Beiträge von benschmidt

    Das Problem ist, dass zum Beispiel beim Thema Antisemitismus viele Personen, die sich selbst als jüdisch definieren, direkt darauf angesprochen werden, bei Flüchtlingen und Muslimen ist es ähnlich, es geht weniger um das große gesellschaftliche, mehr um das individuelle Verhalten, anstatt zu versuchen überfürsorglich zu sein, sollte man jeden, egal ob Muslim oder Homosexueller oder angehöriger jeder anderen Minderheit, man sollte jede Person mit dem gleichen hohen Respekt behandeln und Fürsorge und Mitleid nur da anbringen, wo es benötigt wird. Einem Freund von mir, dessen Eltern Juden sind, geht das so, er wird sofort auf seine Meinung zum Islam und Hitler angesprochen, obwohl er zum Islam so steht wie jeder, der Religionsfreiheit hochhält, und Hitler als einen (abscheulichen) Teil der Geschichte betrachtet.

    Um mal die Toiletten-Kontroverse kurz anzusprechen: würde man genau EINE Form der Toilette anbieten (einfach Sitzklos) würden alle gleich behandelt werden, es gäbe keine Probleme mit TQ+. Ich denke das wäre eine ziemlich elegante Lösung, gegen die (meiner Erfahrung nach) von den radikalen FeministINNEN am stärksten demonstriert wird.

    Sorry übrigens, ich habe die Frage etwas weit interpretiert, aber dass Frauen und Männer genau gleich behandelt werden sollen. Der Emanzipationsbegriff setzt immer ein Dativobjekt und damit eine Abhängigkeit vorraus, die dann aufgebrochen wird. Das führt dann zu einer ungerechtfertigten Abgrenzung, anstatt zu Arbeit an einem friedlichen und harmonischen Zusammenleben. Das mit den Toiletten wäre so ein Vorschlag für die Realität.

    Meiner Meinung nach ist der gesamte Emanzipationsbegriff nicht mehr zeitgemäß bzw sollte nur sehr beschränkt verwendet werden. Egalisierung wäre angebrachter, da mit Emanzipation immer eine Fokussierung auf eine Gruppe einhergeht. Vielmehr sollte man jeden Menschen (im Rahmen der Gesetze natürlich) gleich behandeln, anstatt zu sagen, wir müssen Frauen besser behandeln, brauchen weniger Rassismus. Die direkte Umsetzung der Gleichheit aller Menschen wäre meiner Meinung nach sinnvoller als diese isolierten und isolierenden Emanzipationsbegriffe.

    Lieber Soziopod,

    bei eurer Erklärung des Ödipus-Komplexes ist euch ein Fehler unterlaufen. Mit seiner Betrachtung des Ödipus-Mythos (nicht nur die Tragödien des Sophokles, auch Aischylos und andere haben sich damit engagiert) begründete Freud eine komplett eigene Schule der mythischen Interpretation. Er sieht Mythen nämlich als Träume einer ganzen Kultur, in der diese ihre unterbewussten Triebe ausleben; bei Ödipus also den Trieb seine Mutter zu heiraten und den Vater zu töten, der Zuschauer durchlebt diesen Plot 'auf der Bühne' und muss diesem Trieb eben nicht in der realen Welt nachgehen. Der Elektra-Komplex ist dann eben die Adaption auf das weibliche Geschlecht, da die Oresteia einen dem Ödipus-Mythos ähnlichen Stoff aufweist und dementsprechen auch gleich interpretiert werden kann. Die Interpretation von Herrn Breitenbach zu dem 'moralischen Anspruch' eines Mythos wird als funktionalistische Interpration bezeichnet (mit Malinowski als Hauptvertreter), Herr Köbels Meinung, dass Mythen die Moralischen Methoden einer Kultur repräsentieren als strukturalistisch (Strauss). Die freudianische Interpretation geht eben auf die Auslebung von Trieben auf der Bühne ein. Trotzdem wieder recht interessanter Soziopod (ist ja schon ein bisschen her) und mein Text bitte mehr als Anmerkung beziehungsweise Ergänzung denn als Kritik verstehen.

    Mit allerfreundlichsten Grüßen:)