Beiträge von Herr Breitenbach

    Vielen lieben Dank für die interessanten Ergänzungen. Sehr spannend.

    Und danke für die Vorschläge. Kann ich so unterschreiben. Ich hoffe doch sehr, dass die Überzeugung Frauen seien auch Menschen dann doch deutlich überwiegt. Mir wäre an der Stelle der nächste Schritt wichtig, nämlich dass Frauen gleichwertig zu Männern sind - trotz Verschiedenheit. Das gilt sowohl für Geschlecht wie auch für Alter, Herkunft etc.

    Soziales Brot An der Stelle sei vielleicht erwähnt, dass Rawls mit dem Schleier des Nichtwissens kein Modell einer besseren Gesellschaft skizziert, sondern ein Gedankenspiel anregt, dass uns ja gerade ein Bewusstsein für die Lotterie der Natur verschaffen soll. Rawls ist daher alles andere als im neoliberalen Denken (Eigenes Verschulden etc.) einzuordnen. Da hast du ihn da wohl komplett mißverstanden. Rawls zählt zwar zu den Vertretern einer liberalen Strömung, aber eben eines egalitären Liberalismus, der im Gegensatz zum Libertarismus oder dem elitären Liberalismus steht. Rawls sah den Schlüssel von Gerechtigkeit vor allem in der Chancengleichheit, die ja eben genau durch die Lotterie der Natur nicht gegeben ist.

    mat

    Die Videos sind leider unterkomplex. Ja, wenn man nur den Virus ohne jedwede systemischen Zusammenhang betrachtet, dann erscheint das alles sehr harmlos. Man muss das aber systemisch und epidemologisch betrachten. Dann ist nicht das Virus das gefährliche, sondern der drohende Zusammenbruch der eh schon sehr schmal gesparten und unterbesetzten Krankenhäuser und der allgemeinen medizinischen Versorgung. Ansonsten gibt es gegen die Grippe wirksame Impfungen. Da herrscht nicht annähernd ein solcher Infektionsgrad wie bei Covid19.

    Also am Ende ist nicht das Virus an sich das Problem, sondern nur die Ursache. Denn sterben werden auch - wenn es richtig kacke läuft und wir die Infektionsrate nicht abbremsen - Menschen mit Infarkte, Unfälle, Krebs etc. pp. Also kann es am Ende wirklich jeden treffen und nicht nur die Virus-Infizierten.

    Darüber bitte ich ebenfalls nachzudenken bevor man sich diese Videos ansieht, die Panik vor der Panik machen.

    Vielen Dank für die Impulse und Gedanken.

    Ich denke wir haben es auf alle Fälle mit einer Systemübergreifenden Krise zu tun, jedenfalls wenn es um menschliche Systeme geht, wobei ja selbst die Effekte auch indirekte Auswirkungen auf andere biologische nicht-menschliche Systeme haben wird (Luftverschmutzung sinkt etc. pp.).


    Derzeit stehen gefühlt Gesundheit, Politik und Wirtschaft als jeweilige Systeme im Vordergrund. Aber wie Micha083 schon erwähnte gilt es nun sehr rasch im Krisenmanagement vernetzt zu denken, denn im Grunde sind alle Systeme betroffen. Die Ausgangssperren haben Auswirkungen auf psychische Systeme und damit wieder auf Sozialsysteme und die Sicherheitssysteme. Stichwort Zunahme von Häuslicher Gewalt. Auch das Bildungs- und Schulsystem vernimmt eine spürbare Erschütterung. Das mag am Anfang noch nicht gravierend wirken, wird aber langfristige Spuren hinterlassen.

    Das eigentlich interessante an der Krise ist, dass aus meiner Sicht die in der Systemtheorie ruhende "Black Box" zum Vorschein kommt. Viele meinen ja, Systeme lassen sich einfach und linear steuern. Gezielter Input erzeugt gezielten Output. Das ist momentan aber augenscheinlich nicht der Fall. Es wird im Nebel gestochert und per Trail & Error Verfahren auf die Krise reagiert, was absolut in Ordnung ist, weil eben nur so ein Umgang mit Black Boxen erfolgen kann. Es ist erstaunlich wie flexibel und experimentierfreudig nun manche scheinbar so starre Systeme sind. Ausgesprochen positiv sehe ich das gerade im Bildungssystem, wobei ich natürlich die kritische Zusatzbemerkung äußern muss, dass Corona die soziale Ungleichheit in unserem Bildungssystem nicht nur sichtbarer machen wird, sondern sie sogar noch verstärkt. Schulen schaffen es vielleicht noch Aufgaben in der Cloud zu vergeben, aber was eben nicht mehr geschieht (jedenfalls nicht in allen Haushalten möglich und leistbar), ist die pädagogische Begleitung von SchülerInnen. Das heißt, gut zu Hause betreute SchülerInnen, also Eltern mit Zeit und hohem Bildungsgrad und digitaler Kompetenz, werden vielleicht sogar von der Situation profitieren, während SchülerInnen ohne diesen privilegierten Background komplett runterfallen.

    Bemerkenswert ist die Krise im Bezug auf die Systemtheorie auch in Sachen "Vertrauen". Meine Vermutung ist nämlich, dass das Vertrauen derzeit in demokratischen Systemen etwas höher zu sein scheint, so dass diese durchaus auch kurzfristig mal die Autoritätsbremse ziehen können. Vertrauen ist jetzt sowieso das A&O in Systemerschütterungen. Welchen ExpertInnen vertrauen wir? Welchen PolitikerInnen? Vertrauen wir dem Handel? Den Maßnahmen? Den Medien? Den Mitmenschen?


    So oder so wird diese Krise all unsere Systeme nachhaltig neu ordnen. In welcher Richtung ist derzeit leider völlig offen. Aber es zeigt eben auch sehr deutlich, wie fragil das alles ist und wie eng verflochten und vernetzt all diese Systeme trotz ihrer jeweiligen Abgrenzung dann doch sind.


    Und was Apfeltee erwähnt hat: Wir werden unsere Prioritäten vermutlich neu setzen. Muss sich Gesundheit und Soziales sich weiterhin einer privatwirtschaftlichen Logik unterziehen und gilt jetzt nicht vielmehr der Umkehrschluss: Wirtschaft muss sich nach der Logik von Gesundheit und Soziales richten, wenn sie ein Interesse an Stabilität hat?

    transformative

    Vielen Dank für die Gedanken!


    Ja es gibt sicherlich etwas dazwischen und wenn uns die derzeitige Corona Krise gerade etwas lehrt ist dass Wirtschaft sogar von Regulierung udn Regeln profitieren kann. Ich hoffe dadurch wird den Menschen wieder stärker klar, dass man Wirtschaft und Gesellschaft und Gemeinwohl stets zusammen denken muss, wenn das Interesse bei einem gelungenen Zusammenleben auf diesem Planeten liegt.

    Danke für die Gedanken Micha083

    In der tat sehen wir jetzt sehr deutlich was globale aber auch regionale Mobilität für das Zusammenleben bedeutet. Das ist ein bißchen so wie bei dem Begriff der Freiheit. Man spürt Freiheit besonders dann, wenn sie einem genommen wird.

    Mir kam aber noch der Gedanke der Digitalität. Auch das hatten wir ja im Podcast angerissen. Digitalität hat Mobilität wahnsinnig erweitert und erhöht. Und gerade jetzt durch eingeschränkte physische Mobilität wird erneut sichtbar welche Funktion digitale Technologie mittlerweile für die Gesellschaft einnimmt und wie sie vor allem auch positiv in solchen Krisen wirken kann.

    Da empfehle ich die Gedanken von Heinz von Foerster, der zur genauen gegenteiligen Auffassung gelangt in Bezug auf den radikalen Konstruktivismus (RK). Eben weil wir nichts genau wissen (und selbst das wissen wir nicht) wächst unsere persönliche Verantwortung in all dem was wir tun. Und die Welt wird niemals alleine, sondern immer mit und durch andere konstruiert.

    Desweiteren sagt der RK nicht, dass Realität nicht existiert, sondern dass diese niemals erkannt, erfasst oder abgebildet werden kann. Ernst von Glasersfeld spricht bei diesem Zustand von Viabilität, also etwas ist solange viabel (gangbar) bis es verworfen wird.

    Das mit der Wahrheit ist so eine Sache. Da ist der RK wenig hilfreich, weil er zwar behauptet dass man die Lüge oder den Irrtum feststellen kann, aber das wiederum würde automatisch die Wahrheit durch die Hintertür mit einführen. Den RK ging es vor allem darum den Menschen klar zu machen, dass es postulierte Wahrheiten gab, die sich als falsch und fatal herausgestellt haben und großes Leid erzeugt haben, eben weil sie nie kritisch hinterfragt wurden. Und rein biologisch gesehen argumentiert der RK damit, dass wir die Welt nicht sehen wie sie ist, sondern dass unser Gehirn aus einem Chaos aus Reizen ein Bild und damit Ordnung schafft. Erst der Beobachter - durch das Beobachten - schafft damit Realität. Daher das berühmte Beispiel mit dem Baum und dem Geräusch, also macht ein umfallender Baum ein Geräusch, wenn niemand da ist, der es hören kann? Der Baum sendet Schallwellen aus, muss aber auf eine Reizverarbeitung stoßen (Ohren), die daraus ein bestimmtes Signal formen. Taube Menschen können den umfallenden Baum ggf. nur spüren, heißt das es gibt kein Geräusch? usw.

    PS: Skeptizismus wird nicht nur im Sinne des RK völlig unterschiedlich verstanden. Es gibt nicht DIE Definition und DAS Verständnis von Skeptizismus in der Philosophie ;-)

    PPS: Ich halte den RK für ein interessantes Denkwerkzeug und weniger für eine ultimative Welterklärungsformel und so haben es die VertreterInnen des RK vermutlich auch eher gemeint. Ein Werkzeug skeptisch zu bleiben und trotzdem Verantwortung für das Wahrhaftige zu übernehmen. Watzlawick und Co waren ja schließlich keine Nihilisten. ;-)

    Zitat

    Hunger und Tod sind sicher keine verklausulierten Letztbegründungen, aber im Sinne der Ursachenforschungen schon der Kern allen Sinnens und Handelns.


    Hmm schwierig das als Kern ALLEN Sinnens und Handelns zu definieren, weil es natürlich Anomalien gibt, die ich gerade empirisch nicht genau abschätzen kann. Aber es gibt eindeutig Menschen und ganze Gruppierungen, denen gewissen Werte wichtiger sind als der eigene Tod. Menschen treten freiwillig bis zum Tod in den Hungerstreik. Also allein aus diesen Anzeichen würde ich nicht behaupten wollen, dass es zwangsläufig immer der Kern allen Handelns ist. Der Mensch kann ja offenbar weit darüber hinaus gehen - und zwar freiwillig.

    Naja Skeptizismus ist ja im Idealzustand und im ursprünglichen Sinne eben nicht das Zweifeln um des Zweifelns Willen, sondern eher ein systematisches Hinterfragen von Hypo-Thesen und damit ein wichtiges Werkzeug zum Erkenntnisgewinn und eine Methodik, die eine Diskussion ja auch erst wirklich erkenntnisreich macht.

    Da ist mir insbesodere noch der Gedanke Fromms hängen geblieben, dass die Okkupation der ostlichen Staaten durch die Sowjetunion nicht unebdingt Ausdruck eines Expansionsdranges ist, sondern sich de UdSSR ihrerseits einen Schuzwall schafft, um sich vor dem amerikanischen Imperialismus zu schützen.

    Und die USA begründet ihre expansive Politik eigentlich mit dem identischen Argument. Man muss sich, die Freiheit und die Demokratie vor den anderen schützen. ;-)

    Am Ende des Tages geht es beiden nur um Macht und Einfluss - und zwar den jeweiligen Staatenlenkern, nicht dem gesamten Land!