Beiträge von HerrVorragend

    Es wäre schon möglich, dass Sitzblockaden vor den Toren der Konzerne auf Abneigungen stoßen.

    Ich hoffe sehr, dass niemand mit Gewalt und Steine gegen friedlich sitzende Kinder und Jugendliche vorgehen wird.

    Falls doch, riskieren Klimawandel Leugner einen massiven internationalen Schlag, von dem sie sich so schnell nicht erholen würden. Das würde über Wochen durch die internationale Presse gehen. Damit könnte sich die Sympathie für die Kinder und Jugendliche weltweit exponenziell steigern. Was nur bedeutet, dass dann noch mehr Menschen auf Seiten der FridaysForFuture stehen und sie unterstützen.


    Gegendemonstranten könnten versucht sein, Passagen für ein und ausfahrende Firmen-Fahrzeuge zu erschaffen.

    Da die Klimawandel Leugner aber auf Bequemen Füßen ... na, sagen wir mal besser auf bequemen Hintern sitzen, wird das wohl eher nicht passieren.


    Wir könnten befürchten, dass die Konzerne veranlassen, die Kinder von der Polizei weg räumen zu lassen.

    Ich weiß nur nicht so recht, wie effektiv das ist, zumal die Polizei kaum friedliche und angemeldete Demonstrationen im Sinne eines wirtschaftlichen Interesse auflösen werden.

    Das passt nämlich nicht so gut zu unserem Grundgesetz.


    Vielleicht müssten wir befürchten, dass Kinder und Jugendliche Demonstranten zu Hause von ihren Eltern deswegen angefeindet werden.

    Ich glaube, die Jugendliche, dessen Eltern Klimaleugner sind, befinden sich ohnehin nicht auf den Demos.


    Das enorme Machtpotenzial, das die Kinder und Jugendliche haben, muss nur an der richtigen Stelle eingesetzt werden und es würde sich definitiv etwas ändern.


    Ich stelle mir vor, wie nur 1.000 FridaysForFuture Demonstranten einen Tag lang die eine Straße blockieren, auf dem Amazon seine Paketwagen empfängt und entsendet.

    Hui, das würde Amazon böse machen.

    Ich stelle mir vor, Amazon wäre jeden Freitag, seit 6 Monaten mächtig böse.

    Nicht nur an einem Standort, sondern an allen Standorten in Deutschland.

    Was kostet dann mehr? Die vielen Tage Umsatzausfälle, oder eine Kurskorrektur für Umweltschutz?


    Und wenn dann Amazon zur Kurskorrektur "überredet" wurde, wer kommt dann? VW, Edeka, Eon, Vattenfall usw. usw.

    "Leben und leben lassen"

    "Sag du mir nicht, wie ich zu leben habe".

    "Ihr Veganer fresst meinem Essen das Fressen weg".

    "Klimaflüchtlinge? Na und, wir wollen eh die Grenzen hoch".

    "Der SUV hat so viel Stauraum und ich kann im Stau über die anderen hinweg gucken".


    Es geht gar nicht darum, einen Klimaleugner zu bekehren.

    Es geht eher darum ein kulturelles Selbstverständnis herum zu drehen.

    Unsere Kultur lebt von der totalen Entfaltung maximal möglicher Individualität.

    Wir sind kein kulturelles Kollektiv, wir fühlen kein Team, wir nehmen Menschen eher als Hindernisse auf dem Weg zur Arbeit wahr.

    Denn auf der Strecke von 5 Km zur Arbeit ist immer so ein lahmer Penner vor uns. Da ist nicht der Fahranfänger, kein vom schlimmen Unfall zur Vorsicht gezeichneter Mensch. Kein Wir. Nur der blöde Penner.

    Nach der Arbeit sehen wir uns in den Nachrichten an, wie schlecht die Menschen sind. Dann sehen wir uns noch einen Action Film oder eine Serie an, in der nur dieser eine einzige Mann in seiner Einzigartigkeit die Welt retten kann. Vor dem Schlafengehen scrollen wir durch Twitter und sehen wieder Hass-Kommentare unter Nachrichten an.

    Auf der Arbeit ist es kein bisschen besser. Das Team besteht aus Individuen, jeder mit seiner Spezialität, schizophrener Weise dennoch bei Faulheit austauschbar.


    Die Menschen sind nach innen gekehrt hysterisch geworden.

    Hysterie braucht eine Selbsterkenntnis. Aber Selbsterkenntnis ist sehr schmerzhaft. Also blockieren wir.

    Somit ist es kein gangbarer Weg eine Kultur zu therapieren. Denn eine Therapie funktioniert ohnehin nur bei einem Menschen, der auch therapiert werden möchte.


    Nein, beim Individuum ansetzen, halte ich für den falschen oder zumindest den längst verpassten Zug.


    Es braucht eine andere Instanz. Und massive Radikalität im Diskurs.

    Wer jetzt glaubt, die Politik sei die Lösung, irrt. Die Politik ist Opfer ihrer eigenen Hierarchien in ihrer Parteilandschaft.

    Wir brauchen die Industrien.

    Es darf nicht geduldet werden, dass Industrien riesen groß wachsen.

    Die Drohung der Massenkündigungen und Abwanderungen ins Ausland, müssen auf taube Ohren stoßen.

    Eine von der Industrie bezahlte Kampagne muss zwischen seinem Wert an der Gesellschaft und der Bequemlichkeit des Individuum gemessen werden.

    Die Fridays for Future täten sehr gut daran, vor den Toren der Industrien friedliche Sitzblockaden ab zu halten, um im täglichen Betrieb der Konzerne massiv Umsätze zu zerstören.

    Und wenn die Stimmen der Konzern Fürsprecher laut werden, was sie definitiv tun, dann liegt es an jedem Einzelnen in verbaler Radikalität die Samthandschuhe ab zu streifen. Denn die Konzerne müssen nicht mit Samthandschuhe angefasst werden. Die Konzerne braucht unsere Hilfe nicht.


    Irgendwann, wenn die Konzerne zu viel Geld verloren haben, und ihr Unternehmenswachstum dadurch bedroht wird, werden sich die Konzerne gezwungen fühlen, den Forderungen der Massen gerecht zu werden.

    Wenn die Industrie mit den Forderungen des Volkes gezwungener Maße einher geht, dann wird auch die Politik mit ziehen, wenn auch gezwungener Maße.


    Eine sanfte Lösung wäre in den 80ern noch möglich gewesen. Damals wusste man schon vom Klimawandel.


    Ja, in gewisser Weise hoffe ich auf die überwältigende Macht des Volkes, nicht auf einzelne "Helden".

    Es war einmal das blanke Überleben. Kein Sinn, denn dafür war neben der Angst vor dem Tod keine Zeit.
    Gefolgt vom unbedingten Durchhalten. Immernoch kein Sinn, denn wichtiger war das nächste Essen.

    Dann war Leben allein nicht mehr genug, es musste auch etwas nach dem Überleben kommen. Religion war der einzige Sinn.

    Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir uns in Essenz fragen "Hä? Moment mal, wo bin ich hier eigentlich?".


    Der Lebenssinn wandelt sich. Es gibt so viele Ansichten dazu, wie Sand am Meer. Und alle sind sie gleichermaßen Falsch wie auch Richtig.

    Was für mich falsch ist, wird vielleicht für dich richtig sein.


    Vielleicht befinden wir uns kollektiv in einer luxuriösen Position in der Zeit, in der wir uns um nichts ernstes Sorgen müssen. Da bietet sich die Frage nach dem Sinn des Lebens super an.

    Selbst der Tod verliert heute seinen Schrecken. Es braucht ja schließlich nur ein bischen Reframing und schon ist der Geburtsfunke der wahre Sadist und der Gevatter Tod der Erlöser.

    Also fragt man sich, ob der Sinn überhaupt noch im Dies oder Jenseits liegen kann.


    Eine Hypothese kann also sein, nach einem sozialen Ideal zu streben.

    Wir leben dieses Bestreben zum sozialen Utopia bereits. Und das in einem Land, das über die Geschichte hinweg von Hass und Kriege gezeichnet ist.

    Wir erleben gerade wie aus einer Gesellschaft, die der Nächsten erbitterter Feind war, Freundschaften erwachsen.

    Europa ist diese sehr junge Pflanze, die etwas absurd unfassbar großartigs jenseits jeden sozialen Maßstabes wird.


    Vielleicht ist Europa ein Muster und Sprungbrett für die gesamte soziale Menschheit.

    Etwas mehr Stabilität in Europa, dann machen die Afrikaner womöglich etwas ähnliches. Dann der gesamte asiatische Raum. Oder umgekehrt.

    Wer weiß, vielleicht in ferner Zukunft einmal, gibt es einfach keine Grenzen mehr. Kein Europa, kein Asien, kein Amerika. Sondern nur noch Menschen.

    Das alles, weil Europa zeigte, wie vermeintlich ach so unterschiedliche Kulturen letzten Endes doch eigentlich gar nicht so unterschiedlich sind.


    Spinn ich da sehr rum? Für mich klingt das auch Utopisch. Aber ich würde es mir von ganzem Herzen wünschen.

    Ein Individuum mag auf Charakteristika herunter gebrochen werden.

    Keines seiner Charakteristika ist verglichen mit dem gleichen Charakteristika eines anderen Individuum einzigartig individuell.

    So habe ich ein Charakteristika in Form einer Abneigung zu Schmerz. Dieses Charakteristika haben sicherlich sehr viele andere Menschen auch. Es ist also nicht einzigartig.

    Aber die Entstehung und die Ausprägung eines Charakteristika wie die Abneigung zu Schmerz, die ist hoch individuell. Es ist bei jedem Individuum eine einzigartige Menge Entropie eingeflossen, um ein Charakteristika aus zu bilden.


    Wenn ich mich auf die Charakteristika als Resultate beschränke und nicht tiefer einsteige, ungeachtet dessen Ausprägung, dann habe ich eine Teilmenge Charakteristika, die ich mit anderen Menschen gemeinsam habe.

    Diese Teilmenge aller Charakteristika schafft Schnittmengen mit anderen Menschen, die uns ähneln. Es ist die Gemeinsamkeit unserer Charakteristika, die eine Gruppe formen.

    Diese Gruppe erschafft aber noch keine Gesellschaft, sondern lediglich Kategorien.

    Es ist dann aber doch die Bedeutung eines Charakteristika, der als Klebstoff zu einer Gesellschaft führt.

    Meine Verfassung, mein Grundgesetz, ist Teil von mir. Nicht nur von mir selbst, sondern von 83 mio. Menschen um mich herum auch. Diese ungeheuer (ge)wichtige Gleichheit macht mich zum Teil diese Gesellschaft.

    Spätestens da wird es leicht absolut.


    Eine Gesellschaft ist nach meiner Ansicht nichts anderes als eine Teilmenge aller Charakteristika, die alle Individuen in sich tragen müssen.


    Das hoch komplexe Netzwerk aus individuelle gewichteten Charakteristika, das mich zum individuellen Menschen macht, basiert auf einer maximal individuellen Entropie. Kein einziges meiner Teile, findet seines Gleichen.

    Aber das Resultat aller Teile, ist bei Ignoranz seiner Gewichtung sehr uniform.

    Ungeachtet der Gewichtung der Teile, ist jeder Mensch eine Teilmenge aus erdenkbaren Charakteristika. Genau das macht uns zu einer Gesellschaft.

    Was, wenn mit Stärke die emotionale Stabilität, Konsequenz und Weisheit gemeint ist?

    Das wünscht sich doch jeder.

    Man, zu was wäre ich Mensch im Stande, hätte ich die emotionale Stabilität mich von Sackgassen und Missgunst nicht entrüsten zu lassen!

    Wie weit würde ich es bringen, wenn ich eisern an meinem unbedingten Willen fest halte, meinen Traum zu verwirklichen!

    Es triggert meinen Idealismus hart, hätte ich die Weisheit meinen Pfad in geschickten Worten zu erklären, so dass andere Menschen meinem Erfolg folgen könnten!

    Genau diese vermeintlich traditionellen männlichen Ideale, funktionieren für Männer wie auch für Frauen.


    In einer Zeit des "tl;dr" ist der Begriff "Stärke" ein Synonym für komplizierte Gedanken, hinter denen sich Welten verstecken.

    Ist doch klar, dass die meisten Menschen beim Gedanken an männliche Stärke einen Gang in die Muckibude verstehen.


    Selbsthass führt zu eingeschränkter Empathie. Das klingt erstmal plausibel. Ich würde das gerne erweitern. Selbsthass scheint mir ein Filter, der viele andere Einflüsse als Irrelevant erkennt und nicht in den Fokus lässt.

    Diese Männer sind sehr wohl zu Empathie in der Lage. Sie sehen nur einige Dinge in besonders starkem Kontrast. Missgunst, Abneigung, Zweifel usw. darauf ist der Verstand eines sensiblen Mannes trainiert.

    Es nutzt nichts, dem Mann zu erklären, dass die Welt nicht so schwarz-weiß ist. Es braucht eine ebenbürtige Energie, die ihn dazu brachte, seinen Verstand auf diese Reize über die Jahre zu sensibilisieren.


    Frauen werden unfassbar dumm angemacht, weil :

    1. Männern nicht beigebracht wird, wie es richtig geht

    2. Männer keine Vorbilder haben

    3. Schubladendenken böse ist

    4. Teile des Mannes böse sind


    Jungs lernen den Umgang mit Mädchen in der Schule, leider aller höchst selten vom Vater.

    Ein jugendlicher Junge hat keinen blassen Dunst, wie er seine Freundin bekommen hat. Aber das hindert ihn nicht daran eine Persona aus zu strahlen, die ihn als natürlichen Gewinnertypen darstellt.

    Mangels echter Vorbilder, richtiger Mentoren, nach denen Jungs sich richten wollen, bleibt Jungs nichts anderes übrig, als das Rad stets von neuem zu erfinden. Also ziehen sie los und probieren Unsinn aus, den sie sich als wirksam abgeguckt oder erzählen lassen haben. Anmachsprüche ganz vorne mit dabei.

    Oder James Bond als Vorbild, der stets absolute cooles ausstrahlt. Das doofe ist nur, dass ich James Bond nichts fragen kann.

    Irgend eine Flachzange muss vor vielen Jahren einmal auf die dumme Idee gekommen sein, dass Schubladendenken etwas ganz schlimmes ist. Individualität ist Mode und alles andere beleidigt meine Person, so wird es daher empfunden. Das führt natürlich auch dazu, dass männliche Vorbilder und Mentoren kategorisch abgelehnt werden. Ich bin schließlich einzigartig. Ich brauche natürlich einen ganz eigenen Funken, um mein eigenes Feuer zu entfachen.

    Und daraus ergeben sich auch die brutal schlimmsten Tipps, die man einem Mann geben kann. Wie zum Beispiel "Du musst ganz einfach nur du selbst sein“.

    Teil eines Mannes ist aber auch die Aggressivität. Aber nichts könnte schlimmer und verwerflicher als Aggressivität scheinen. Denn daraus ergeben sich schließlich Kriege. Das mag schon sein, allerdings kann Feuer auch böse schmerzhafte Brandblasen bringen, oder ein unverzichtbarer Schritt in der Evolution der gesamten Menschheit sein.


    Männer brauchen Vorbilder. Andernfalls rennen Männer daher und versuchen Frauen mit unfassbar dummer Art für sich zu gewinnen. Schafft Mann es damit einfach nicht, muss Mann eben noch direkter werden und immer weiter eskalieren. Die anderen Jungs machen es ja auch so. Und genau da sind dann doch wieder die Vorbilder. Nur leider sehr Schlechte.


    Das schonungslose Hinterfragen des männlichen Selbst und Fremdbildes, adressiert wieder die gleiche Problematik. Es ist als müsse sich jeder Mann auf den Prüfstand stellen, und sich erstmal erklären.

    Ich propagiere, dass nahezu jeder Mann gut ist. Allerdings propagiere ich auch, dass jeder Mann ein Potenzial in sich hält, das ihn in die Lage versetzen kann, Berge zu versetzen.

    Mir widerstrebt es mein altes Ich auf den Prüfstand zu stellen, wenn alles in mir mich voran drängt.

    Sie schonungslose Frage darüber, ob meine Aggression, meine Scheuklappen, meine Passion, meine Sexualität überhaupt zeitgemäß und gesellschaftlich adäquat sind, hängen mir wie ein Anker um den Hals, der mich keinen Schritt voran kommen lässt.


    Die American Psychological Association hat trotzdem sehr recht mit seinem Statement der toxischen Männlichkeit, WENN damit gemeint ist, dass Mann seine "Stärke" glorifiziert, WÄHREND er gleichzeitig die Frauen abwertet.

    Genau hier braucht es starke männliche Vorbilder. Denn Männer und Frauen brauchen einander. Niemand ist Mittel zum Zweck des Anderen.

    Wir alle Menschen sehen Erfolg, erkennen Erfolg, lieben Erfolg, wünschen uns Erfolg. In unseren Aktivitäten, im Beruf und auch bei unseren geliebten Frauen. Ohne ein Vorbild, der Jungs zeigt, wie echte männliche Stärke aussehen kann, werden Substitute in Form von z.B. Rap-Videos erschaffen.


    So viel zu den Männern.

    Komme ich zu dem "What-about-ism“. Frauen haben auch ein dickes Brett für sich zu sägen. Allerdings auf ganz anderem Niveau. Sehr viele weibliche Probleme entstehen als Reaktion aus oben beschriebenen männlichen Problemen. Längst nicht alle!

    Aber wie viel einfacher wäre es für jede Frau, wenn wir Männer uns selbst in den Griff bekommen hätten und unsere Frauen nicht als Mittel zum Zweck, Lustobjekt oder lästige Last wahr nähmen?


    Die Rollenbilder durchbrechen wir nicht hier im Forum, in dem wir Gedanken darüber austauschen und uns dafür auf die Schultern klopfen, dass an etablierten Machtstrukturen gerüttelt wird.

    Die Rollenbilder durchbrechen wir, indem wir Zeit in die soziale Ausbildung eines jeden Menschen stecken. In den Schulen, wäre das möglich. Alle Lehrer durch Pädagogen ersetzen. Viel mehr soziale Perspektiven in den Schulen etablieren. Feuerwehrmänner, Soldaten, Banker, MMA Kämpfer, Altenpfleger, Kosmetiker, und viele andere in die Schulen zum Dialog kommen lassen. Am besten täglich. Gemeinschaftliche Lern-Projekte für jugendliche, statt Frontalunterricht.

    Wir haben nur die Schulzeit, in der Kinder und Jugendliche in irgend einer Weise für das Leben vorbereitet werden können. 
Jungs, die auf dem Schulhof "iiih Schwul" schreien, rufen damit ein Bedürfnis nach Aufarbeitung eines Weltbildes aus. Ein Pädagoge, der das erkennt, es schafft einen schwulen Kampfsportler in die Schule kommen zu lassen, der die Schüler in und durch ein Lernprojekt führt, der wäre Gold wert.

    Also das wäre mal Emanzipation … hässliches Wort, Humanismus auf ganz neuem Niveau.

    Deine Frage trifft den Nagel gut auf den Kopf.

    Ich kann mir auch nicht erklären, wo der Wachstumsgedanke herkommt. Ich weiß lediglich, dass er existiert, ohne ihn selbst empfunden zu haben.

    Oder habe ich doch?

    Ich baue mir eine Wohnung auf. Ich habe ein recht schickes Auto. Meine Kleidung ist auch auf einander abgestimmt. Ich kaufe möglichst wenig in Plastik verpackte Lebensmittel. Ich supplementiere meinen Fleischverzicht.

    Das alles, weil ich das Geld dafür übrig habe. Hätte ich noch mehr Geld, würde ich vermutlich in meiner Selbstoptimierung noch höher hinaus.

    Vielleicht bin ich schon längst über das Ziel hinaus geschossen. Immerhin gab es die gesamte Geschichte der Menschheit nie eine Zeit wie dieser, in der ich einfach so mal eben Urlaub nehme, und mir eine Woche Amsterdam gönne, nur um Kunst zu sehen.

    Was würde ich mir noch alles gönnen, hätte ich noch mehr Geld?

    Wäre das vielleicht ein Gedanke, der Unternehmer antreibt, stets weiter zu wachsen?

    Andere Theorien besagen, es habe mit Macht zu tun. Je mehr Geld ein Mensch hat, desto mächtiger ist er auch. Ist der Glaube noch immer up to date, das Streben nach Macht sei dem Geltungsdrang nach zu kommen, der den stärksten Trieb des Menschen definiert?


    Aufbauend auf dieser Annahme, würde ich sagen, dass die Maxime des Wachstumgsgedanken als ökonomische Pflicht Nr. 1 schon seit Beginn der Menschheit existiert.


    Ich glaube auch nicht, dass die neoliberalen Wirtschaftstheoretiker sich ein Maß wie das Heutige ausgemalt hatten.

    Vielleicht hatten sie auch nie im Sinne, sich eine derartige Konsequenz aus zu malen. Hatten sie überhaupt einen Blick in die potentiellen Konsequenzen geworfen?


    (Am Rande; ich habe kein Problem mit Atomenergie, ich habe bloß ein Problem mit der Endlagerung)

    Jüngst im Podcast "Soziopod Live & Analog #011: Digitalisierung! Die soziale Frage? Im Wühlmäuse Theater in Berlin" wurde noch einmal eine kleine Diskussion um das Bedingungslosen Grundeinkommen angerissen.

    Es ist schon einige Zeit her, seit dem ich das erste mal von der Idee des BGE hörte.

    Anfangs war ich davon angetan, mittlerweile bin ich davon nicht mehr so recht überzeugt.


    Meine Kritik daran ist einfach. Geld kann einem genommen werden.

    Warum auch sollte ein Arbeitgeber 3.000€ im Monat zahlen? Er kann auch auf das BGE verweisen, und sich 1.000€ einsparen.

    Warum nicht die Mietkosten erhöhen, da doch jeder 1.000€ hat? Die Mieter können ja auch kellnern gehen und so die Differenz ausgleichen.

    Lebensmittelpreise könnten ja auch ruhig steigen. Wir in Deutschland bezahlen sowieso schon vergleichsweise wenig für Lebensmittel.

    Krankenversicherungen bieten nur noch das absolute Minimum an, gerade weil die Menschen mit BGE jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Vielleicht gibt es auch keine Pflichtversicherung mehr, wenn das Geld dafür absolut nicht reicht.

    Strom, Gas, Wasser, das ist alles nicht mehr in staatlichen Händen, sondern privatisiert. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass dort die Kosten auch steigen.


    Die Gier nach seinem Stück vom Kuchen, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche der durch Digitalisierung anonymisierten Gesellschaft.

    Wäre es denn nicht möglich, dass das BGE am Ende dazu führt, dass alle Kosten steigen und das Existenzminimum von 1.000€ um einige hundert Euro mehr steigt?

    Klingt für mich wie eine Inflation mit ein wenig mehr bürokratischem Aufwand.


    Ist ja nicht gerade so, dass man am Existenzminimum "ganz einfach" noch etwas sparen kann. Denn wo, wenn nicht am Wohnraum, Strom, Lebensmittel oder Krankenversicherung?


    Anders könnte das BGE wiederum für Familien mit 2 Verdienern aussehen. Ein Kind, 2 Elternteile, 2 Einkommen und 3k€ BEG. Das sieht ja schon einmal gar nicht so übel aus.

    Aber das ist ja auch der Knackpunkt.

    Die Versuche in vielen verschiedenen Ländern gehen nicht davon aus, dass die Personen im BGE nicht länger arbeiten. Und es war auch nicht flächendeckend, sondern auf wenige tausend Menschen beschränkt. Mal eben alle Mieten erhöhen, geht in einem so kleinen Maßstab nicht.


    Das BGE wird aber als die Lösung im Problem der Automatisierung und Digitalisierung betrachtet.

    Das Existenzminimum als Lösung für eine Zukunft ohne Arbeit ist eine furchtbare Idee!



    Andere sagen, dass das BGE eben dann doch Bedingungen braucht. Dann sind wir aber nicht mehr im "Bedingungslosen" Grundeinkommen.

    Dann setzen wir die ersten Bedingungen, um die Sache fair zu gestalten. Ab dann findet man sich sehr schnell in einer Situation wieder, in der ein dickes Regelwerk erarbeitet wird, ab wann man ein Grundeinkommen in Anspruch nehmen darf, und ab wann es endet.

    Das ist wie ein Neustart des Sozialwesens bis hin zu Agenda 2010 und Harz IV.



    Noch eine Idee geht in die Richtung Bedingungslose Grundversorgung statt Einkommen.


    Kein Geld, sondern Güter. Denn die können weder von Vermieter noch Arbeitgeber weggenommen werden.

    Eine Wohnung für alle, Essen für alle, Strom, Gas, Wasser, Versicherungen, Bildung und Kleidung für alle, und zwar vom Staat.


    Das ist aber auch viel ein dickeres Brett. Das muss ja auch finanziert werden. Selbst wenn die erste Finanzierung als Anschwung gelingt, wird es spätestens dann zu einem Problem, wenn es keine oder viel zu wenig Arbeitsplätze mehr gibt, oder der Staat die von der Industrie hergestellten Produkte nicht mehr umverteilen kann.

    Selbst wenn eine Verteilung der industriellen Produkte möglich wäre, würde die Qualität der Erzeugnisse signifikant fallen. Warum sollte man auch auf Qualität produzieren, wenn es eh vom Staat genommen wird?


    Es werden ja nicht sofort alle aufhören zu arbeiten, sagen auch viele.

    Das stimmt auch. Nur so nach und nach bei den Arbeitsplätzen im Tanzportsektor, Anwälte, Lehrer, Kassierer, Postboten, Reinigungspersonal, Fließbandarbeit, Kellner, und so weiter und so weiter.


    Die werden auch nicht einfach so mal eben einen neuen Beruf anfangen. Man wird nicht einfach mal eben Informatiker, wenn man Jurist gelernt hat. Oder Gartendesigner, wenn man auf Lehramt studierte.

    Ist denn wirklich die Annahme, jeder ohne Job und mit BGE wird zu Hause in Heimarbeit Produkte herstellen, die er gegen Geld verkaufen kann?

    Das wäre wie die Zeit damals, vor 200 Jahren, als Menschen lebten um zu arbeiten.

    Selbst dann wird das Spiel absurd. Heimarbeit ersetzt die industriell hergestellten Produkte. Darauf müssen die von Hand gefertigten Produkte teurer werden. Also geht man in Großproduktion, automatisiert mit der Zeit immer mehr um Arbeitskräfte ein zu sparen, um em Ende Menschen wieder zu Hause sitzen zu haben, die in Heimarbeit Produkte herstellen.


    Ab da fragen wir uns wieder, was es braucht, um Menschen von der Notwendigkeit eines Job unabhängiger zu gestalten. Vielleicht eine Steigerung des BGE von 1.000€ auf 2.000€? Dann geht die Schleife wieder von Vorne los.



    Wie ich es auch drehe, am Ende ist derjenige mit einem Job ein König.


    Ich glaube zu alle dem gibt es eine echte Lösung. Entschleunigung, Stillstand des Wachstum.

    Ich glaube ein Sprecher des o.g. Live Podcast erzählte davon, wie seine Cola-Produktion einfach nicht weiter wachsen sollte. Warum auch?

    Wenn DAS zu dem Standard werden könnte, hätten wir zumindest etwas mehr Zeit, um eine dauerhafte Lösung zu erarbeiten.


    Also frage ich mich (und damit auch euch liebe Leser) in Konsequenz, ist es zu schaffen ein Selbstverständnis zum Wachstumgsstop in den Köpfen aller zu etablieren?


    Ich hoffe ich habe unrecht. Ich hätte in der Sache sehr gerne unrecht. Es wäre schön, wenn meine Sorge um eine Inflation durch ein BGE unbegründet ist.