen mit Weitreichenvergrößerung ihr Heil zu suchen (im Kindergarten hattest du 3 Freunde, später mit dem Fahrrad konntest du schon 10 erreichen, da du ins nächste Dorf gekommen bist, mit dem Auto noch mehr, ... und mit social media 100.000... , immer mehr, immer weiter, zu Stabilität zu gelangen, was jedoch damit einhergeht, dass sich die Geschwindigkeit immer weiter steigern muss, nur um den status quo zu halten. Er, Hartmut Rosa sagt, wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz möglicherweise die Lösung.

    mein Entwicklungspfad: über die Thematik Nachhaltigkeit erkennend, das ist richtig, jedoch nicht die Basis

    Donella H. Meadows Buch "Die Grenzen des Denkens" entdeckt und verstanden das ist die Basis :)

    intensive Literaturstudie "komplexe Systeme" über die Kybernetik kommend, G.Bateson, HvFoerster und viele andere aufgesogen

    Übertragen erster Erkenntnisse in die tägliche Praxis

    Literaturstudie heutiger Wissenschaftler wie Hartmut Rosa, Armin Nassehi, Wolfram Lutterer, Maria Pruckner

    Soziopod entdeckt ;)

  • Theoderich   ChrisH

    Wie also genau definieren wir dieses "Nichtstun"?

    Das ist, allgemein gesprochen, allerdings sehr schwer zu fassen. Ich denke es hilft hier weiter die Frage speziell auf unser Thema bezogen zu betrachten. Also was ist Nichtstun bezogen auf den Umgang mit digitalen Medien im Allgemeinen und sozialen Medien im speziellen.


    Mein Lösungsversuch sieht so aus:

    Je weniger ich mich aktiv einbringe um so mehr entspricht das dem Nichtstun, wobei es nicht das definitive Nichtstun gibt sonder es sich um Werte auf einer Skala handelt. Von sich sehr wenig aktiv einbringen = Nichtstun bis hin zu sich sehr aktiv einbringen = tun.

    (Oder so ähnlich)


    Am einen Ende der Skala haben wir nun denjenigen der sich, zum Beispiel, ganz passiv einen Film ansieht oder Musik hört etc. Wenn er dann aufgrund der Belanglosigkeit dessen auch geistig extrem inaktiv ist, nähern wir uns dem Nichtstun an.

    Am anderen Ende der Skala haben wir dann denjenigen der sehr aktiv ein Computerspiel spielt, also geistig sehr aktiv die Rätsel löst und auch noch körperlich aktiv die Konsole bedient. (ich weiss wovon ich rede, ich bin bei „Tomb Raider“ auf der Playstation I an meine Grenzen gestoßen X/)


    So weit mein Lösungsansatz.

  • kuwin   Theoderich


    Ich bin immer skeptisch wenn es um die (scheinbar objektive) Bewertung von Tun/Nichtstun geht. Meistens steckt ein Motiv dahinter. Siehe bei der Diskussion rund um das BGE. Das fällt dann oft der Satz, dass die Leute ja fürs Nichtstun nicht bezahlt werden dürfen. Leistung muss sich lohnen etc. pp. Dass wir aber mitten in einer bigotten Situation stecken, also dass viele Milliardäre ihre Milliarden ganz ohne Leistung besitzen (Erbschaft und Zinsen) oder dass Leute die kaum etwas vedienen. am Ende aber sehr viel leisten, wird dann komplett ausgeblendet. Die Frage ist also WIE bewerten wir sogenannten Eskapismus? Vor was flüchten Menschen und vor allem warum tun sie das? Liegt es vielleicht nicht auch ein bißchen daran dass das wovor sie flüchten aus ihrer Sicht entweder kaputt ist oder es für sie unüberwindbar erscheint? Und sollte man nicht auch mal hinterfragen dass die permanente Jagd nach Leistung mindestens nicht genauso kritikwürdig ist als das Faulenzen?

    So oder so, alles eine sehr spannende Diskussion. Deshalb weitere Fragen:

    Ist das Nichtstun (wenn wir die Definition von Theoderich oben hernehmen) weniger wert - für Gesellschaft und Individuum - als das Tun? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum?


  • Herr Breitenbach Wenn es schon keine "objektive Erfahrung" (Gregory Bateson, Geist und Natur, S. 42) geben kann, kann (menschliche) Bewertung nur subjektiv sein!?


    Ich halte eine Bewertung von "nichts tun" ohne Kontext für nicht möglich. Es gibt ja nicht nur positives Tun sondern auch negatives Tun. Zumindest dann, wenn wir uns auf eine gemeinsame Werte-Basis verständigt haben.


    Ganz abgesehen von der Frage was ist nichts tun?

    mein Entwicklungspfad: über die Thematik Nachhaltigkeit erkennend, das ist richtig, jedoch nicht die Basis

    Donella H. Meadows Buch "Die Grenzen des Denkens" entdeckt und verstanden das ist die Basis :)

    intensive Literaturstudie "komplexe Systeme" über die Kybernetik kommend, G.Bateson, HvFoerster und viele andere aufgesogen

    Übertragen erster Erkenntnisse in die tägliche Praxis

    Literaturstudie heutiger Wissenschaftler wie Hartmut Rosa, Armin Nassehi, Wolfram Lutterer, Maria Pruckner

    Soziopod entdeckt ;)

  • Ich halte eine Bewertung von "nichts tun" ohne Kontext für nicht möglich.

    Wir müssen es an dieser Stelle ja nicht bewerten. Nichts tun kann als das stehen was es ist: Nichts zu tun. Wobei aus psychologischer und neurobiologischer Sicht, eine Definition unmöglich wird. Denn nichts tun wir dann nie. Selbst im liegen, oder schlafen sind wir alle aktiv.

    Vielleicht als ein Zustand von dem ein außenstehender Bobachter ( naiver Weise ) darauf schließen kann, dass ein anderer Mensch gerade nichts tut? Das kann man so stehen lassen. Alles andere wäre dann moralische Bewertung.

    "Man ist nie so lächerlich durch Eigenschaften, die man besitzt, als durch jene die man zu haben vorgibt."


    Jolan tru,

    Chris :whistling:

  • Ist das Nichtstun (wenn wir die Definition von Theoderich oben hernehmen) weniger wert - für Gesellschaft und Individuum - als das Tun? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum?


    Welchen Wert das Nichtstun für die Gesellschaft hat finde ich hier nicht so interessant. Viel wichtiger finde ich die Frage welchen Wert es für den einzelnen hat. Ich möchte hier eine Brücke zu dem Thema „Sinn des Lebens“ schlagen. So wie viele derer die schon zu dem Thema geschrieben haben, finde auch ich dass es der Sinn des Lebens ist sich

    1. selber kennen zu lernen und dann
    2. seine Potentiale zu entfalten.


    Für ersteres braucht es, wie schon erwähnt, die Ruhe und das rein äußerliche Nichtstun (z.B. Meditation). Für Zweiteres braucht es aber das Tun!


    Natürlich muss ich mich dafür auch dem reinen konsumieren hingeben, aber vor allem für Inspirationen, dann muss ich aber ins Tun kommen.


    P.S.: Interessant zu unserem Thema sind auch Versuche bzgl. der Kreativität, dabei kam heraus das die Kreativität größer ist wenn man sich zwischendurch dem Müßiggang oder einer langweiligen Tätigkeit widmet.

  • Nichtstun (Anm. des Autors) als ein Zustand von dem ein außenstehender Bobachter ( naiver Weise ) darauf schließen kann, dass ein anderer Mensch gerade nichts tut?

    Finde ich gut!


    Welchen Wert das Nichtstun für die Gesellschaft hat finde ich hier nicht sointeressant.

    Das finde ich gerade im Hinblick auf das Individuum interessant, weil ein von der Gesellschaft losgelöstes Individuum nicht der Fall ist. Daher ist die Position einer Gesellschaft zum Nichtstun im Verhältnis zur Position des Nichtstun eines Individuums von ganz entscheidender Bedeutung. Denn das ist meistens überhaupt nicht kongruent. Wenn man sich dann noch die dominierenden Teilsysteme einer Gesellschaft anschaut, z.B. Ökonomie wird darin das Nichtstun komplett anders bewertet wie beispielsweise dem Teilsystem des Buddhismus. Da der Mensch (ebenfalls als System) immer in einer Struktur oder einem System verortet ist kann man m.E. das gar nicht losgelöst betrachten, bzw. es führt nicht wirklich zu wesentlich mehr Erkenntnis. Was aber nicht heißt dass es sich nicht lohnt sich auch das System Mensch anzuschauen. Aber ich warne davor weil jeder Mensch anders sozialisiert ist und mitunter ein ganz anderer Spielball der Struktur ist. Ein Buddhist hat ein komplett anderes Mindset in Sachen Nichtstun als ein chinesischer Top-Manager.


    Interessant zu unserem Thema sind auch Versuche bzgl. der Kreativität, dabei kam heraus das die Kreativität größer ist wenn man sich zwischendurch dem Müßiggang oder einer langweiligenTätigkeit widmet.

    Dem kann ich nur in Teilen zustimmen. Langweilig muss nicht zwingend sein. Entscheidend ist einfach nur sich mit etwas komplett anderem zu beschäftigen und nicht mit der Sache die man kreativ bewältigen möchte. Das kann langweilig sein muss es aber nicht. Beispiel: Ich will ein Problem lösen, befasse mich damit lange. Dann muss ich etwas anderes tun, z.B. Sport machen, Zocken, was anderes lesen etc. pp. - was ja viele mit Müßiggang gleichsetzen. Daher ja meine ursprünglichen Fragen zu dem ganzen Thema des sogenannten Nichtstuns. Die allermeisten Menschen werfen das in einem Topf mit Nicht-Arbeiten im Sinne von "not on your payroll". :-)