Beiträge von Herr Breitenbach

    Theoderich Vielen lieben Dank! :*

    Sonntagssoziologe Tja, das hätte ich als Social Media Guy auch nicht gedacht, dass sowas noch funktioniert. Wobei die Zeiten der großen bunten Networks und Channels definitiv auch ihren Zenith überschritten haben. So ein Forum eignet sich für tiefere Diskussionen und zur Organisation von Communities einfach noch am Besten. Eben weil jeder mitmachen und mitgestalten kann. Funktioniert aber auch nur so gut wie die Community drauf ist. Von daher:

    Schön, dass es euch gibt!

    Ich zitiere den alten Paracelsus: "Die Dosis bestimmt das Gift". Ich würde der Smartphone-Nutzung nicht nur eine klare Funktion zuschreiben. Dazu ist die Beziehung zwischen Mensch und Maschine in dieser Angelegenheit viel zu komplex. Natürlich kann man sich der Welt und der eigenen Identität durch Smartphones entziehen, genauso wie man an der Gesellschaft teilhaben kann und durch das Feedback anderer sich selbst wahrnehmen kann.

    Nichtsdestotrotz ist es sehr wichtig über den Gebrauch der Technologie kritisch zu reflektieren. Der Rückzug ins Schweigekloster könnte man schließlich auch als Eskapismus auslegen oder dass man die Konflikte mit anderen und damit die Konfrontation mit sich selbst scheut. Alles eine Frage der Perspektive.

    Was ich sagen will: Smartphonenutzung und die Auseinandersetzung mit sich selbst schließen sich per nicht aus. Genauso wenig wie Meditation ein Garant zur Selbstfindung ist.

    Wie immer ist "Balance" hier für mich entscheidend.

    Meines Erachtens nach sieht sich KenFM eher als Vertreter der sogenannten "Querfront" die sich aus dem großen Topf der Verschwörungstheorien bedient und diesen füttert.


    Das entspricht wohl nicht dem aufklärerischen Anspruch des Soziopods.

    Hallo Philipp  

    mir sind diese Vorwürfe durchaus bekannt und ich empfinde sie in weiten Teilen auch so, ohne jedoch konkrete Belege parat zu haben. Das ist dann das berühmte Hören-Sagen. Nichtsdestotrotz möchte der Soziopod sich für andere Meinungen öffnen, solange diese nicht eindeutig gegen Menschenrechte (Grundgesetz etc.) verstoßen. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn jemand über KenFm den Holocaust leugnet oder darüber rassistische Hetze oder Aufruf zur Gewalt betrieben wird. Wenn mir jemand diesen Beleg vorliegt, dann werde ich vom Hausrecht Gebrauch machen, weil dies für uns ein absolutes No-Go ist. Wir sehen klare Grenzen innerhalb der weit gefassten Meinungsfreiheit, so wie es das Grundgesetz auch tut.

    Die Plattform kenFM entspricht sicher nicht meiner persönlichen Haltung, ich kann aber auch nicht von mir behaupten, dass meine Haltung die einzig richtige ist. Daher möchte ich vermeiden Pauschalverurteilungen unreflektiert zu übernehmen oder gar Menschen, die solche Medien nutzen, als dumm oder politisch falsch zu diskreditieren. Dieses Medium bedient ein ganz bestimmtes Bedürfnis und dort finden Inhalte statt, die ich durchaus selbst interessant finde, nur würde ich diese Art von Inhalte nie darüber konsumieren, weil ich für mich festgestellt habe, dass das von Machart und der eigenen Agenda nicht mein favorisiertes Medium ist.

    Es ist daher umso wichtiger, dass in Threads wie diesem darauf hingewiesen wird, was an Kritik angebracht ist und dass Kritik daran überhaupt formuliert wird. Je konkreter desto besser. Das wäre dann auch unser aufklärerischer Anspruch. Sich mit der Sache von allen Seiten auseinandersetzen und nicht gleich vorab schnell aburteilen und das Thema ausgrenzen oder verdrängen. Denn gerade in den Grenzgebieten der Filterblasen wird die Auseinandersetzung ja erst interessant. Spannend ist die Frage, ob uns eine vernünftige Auseinandersetzung am Ende überhaupt gelingt.

    Von daher vielen Dank für die kritische Auseinandersetzung und danke an MetaMe für die Selbstreflektion und die ebenfalls nicht überschnelle emotionale Gegenreaktion.

    Unser Ziel ist es einen offenen und kritisches Diskurs zu eröffnen, der über die akademische Elite hinaus geht. (...) Ich denke Ziel sollte es eher sein, dass die Community für sich Strategien entwickelt, um mit Geschwurbel getarnt hinter der Maske der Logik, umzugehen. Und zwar auf eine Weise, durch die der offene Diskurs nicht untergraben wird. Das ist schwierig, allerdings hier auch genug Soziologie - Begeisterte und Experten, so dass es wohl nicht unlösbar ist.

    Das hört sich nach der Idee des Soziopods an. Und die sogenannten "akademische Elite" ist ja auch nicht wirklich homogen und darunter befinden sich ebenfalls einige "Schwurbler", was umgekehrt eben auch gilt: Nur weil man kein Akademiker ist, hat man nicht automatisch keine Kompetenz am Diskurs vernünftig teil zu nehmen. Ich glaube es ist eine Frage der grundsätzlichen Haltung. Bin ich bereit meine eigene Haltung grundsätzlich zu hinterfragen und höre den Argumenten des Anderen zu? Das hast du ChrisH ja hier sehr schön gezeigt. Es gab einen emotionalen Impuls, den hast du zur Diskussion gestellt und dann gab es dazu entsprechende Gegenargumente, worauf du dich eingelassen hast, sie geprüft hast und entsprechend deine Einschätzung geändert hast, ohne deine Grundwerte und Ideale dabei aufzugeben. Das ist dann aus meiner Sicht eine gelungene Diskussion. Beide Seiten der Diskussion haben etwas vom anderen in sich aufgenommen. Ich bin schließlich durch deinen Beitrag für das Thema sensibilisiert worden.


    Letztendlich ist es aber auch eine Frage der Selbstreflektion. Eine starke Community muss auch aus Mitgliedern betsehen, die ihre eigenen Fehler erkennen und anerkennen. So muss ich leider eingestehen, dass ich zu vorschnell und impulsiv gehandelt habe. Ich hätte den Beitrag auch stehen lassen können. Oder ein kurzes Statement direkt unter dem Beitrag abgeben können, in welchem ich meine Kritik äußere. Beides habe ich nicht getan. Stattdessen habe ich riskiert die Büchse der Pandora zu öffnen, um aus einer Fliege einen Elefanten zu machen, wo keiner ist. Das war falsch.


    Vollster Respekt für diese Einsicht, welche wirklich nicht einfach ist und ich denke genau das etabliert eine Gesprächskultur, die sich die meisten hier wünschen würden. Das schenkt mir wirklich Hoffnung.


    Ich würde das Adminteam daher gerne bitten, den Thread zu schließen und einfach so als Denkanstoß stehen zu lassen.

    Ich würden den Thread gerne noch etwas länger geöffnet lassen, falls noch jemand die Tage etwas beitragen möchte, bevor ich ihn wieder schließe - wenn das okay für dich ist.

    Danke an Martin Finger für den Beitrag, den ich inhaltlich auch so teile.

    Der Soziopod möchte andere Meinungen per se nicht ausschließen, er setzt sich damit kritisch auseinander - vorausgesetzt der Gegenüber lässt sich genauso auf die Diskussion ein. "Vernünftig" bedeutet vor allem versuchen die Sachlage zu kritisieren und nicht den Menschen dahinter. Möglichst mit einer offenen Haltung und einer gewissen Freundlichkeit.

    Sobald Menschen beleidigen, bedrohen oder sinnlos das Forum fluten greifen wir natürlich ein, denn dann handelt es sich dann auch nicht mehr um Meinung.

    Wenn jemand aus der eigenen Perspektive Unsinn oder Falsches schreibt, dann versuchen wir das Gesagte durch vernünftige Gegenrede und wissenschaftliche Indizien aufzuklären und nicht den Mensch, der den Unsinn von sich gibt, von vornherein auszugrenzen. Wir möchten jedem Menschen die Chance geben sich zu äußern, dazu zu lernen, sich selbst kritisch zu hinterfragen und sich auf kritische Diskussionen einzulassen.

    So oder so wäre es sinnvoll und ratsam all diese Gedanken in ein Regelwerk zu Orientierung für alle zu packen. Ich bin jedenfalls ChrisH sehr dankbar, dass er den Thread eröffnet hat. Er regt zum Nachdenken an und ich verstehe auch welche Intention dahinter steckt und ich werde mir auch dem ein oder anderem Dilemma bewusst. Weil natürlich eine entsprechende Offenheit immer auch gerne mal ausgenutzt wird.

    An der Stelle sei erwähnt, dass ich KenFM für sehr umstritten halte. Als einen "medialen Mülltrenner" würde ich es nun wirklich nicht bezeichnen. Das Medium gibt sich weder neutral, sachlich-nüchtern, noch unterliegt es wissenschaftlichen Kriterien.


    Ich musste vor allem bei KenFM heftig zucken. Den Aufwachen Podcast höre ich selbst gerne, wenn auch kritisch.

    Dann habe ich mich gefragt, wie ich mit sowas hier umgehen soll. Als reine Hörempfehlung finde ich das nicht weiter problematisch, zumal ja jeder den Hörtipp entsprechend kritisch kommentieren kann. Sollte es Anzeichen dafür geben, dass es sich um Inhalte handelt, die klar gegen unser Grundgesetz verstoßen, sollten diese natürlich gemeldet und gelöscht werden.

    Ansonsten werden wir vermutlich nicht so einfach ein klares Regelwerk finden (außer den kritischen Diskurs selbst), sondern von Fall zu Fall entscheiden. Ich möchte da auch nicht vorschnell in die Vorurteilsfalle tappen. Ich finde KenFm persönlich ziemlichen Bullshit, vor allem den Betreiber, aber manche Gäste wiederum sind interessant (wobei man deren Inhalte auch woanders wahrnehmen kann, dazu muss ich nicht KenFM gucken).

    Was würdest du denn vorschlagen? Ich tue mich mit unbegründeten Ausschluss von oben herab erstmal sehr schwer, es sei denn es gibt klare Regelverstöße.

    Hallo ihr Lieben,


    ihr wollt unseren Soziopod unterstützen, seid aber eher knapp bei Kasse?
    Kein Problem! Uns kann man auch durch freiwillige Mitarbeit unterstützen.

    Wie funktioniert das und was könnt ihr machen?

    1. Kapitelmarken
    Bei sehr vielen Folgen fehlen noch die kompletten Kapitelmarken. Wer das gerne für uns nachliefern möchte bitte in diesem Format


    00:00:00.000
    Intro & Einstieg

    00:00:51.000
    Thema 1

    00:05:12.000
    Thema 2

    usw.


    anlegen und uns als Text zukommen lassen (team@soziopod.de).

    2. Shownotes und Literaturlisten
    Bei den ersten Episoden hatten wir noch ausführliche Shownotes. Diese fehlen bei all unseren neuen Episoden. Auch hier könnt ihr uns unterstützen und beim Hören der Episode Notizen machen, erwähnte Bücher auflisten etc. Wie sowas aussieht, kann man sich hier oder noch ausführlicher hier anschauen. Auch die Shownotes bitte an uns per Mail senden.

    Danke! :*

    Tetagmenon  

    Ich bringe da mal Luhmanns Theorie ins Spiel. Er geht ja von getrennten Systemen aus, mit eigenen Regeln und so etwas wie eigenem Habitus (eigener Kommunikation). Die Systeme interessieren sich jeweils nur für sich selbst und bleiben anderen Systemen gegenüber gleichgültig. Beispielsweise Wirtschaft interessiert sich erstmal gar nicht für Moral, solange es keine Auswirkungen auf das eigene Handeln gibt, zum Beispiel unmittelbar durch Gewinnverluste oder Subventionen. Daher sind "strukturelle Kopplungen" zwischen den Systemen notwendig, um überhaupt mal unterschiedliche Systeme voneinander wissen zu lassen. Das sind dann Formen und Institutionen wie zum Beispiel die Wissenschaft, die versucht verschiedene Systeme strukturell zu koppeln. Zum Beispiel Medizin mit Wirtschaft und/oder Politik. Möchte man also die Wirtschaft mit sozialen Fragen koppeln (aka ins Gespräch bringen), muss die Sozialwissenschaft eine Vermittler- und Übersetzerrolle einnehmen. Dazu muss sie aber eben auch in der Lage sein beide zu koppelnde Systeme zu verstehen und sich in ihr verständlich machen. Das erfolgt natürlich auch ganz maßgeblich über Sprache, aber eben vor allem auch über (teilnehmende) Beobachtung. Sehr viele Sozialwissenschaftler verlassen aber gar nicht mehr ihren Campus. Sie müssten eigentlich dauernd im Feld sein oder sich mit Systemen koppeln, die permanent im Feld sind. Dazu muss man auch erstmal den Mut haben, denn das bedeutet eben auch die eigene akademische Habitus-Blase zu verlassen und sich selbst kritisch zu hinterfragen. Das führt dann eben auch dazu, dass im Grunde die Kopplung nur in eine Richtung verläuft. Der Report aus dem Feld an die Politik und eben nicht umgekehrt. Wissenschaft sollte eigentlich aber vermitteln und eben beiden Seiten rückkoppeln und das geschieht meines Erachtens so gut wie gar nicht, eben weil der akademische Habitus eben oft auch darauf baut, etwas besonderes zu sein und sich - wie du schon schriebst - von den anderen ("dem Pöbel") abgrenzen will.

    Auf alle Fälle eine spannende Frage. Meine Idee dazu ist: Wissenschaft muss viel zugänglicher werden. Es muss eine Mitmach-Bewegung sein. Allerdings werden da sehr viele Akademiker Einspruch einlegen. Eben aufgrund der angesprochenen Abgrenzung.


    Auf alle Fälle spannende Fragen!


    Lieber Martin Finger  

    Danke für die Antworten, an einigen Stellen würde ich das gerne noch vertiefen

    Es kommt darauf an. Was ist das genaue Verhalten einer Person und warum will diese gegen wen Gewalt anwenden? Letztendlich ist jede Option möglich, für welche sich der oder die von der Gewalt betroffenen Menschen entscheiden. Diese Optionen können sogar Gewalt enthalten. Nur kann der Einsatz von Gewalt auf keine legale Grundlage gestützt werden und ist eine Entscheidung des Subjektes, welches sich wiederum seinen Mitmenschen gegenüber wird verantworten müssen. Wie ein solches Verantworten wiederum aussehen wird, kann ich nicht vorwegnehmen, dafür gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten.

    Dann spielen wir das ganz konkret durch:

    Beispiel 1: Eine Frau wird von einem Mann tätlich angegriffen. Es handelt sich um ein gewaltsames Sexualdelikt. Was passiert nun in der neuen Gesellschaftsform ohne Einsatz von Gewalt auf "legaler Grundlage"? Wie kann ich mir fehlende "legale Grundlage" vorstellen? Gibt es keine Polizei? Keine Strafverfolgungsbehörde? Keine Strafgesetze?

    Beispiel 2: Eine Gruppe von Widerständler, akzeptieren das bestehende Rätesystem nicht. Mit Hilfe von Sachbeschädigung, aber auch tätlichen Angriffen auf Delegierte und Erpressungsversuchen, wollen sie die Revolution entfachen und den Systemsturz. Wie begegnet das Syndikat diesem Umstand?


    Ich bin überzeugt, dass in einer Gesellschaft ohne strukturelle Gewalt das verbleibende Gewaltpotential gering sein wird und z. B. durch Kampfsport oder andere Betätigungen so kanalisiert werden kann, dass niemand gegen seinen Willen Gewalt ausgesetzt wird. Da willkürliche Gewalt nicht verhindert werden kann, ist die Vorstellung, man könne Menschen dauerhaft vor willkürlicher Gewalt schützen, eine Illusion. Niemals wird Gewalt dabei helfen Gewalt zu verhindern.

    Definieren Sie "Strukturelle Gewalt". Sind bereits Gesetze und deren polizeiliche und juristische Exekutive eine Form von struktureller Gewalt (was ich persönlich bejahen würde)? Gibt es diese Gesetze noch die natürlich auch dazu beitragen die Menschen indirekt vor willkürlicher Gewalt zu schützen? Was macht die neue Gesellschaft mit gefährlichen Gewalt- und Straftätern (die eben nicht auf die von Ihnen angesprochenen Maßnahmen ansprechen, wovon man immer ausgehen muss) um die Gesellschaft zu schützen? Vor allem bezieht sich die Frage auf dem Weg hin zur neuen Gesellschaft. Ein Schalter kann ja nicht umgelegt werden.


    Stattdessen können die Delegierten Projekte initiieren. Ein solches Projekt wird dann durch den Delegierten und ggf.weitere Personen durchgeplant und mit einer Kostenschätzung der Öffentlichkeit vorgelegt. Danach ist es den Menschen überlassen selbst zu entscheiden, ob sie bereit sind, die Aufwendungen für ein Projekt zur Verfügung zu stellen. Das funktioniert dann nach dem Crowdfundingprinzip, für das es auch heute bereits verschiedene Plattformen gibt. Der Vorteil eines solchen Vorgehens ist „positive“ Politik.Sie können niemandem etwas Wegnehmen und können auch niemanden mit Gewalt zu etwas zwingen. Sie können Projekte nicht „gegen“ Menschen durchsetzen, sondern nur mit ihnen, indem sie Wege finden, diese zu überzeugen. Manchmal mag es auch genügen, eine Gruppe zu „überreden“.


    Das bedeutet jeder Mensch muss in der Lage sein ein solche Projekt anlegen zu können, es durchzurechnen und dafür zu werben. Das erfordert eine Vielzahl von Kompetenzen. Wie stellt das neue System sicher, dass die Bevölkerung auf einem Bildungsstand ist, wenn es so etwas wie Schulpflicht nicht mehr gibt? Wie wird eine Machtakkumulation der Wissenden verhindert? Was geschieht wenn ein Projekt mit Hilfe von Gewalt (psychischen Druck oder Propaganda) "beworben" wird?



    innerhalb der neuen Struktur gäbe es nur eine verbindende Regel: Kein Mensch darf die Freiheit eines anderen Menschen gegen dessen Willen beschränken.


    Mir ist aber nicht ganz klar, welche Regeln hier eigentlich gemeint sind? Gerade die einfachsten und grundlegendsten Formen des Umgangs des Miteinanders basieren auch heute nicht auf einem Gewaltmonopol des Staates, sondern auf gesellschaftlichen Gepflogenheiten, welche auch immer wieder einem Wandel unterliegen. Oder geht es hier darum, in welchem Umfang Institutionen wie der Ehe weiterhin durchstaatliche Förderung gehuldigt werden soll?

    Es gibt Menschen, die fordern das Recht auf totaler sexueller Selbstbestimmung. Darf man deren Freiheitsdrang einschränken? Was geschieht vor allem bei Freiheitskonflikten (die zahlreich auftreten werden) Wer entscheidet darüber wessen Freiheit über der Freiheit des anderen steht, wenn also zwei Freiheitsansprüche die Freiheit des Anderen jeweils einschränken? Banales Beispiel: Ein Mensch möchte nachts das Haus renovieren, weil er das lieber in der Nacht tut oder tagsüber etwas anderes arbeitet. Den Nachbar nebenan stört das, weil er nachts schlafen will. Wie wird das geregelt, wenn beide Parteien auch nicht wirklich miteinander kommunizieren können, weil sie sich schlicht nicht leiden können? (Oder wird sich jeder Mensch mit jedem anderen Menschen plötzlich verstehen?).

    Verstehen Sie "Gesetze", die ganz sicher die individuelle Freiheit der Menschen einschränkt, also nicht als Teil des Gewaltmonopols?

    Man kann ja gerne über den Sinn und Unsinn von Gesetzen diskutieren, mich interessiert aber viel mehr ob in ihrer Gesellschaft überhaupt noch institutionelle Gesetze und Regeln vorhanden sind?


    Abgesehen davon, dass jeder die Freiheit des anderen respektiert. Freiheit mag, im Vergleich zu einer staatlichen Gewalt,nach wenig Wirkmächtigkeit klingen. Meine Erfahrung ist, dass freiwillige Selbstbeschränkung aufgrund von Einsicht die besser funktionierende Grundlage für ein Miteinanders ist, als die Androhung von Strafe.


    Sie gehen von einem Grundzustand aus, der nicht annähernd derzeit existiert, das jeder die Freiheit des Anderen respektiert. Wie gesagt, da interessiert es mich sehr, wie wirklich jeder Mensch auf der Welt zu diesem Zustand gelangt, ohne dass jemand Gewalt ausübt. Momentan gibt es Gesetze und Strafvollzug. Denken Sie, dass es derzeit Verbrechen- trotz Strafvollzug - nur gibt weil es die Androhung von Strafe gibt? Nochmal gefragt: Was tut die neue Gesellschaft mit Menschen die partout nicht bereit sind sich selbst zu beschränken?

    Lieber Martin Finger  

    zu ihren durchaus interessanten Gedanken habe ich ein paar konkrete und zum Teil sehr pragmatische Fragen:

    1. Was macht man mit Menschen, die sich dem Gebot der Gewaltfreiheit einfach nicht anschließen wollen, sondern im Gegenteil, weiterhin Gewalt ausüben? Wie wird willkürliche Gewalt an anderen in ihrem Gesellschaftsentwurf verhindert und wie werden Menschen dauerhaft vor willkürlicher Gewalt beschützt?

    2. Wie sieht der konkrete Weg in diese Gesellschaftsform aus? Wie werden ganz aktuell bestehende und zementierte Machtakkumulationen behoben? Was macht man mit den Menschen, die diesem neuen Entwurf nicht folgen wollen?

    3. Ihr beschriebenes System geht von einem Delegiertenprinzip aus. Worin unterscheidet sich dies von der derzeitigen parlamentarischen Demokratie? Entscheidet hier nicht auch die Mehrheit?

    4. Wer formuliert, verabschiedet die einfachsten Regeln des Zusammenlebens und sorgt für deren Einhaltung?

    5. Ich möchte im Rahmen meiner individuellen Freiheit etwas tun, das aber 3-4 Menschen stört oder gar schadet. Wie wird das geregelt?

    PS: Ich bin ein Fan des demokratischen Rechtsstaates und es wird extrem schwer sein mich allein davon zu überzeugen, dass eine komplexe, pluralistische Gesellschaft (und ich Rede von der Gesellschaft 2019 und nicht einer fiktiven utopische Gesellschaft bei der alle vernünftig sind und alles passt) ohne Gewaltmonopol nicht in ein sozialdarwinistisches Horrorszenario endet.

    Sie meinten, dass diese Utopie problemlos in kleinen Gruppen funktioniert. Allein das würde ich schon stark bezweifeln (vorausgesetzt wir reden von diversen Gruppen, deren Wertvorstellungen sich unterscheiden).

    Mit freundlichen Grüßen
    Patrick Breitenbach

    Zora  
    Das mit dem Strohmann sieht dieser ZEIT Autor wohl auch so: https://www.zeit.de/2016/05/ic…n-markus-gabriel-sachbuch

    Und Gabriel gibt auch den Hirnforschern bzw. dem "Neurozentrismus" die Schuld daran "keinen Platz für die menschliche Freiheit lasse, die Würde des Menschen untergrabe und die Wirklichkeit zu einer Illusion erkläre".

    Schade eigentlich, denn ich finde es schon durchaus spannend dem Konstruktivismus auf den Zahn zu fühlen und die Debatte über Wahrheit, Wirklichkeit und Realität in Schwung zu halten.