Die Frage nach dem Glück

  • Seit einigen Jahren beschäftigt mich die Frage, was es bedeutet "glücklich" zu sein und wie "Glück" definiert werden kann.

    Woher weiß ich, ob ich glücklich bin? Handelt es sich dabei um ein Gefühl, um einen temporären Zustand in dem man sich befinden kann oder aber vielleicht auch um eine Lebenseinstellung?

    Setzt glücklich sein die Zufriedenheit mit dem eigenen Selbst voraus?


    Was versteht ihr unter glücklich sein? Woran macht ihr fest, wenn ihr euch als glücklich bezeichnet? An eigenen Leistungen? An materiellen Gegenständen? An Menschen, die ihr liebt? An Aktivitäten, in denen ihr aufgeht? An Lebensbedingungen? An der Sicherheit der eigenen Existenz? Oder ist das alles eine Frage der Perspektive?

    Wie beeinflusst das Leben anderer das Empfinden nach dem eigenen Glück? (z.B der Vergleich mit erfolgreicheren Menschen hinsichtlich verschiedener Faktoren, sei es Geld, Gesundheit oder Persönlichkeitsmerkmale etc...)

    Kann man glücklich sein "trainieren"? Kann Glück Zufall sein?

  • Hallo kainora  

    ganz schön viele Fragen auf einmal :-)
    Was aber wiederum ja bereits zeigt wie vielfältig und uneindeutig "Glück" zu sein scheint. Ist "Glück" eigentlich schon automatisch gleichzusetzen mit "Zufriedenheit"? Ich würde sagen: Nein. Und es gibt natürlich allein schon den Unterschied zwischen "glücklich sein" und "Glück haben". Da haben wir dann schon allein ganz viele sprachliche Grenzen, die man erstmal überwinden müsste um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

    Ich denke also Glück ist etwas ganz individuelle, was ganz relatives, was temproär völlig ungreifbares. Aber ich glaube, dass trotzdem jeder Mensch für sich erkennen und spüren kann, was Glück ist - und wenn es nur darüber funktioniert, dass man sich gegenteilig fühlt: Unglücklich. Und dazu gibt es bekanntlich ein ganz fabelhaftes Buch. Paul Watzlawicks Anleitung zum Unglücklichsein.


  • “Der Mensch strebt nicht nach Glück; nur der Engländer tut das.“ - Friedrich Nietzsche


    Das Glück ist schon eine ziemliche Mogelpackung und bin fast schon geneigt es als reines Konstrukt zu bezeichnen. Für viele Menschen in unserer Gesellschaft ist es regelrecht zum Zwang geworden glücklich zu sein bzw. ihr Glück auf eine fast schon perfektionistische, sich selbst optimierende Art und Weise zu suchen. Meist erreichen sie es dann gerade nicht, während von überall das Dogma des Strebens nach Glück auf uns einprasselt, ob nun in der Werbung (vom Wunsch zur Befriedigung, zum neuen Wunsch, immer weiter, wie ein Junkie) oder neuerdings in sozialen Medien, wo die Leute ihr (gar nicht so) perfektes und glückliches/gestelltes Leben zur Schau stellen.


    Es ist mMn unsinnig so einem abstrakten Allgemeinen wie dem “Glück“ hinterher zu jagen, während auf der Jagd nach diesem Fabelwesen die potentiell interessanten Momente unbemerkt an einem vorbeiziehen. Noch absurder wird es, wenn versucht wird das Glück zu vermessen und den Vergleich mit anderen zu ziehen, quasi eine Tradition oder einen Standard des Glücks zu etablieren.


    Ich denke “das Glück“ liegt im Einzelnen, lässt sich daher nicht verallgemeinern oder gar konservieren und kann einem potentiell überall begegnen aber um diese Momente zu erkennen und auszukosten, bedarf es einer gewissen Achtsamkeit.

  • Ein Ansatz zur Definition von Glück findet sich im Bruttonationalglück anhand dessen in Buthan beurteilt werden soll, ob es gelingt einen Rahmen zu schaffen, in welchem die dort lebenden Menschen, in der Lage sind glücklich zu sein.


    Beim Glücksatlas der deutschen Post geht es primär um Zufriedenheit mit den Lebensumständen.


    Ich denke, dass glücklich sein möglich ist, auch wenn es Umstände gibt, mir denen man unzufrieden ist. Mir geht es zumindest so. Letztlich hängen unsere Gefühle nur davon ab, wie wir die Umständen in denen wir leben bewerten. Je besser es mir gelingt den Umständen in denen ich lebe mit Gleichmut zu begegnen und ohne Wertung zu sein, um so eher gelingt es mir Glück zu empfinden und mich über mein Leben zu freuen.

  • Martin Finger Martin sehe es ähnlich,

    ergänze deine Aussage lediglich mit... auch wenn es Umstände gibt, mit denen ich unzufrieden sein könnte, und anstatt.... Mit Gleichmut zu begegnen... das positive herauszuziehen...

    Mit Zufriedenheit gelingt es mir Glück zu empfinden... praktisches Beispiel: ich nutze an einem freien Tag eine sonnige Viertelstunde mit einer Tasse Kaffee auf dem Balkon und fühle mich erholt, zufrieden, wenn das dann noch im Februar stattfindet, sogar Glück :)

    mein Entwicklungspfad: über die Thematik Nachhaltigkeit erkennend, das ist richtig, jedoch nicht die Basis

    Donella H. Meadows Buch "Die Grenzen des Denkens" entdeckt und verstanden das ist die Basis :)

    intensive Literaturstudie "komplexe Systeme" über die Kybernetik kommend, G.Bateson, HvFoerster und viele andere aufgesogen

    Übertragen erster Erkenntnisse in die tägliche Praxis

    Literaturstudie heutiger Wissenschaftler wie Hartmut Rosa, Armin Nassehi, Wolfram Lutterer, Maria Pruckner

    Soziopod entdeckt ;)

  • Schließen sich Glücksempfinden und Gleichmut nicht aus?

    Ich finde gerade nicht! Aus dieser Haltung kann ein sehr tiefes Glück entstehen. Und ich meine fast nur aus dieser Haltung. Das andere ist das Glück des Momentes, auch sehr schön aber eher vergänglich.


    Ansonsten verweise ich auf meine Signatur. (siehe unten)

    Ich fürchte das viele das Glück das sie haben nicht sehen oder nicht wertschätzen und auf der Jagt nach dem Glück evtl. das ursprüngliche Glück zerstören.

  • Schließen sich Glücksempfinden und Gleichmut nicht aus?

    Warum meinst Du das? Ist für Dich Gleichmut gleichbedeutend mit Emotionslosigkeit oder Beliebigkeit? Gleichmut meint nicht, dass mir alles egal ist, sondern nur, dass die Umstände mich nicht zwingend in einen bestimmten Zustand versetzen können, wenn ich nicht gewillt bin es zulassen.


    Solange keine gemeinsame Glücksdefinition vorliegt, wird man sich nie darauf einigen können, was zum Glück führt.

    Da die Empfindung als auch die Bewertung von Glückszuständen subjektiv ist, was sollte so eine Glücksdefinition umfassen können? Statt einen Weg zum Glück finden zu wollen, wäre es sicher einfacher den Zustand des Glücks selbst zu erfassen. Je nach Körperchemie mögen die Werte von Person zu Person variieren, letztlich könnte man aber versuchen zu Messen wie der Hormonspiegel aussieht und Werte festlegen welche dann objektiv als glücklich angesehen würden.

  • Vielleicht würde es auch helfen, die Bedingungen anzuschauen, unter denen sich Leute als glücklich empfinden. Für Glück scheint das Eingebundensein auch eine wichtige Rolle zu spielen. Wer sich nicht im Einklang mit seiner Umwelt erlebt, wird vermutlich nicht glücklich sein. Dieser Einklang kann durch zwei Strategien herzustellen versucht werden, indem man die Umwelt ändert, sich z.B. in eine andere Umwelt begibt oder indem man sein inneres passend zur Umwelt verändert.

  • ich denke glück sollte man nicht definieren.

    sobald man es definiert werden die meisten festellen nicht der definition zu entsprechen und somit unglücklich.

    merkwürdig ist es wenn man dann sagt NUN habe ich mich der definition unterworfen und NUN bin ich per definition glücklich, auch wenn ich so garnicht glücklich bin ?

  • Man könnte Glück sicherlich definieren. Die Definition ist dann eben relativ und nicht absolut! Sicher ist auch, es bedarf keiner Definition :) um glücklich sein zu können. Zu einfach?

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