Soziopod Live & Analog am Freitag, den 15.3. in Fulda

  • Hallo ihr Lieben,


    Soziopod Live & Analog gastiert zum ersten Mal in Fulda.


    Thema: Raising Democracy
    Wir wollen mit euch über Demokratie diskutieren. Was macht Demokratie heute aus? Wie wird sie derzeit an junge (und alte) Menschen vermittelt? Was müsste getan werden, damit Demokratie dauerhaft gestärkt wird? Was kann jeder einzelne von uns tun?

    All diese Fragen wollen wir gemeinsam mit euch in Fulda diskutieren. Gerne weitersagen. Link zum Facebook-Event

    Freitag, 15.3.2019 - 19 Uhr
    Aula der Rabanus-Maurus-Schule
    Magdeburger Str. 78, 36037 Fulda


    Veranstalter ist der Abiturjahrgang 2020, vertreten durch Thomas Haase und Vinzent Reinisch

    Eintritt ist frei, Spenden sind wilkommen!

    PS: Das besondere diesmal: Zwei Soziopod Fans und derzeitige Abiturienten haben sich ein oder zwei Beine ausgerissen, um diese Veranstaltung möglich zu machen.

    Deshalb kommt bitte zahlreich und sagt es auch allen weiter. Die beiden engagierten Schüler haben es echt verdient, dass der Abend ein Erfolg wird. 😘

  • Danke für den tollen Abend. Ich konnte euch endlich Mal live erleben und spannenden Diskussionen folgen.

    Super, wie die Abiturienten das organisiert und mitdiskutiert haben.


    Etwas verwundert war ich über die zwei älteren Trolle. Aber ihr habt es gut gemeistert. Habt ihr so etwas öfter bei Live-Veranstaltungen?


    Viele Grüße aus Osthessen

    Peter

  • Cool wars am Freitag ! Ich habe mal folgende Learnings notiert, gerne können, die, die dabei waren ergänzen:



    1. Schüler (einige nicht alle) sind natürlich politisch hoch interessiert, engagiert, wissen zum Teil mehr als die sogenannten Experten und können professionell neben ihrem Abi ein größeres Bürgerdialog Event, welches sich auch noch trocken mit Demokratie, Philosophie und Soziologie befasst, organisieren und erfolgreich umsetzen. Kategorien wie "Die Schüler", "die Alten", "die Politiker", "die Lehrer" helfen immens dabei Komplexität zu reduzieren, sie bilden aber niemals die komplexe Wirklichkeit ab.



    2. Demokratie steht und fällt mit der Bereitschaft miteinander ins Gespräch zu kommen. Und zwar ohne dass man sich anbrüllt, sondern sich gegenseitig zuhört und ausreden lässt. Und trotzdem kann man sich dabei trefflich streiten. Person von Sache trennen ist dabei hilfreich. Ganz im Sinne von Karl Popper: "Lasst Ideen sterben, nicht Menschen".



    3. Die wissenschaftliche und rationale Ebene hilft in allen emotional geführten Dialogen immer wieder immens weiter. Sie kann klären (das steckt in der "Aufklärung" drin) aber sie wird den Diskurs niemals alleine führen können. Wenn zwei sich streiten, kann uns muss sich die Wissenschaft zu Wort melden und klären (so auch an dem Abend geschehen).



    4. Demokratische Entscheidungen müssen permanent verhandelt und allumfassend durchdrungen werden. Den Brexit Konflikt kann man positiv als Stresstest für die Demokratie verstehen. Er zeigt gleichzeitig die Grenzen und Gefahren des Populismus (egal ob links oder rechts) deutlich auf. Eine scheinbar einfache und spontane Lösung hat immer komplexe Konsequenzen, erzeugt neue Probleme, die der Populist und dann der spätere "Volksentscheider" einfach vorab im Schnellschuss nicht zu Ende denken will oder kann. Wir hoffen, dass gerade der Brexit eine Lehre in Sachen direkte Demokratie in Form von Hoppladihopp-Referenden ist. Direkte Demokratie ist gut, sie benötigt aber eine stärkere Informiertheit und eine eher rationale Auseinandersetzung im Vorfeld.



    5. Auch eher ungewöhnlichen Meinungen kann und sollte man zuhören. An diesem Abend hatten wir es mit zwei Leuten zu tun, bei dem das Publikum mehr als unruhig wurde, ob der geäußerten Ansichten. Auch diesen Menschen haben wir versucht mit Respekt zu begegnen, aber eben auch entschieden dazu eine Gegenposition bezogen. Aber ein kategorischer Ausschluss von Meinungen ist nicht demokratisch. Und es ist keine Einschränkung der Meinungsfreiheit oder Demokratie, wenn man die Meinung des anderen schlichtweg als nicht richtig findet und diese kritisiert. Die Bereitschaft einander zuzuhören gilt natürlich immer für beide Seiten.



    6. Es gibt klare emotionale Trigger in Debatten, die Mißverständnisse erzeugen und sofort zu Abwehr oder Schubladendenken führen. Diese kann man eigentlich nur durch nüchterne Metakommunikation auflösen. Also Kommunikation über Kommunikation. Aber auch dazu müssen sich beide Seiten darauf einlassen und das braucht Zeit und Raum.



    7. Medien müssen dringend ihre neuen Rollen und ihr System im Zuge des digitalen Wandels reflektieren und erkennen, dass sie alle ökonomischen Zwängen unterliegen, welche einen rationalen, entemotionalisierten Diskurs massiv beeinträchtigen. Die Jagd nach dem schnellen Klick gelingt nur durch reißerische, emotionale Headlines, welche den Inhalt der gesamten Botschaft, welche meistens auch emotional erzählt wird, massiv verzerren und damit insgesamt den gesellschaftlichen Furor anheizen. Emotionen wie Wut, Angst und Hass sind die größten Feinde der Demokratie - zugleich sind sie aber eben auch der größte Garant für ökonomisch erfolgreichen Journalismus.



    8. Der digitale Wandel drängt. Der Klimawandel drängt. Die Globalisierung drängt. Die Migration drängt. Populismus drängt. Demokratie braucht aber einfach ihre Zeit.

  • Danke an Herrn Breitenbach für das Notieren der Learnings! Den Punkten kann ich auf jeden Fall etwas abgewinnen und zustimmen. Bei Aspekt 3 verstehe ich aber nicht zu 100 %, was damit gemeint ist. Vielleicht, könnten Sie das noch etwas präzisieren?


    Cool wars am Freitag ! Ich habe mal folgende Learnings notiert, gerne können, die, die dabei waren ergänzen:


    3. Die wissenschaftliche und rationale Ebene hilft in allen emotional geführten Dialogen immer wieder immens weiter. Sie kann klären (das steckt in der "Aufklärung" drin) aber sie wird den Diskurs niemals alleine führen können. Wenn zwei sich streiten, kann uns muss sich die Wissenschaft zu Wort melden und klären (so auch an dem Abend geschehen).

    Ist damit gemeint, dass man in Debatten und Auseinandersetzungen rationales Denken und eine rationale Perspektive nicht vollständig von Emotionen trennen kann, man sich aber beim Versuch der Verständigung möglichst auf die Vernunft Ebene begeben sollte und sachorientiert argumentieren sollte, da man sonst kein gegenseitiges Verständnis erreichen kann?

    Den letzten Satz kann ich gar nicht einordnen und er ist mir zu unpräzise. Bei welchen Streits von wem, soll "die Wissenschaft" (wer soll "die Wissenschaft" sein?) eingreifen? Und das Wissenschaft zur Klärung beiträgt ist auch nicht immer der Fall und entspricht auch nicht zwingend ihren eigenen Grundlagen. Es ist das Ziel zur Klärung beizutragen, aber man kann erstens nur falsifizieren und zweitens ist es ein Anliegen, dass alle Ergebnisse auch weiter diskutiert und hinterfragt werden können. Bei trivialen Inhalten ist das natürlich kein größeres Problem, aber bei komplexeren Fragestellungen ist das mit der Klärung und Wahrheitsfindung auch in der Wissenschaft nicht so einfach.

    Soll keine Kritik sein, nur eine Nachfrage was unter Punkt 3 verstanden werden soll, da sich mir das beim Lesen nicht vollständig erschlossen hat. Danke im Voraus für eine Klärung!

  • Ist damit gemeint, dass man in Debatten und Auseinandersetzungen rationales Denken und eine rationale Perspektive nicht vollständig von Emotionen trennen kann, man sich aber beim Versuch der Verständigung möglichst auf die Vernunft Ebene begeben sollte und sachorientiert argumentieren sollte, da man sonst kein gegenseitiges Verständnis erreichen kann?


    Genau das meinte ich damit. War nicht präzise formuliert. Mit "die Wissenschaft" meine ich vor allem die Art zu denken und zu arbeiten. Also "kritisches Denken" und wissenschaftliches Arbeiten. Da wird ja bewusst versucht die Emotion rauszunehmen. Das kann in emotionalen Disputen klärend sein. Aber Wissenschaft allein wird leider nicht überzeugen können, eben weil die emotionale Komponente fehlt.


    Bei trivialen Inhalten ist das natürlich kein größeres Problem, aber bei komplexeren Fragestellungen ist das mit der Klärung und Wahrheitsfindung auch in der Wissenschaft nicht so einfach.

    Dem stimme ich 100% zu. Aber "die Wissenschaft" (auch schwierige Pauschalisierung) proklamiert ja weniger alle Antworten bereits zu kennen, ganz im Gegensatz zu den Populisten und Stammtischrednern. Und selbst Teilerkenntnisse tragen zur Klärung bei, denn sie können bereits krude Annahmen von vornherein falsifizieren.

    Übrigens passend dazu: https://www.facebook.com/watch/?v=1166625216834234 ;-)

  • Ja, man braucht wirklich mehr Zeit. Zeit, die wir (wer weiß) vielleicht nicht mehr haben, wenn es um den Klimawandel geht. So hilft wahrscheinlich nur Aufklärung und Bildung.


    Kann es sein, dass auch unser streben nach immer effizienterem Arbeiten uns dazu verleitet immer oberflächlicher zu werden? Oberflächlicher im Zuhören und Verstehen.


    Die Informationsflut (z.B. in den sozialen Medien) ist mittlerweile so groß, dass man gar nicht mehr die Zeit hat, alles genau zu lesen und zu hinterfragen. Da wird eben schnell "geliked", was ins eigene Weltbild passt. Die richtige technische und vor allem "mentale" Filter wird immer wichtiger.


    Auch die Diskussion mit Menschen mit ungewöhnlicher Meinung braucht Zeit und vor allem auch Kraft. Beides war wohl an diesem Abend aufgebraucht. Nicht nur bei Euch, auch bei den Zuhörern. ;)

    Ebenfalls hätte ich gerne den Deutschlehrer besser verstanden. Was war seine Intention mit dem "Ketzerisch"? Da hätte es wahrscheinlich auch noch etwas Zeit in der Diskussion gebraucht.


    An meiner kurzen Antwort sieht man auch wieder das fehlen meiner Zeit. So viele Gedanken, die ich nicht in (einfache) Worte gefasst bekomme. Zuhören ist für mich einfacher.