Beiträge von Soze

    Ich fänd das Thema "Geschlechtsidentität: Entwicklung und gesellschaftliche Relevanz" recht spannend. Wichtig wäre dabei aber, eben nicht das Thema Geschlechterkonflikt aufzugreifen, sondern viel mehr der Entwicklungsverlauf der eigenen Gewchlechtsidentität und die Frage, in welchem Ausmaß Sie relevant für das Individuum bzw. Das soziale Umfeld, oder auch die "gesamte" Gesellschaft (also je nach Rahmen: Deutschland, Eu, die Welt). Vielleicht gibt es da auch jeweils Unterschiede im Laufe der Geschichte, wie beispielsweise die zunehmende Realisierung bzw. Akzeptanz von queeren Menschen?


    Da Herr Dr. Köbel ja besonders auf Identitätsbildung schaut, fänd ich auch einfach interessant, auf was für Quellen er da zurückgreifen würde (Bourdieu sollte schnell dabei sein, aber bekommt er Popper da auch mit reingequetscht? 😅)


    Ich selber habe mich mit dem Thema Männlichkeit zwar schon ausgiebig beschäftigt, kann da bei Bedarf auch einige gute Quellen zu angeben, kenne mich aber in der weiblichen Identitätsentwicklung nur bedingt aus und finde quasi den strukturellen Überbau (warum überhaupt Geschlecht?) Interessant.


    Sobald es aber in die Richtung der Hegemonie und Co geht, halte ich es nur für bedingt möglich, das Thema in ca einer Stunde wirklich nachvollziehbar auszuformulieren, da es einfach unheimlich komplex und kleinteilig ist.

    Ich gehe da auch in die Richtung von Bekado. Wenn ich mir selber Notizrn mache, strukturiere ich mir dadurch inhaltlich, aber auch optisch auf dem papier die Themen vor. Informationen kann ich später dann nicht nur als abstrakte theorie abrufen, sondern meist auch mit einem Text- oder Schaubild verknüpfen und weiß z.b. daher, wieviele elemente noch dazu gehören, an welcher stelle etwas stand, etc.

    Als nächstes nutze ich mindmapping-tools, einfach weil ich damit ale themen in eine gesamtatruktur bringen kann. Strukturelle Ungereimtheiten und überflüssige Unterteilungen fallen dabei schnell auf jnd lassen sich dank digitaler form schnell anpassen. Außerdem kann ich die themen dabei schon voll aufschlüsseln und mir zudem die entsprehenden bücher, evtl sogar Kapitel zu den Oberpunkten schreiben, wodurch ich später gezielter nachlesen. (Manchmal lese ich erst nach der planung, manchmal währenddessen, manchmal ist das lesen für die planung notwendig, je nachdem, wieviel ich schon über das jeweilige thema weiß.)


    Und danach nutze ich ebenfals citavi. Ich habe mal ne kurze einführung gehabt, danach einige features selbst entdeckt und bin sehr zufrieden damit. Vollständig nutze ich das aber mit sicherheit noch nicht...

    Im Grunde geht es dabei ja um Überschneidung und/oder Differenz zwischen Gesellschaft und Individuum.


    Mit der Sozialisation wird das Individuum ja vergesellschaftet, lernt also Werte und Normen, auf die sich "die Gesellschaft", also das soziale Umfeld als Konsens geeinigt haben. Zun einen lernt es so, sich in der Gesellschaft zu bewegen und mit anderen zuverlässig zu interagieren, zum anderen bezieht es Stellung dazu. Das Individuum kann also durchaus abweichende Werte entwickeln, oder bspw. von einer geschlossenen Gruppe/Clique übernehmen.

    Gesellschaft und Individuum beeinflussen sich also konstant in der Wertbildung und -anpassung gegenseitig.


    Wenn also von Struktureller Gewalt gesprochen wird, geht es also um Gewalt, die als Folge des gemeinschaftlichen Konsens entsteht, was aber nicht bedeutet, dass das Individuum ohne Gesellschaft genauso handeln würde. Es kann sogar entgegen der eigenen Vorstellung handeln, weil es ethisch, rechtlich, moralisch, etc so geregelt ist (was ja alles gesellschaftliche Aushandlungsprozesse sind)


    Schwierig ist es nur, dass klar aufzudröseln. Was ist individuell entstanden, was gesellschaftlich? Besonders über den systemischen Blick ist die starke Vernetzung aller (sub-)systeme sehr deutlich wodurch meines Erachtens besonders mittig zwischen den beiden Polen keine trennscharfe Unterscheidung möglich ist.

    Wäre dann nicht die Hoffnung zu argumentieren, dass wir trotz unbewusster Weitergabe im späterem Alter immrer noch in der Lage sind, unsere Erziehung und Sozialisation zu hinterfragen, bzw. deren Definitionen wie Männlichkeit, Erfolg, etc. pp. zu erweitern?

    Na klar ist das theoretisch auch später noch möglich, aber es wird zugegebener Maßen immer aufwändiger, weil sich deine bisherige Lebensweise natürlich bisher "bestätigt" und damit gefestigt hat. Die Wahrscheinlichkeit würde demnach also mit zunehmendem Alter sinken während die Möglichkeit grundsätzlich bestehen bleibt.

    Es wäre aber insofern besonders schwierig, bzw. besonders lohnenswert weil wir damit das Problem bei seiner Wurzel anpacken könnten.

    Das kommt natürlich ganz auf den Blickwinkel an. Was ist denn "das Problem"? Wenn es die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wäre, spielen dann nicht auch Frauen einen Part? Frauen und Männer übernehmen beide Ihren Part, was das Problem eigentlich auf unsere Gesellschaftliche Struktur überträgt. Ich denke, dass Männer die Ursache dieser Verhältnisse sind, aber ebenso, dass wir uns alle verändern müssen, um die Verhältnisse zu verändern. Männer tun sich nur schwerer, weil sie einen Verlust in Kauf nehmen müssten.

    Ich stimme dir da voll und ganz zu und denke, dass das durchaus auch das langfristige Ziel diverser Gleichstellungsdiskurse ist. Die Problematik liegt wohl darin, sexistische, rassistische Verhaltensweisen als solche zu erkennen/zu verstehen, um sie dann vermeiden zu können. Positiver Rassismus z.B. wird ja durchaus positiv gemeint gefolgt von einem Unverständnis, was daran falsch sein soll. Die Aufklärung über existierende Benachteiligung (individuell wie strukturell) ist also nötig. Zudem gibt es einen individuellen Bedarf verschiedener Menschengruppen, der über eine entsprechende Gleichschaltung ignoriert werden würde und dadurch wieder zur ungleichen Behandlung führen würde. In der Geschlechterforschung laufen die Diskurse der Differenz und der Gleichheit daher auch parallel. Unterschiede sollen gleichberechtigt und gleichwertig neben-/miteinander existieren können. Ich verstehe dich aber auch so, dass sich deine Meinung damit decken würde (?)


    Bei der Toilettendiskussion werfe ich nich ein, dass diese meines Wissens nach auch als Schutzräume gelten. Gemeinschaftstoiletten würden bspw. alle gleich behandeln, aber eben diese sozialen Schutzräume nicht mehr gewährleisten.


    Zwwischenfrage: schweifen wir ins OT ab?

    Ich denke es kommt da sehr stark auf den Betrachtungswinkel an. In diesem Fall würde ich sogar weg vom Verhältnis Frau-Mann (also auch vom Emanzipationsbegriff) gehen und nur den Mann allein betrachten, da der Ursprung der Frage ja eigentlich nicht an dieses Verhältnis gekoppelt wurde, sondern bei der männlichen Empathie.


    Mit Blick auf die Geschlechterverhältnisse wäre der Emazipationsbegriff inhaltlich ja durchaus noch zutreffend, aber ich denke auch, dass er im öffentlichen Diskurs anders (/negativ) belegt ist.

    Die direkte Umsetzung der Gleichheit aller Menschen wäre meiner Meinung nach sinnvoller als diese isolierten und isolierenden Emanzipationsbegriffe.

    Wie würde das konkret im Alltag aussehen (also, beispielhaft)

    Ein Aspekt drehte sich um das Selbstbild von Männern und ihre Rolle in der Gesellschaft. Und zwar wird der Umgang mit unseren Gefühlen, Selbstakzeptanz und Selbstreflektion,

    oft komplett vernachlässigt.

    Eigentlich ist es noch radikaler und damit tragischer. Emotionalität und Gefühle werden als weiblich besetzte Eigenschaften im Laufe der Sozialisation ganz konkret abtrainiert, um im Umkehrschluss dem männlichen Ideal näher zu kommen. Böhnisch beschreibt es sogar als regelrechten Hass auf die eigenen Gefühle stellvertretend als Hass auf das vermeintlich Weibliche in einem selbst. Der Zugang zu und Umgang mit Gefühlen ist als Kompetenz also total verkümmert, weshalb Männer eigene Bedürfnisse häufig gar nicht bewusst wahrnehmen.


    Nicht anders kann ich es mir erklären, dass es heute leider immer noch üblich ist, dass kaum eine Frau hezutage nicht mit Sexualisierung und Diskriminierung zu kämpfen hat.


    Das liegt weniger an mangelnder Empathie, sondern mehr in erlernen Verhaltensmustern und dem männlichen Habitus allgemein. Der Unterschied ist, das sich auch die Normen zunehmen verändern und Frauen dadurch dass männliche Verhalten nicht mehr schweigend hinnehmen, sondern es thematisieren. Die Irritation und Überraschung vieler Männer, wenn sie damit konfrontiert werden ist vielmehr Zeichen ihres Verständnisses der Situation als Normalität, evtl sogar als "nett gemeinte Aufmerksamkeit". Die Thematisierung des Problems kommt daher für viele tatsächlich überraschend und wirkt wahrscheinlich eher wie eine Verzerrung der Wirklichkeit.



    Brauchen wir desshalb nicht nur mehr Schutz für Frauen, sondern ein schonungsloses Hinterfragen des männlichen Selbst und Fremdbildes in unserer Gesellschaft


    Mehr Schutz? Weiß ich nicht. Aber wir sollten das Thema Übergriffigkeit ernst nehmen und von schnellen Urteilen (gegenüber Männern wie Frauen) absehen. Nur wenn es möglich ist, entsprechende Situationen zu thematisieren ohne direkt gesellschaftliche (oder berufliche...) Sanktionen fürchten zu müssen, können alle Beteiligten, also schlussendlich die Gesellschaft das Thema bearbeiten und sich entsprechend damit auseinandersetzen.


    Viel nachgedacht über dieses Thema habe ich dann vor allem, als ich erfahren habe, dass der amerikanische Psychologenverband nun davor gewarnt, traditionell männliche Ideale an Kinder weiterzugeben. Es führe - so die Argumentation - zu destruktiven Bezehungen mit sich und der Umwelt und schade der Entwicklung des Kindes so.


    Die traditionell männlichen Ideale führen zu einer sehr fragilen Konstruktion des Selbstbildes, das sich meist an externen Einflüssen orientiert. Damit wirkt es einer gesunden Identitätsbildung einfach entgegen. Das Problem dabei ist glaube ich eher, dass Eltern die Erziehung der eigene Kinder nur zu einem Teil beeinflussen können und Jungen gerade in der Adoleszenz sich stark an externen Einflüssen orientieren. Der Rat ist demnach eigentlich sinnvoll, aber kaum umzusetzen. Unter anderem auch einfach, weil diese Ideale zum großen Teil eben nicht bewusst weitergegeben werden, sondern unbewusst und nebenbei. Als klares statement gegen diese traditionellen Werte mit Blick auf die psychosoziale Gesundheit des Jungen finde ich den Hinweis aber begrüßenswert, da das Thema so um eine fachliche Dimension erweitert wird.

    Was aber beim Mann möglich wäre, ist eine Erweiterung. Begriffe wie Erfolg, können um mehrere Definitionen Erweitert werden. So Erfolg nicht unbedingt alleine bedeuten, viel materielles zu besitzen.

    Ich denke der Beginn ist, den Zugang zur eigenen Gefühlswelt zu finden. Häufig werden eigene Gefühle und Wünsche überdeckt und emotionale Bedürfnisse geraten so in den Hintergrund. Wenn bspw. klar wird, dass die bisher formulierten Ziele gar nicht den eigentlichen Wünschen entsprechen, entsteht eine intrinsische Veränderungsmotivation, die stärker ist als eine konstruierte Umdeutung. Wichtig ist tatsächlich gerade die vermeidung von Negativ formulierten Zielen (Umdeutung von Erfolg impliziert das Ziel, nicht mehr erfolgsorientiert zu denken. Die Erkenntnis, dass ich durch die Erfolgsorientierung meinen Körper schinde kann zur Zielsetzung führen, auf mich aufzupassen und mehr auf Signale meines Körpers zu hören, wodurch der Fokus automatisch umschwenkt. Eine Umdeutung findet aber nicht statt).


    Eine neue Konzeption von Männlichkeit wäre also gesellschaftlich wie individuell definitiv vorteilhaft und würde zu einem stabileren Selbstbild und einer gleichberechtigteren und gewaltfreieren Gesellschaft führen. Die tatsächliche Veränderung ist aber leider gar nicht Mal so leicht, da im Grunde jede angenommene Selbstverständlichkeit der eigenen Lebensführung im Grunde potentiell hinterfragt werden kann, bzw. sollte.