Beiträge von Herr Breitenbach

    Männer sollen stark sein, extravertiert, erfolgreich, homosexuell, bzw. im allgemeinem natürlich sexuell aktiv sein.


    Gleiches gilt im Bereich Stärke, Erfolg und Außenwirkung übrigens ja auch für Frauen bzw. viele Frauen wollen dem offenbar "männlichen Ideal" nacheifern. Das wäre dann für mich die Frage ob das Bedürfnis (oder ist es Zuschreibung) wirklich geschlechterspezifisch ist oder nicht im jeden Menschen vorhanden ist und nur diejenigen das ausüben können, die strukturell nicht daran gehindert werden. Und was mit den Menschen die daran kein Interesse zeigen oder psychisch nicht in der Lage sind? Die spannende Frage für mich: Will man nicht stark sein oder kann man es aus verschiedenen Gründen nicht? Will man nicht erfolgreich sein oder kann man es nicht? Will man nicht extrovertiert sein oder kann man es nicht?

    In sehr vielen Diskussionen, die ich in den letzten Monaten führte, gelangte ich immer wieder zu der grundsätzlichen Frage nach der "Macht". Denn um nichts anderes scheint es in der derzeitigen Welt und in dem Leben der Menschen zu gehen. Positiv wie negativ. Wer kann gestalten? Wer kann das nicht? Wer nimmt an der Gesellschaft teil? Wer nicht? Wer herrscht und wer wird von wem unterdrückt? Wer hat Recht und wer nicht? Wer darf hier leben und wer nicht? Wer ist etwas wert und wer nicht?

    Diese Fragen sind immer gleich, egal ob es um Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Psyche oder sonstige kategorische Einordnung geht.

    Aber zu deiner Frage ChrisH Ich glaube schon dass sich diese Rollen durchbrechen lassen. Das passiert ja längst. Du selbst zeigst zahlreiche Beispiele auf. Allein die Tatsache, dass wir hier darüber schreiben und du diverse Literatur und Erfahrungen aus Gruppengesprächen teilst, zeigt doch, dass hier einiges in Bewegung ist. Außerdem merken wir es gerade an dem heftigen Widerstand der bisher etablierten Machtstrukturen. Die wollen sich die Butter vom Brot nicht nehmen lassen. Aber aufzuhalten ist diese Pluralisierung ganz sicher nicht und je vielfältiger die Rollen, desto vielfältiger die Vorbilder. Und diese sind entscheidend für die weitere Entwicklung. Jeder "Ausreißer" als Vorbild ist mehr wert als die Masse an etablierten Rollenmodelle. Ansonsten kann man schon attestieren dass wir im post-heroischen Zeitalter leben. Schau dir den derzeitigen Spitzenpolitiker Robert Habeck an. Der ist mit einem Gerhard Schröder gar nicht mehr zu vergleichen. Ein komplett anderer Typus von Mann, der eben in seinen Rollen wechseln kann. Mal kann er stark und laut sein, mal aber eben auch leise, sensibel und zuhörend. Die Vielfältigkeit kann und sollte sich also durchaus auch in der eigenen Identität widerspiegeln.

    Von daher finde ich es gut wenn Männer und Frauen "sowohl als auch" sind. Mal stark, mal verletzlich. Wichtig sind sowieso immer nur die Beziehungen zueinander indem wir unsere Rolle ausüben. Und wenn das zu einseitig ist, wird es immer etwas schwieriger.

    Hallo ihr Lieben,


    Ich suche noch interessante GesprächspartnerInnen für das Podcast-Format "Lernen Lernen", nämlich:


    - LeiterInnen von interessanten und ungewöhnlichen Bildungseinrichtungen
    - ForscherInnen im Bereich Lernen oder im Bereich der Hirnforschung
    - BildungsphilosophInnen
    - LernpsychologInnen
    - BildungspolitikerInnen
    - Spannende Initiativen im Bereich Lernen, Kreativität und Bildung
    - ExpertInnen für virtuelle Lernumgebungen

    etc. pp.


    Bitte Vorschläge per Mail an team@soziopod.de
    Idealerweise mit AnsprechpartnerIn und Kontaktdaten.

    Es ist auch keine Schande, sich selbst vorzuschlagen. Nur bitte ich darum, dass ich da keine Zusage garantiere.

    Danke! :*


    Soziopod Lernen Lernen Lernen #003 mit Andreas Sägesser über seine Lehr- und Lernerfahrungen

    In der dritten Ausgabe von Lernen Lernen Lernen spricht Herr Breitenbach mit Andreas Sägesser über seine Lehr- und Lernerfahrungen in unterschiedlichen Kontexten und den pragmatischen Einsatz von digitalen Tools.


    Vor über 20 Jahren hat es ihn gepackt – das Thema Lernen und Entwicklung. Seither lässt es Andreas Sägesser nicht mehr los – dieses Phänomen, diese Wunder wenn Menschen und Organisationen plötzlich neuartige Lösungen in herausfordernden Situationen entwickeln. Auf allen Ebenen regt er solche Prozess an, unterstützt und reflektiert – gemeinsam mit den Jugendlichen an der Technischen Berufsschule Zürich, mit den Studierenden an der Pädagogischen Hochschule Zürich und mit den Mitarbeitenden von TBF + Partner AG. Er verfügt über ein grosses Netzwerk, welches ihm immer wieder Hinweise darauf gibt, welche Impulse für das Lernen relevant sind und werden.

    Hallo ChrisH


    Danke für deine Gedanken.


    Nun, ich gehe nicht davon aus, dass alle unsere Lebensbereiche in Zukunft automatisiert werden. Du sprachst das an, was eigentlich nicht so einfach von Maschinen ersetzt werden kann. Zwischenmenschliche Interaktion. Am Ende klingt dein Szenario ja auch so als sei der Mensch jetzt bereits völlig entkoppelt von einem Prozess, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Der Patient entscheidet im Zweifel darüber ob er einen anderen Menschen oder eine Maschine konsultiert (In meiner Vorstellung übrigens idealerweise eine Kombination, also ein Mensch meines Vertrauens der sich einer KI bedient).


    Ich bin übrigens kein besonders großer Fan des BGE, weil es die elementare Problematik der sozialen Ungleichheit nicht lösen wird. Aber all zu große Angst davor dass wir alle uns abschaffen habe ich nicht. Sollte das dennoch so sein wäre auch das BGE obsolet.

    Ist damit gemeint, dass man in Debatten und Auseinandersetzungen rationales Denken und eine rationale Perspektive nicht vollständig von Emotionen trennen kann, man sich aber beim Versuch der Verständigung möglichst auf die Vernunft Ebene begeben sollte und sachorientiert argumentieren sollte, da man sonst kein gegenseitiges Verständnis erreichen kann?


    Genau das meinte ich damit. War nicht präzise formuliert. Mit "die Wissenschaft" meine ich vor allem die Art zu denken und zu arbeiten. Also "kritisches Denken" und wissenschaftliches Arbeiten. Da wird ja bewusst versucht die Emotion rauszunehmen. Das kann in emotionalen Disputen klärend sein. Aber Wissenschaft allein wird leider nicht überzeugen können, eben weil die emotionale Komponente fehlt.


    Bei trivialen Inhalten ist das natürlich kein größeres Problem, aber bei komplexeren Fragestellungen ist das mit der Klärung und Wahrheitsfindung auch in der Wissenschaft nicht so einfach.

    Dem stimme ich 100% zu. Aber "die Wissenschaft" (auch schwierige Pauschalisierung) proklamiert ja weniger alle Antworten bereits zu kennen, ganz im Gegensatz zu den Populisten und Stammtischrednern. Und selbst Teilerkenntnisse tragen zur Klärung bei, denn sie können bereits krude Annahmen von vornherein falsifizieren.

    Übrigens passend dazu: https://www.facebook.com/watch/?v=1166625216834234 ;-)

    Cool wars am Freitag ! Ich habe mal folgende Learnings notiert, gerne können, die, die dabei waren ergänzen:



    1. Schüler (einige nicht alle) sind natürlich politisch hoch interessiert, engagiert, wissen zum Teil mehr als die sogenannten Experten und können professionell neben ihrem Abi ein größeres Bürgerdialog Event, welches sich auch noch trocken mit Demokratie, Philosophie und Soziologie befasst, organisieren und erfolgreich umsetzen. Kategorien wie "Die Schüler", "die Alten", "die Politiker", "die Lehrer" helfen immens dabei Komplexität zu reduzieren, sie bilden aber niemals die komplexe Wirklichkeit ab.



    2. Demokratie steht und fällt mit der Bereitschaft miteinander ins Gespräch zu kommen. Und zwar ohne dass man sich anbrüllt, sondern sich gegenseitig zuhört und ausreden lässt. Und trotzdem kann man sich dabei trefflich streiten. Person von Sache trennen ist dabei hilfreich. Ganz im Sinne von Karl Popper: "Lasst Ideen sterben, nicht Menschen".



    3. Die wissenschaftliche und rationale Ebene hilft in allen emotional geführten Dialogen immer wieder immens weiter. Sie kann klären (das steckt in der "Aufklärung" drin) aber sie wird den Diskurs niemals alleine führen können. Wenn zwei sich streiten, kann uns muss sich die Wissenschaft zu Wort melden und klären (so auch an dem Abend geschehen).



    4. Demokratische Entscheidungen müssen permanent verhandelt und allumfassend durchdrungen werden. Den Brexit Konflikt kann man positiv als Stresstest für die Demokratie verstehen. Er zeigt gleichzeitig die Grenzen und Gefahren des Populismus (egal ob links oder rechts) deutlich auf. Eine scheinbar einfache und spontane Lösung hat immer komplexe Konsequenzen, erzeugt neue Probleme, die der Populist und dann der spätere "Volksentscheider" einfach vorab im Schnellschuss nicht zu Ende denken will oder kann. Wir hoffen, dass gerade der Brexit eine Lehre in Sachen direkte Demokratie in Form von Hoppladihopp-Referenden ist. Direkte Demokratie ist gut, sie benötigt aber eine stärkere Informiertheit und eine eher rationale Auseinandersetzung im Vorfeld.



    5. Auch eher ungewöhnlichen Meinungen kann und sollte man zuhören. An diesem Abend hatten wir es mit zwei Leuten zu tun, bei dem das Publikum mehr als unruhig wurde, ob der geäußerten Ansichten. Auch diesen Menschen haben wir versucht mit Respekt zu begegnen, aber eben auch entschieden dazu eine Gegenposition bezogen. Aber ein kategorischer Ausschluss von Meinungen ist nicht demokratisch. Und es ist keine Einschränkung der Meinungsfreiheit oder Demokratie, wenn man die Meinung des anderen schlichtweg als nicht richtig findet und diese kritisiert. Die Bereitschaft einander zuzuhören gilt natürlich immer für beide Seiten.



    6. Es gibt klare emotionale Trigger in Debatten, die Mißverständnisse erzeugen und sofort zu Abwehr oder Schubladendenken führen. Diese kann man eigentlich nur durch nüchterne Metakommunikation auflösen. Also Kommunikation über Kommunikation. Aber auch dazu müssen sich beide Seiten darauf einlassen und das braucht Zeit und Raum.



    7. Medien müssen dringend ihre neuen Rollen und ihr System im Zuge des digitalen Wandels reflektieren und erkennen, dass sie alle ökonomischen Zwängen unterliegen, welche einen rationalen, entemotionalisierten Diskurs massiv beeinträchtigen. Die Jagd nach dem schnellen Klick gelingt nur durch reißerische, emotionale Headlines, welche den Inhalt der gesamten Botschaft, welche meistens auch emotional erzählt wird, massiv verzerren und damit insgesamt den gesellschaftlichen Furor anheizen. Emotionen wie Wut, Angst und Hass sind die größten Feinde der Demokratie - zugleich sind sie aber eben auch der größte Garant für ökonomisch erfolgreichen Journalismus.



    8. Der digitale Wandel drängt. Der Klimawandel drängt. Die Globalisierung drängt. Die Migration drängt. Populismus drängt. Demokratie braucht aber einfach ihre Zeit.

    Ich würde auch vorschlagen ein explizit benanntes neues Thema aufzumachen. Unter dem hiesigen „Erklärung zum Forum“ geht das vermutlich alles etwas unter, oder?


    Also sowas wie „Abstimmung HöerInnentreffen in XYZ“ etc.

    Hallo kainora  

    ganz schön viele Fragen auf einmal :-)
    Was aber wiederum ja bereits zeigt wie vielfältig und uneindeutig "Glück" zu sein scheint. Ist "Glück" eigentlich schon automatisch gleichzusetzen mit "Zufriedenheit"? Ich würde sagen: Nein. Und es gibt natürlich allein schon den Unterschied zwischen "glücklich sein" und "Glück haben". Da haben wir dann schon allein ganz viele sprachliche Grenzen, die man erstmal überwinden müsste um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

    Ich denke also Glück ist etwas ganz individuelle, was ganz relatives, was temproär völlig ungreifbares. Aber ich glaube, dass trotzdem jeder Mensch für sich erkennen und spüren kann, was Glück ist - und wenn es nur darüber funktioniert, dass man sich gegenteilig fühlt: Unglücklich. Und dazu gibt es bekanntlich ein ganz fabelhaftes Buch. Paul Watzlawicks Anleitung zum Unglücklichsein.


    Soziopod Lernen Lernen Lernen #002 mit Dejan Mihajlović über zeitgemäße Bildung

    In der zweiten Ausgabe von Lernen Lernen Lernen spricht Herr Breitenbach mit Dejan Mihajlović über zeitgemäße (statt digitale) Bildung, Barcamps als Lernformat, EduScrum, das Schulsystem und den digitalen Wandel.


    Dejan Mihajlović unterrichet Chemie, Geschichte, Mathematik und Ethik an der Pestalozzi Realschule. Zusätzlich arbeitet er in Freiburg als SMV BAG-Leiter und Fachberater für Schul- und Unterrichtsentwicklung beim Staatlichen Schulamt und als SMV-Beauftragter beim Regierungspräsidium. Seit Februar 2018 ist er Multiplikator der Fortbildungsoffensive Digitalisierung an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen des Kultusministeriums Baden-Württemberg. Zum Themenbereich zeitgemäße Bildung im digitalen Wandel arbeitet er als Kolumnist für das change-Magazin und das Deutsche Schulportal.

    Text-Bot Danke für deine geteilte Beobachtung und die Mühe sich hier zu registrieren und zu kommentieren.

    Um es noch mal klar zu formulieren: Lernen Lernen Lernen ist tatsächlich ein Format das sehr weit vom "normalen" Soziopod entfernt ist. Es fehlt hier einfach Nils Köbel und damit die besondere und vermutlich ziemlich einmalige, über 20 Jahre gewachsene Gesprächssituation zwischen uns beiden.

    In diesem Format spreche ich mit fremden Gästen. Ich versuche natürlich auch dort kritisch zu hinterfragen und ein Gespräch einzugehen, aber das gelingt von Gast zu Gast eben unterschiedlich, weil ja immer zwei zu einem Gespräch gehören.

    Mich interessieren in diesem Format weniger objektive Wahrheiten (denn wenn man allein schon den Faktencheck über das Gespräch laufen lassen würde (vielleicht kann das ja mal jemand tun), könnte man so einiges finden, was einfach so nicht stimmt. In Finnland gibt es zum Beispiel Privatschulen, wenn auch nicht viele. Und auch in Deutschland gibt es Laborschulen, die an dem Staat angedockt sind) sondern unterschiedliche Perspektiven und Ansichten von Menschen die unmittelbar in der Bildung tätig sind. Da ich aber eher neugierig bin als kritisch schon wissend, muss ich natürlich meinem Gesprächspartner zunächst einmal vertrauen.

    Vielleicht ist das ja dann auch ein Format an dem man sich als ZuhörerIn viel stärker reiben kann. Eben weil es den offenen Raum gibt.
    Ansonsten bemühe ich mich weiter kritisch zu sein, da gilt es die Balance zwischen offnener Neugier und hartem, kritischen Diskurs zu wahren.

    Jedenfalls danke für den Beitrag!





    Natürlich lassen sich aus der digitalsierten Kommunikation und den damit verbundenen soziokulturellen Phänomenem auch Ängste ableiten.
    Ich habe jedoch das Gefühl, dass dies der kleinere Teil der Besorgnis ist und somit auch der kleinere Teil der Motivation hinter dem breiten Diskurs um das Thema.


    Das glaube ich eben nicht. Was gibt es denn noch an digitalen Angstthemen - über die Automatisierung hinaus?
    Fake News, Cybermobbing, Datenmißbrauch, Social Scoring, Internetsucht, geistige Defragmentierung, ...

    Ich möchte die Automatisierung sicherlich nicht kleinreden. Das ist ein Riesenfeld, aber eben nicht das einzige Problemfeld im Zuge des digitalen Wandels zusammengefasst unter dem Begriff "Digitalisierung". Nur weil man von "Digitalisierung" spricht, lässt man die Komponente "Automatisierung" ja nicht automatisch weg. Gut, der Begriff an sich taucht nicht so oft auf, aber das Thema dahinter ist doch omnipräsent.

    Ich empfinde die Begrifflichkeit "Digitalisierung" daher überhaupt nicht problematisch, vor allem weil er das Phänomen rund um "Automatisierung" nicht verschleiert. Daher vermutlich meine Irritation. :-)

    Ich sehe das relativ simpel:

    Automatisierung kann ohne die Digitalisierung gar nicht gedacht werden.
    Digitalisierung ist die Übersetzung der Welt in eine universelle, maschinell verarbeitbare Sprache und somit Daten. Unter "Digitaler Wandel" werden auch alle soziokulturellen Phänomene der Digitalisierung zusammengefasst. So wie Industrialisierung mehr ist als nur die Maschine an sich.

    Automatisierung ist nicht der einzige Dreh- und Angelpunkt des digitalen Wandels, aber ein sehr zentraler. Technologien wie soziale Netzwerke und deren soziale Auswirkungen kann ich nicht in "Automatisierung" einordnen, sehr wohl aber in den gröberen Bereich der Digitalisierung.

    Hilft das an der Stelle weiter?

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    Lernen Lernen Lernen #001 mit Lisa Rosa

    In der ersten Ausgabe von Lernen Lernen Lernen spricht Herr Breitenbach mit Lisa Rosa über Schulgeschichte, das Schulsystem und welche Veränderung im Zeitalter der Veränderung und in Anbetracht der gesellschaftlichen Herausforderungen notwendig wäre.

    Lisa Rosa hat Politische Wissenschaften, Geschichte und Musik studiert, war 20 Jahre Vollzeit-Lehrerin an einer Gesamtschule in Westberlin und an einem Hamburger Gymnasium. Seit 2005 arbeitet sie in der Unterrichtsentwicklung im Referat Gesellschaft des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg. Ihre Interessen und Arbeitsgebiete liegen in den Bereichen Digitale Medien und Bildung, Wissensgesellschaft, Politische Bildung, Lerntheorie und Projektdidaktik. Sie befasst sich außerdem mit Fragen des Zusammenhangs von Klimawandel, Gesellschaftstheorie und Bildung.

    Hier könnt ihr die Episode diskutieren.


    derwestermann Ich habe einfach grundsätzlich ein Problem mit Begriffen wie "die Generation" oder "die Jugend". Es ist ein persönliches Empfinden, was dann pauschalisiert wird und am Ende nichts anderes ist als eine Zuschreibung und Vereinfachung der Komplexität. Das bringt vor allem denjenigen nichts, die tatsächlich in diesem Alter politisch aktiv sind und die anderen wird es doch auch nicht aufrütteln.

    Aber rein statistisch gesehen gebe ich dir Recht: "Die Alten" haben nominal die bessere Lobby, aber auch das entbindet sie ja nicht davon zukunfts- und enkelfähige Politik zu machen. Ganz im Gegenteil, eben weil sie so viel Macht haben.

    Zitat


    „Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten“

    ca. 1000 v. Chr., Babylonische Tontafel

    Fair ist, wenn ich ein nachwachsendes Produkt zu einem gerechten Preis erwerbe welches nachhaltig produziert wurde.


    Jetzt könnte man natürlich entsprechend nachhaken: Was ist denn objektiv gesehen "nachhaltig" und vor allem was ist "gerecht"? :-)
    Beides sind natürlich ähnliche Begriffe wie "fair". Es gibt dazu keine objektiven Kriterien. Aber jeder denkt man könne sie klar fassen.

    Wie wäre es eigentlich mit folgendem Versuch:


    Fairness ist dann der Fall, wenn Menschen oder Institutionen sich an geschriebene und ungeschriebene Gesetze halten.

    Letztere, die ungeschriebenen Gesetze, sind vor allem der moralischen Fragestellung zuzuordnen. Wobei Gesetze ja mehr oder weniger in Stein gemeißelte Moral sind. Die Frage der Fairness wird also permanent untereinander ausgehandelt, vor allem durch Benennung dessen was einem als "unfair" gilt. Ist ein bißchen wie mit der "Freiheit", die merkt man vor allem dann wenn Menschen unfrei werden.

    ChrisH

    Ja ein sehr spannendes Thema, was ja schon ein wenig bei unserer Foucault Folge durchschimmerte. Foucault hat ja explizit die Geschichte mit der Soziologie verwoben. Er sprach da von den "Epistemen" und "Diskursen", die letztlich auch unsere Geschichte maßgeblich mitgestalten. Eine eigene Folge ohne eine explizit dazu passende Theorie ist für uns dann eher immer schwierig.

    Geschichte ist neben den Fakten (die sich auch nicht immer bewähren) vor allem eine narrative Form der Wissenschaft. Geschichte wird - genau wie Kultur - von Mensch zu Mensch erzählt und imitiert. Dabei durchläuft es einen evolutionären Prozess. Dinge werden kopiert, aussortiert oder umgedeutet. Das macht es aus meiner Sicht so schwer von einer "wahren Geschichte" oder "objektiven Geschichte" zu sprechen. Einige Historiker werden da aufschreien, andere werden dem zustimmen. Auch das scheint dann ja eine Deutungsfrage zu sein. Denn bei Geschichte geht es - um den Bogen zu Foucault wieder zu spannen - am Ende immer wieder auch um Macht und Machtbeziehungen. Nur mit Macht kann man Geschichte schreiben. Nur die wirkmächtigsten Perspektiven auf Geschichte setzen sich durch (vgl. die Pilgergeschichte zu Thanksgiving in den USA, die völlig die Eingeborenenfrage verklärt hat. Hier erzählte der Mächtige seine Grschichte). Das ist hochinteressant und jederzeit reflektierenswert. Das heißt übrigens im Umkehrschluss nicht, dass Geschichte immer komplett erlogen ist. Aber sie wurde als vergangene Wirklichkeit konstruiert. Geschichte hat faktisch ja jede Menge Löcher (fehlende Zeitzeugen und Dokumente), die von uns immer wieder gestopft werden mit Hypothesen, die schnell zur Wirklichkeit umgedeutet werden. Da kann man praktizierten Konstruktivismus dann wirklich nicht mehr leugnen. ;-)