Philosophy Jam: Was ist der Sinn des Lebens?

  • Hallo ihr Lieben,


    ich würde hier gerne eine neue Rubrik etablieren:

    "Philosophy Jam"

    Als Jugendlicher hatte ich unfassbar viel Spaß daran einfach nur mit ein paar Leuten rumzuphilosophieren - ohne Studium - ohne theoretischen Background. Einfach frei von der Leber weg. Hätte ich damals mit "echten Philosophen" das machen müssen, wäre ich gehemmt und blockiert gewesen. Eben weil es dann wieder eine Art Machtgefälle allein durch die Verwendung von Sprache und vorhandenen Theorien gegeben hätte. Durch mangelndes Vorwissen hätte ich immer den Kürzeren gezogen und all die wertvollen Gedanken wären weggewischt worden - allein durch die Autorität der Wissenden. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich während meines Studiums: Ich saß in einem Philosophie-Seminar und war wirklich ernsthaft an der Thematik und der Fragestellung interessiert, aber bereits nach wenigen Minuten verstand ich nur noch Bahnhof. Was zum Teil beschämend und frustrierend war, eben WEIL ich solchen Bock auf Philosophie hatte.

    Langer Rede kurzer Sinn: Ich möchte mit euch eine Art "Schutzraum" oder "Wohnzimmer" oder "WG-Küche" fürs Philosophieren etablieren. Kein Gedanke ist unter dem Beitrag "Philosophy Jam" zu banal, zu simpel - egal wie er formuliert sein mag, ob er alt oder neu ist.

    "Alle Menschen sind Philosophen", so hat Karl Popper mal ein ganzes Buch genannt. Dieses Motto möchte ich genau hier aufgreifen. Ich möchte zu vielen verschiedenen philosophischen Fragen Diskussionen eröffnen (gerne dürft ihr das natürlich ebenso aufmachen) und einfach nur ins Gespräch kommen oder Gedanken auch einfach nur mal stehen lassen (denn oft hilft es einem ja schon selbst sich mal Gedanken zu machen und diese niederzuschreiben unabhängig von der Resonanz, die man bekommt oder auch nicht.

    Wer keine Lust darauf hat oder das aus der wissenschaftlichen Warte heraus ganz schlimm findet, soll das bitte einfach wohlwollend ignorieren. Alle anderen die Bock aufs rumspinnen, rumphilosophieren rund um den wichtigen Fragen des Lebens habe, sind herzlich dazu eingeladen sich dem "Philosophy Jam" anzuschließen.

    Also beginnen wir mit der einfachsten aller philosophischen Fragen :P

    Was ist der Sinn des Lebens?


    giphy.gif


  • laut douglas adams in per anhalter der galaxis lautet die antwort auf die frage nach dem sinn des lebens 42.


    wobei das immer ein bisschen falsch zitiert wird, denn 42 ist nur die antwort auf die letzte aller fragen, "die frage nach dem leben, dem universum und dem ganzen rest". aber die frage kennt ja noch niemand, die sollte von einem riesigen, extra dafür konstruierten supercomputer innerhalb vieler millionen jahre errechnet werden. dieser computer ist auch gleichzeitig ein planet: die erde. dummerweise wird die erde dann aber zugunsten eine hypergalaktischen umgehungsstraße von einem raumschiff voller vogonen weggesprengt, wenige minuten bevor sie die errechnete frage ausgeben kann.


    was entgegnet man der antwort:

    den sinn des lebens? den gibt es nicht

  • sehe ich auch so, allenfalls kann ich mir diese Antwort vorstellen: der Sinn des Lebens ist das Leben selbst!

    mein Entwicklungspfad: über die Thematik Nachhaltigkeit erkennend, das ist richtig, jedoch nicht die Basis

    Donella H. Meadows Buch "Die Grenzen des Denkens" entdeckt und verstanden das ist die Basis :)

    intensive Literaturstudie "komplexe Systeme" über die Kybernetik kommend, G.Bateson, HvFoerster und viele andere aufgesogen

    Übertragen erster Erkenntnisse in die tägliche Praxis

    Literaturstudie heutiger Wissenschaftler wie Hartmut Rosa, Armin Nassehi, Wolfram Lutterer, Maria Pruckner

    Soziopod entdeckt ;)

  • Ich glaube der Sinn des Lebens ist gewissermaßen für sich den Sinn des Lebens zu finden. Ob man sich dabei nun an anderen orientiert oder ganz für sich arbeitet, ob man sich ein philosophisches System von Grund auf schafft oder ob man eines adoptiert und alles dazwischen tut nichts zur Sache.


    Persönlich finde ich es ist wichtig sich dabei nicht zu sehr festzulegen und zumindest bevor man sich festlegt mit vielem zum experimentieren.


    Allerdings lässt mich dieser Glaube ans experimentieren und an die Fluidität solcher Überzeugungen in letzter Zeit oft straucheln, wenn es darum geht meine Überzeugungen gegenüber anderen Überzeugungen zu verteidigen, von denen ich denke, dass sie gefährlich oder destruktiv sind. Ich weiß einfach nicht woher ich mir in meiner persönlichen Philosophie das Recht nehmen kann die Weltanschauungen von jemand anderem kategorisch abzulehnen und manchmal fühlt sich das an wie eine Schwäche auf dem schnelllebigen Schlachtfeld von Ideen, das das unsere vernetzte Welt mitunter sein kann.


    Hoffe das ist jetzt nicht zu weit vom Thema abgewichen :) aber das machen die Gespräche in der WG Küche auch immer.

  • Aus meiner Sicht ist der Sinn des Lebens das eigene Leben zu leben. Die Herausforderung dabei ist, wirklich das zu finden was das Eigene ist. Entsprechend der Inschrift auf dem Auryn: "Tu was Du willst."


    Allerdings lässt mich dieser Glaube ans experimentieren und an die Fluidität solcher Überzeugungen in letzter Zeit oft straucheln, wenn es darum geht meine Überzeugungen gegenüber anderen Überzeugungen zu verteidigen, von denen ich denke, dass sie gefährlich oder destruktiv sind. Ich weiß einfach nicht woher ich mir in meiner persönlichen Philosophie das Recht nehmen kann die Weltanschauungen von jemand anderem kategorisch abzulehnen und manchmal fühlt sich das an wie eine Schwäche auf dem schnelllebigen Schlachtfeld von Ideen, das das unsere vernetzte Welt mitunter sein kann.

    Warum sollte ich meine Überzeugungen verteidigen müssen? Weil jemand seine Überzeugungen auf mich projiziert? Da brauche ich keine Verteidigung, sondern verbitte mir jede Anmaßung, dass jemand anderes meint entscheiden zu wollen, was ich mit meinem Leben zu machen hätte. Wenn sich jeder um sein eigenes Leben kümmert, hat er bereits genug für ein ganzen Leben zu tun. Im nächsten Leben hat er dann Gelegenheit, sich um ein anderes Leben zu kümmern.

  • Der Sinn des Lebens ist es nach einem Sinn zu suchen, den wir letztendlich selbst konstruieren, - inkl. des Begriffes Sinns selbst - um dann ohne handfeste Antworten zu sterben. Manchmal glauben wir gerne eine gefunden zu haben, aber letztendlich leider nicht, weil es sie gibt, sondern unser Verstand gerne eine haben möchte. Letztendlich ist und bleibt das Leben aber eine Suche nach Fragen und Begriffen, die unser Verstand selbst erst erfunden hat.

    - Sagte der Zyniker ^^

    "Man ist nie so lächerlich durch Eigenschaften, die man besitzt, als durch jene die man zu haben vorgibt."


    Jolan tru,

    Chris :whistling:

    Einmal editiert, zuletzt von ChrisH ()

  • Martin Finger Martin ich verstehe dich gut! Ich habe diese Phase auch durchlebt. Dann bin ich auf Heinz von Foerster gestoßen, Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners, hier beschreibt er auf Seite 36 seinen

    ethischen Imperativ: ich handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst

    Ich zitiere weiter,...gemeint ist, dass man die Aktivitäten eines anderen nicht einschränken soll, sondern dass es gut wäre, sich auf eine Weise zu verhalten, die die Freiheit des anderen und der Gemeinschaft vergrößert...

    Sobald ich versuchen würde zu entscheiden, was gut und richtig wäre, würde ich ja die andere Macht durch meine Macht ersetzen. Seit dem achte ich darauf, Möglichkeitsräume zu schaffen. Das geht einher mit explorativen Lernen versus exploitiven Lernens.

    mein Entwicklungspfad: über die Thematik Nachhaltigkeit erkennend, das ist richtig, jedoch nicht die Basis

    Donella H. Meadows Buch "Die Grenzen des Denkens" entdeckt und verstanden das ist die Basis :)

    intensive Literaturstudie "komplexe Systeme" über die Kybernetik kommend, G.Bateson, HvFoerster und viele andere aufgesogen

    Übertragen erster Erkenntnisse in die tägliche Praxis

    Literaturstudie heutiger Wissenschaftler wie Hartmut Rosa, Armin Nassehi, Wolfram Lutterer, Maria Pruckner

    Soziopod entdeckt ;)

  • Martin ich verstehe dich gut! Ich habe diese Phase auch durchlebt.

    ThomasG mir wird leider nicht klar, was Du mit "Phase" meinst und auf was Du Dich dabei beziehst. Ich habe gelernt bis zum Anschein eines Verstandenseiens erst mal skeptisch zu bleiben was bei meinem Gegenüber wirklich angekommen ist. Ich finde die Technik des Paraphrasierens sehr viel hilfreicher, um einander zu verstehen, als die Behauptung von Verstehen.

    Deine Ausführungen wecken bei mir den Eindruck, als wolltest Du Aussagen, dass seinem eigenen Willen zu folgen und zu sich selbst zu finden im einem Gegensatz dazu stünde für sich selbst und andere den Raum der Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.

  • Aus meiner Sicht ist der Sinn des Lebens das eigene Leben zu leben. Die Herausforderung dabei ist, wirklich das zu finden was das Eigene ist. Entsprechend der Inschrift auf dem Auryn: "Tu was Du willst."


    Warum sollte ich meine Überzeugungen verteidigen müssen? Weil jemand seine Überzeugungen auf mich projiziert? Da brauche ich keine Verteidigung, sondern verbitte mir jede Anmaßung, dass jemand anderes meint entscheiden zu wollen, was ich mit meinem Leben zu machen hätte. Wenn sich jeder um sein eigenes Leben kümmert, hat er bereits genug für ein ganzen Leben zu tun. Im nächsten Leben hat er dann Gelegenheit, sich um ein anderes Leben zu kümmern.

    Die Überzeugungen betreffen halt selten nur einen selbst sondern auch die Mitmenschen und die Welt um einen herum. Ich muss meine Weltsicht schon verteidigen wenn ich einem FPÖ Wähler erkläre, dass ich seine Weltsicht falsch und gefährlich finde.


    Also gerade bei dem Gedanken jeder soll machen was ee will bin ich verwirrt. Einerseits will ich niemandem sagen was er tun soll oder behaupten ich wüsste was zu tun sei andererseits habe ich das Gefühl, dass ich aus diesem Grund Probleme hab Dinge mit denen ich nicht übereinstimmen kann zu kritisieren.

  • Martin Finger

    was Du mit "Phase" meinst und auf was Du Dich dabei beziehst

    meine Phase heißt: die Zeit - eine lange Zeit, in der ich mich intuitiv z.b. davon verabschiedet habe, "gegen" (S21) zu sein, sondern "für" etwas (K21) zu sein, ich schon seit Jahrzehnten politisch interessiert bin, mich jedoch nicht auf eine Partei einlassen kann, intuitiv im beruflichen weg bin von Anweisungen hin zu echter Beteiligung durch Erkennen.

    Seitdem ich mich der Kybernetik, Systemtheorie auseinandergesetzt habe, wurde mir bewusst, dass meine vorige Intuition für mich richtig war. Jetzt handle ich also bewusst und muss mich auf diesem Gebiet nicht mehr nur auf meine Intuition verlassen.

    Das fängt schon beim Denken an: wo ich sonst dachte "aber" - was ja eine Einschränkung darstellt, verwende ich in meinen Gedanken schon das verbindende "und" somit erweitern sich meine Gedankenräume.

    Deine Ausführungen wecken bei mir den Eindruck, als wolltest Du Aussagen, dass seinem eigenen Willen zu folgen und zu sich selbst zu finden im einem Gegensatz dazu stünde für sich selbst und andere den Raum der Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.

    das war nicht meine Absicht! Für mich steht das gar nicht im Gegensatz zueinander, ich zwinge ja niemanden meine Meinung auf... ist es so besser zu verstehen?

    mein Entwicklungspfad: über die Thematik Nachhaltigkeit erkennend, das ist richtig, jedoch nicht die Basis

    Donella H. Meadows Buch "Die Grenzen des Denkens" entdeckt und verstanden das ist die Basis :)

    intensive Literaturstudie "komplexe Systeme" über die Kybernetik kommend, G.Bateson, HvFoerster und viele andere aufgesogen

    Übertragen erster Erkenntnisse in die tägliche Praxis

    Literaturstudie heutiger Wissenschaftler wie Hartmut Rosa, Armin Nassehi, Wolfram Lutterer, Maria Pruckner

    Soziopod entdeckt ;)

  • Puh, also gleich mit dem Sinn des Lebens zu starten ist schon harter Tobak ^^


    Als Naturalist tue ich mir mit der Frage immer etwas "schwer". Hinter dem "Sinn des Lebens" steckt ja für viele eine teleologisch Annahme, also die Annahme einer Zweckorientierung, die ich nur zurückweisen kann. Der Welt ist kein Sinn eigen, den wir zu deuten im Stande wären. Deswegen möchte ich hier gerne Albert Camus Philosophie des Absurden in den Raum stellen, in der er eben genau das thematisiert. Der Mensch als Suchender nach Sinn und Erklärungen, in einer sinnlosen Welt. Camus schlägt vor gegen diese Absurdität des menschlichen Daseins zu rebellieren und weiterhin den Kampf gegen die Windmühlen zu führen, sprich nach einem Sinn zu suchen, statt gänzlich dem Nihilismus zu verfallen.


    Camus führt drei Möglichkeiten ins Feld, um gegen dieses Dilemma anzukommen...

    (1) Der Selbstmord, als Flucht vor dem absurden Dasein, der seinerseits aber die Existenz nur noch absurder werden lässt. (2) Religiöser, spiritueller oder sonstiger Glauben an etwas das darüber hinaus geht. Eine Lösung die über dem Absurden steht und daher eine Bedeutung in sich besitzt. Camus lehnt auch das ab und bezeichnet dies als philosophischen Suizid, als Flucht vor der sinnlosen Realität. (3) Seine Lösung ist es das Absurde einfach zu akzeptieren und die Suche, als Revolte gegen das Absurde, dennoch nicht aufzugeben. Befreit von der Illusion scheinbar objektiver Zwänge, konstruiert man sich seine eigenen, subjektiven Bedeutungen und erlangt so sein größtes Maß an Freiheit, während man die unumkehrbare Absurdität akzeptiert.


    Buchtipp hierzu: Der Mythos des Sisyphos, von Albert Camus

  • Die Überzeugungen betreffen halt selten nur einen selbst sondern auch die Mitmenschen und die Welt um einen herum. Ich muss meine Weltsicht schon verteidigen wenn ich einem FPÖ Wähler erkläre, dass ich seine Weltsicht falsch und gefährlich finde.

    In dem Moment wo ich die Weltsicht eines anderen als falsch und gefährlich ablehne gebe ich ihm damit die Erlaubnis auch meine Weltsicht abzulehnen und mir Vorgaben machen zu dürfen, wie meine Weltsicht zu sein habe mit allen Folgen welche es mit sich bringt. Ich führe in diesem Fall die Auseinandersetzung also auf der gleichen Ebene wie mein Gegenüber mit den gleichen Mitteln.

    Also gerade bei dem Gedanken jeder soll machen was ee will bin ich verwirrt. Einerseits will ich niemandem sagen was er tun soll oder behaupten ich wüsste was zu tun sei andererseits habe ich das Gefühl, dass ich aus diesem Grund Probleme hab Dinge mit denen ich nicht übereinstimmen kann zu kritisieren.

    Meine Argumentation erfolgt auf einer anderen Ebene bzw. aus der anderen Richtung. Statt meinen "Schutz" darin zu sehen, dass ich die Weltsicht meines Gegenüber unterbinde und mich durchsetze, schließt mein "jeder darf machen was er will" die Weltsicht meines Gegenüber ein. Ich verwende hier explizit dürfen statt sollen, da -Sollen=Forderung=Übergriffe erlaubt- im Gegensatz zu -Dürfen=Erlaubnis=Grenze ist ein anderes Wollen-. Das "Einschließen" kann hier sogar Wörtlich genommen werden, denn durch das Zulassen des Anderen erlange ich den nötigen Schutz für mein anders Sein. Würde er nun immer noch fordern, dass die Welt nach seinem Willen in Gänze zu funktionieren habe, kann ich ihn mit seiner eigenen Forderung schlagen ohne auf seine Ebene zu wechseln.


    Seinen Willen auszuleben schließt nicht ein, sich über den Willen eines Anderen hinwegsetzen zu dürfen. Das ist der Fehlschluss der bei "Tu was Du willst." zwar auf der Hand liegen mag, weil unsere Welt so funktioniert, bleibt aber ein Fehlschluss. Für mich erfolgt hier ein Wechsel von einer Welt des "Sollens" in eine Welt des "Wollens". Die Reichweite einer Person in der Welt des Wollens umfasst nur sie selbst, während in der Welt des Sollens ständig Übergriffe auf andere Personen an der Tagesordnung sind, gegen die sich jeder zur Wehr setzen darf so gut er kann. Es ist an der Stelle aus meiner Sicht langfristig hilfreich dieses zur Wehr setzen so zu praktizieren, dass zukünftige Übergriffe delegitimiert werden statt sie zu legitimieren.

  • ist es so besser zu verstehen?

    Auf jeden Fall habe ich so die Möglichkeit zu Erfahren, was in Dir lebendig ist und kann abgleichen ob es wiederum bei mir parallelen dazu gibt. Danke dafür. Es zeigt sich eben, das wir alle wie ein Kaleidoskop aufgebaut sind. Einzelne Scherben können identifiziert werden und es gibt starke Ähnlichkeiten. Als Ganzes sind wir dann jedoch so unterschiedlich, dass es mir gar nicht sinnvoll erscheint Vergleiche anzustellen. Es könnte unserem Erleben und unserer Persönlichkeit doch nicht gerecht werden.


    Währen ich mich in dem "dafür sein" statt "dagegen sein" sofort identifizieren kann und es etwas ist, was ich in meinem Leben schon sehr früh im Rückblick zuordnen kann, ergibt die Aufspaltung von Bewusstsein und Intuition für mich keinen direkten Anknüpfungspunkt, da Denken (der Teil welcher im Bewusstsein stattfindet) immer schon meine Hauptbeschäftigung war und die Intuition für mich immer noch ein schwer zu fassender Begriff ist. Je nachdem was jemand damit aussagt, kann ich dieses mal bei mir wiederfinden (Unterbewusstsein welches durch Denken programmiert wurde) oder es einfach nur stehen lassen (irgendwelche "Bauchempfindungen" oder "Gefühle" ohne Gedanken).

  • Ich persönlich denke nicht, dass ein universeller Sinn des Lebens erkennbar ist, und kann mir auch nicht vorstellen, dass solch einer erkennbar sein wird. Auch wenn irgendwann mal (ein) Gott auftauchen würde (also erkennbar werden würde) und sagen würde: "Hallo, ich bin Gott", würde sich für mich und mein Leben / meine Ethik wohl wenig verändern - auch wenn das aus jetziger Sicht, in der sich Gott (mir) nicht zeigte, wohl nicht adäquat zu beantworten ist. Ein Gott/Götter ist/sind sicherlich sinnstiftend für viele Personen auf der Welt, aber ich finde es auch interessant darüber nachzudenken, inwiefern sich die Ethik für Nicht-Theisten tendenziell ändern würde, falls ein Gott auftauchen würde (der ggf. sinnstiftend ist).


    Das Zitat "Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst" (Goethe) finde ich ganz sympathisch, schon allein deswegen, weil ich die Verneinung dieser Aussage, dass der Sinn des Lebens nicht das Leben ist, für nicht stichhaltig halte. Wieso sonst sollte man sonst überhaupt leben? Der Sinn des Lebens, wäre dieser nicht das Leben selbst, müsste sich ja dann nicht unbedingt in dem Leben entfalten. Heißt, dass m.E. das Leben selbst irgendwie ein Teil vom Sinn des Lebens sein muss.

    Aber irgendwie ist mir diese Aussage, dass der Sinn des Lebens das Leben ist, zu schwammig... vielleicht erwarte ich von einem Sinn des Lebens auch "mehr" als diese scheinbar triviale Aussage.


    Deswegen tendiere ich persönlich auf individueller Ebene dazu zu meinen, dass jeder selbst den Sinn des Lebens finden bzw. für sich definieren soll (bzw. nicht definieren soll, falls nihilistisch argumentiert). Den "universellen" Sinn zu finden halte ich schon deshalb für unrealistisch, weil ich (mittlerweile) "das Objektive" für - zumindest - zweifelhaft halte und ich meinen (individuellen) Sinn des Lebens ungern verallgemeinern bzw. für objektiv richtig halten möchte bzw. auch meine, dass dies nicht möglich ist.

  • Martin Finger Intuition ist ja so etwas wie "Bauchgefühl", die Verarbeitung, Anwendung von Erfahrungen ... Schau dir das mal an:


    Peter Kruse, absolut hörenswert, nicht nur diese Folge

    mein Entwicklungspfad: über die Thematik Nachhaltigkeit erkennend, das ist richtig, jedoch nicht die Basis

    Donella H. Meadows Buch "Die Grenzen des Denkens" entdeckt und verstanden das ist die Basis :)

    intensive Literaturstudie "komplexe Systeme" über die Kybernetik kommend, G.Bateson, HvFoerster und viele andere aufgesogen

    Übertragen erster Erkenntnisse in die tägliche Praxis

    Literaturstudie heutiger Wissenschaftler wie Hartmut Rosa, Armin Nassehi, Wolfram Lutterer, Maria Pruckner

    Soziopod entdeckt ;)

  • Entweder fragen wir Hans Werner, lassen es uns von Monty Pythen zeigen, oder klären erst mal, was mit Sinn gemeint ist.

    Laut Wikipedia ist Sinn, vor allem als "Bedeutung" verstehbar. Welche Bedeutung messen wir Leben zu? Unserem Leben und dem etlicher Menschen, die uns nahestehen, werden wir Bedeutung zumessen und somit in diesen Leben einen Sinn sehen. Bei den Einzellern unserer Darmflora muss schon jemand mit einem gewagt betitelten Buch, oder ein Arzt mit einem für uns, oder einem uns nahestehenden Menschen, diesbezüglich negativem Befund daher kommen, damit wir diesen Bedeutung beimessen.

    Nach Niklas Luhmann: „Sinn ist laufendes Aktualisieren von Möglichkeiten“. Das Sein entspinnt sich zwischen den unendlichen Möglichkeiten und dem Nichts. Dann ist der Sinn des Lebens, bewußte Wahrnehmung des Seins zu generieren und selbst kreativ an diesem Prozess teilzunehmen. Je mehr Bedeutung ich dem Sein und mithin vor allem dem Leben beimesse, desto weiniger mache ich kaputt und desto mehr erfreue ich mich an dem was ist. Wenn das nicht sinnig ist, was dann?

  • Als Naturalist tue ich mir mit der Frage immer etwas "schwer". Hinter dem "Sinn des Lebens" steckt ja für viele eine teleologisch Annahme, also die Annahme einer Zweckorientierung, die ich nur zurückweisen kann. Der Welt ist kein Sinn eigen, den wir zu deuten im Stande wären. Deswegen möchte ich hier gerne Albert Camus Philosophie des Absurden in den Raum stellen, in der er eben genau das thematisiert. Der Mensch als Suchender nach Sinn und Erklärungen, in einer sinnlosen Welt. Camus schlägt vor gegen diese Absurdität des menschlichen Daseins zu rebellieren und weiterhin den Kampf gegen die Windmühlen zu führen, sprich nach einem Sinn zu suchen, statt gänzlich dem Nihilismus zu verfallen.

    Hallo nihilin,


    ich bin so frei, mir Dich herauszupicken, um hier Fuß zu fassen. Das bietet sich an, weil ich mich selbst als Antinaturalisten bezeichnen würde – das heißt, ich lehne die naturalistische Position ab, dass sich alles, was existiert, auch naturwissenschaftlich erfassen lässt. Das vor allem deshalb, weil die dem Naturalismus zugrunde liegenden Philosophien – der Materialismus und der Physikalismus –, an ihre Grenzen stoßen, sobald sie erklären wollen, wie sich aus dem Objektiven das Subjektive entwickelt haben soll.


    Du schreibst, dass Du die teleologische Annahme zurückweist. Warum eigentlich?


    Ich möchte Dir meine teleologische Position entgegenhalten:


    I. Das Ziel des Kosmos ist dessen Evolution. Der Kosmos strebt seine eigene zunehmende Komplexität, Differenzierung, Integration, Organisation, Strukturierung und Autonomie an.


    II. Unser Leben ist ein sinnvoller Abschnitt dieses Evolutionsprozesses. Der Sinn des menschlichen Lebens ist demnach, komplexer, differenzierter, integrierter, organisierter, strukturierter und autonomer zu werden.


    Ich freue mich über Widerspruch!


    Pseudonymisiert

    Vali

  • I. Das Ziel des Kosmos ist dessen Evolution. Der Kosmos strebt seine eigene zunehmende Komplexität, Differenzierung, Integration, Organisation, Strukturierung und Autonomie an.

    Ein interessanter Gedanke für den ich mich auch erwärmen kann.

    Aber, wer oder was ist DER Kosmos?


    2. Zitat von Vali

    Ich lehne die naturalistische Position ab, dass sich alles, was existiert, auch naturwissenschaftlich erfassen lässt.


    Wenn ich nicht Wissenschaftlich verstehen kann wie eine Pflanze entsteht, sich ein Tier oder gar der Mensch verhält. Dann liegen dem also keine allgemeinen Gesetzmäßigkeiten zugrunde die ich erfassen kann. Das heißt aber dann doch das ein WER-AUCH-IMMER gezielt eingreift und Änderungen vornimmt die wir kleinen Geister nicht verstehen können.

    „Gottes Wege sind unergründlich.“ oder was?

    Da bin ich dann raus.


    Ich freue mich auf die Antwort.

    Glücklich ist der der weiß das er glücklich ist!