Beiträge von Herr Breitenbach

    Ich musste vor allem bei KenFM heftig zucken. Den Aufwachen Podcast höre ich selbst gerne, wenn auch kritisch.

    Dann habe ich mich gefragt, wie ich mit sowas hier umgehen soll. Als reine Hörempfehlung finde ich das nicht weiter problematisch, zumal ja jeder den Hörtipp entsprechend kritisch kommentieren kann. Sollte es Anzeichen dafür geben, dass es sich um Inhalte handelt, die klar gegen unser Grundgesetz verstoßen, sollten diese natürlich gemeldet und gelöscht werden.

    Ansonsten werden wir vermutlich nicht so einfach ein klares Regelwerk finden (außer den kritischen Diskurs selbst), sondern von Fall zu Fall entscheiden. Ich möchte da auch nicht vorschnell in die Vorurteilsfalle tappen. Ich finde KenFm persönlich ziemlichen Bullshit, vor allem den Betreiber, aber manche Gäste wiederum sind interessant (wobei man deren Inhalte auch woanders wahrnehmen kann, dazu muss ich nicht KenFM gucken).

    Was würdest du denn vorschlagen? Ich tue mich mit unbegründeten Ausschluss von oben herab erstmal sehr schwer, es sei denn es gibt klare Regelverstöße.

    Hallo ihr Lieben,


    ihr wollt unseren Soziopod unterstützen, seid aber eher knapp bei Kasse?
    Kein Problem! Uns kann man auch durch freiwillige Mitarbeit unterstützen.

    Wie funktioniert das und was könnt ihr machen?

    1. Kapitelmarken
    Bei sehr vielen Folgen fehlen noch die kompletten Kapitelmarken. Wer das gerne für uns nachliefern möchte bitte in diesem Format


    00:00:00.000
    Intro & Einstieg

    00:00:51.000
    Thema 1

    00:05:12.000
    Thema 2

    usw.


    anlegen und uns als Text zukommen lassen (team@soziopod.de).

    2. Shownotes und Literaturlisten
    Bei den ersten Episoden hatten wir noch ausführliche Shownotes. Diese fehlen bei all unseren neuen Episoden. Auch hier könnt ihr uns unterstützen und beim Hören der Episode Notizen machen, erwähnte Bücher auflisten etc. Wie sowas aussieht, kann man sich hier oder noch ausführlicher hier anschauen. Auch die Shownotes bitte an uns per Mail senden.

    Danke! :*

    Tetagmenon  

    Ich bringe da mal Luhmanns Theorie ins Spiel. Er geht ja von getrennten Systemen aus, mit eigenen Regeln und so etwas wie eigenem Habitus (eigener Kommunikation). Die Systeme interessieren sich jeweils nur für sich selbst und bleiben anderen Systemen gegenüber gleichgültig. Beispielsweise Wirtschaft interessiert sich erstmal gar nicht für Moral, solange es keine Auswirkungen auf das eigene Handeln gibt, zum Beispiel unmittelbar durch Gewinnverluste oder Subventionen. Daher sind "strukturelle Kopplungen" zwischen den Systemen notwendig, um überhaupt mal unterschiedliche Systeme voneinander wissen zu lassen. Das sind dann Formen und Institutionen wie zum Beispiel die Wissenschaft, die versucht verschiedene Systeme strukturell zu koppeln. Zum Beispiel Medizin mit Wirtschaft und/oder Politik. Möchte man also die Wirtschaft mit sozialen Fragen koppeln (aka ins Gespräch bringen), muss die Sozialwissenschaft eine Vermittler- und Übersetzerrolle einnehmen. Dazu muss sie aber eben auch in der Lage sein beide zu koppelnde Systeme zu verstehen und sich in ihr verständlich machen. Das erfolgt natürlich auch ganz maßgeblich über Sprache, aber eben vor allem auch über (teilnehmende) Beobachtung. Sehr viele Sozialwissenschaftler verlassen aber gar nicht mehr ihren Campus. Sie müssten eigentlich dauernd im Feld sein oder sich mit Systemen koppeln, die permanent im Feld sind. Dazu muss man auch erstmal den Mut haben, denn das bedeutet eben auch die eigene akademische Habitus-Blase zu verlassen und sich selbst kritisch zu hinterfragen. Das führt dann eben auch dazu, dass im Grunde die Kopplung nur in eine Richtung verläuft. Der Report aus dem Feld an die Politik und eben nicht umgekehrt. Wissenschaft sollte eigentlich aber vermitteln und eben beiden Seiten rückkoppeln und das geschieht meines Erachtens so gut wie gar nicht, eben weil der akademische Habitus eben oft auch darauf baut, etwas besonderes zu sein und sich - wie du schon schriebst - von den anderen ("dem Pöbel") abgrenzen will.

    Auf alle Fälle eine spannende Frage. Meine Idee dazu ist: Wissenschaft muss viel zugänglicher werden. Es muss eine Mitmach-Bewegung sein. Allerdings werden da sehr viele Akademiker Einspruch einlegen. Eben aufgrund der angesprochenen Abgrenzung.


    Auf alle Fälle spannende Fragen!


    Lieber Martin Finger  

    Danke für die Antworten, an einigen Stellen würde ich das gerne noch vertiefen

    Es kommt darauf an. Was ist das genaue Verhalten einer Person und warum will diese gegen wen Gewalt anwenden? Letztendlich ist jede Option möglich, für welche sich der oder die von der Gewalt betroffenen Menschen entscheiden. Diese Optionen können sogar Gewalt enthalten. Nur kann der Einsatz von Gewalt auf keine legale Grundlage gestützt werden und ist eine Entscheidung des Subjektes, welches sich wiederum seinen Mitmenschen gegenüber wird verantworten müssen. Wie ein solches Verantworten wiederum aussehen wird, kann ich nicht vorwegnehmen, dafür gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten.

    Dann spielen wir das ganz konkret durch:

    Beispiel 1: Eine Frau wird von einem Mann tätlich angegriffen. Es handelt sich um ein gewaltsames Sexualdelikt. Was passiert nun in der neuen Gesellschaftsform ohne Einsatz von Gewalt auf "legaler Grundlage"? Wie kann ich mir fehlende "legale Grundlage" vorstellen? Gibt es keine Polizei? Keine Strafverfolgungsbehörde? Keine Strafgesetze?

    Beispiel 2: Eine Gruppe von Widerständler, akzeptieren das bestehende Rätesystem nicht. Mit Hilfe von Sachbeschädigung, aber auch tätlichen Angriffen auf Delegierte und Erpressungsversuchen, wollen sie die Revolution entfachen und den Systemsturz. Wie begegnet das Syndikat diesem Umstand?


    Ich bin überzeugt, dass in einer Gesellschaft ohne strukturelle Gewalt das verbleibende Gewaltpotential gering sein wird und z. B. durch Kampfsport oder andere Betätigungen so kanalisiert werden kann, dass niemand gegen seinen Willen Gewalt ausgesetzt wird. Da willkürliche Gewalt nicht verhindert werden kann, ist die Vorstellung, man könne Menschen dauerhaft vor willkürlicher Gewalt schützen, eine Illusion. Niemals wird Gewalt dabei helfen Gewalt zu verhindern.

    Definieren Sie "Strukturelle Gewalt". Sind bereits Gesetze und deren polizeiliche und juristische Exekutive eine Form von struktureller Gewalt (was ich persönlich bejahen würde)? Gibt es diese Gesetze noch die natürlich auch dazu beitragen die Menschen indirekt vor willkürlicher Gewalt zu schützen? Was macht die neue Gesellschaft mit gefährlichen Gewalt- und Straftätern (die eben nicht auf die von Ihnen angesprochenen Maßnahmen ansprechen, wovon man immer ausgehen muss) um die Gesellschaft zu schützen? Vor allem bezieht sich die Frage auf dem Weg hin zur neuen Gesellschaft. Ein Schalter kann ja nicht umgelegt werden.


    Stattdessen können die Delegierten Projekte initiieren. Ein solches Projekt wird dann durch den Delegierten und ggf.weitere Personen durchgeplant und mit einer Kostenschätzung der Öffentlichkeit vorgelegt. Danach ist es den Menschen überlassen selbst zu entscheiden, ob sie bereit sind, die Aufwendungen für ein Projekt zur Verfügung zu stellen. Das funktioniert dann nach dem Crowdfundingprinzip, für das es auch heute bereits verschiedene Plattformen gibt. Der Vorteil eines solchen Vorgehens ist „positive“ Politik.Sie können niemandem etwas Wegnehmen und können auch niemanden mit Gewalt zu etwas zwingen. Sie können Projekte nicht „gegen“ Menschen durchsetzen, sondern nur mit ihnen, indem sie Wege finden, diese zu überzeugen. Manchmal mag es auch genügen, eine Gruppe zu „überreden“.


    Das bedeutet jeder Mensch muss in der Lage sein ein solche Projekt anlegen zu können, es durchzurechnen und dafür zu werben. Das erfordert eine Vielzahl von Kompetenzen. Wie stellt das neue System sicher, dass die Bevölkerung auf einem Bildungsstand ist, wenn es so etwas wie Schulpflicht nicht mehr gibt? Wie wird eine Machtakkumulation der Wissenden verhindert? Was geschieht wenn ein Projekt mit Hilfe von Gewalt (psychischen Druck oder Propaganda) "beworben" wird?



    innerhalb der neuen Struktur gäbe es nur eine verbindende Regel: Kein Mensch darf die Freiheit eines anderen Menschen gegen dessen Willen beschränken.


    Mir ist aber nicht ganz klar, welche Regeln hier eigentlich gemeint sind? Gerade die einfachsten und grundlegendsten Formen des Umgangs des Miteinanders basieren auch heute nicht auf einem Gewaltmonopol des Staates, sondern auf gesellschaftlichen Gepflogenheiten, welche auch immer wieder einem Wandel unterliegen. Oder geht es hier darum, in welchem Umfang Institutionen wie der Ehe weiterhin durchstaatliche Förderung gehuldigt werden soll?

    Es gibt Menschen, die fordern das Recht auf totaler sexueller Selbstbestimmung. Darf man deren Freiheitsdrang einschränken? Was geschieht vor allem bei Freiheitskonflikten (die zahlreich auftreten werden) Wer entscheidet darüber wessen Freiheit über der Freiheit des anderen steht, wenn also zwei Freiheitsansprüche die Freiheit des Anderen jeweils einschränken? Banales Beispiel: Ein Mensch möchte nachts das Haus renovieren, weil er das lieber in der Nacht tut oder tagsüber etwas anderes arbeitet. Den Nachbar nebenan stört das, weil er nachts schlafen will. Wie wird das geregelt, wenn beide Parteien auch nicht wirklich miteinander kommunizieren können, weil sie sich schlicht nicht leiden können? (Oder wird sich jeder Mensch mit jedem anderen Menschen plötzlich verstehen?).

    Verstehen Sie "Gesetze", die ganz sicher die individuelle Freiheit der Menschen einschränkt, also nicht als Teil des Gewaltmonopols?

    Man kann ja gerne über den Sinn und Unsinn von Gesetzen diskutieren, mich interessiert aber viel mehr ob in ihrer Gesellschaft überhaupt noch institutionelle Gesetze und Regeln vorhanden sind?


    Abgesehen davon, dass jeder die Freiheit des anderen respektiert. Freiheit mag, im Vergleich zu einer staatlichen Gewalt,nach wenig Wirkmächtigkeit klingen. Meine Erfahrung ist, dass freiwillige Selbstbeschränkung aufgrund von Einsicht die besser funktionierende Grundlage für ein Miteinanders ist, als die Androhung von Strafe.


    Sie gehen von einem Grundzustand aus, der nicht annähernd derzeit existiert, das jeder die Freiheit des Anderen respektiert. Wie gesagt, da interessiert es mich sehr, wie wirklich jeder Mensch auf der Welt zu diesem Zustand gelangt, ohne dass jemand Gewalt ausübt. Momentan gibt es Gesetze und Strafvollzug. Denken Sie, dass es derzeit Verbrechen- trotz Strafvollzug - nur gibt weil es die Androhung von Strafe gibt? Nochmal gefragt: Was tut die neue Gesellschaft mit Menschen die partout nicht bereit sind sich selbst zu beschränken?

    Lieber Martin Finger  

    zu ihren durchaus interessanten Gedanken habe ich ein paar konkrete und zum Teil sehr pragmatische Fragen:

    1. Was macht man mit Menschen, die sich dem Gebot der Gewaltfreiheit einfach nicht anschließen wollen, sondern im Gegenteil, weiterhin Gewalt ausüben? Wie wird willkürliche Gewalt an anderen in ihrem Gesellschaftsentwurf verhindert und wie werden Menschen dauerhaft vor willkürlicher Gewalt beschützt?

    2. Wie sieht der konkrete Weg in diese Gesellschaftsform aus? Wie werden ganz aktuell bestehende und zementierte Machtakkumulationen behoben? Was macht man mit den Menschen, die diesem neuen Entwurf nicht folgen wollen?

    3. Ihr beschriebenes System geht von einem Delegiertenprinzip aus. Worin unterscheidet sich dies von der derzeitigen parlamentarischen Demokratie? Entscheidet hier nicht auch die Mehrheit?

    4. Wer formuliert, verabschiedet die einfachsten Regeln des Zusammenlebens und sorgt für deren Einhaltung?

    5. Ich möchte im Rahmen meiner individuellen Freiheit etwas tun, das aber 3-4 Menschen stört oder gar schadet. Wie wird das geregelt?

    PS: Ich bin ein Fan des demokratischen Rechtsstaates und es wird extrem schwer sein mich allein davon zu überzeugen, dass eine komplexe, pluralistische Gesellschaft (und ich Rede von der Gesellschaft 2019 und nicht einer fiktiven utopische Gesellschaft bei der alle vernünftig sind und alles passt) ohne Gewaltmonopol nicht in ein sozialdarwinistisches Horrorszenario endet.

    Sie meinten, dass diese Utopie problemlos in kleinen Gruppen funktioniert. Allein das würde ich schon stark bezweifeln (vorausgesetzt wir reden von diversen Gruppen, deren Wertvorstellungen sich unterscheiden).

    Mit freundlichen Grüßen
    Patrick Breitenbach

    Zora  
    Das mit dem Strohmann sieht dieser ZEIT Autor wohl auch so: https://www.zeit.de/2016/05/ic…n-markus-gabriel-sachbuch

    Und Gabriel gibt auch den Hirnforschern bzw. dem "Neurozentrismus" die Schuld daran "keinen Platz für die menschliche Freiheit lasse, die Würde des Menschen untergrabe und die Wirklichkeit zu einer Illusion erkläre".

    Schade eigentlich, denn ich finde es schon durchaus spannend dem Konstruktivismus auf den Zahn zu fühlen und die Debatte über Wahrheit, Wirklichkeit und Realität in Schwung zu halten.

    alboh   Nils  

    Hier die Ausführungen des Hirnforschers Gerhard Roth aus seinem Buch "Das Gehirn und seine Wirklichkeit - Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen", der die wichtige Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Realität einführt und zwar aus neurologischer Perspektive.



    Witzigerweise schreibt er im nächsten Kapitel eine passende Antwort auf Markus Gabriels Argument mit dem "wirklichen Gehirn"

    [1] http://www.irwish.de/PDF/Roth_…nd_seine_Wirklichkeit.pdf Seite 314ff


    Wie gut, dass sich nicht nur Philosophen wie Markus Gabriel mit der Frage beschäftigen, sondern eben auch Neurowissenschaftler und Hirnforscher. Dort herrscht meines Erachtens einigermaßen Konsens darüber, dass das Gehirn Wirklichkeit nicht abbildet, sondern mittels neuronaler Prozesse (Reizumwandlung) konstruiert.

    Ich vermute Markus Gabriel verwechselt da auch "Konstruktion" mit "Illusion". Darüber ließe sich ja noch trefflich streiten, zumal Illusionen im Konstruktionsprozess ebenfalls möglich und sogar von jedem Menschen erfahrbar sind, z.B. durch Sinnestäuschungen, dem blinden Fleck oder Erfahrungen mit neurologischen Fällen, die Oliver Sacks dokumentiert hat. Demnach dürfte es keinen Mann geben, der seine Frau als Hut wahrnimmt.

    Übrigens befinden sich Neurowissenschaftler wenigstens noch in der Diskussion darüber wie das Gehirn funktioniert. Markus Gabriel hat die Antwort offenbar als Philosoph darüber längst gefunden:

    "Wenn das Gehirn die Wirklichkeit insgesamt oder in irgendeinem Sinne hervorbrächte oder konstruierte, dann wohl auch sich selber.Das Gehirn ist ja ein Stück Wirklichkeit, sonst gäbe es keine Neurowissenschaft oder Hirnforschung, die sich mit dem Gehirn und seinem Subsystem beschäftigt. "

    Okay, d.h. Quantenwissenschaft dürfte es nicht geben, weil Quanten im Sinne von Gabriel ganz sicher kein Stück Wirklichkeit sind?

    Ich halte seine Argumentationskette in diesem Zitat für ziemlich dünn, ja fast schon erschreckend dumpf.

    Hier ein hochinteressanter Vortrag zum Thema Armut und wie sie vor allem in England (als Geburtsort des Wohlfahrtsstaates) in den letzten Jahrhunderten diskutiert und politisch praktiziert wurde.

    Der damalige Diskurs rund um die Frage "Wer arm ist ist selbst dran Schuld" oder "Arme muss man stigmatisieren und sanktionieren" ist auf den heutigen Diskurs zu Hartz 4 sehr gut übertragbar. Hier geht es an die Wurzeln der Erzählungen. Gut vorgetragen vom Politikwissenschaftler Philipp Lepenies. Kurzum: Hörenswert!

    https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/politik-armut-und-die-geburt-des-wohlfahrtsstaats

    Hallo Heidi


    Bourdieu hat sich in den 60er/70er tatsächlich nur auf die drei Kapitalsorten fokussiert. Mittlerweile wurden die Kapitalsorten jedoch erweitert, z.B. von Joachim Schroeder. (vgl. https://www.fernuni-hagen.de/K…/Sozialisation-Exkurs.pdf)

    Er führt folgende weitere Kapitalsorten ein:

    - Physisches Kapital (Aussehen, Geschlecht, Hautfarbe, Behinderung, Alter, Kraft etc.)
    - Juridisches Kapital (Rechtsstatus, Staatsangehörigkeit, Geschäftsfähigkeit)
    - Ökologisches Kapital (Umweltbelastungen, bauliches Umfeld von Wohn- und Arbeitsplatz)


    Das ist meines Erachtens auch sehr wichtig, wenn wir uns soziale Ungleichheit und die Frage an welcher Stelle auf der Welt wir hineingeboren werden widmen. Diese Kapitalsorten erweitern maßgeblich Borudieus Ansatz und verleihen ihm noch mehr Gewicht.

    Zumal die neuen Kapitalsorten als Individuum noch schwieriger zu bearbeiten und zu erwerben sind als die ersten drei. Und es betont den entscheidenden Faktor: Wo werde ich auf dieser Welt hinein geboren und wo erhalte ich somit die besten Chancen?

    Dem Thema würde ich mich anschließen. Ich konnte mit Hannah Arendt nie viel anfangen. Sie war mit immer dermaßen politologisch und normativ, dass ich sie soziologisch nie fassen konnte.


    Hannah Arendt ist ja auch keine klassische Soziologin, sondern ordnet sich selbst in die politische Philosophie ein. Das erklärt vielleicht das politologisch/normative. ;-)

    Ich höre Arendt lieber zu, als dass ich ihre Werke lese. Sie shreibt schon sehr speziell und für mich wenig zugänglich. Aber die Person und ihre Gedanken finde ich extrem spannend. Auch das von Marco erwähnte Büchlein habe ich gelesen. Aber es hat mich irgendwie nicht bewegt/berührt etc. Kurzum: Ich konnte sie sprachlich-literarisch bisher nicht fassen. Wie gesagt, die Interviews sind brilliant und sehr bewegend. Ach hätte, sie bloß Podcasts gemacht ;-)

    Ja das Konzept ist mir durchaus bekannt. Es lohnt sich auf alle Fälle daraus eine breite Bewegung zu machen. Bisher ist die Thematik leider im sogenannten "Mainstream" noch nicht wirklich bekannt.