Beiträge von Ruth

    Hallo Martin,


    danke für Ihre Sichtweise. Da bin ich ganz Ihrer Meinung, "das Sein ist die Voraussetzung dafür, um überhaupt in einen Zustand des Habens eintreten zu können". Nur, das Sein ist im Gegensatz zum Haben nicht zu verdinglichen, daher ist es in meinen Augen "flüchtig", im Sinne von "nicht greifbar", es stellt sich mehr oder weniger von selbst ein, sofern die entsprechenden Bedingungen gegeben sind. Damit will ich sagen, das Wesen des Seins ist im Gegensatz zum Wesen des Habens zu sehen.


    Wenn ich Sie richtig verstanden habe, erkennen Sie wenig Sinn in der dualistischen Trennung dieser beiden "Zustände". Ja, jeder muss selbst seinen Maßstab errichten. Doch wie, wenn dies in einer von Kapitalismus (vor-)geprägten Welt geschieht, kann man sich als Individuum dieser Beeinflussung, diesen Kräften entziehen um dann zu einer echten Beziehung zwischen Sein und Haben zu gelangen? Dieses Haben-Weltverständnis beeinflusst uns Menschen doch entscheidend. Insofern ist es doch schier unmöglich eine wahrhaft unabhängige Entscheidung zu treffen? Man müsste aus den Systemen heraustreten, in Distanz zu ihnen gelangen, um wirklich sagen zu können, was ich SEIN will und was ich HABEN will.


    Viele Grüße, Ruth

    Liebe Monika,


    ich würde mich freuen, wenn du die möglicherweise hilfreichen Impulse hier mit uns (mit mir :-)) teilen möchtest.

    Bezogen auf den Einbezug des Seins, dachte ich daran, dass schon allein der Versuch es (in die Logik des Kapitalismus) einzubeziehen, ein grundsätzliches Problem darstellt - denn durch diesen Versuch, möchte man das SEIN ja schon wieder vernutzen, einspannen, sich zu eigen machen, objektifizieren - also genau das Gegenteil von dem wie das SEIN vom Grundsatz hier "funktioniert".


    Die Frage nach der Messung (Indikatoren) bzw. Quanitfizierung stellt sich mir extrem schwierig bis unmöglich dar. Man möchte das SEIN irgendwie begrifflich machen, in ein Konstrukt stecken? Doch wie soll das möglich sein, wo es sich doch um ein höchst subjektives Empfinden handelt?


    Trotzdem: Wie könnte es der Gesellschaft gelingen, den Wert des SEINS wieder mehr in den Fokus zu nehmen, mehr wertzuschätzen - sich dessen Qualität bewusster zu werden?


    Für mich bekämpfen sich HABEN und SEIN in gewisser Weise .... Findet sich trotzdem ein "verbindendes Element", wo man anknüpfen könnte?


    Das geht mir dazu durch den Kopf....


    Liebe Grüße und viel Freude und Resonanzerfahrung bei dem Seminar wünsche ich dir.


    Ruth

    Liebe Monika,


    vielen Dank für deine Gedanken dazu. Die Mystiker werde ich mir mal näher ansehen. Ich stimme dir zu, das Haben ist zutiefst menschlich und das Sein ist flüchtig, nicht absichtlich herstell- und erzwingbar - es stellt sich von selbst ein, sofern gewisse Bedingungen gegeben sind.

    Es scheint mir allerdings innerhalb von Gesellschaften (im kapitalistischen System) notwendig, dem Sein trotzdem einen Wert, eine Kenngröße zuzuschreiben, womit man (unglücklicherweise) das Sein in die Logik des Habens zwingt. Doch ohne dies, bleibt das Sein "wertlos" und alles nicht meßbare (z.B. Care-Arbeit) wird nicht entsprechend honoriert und damit nicht entsprechend wertgeschätzt.



    Liebe Grüße

    Ruth

    Ihr Lieben,


    meine Frage betrifft obigen Soziopod. Es wurde dort sinngemäß gesagt, dass wir als Gesellschaft in die riesige Falle des Industriezeitalters getappt sind und dass das "Problem" mit dem Kapitalismus mit der industriellen Revolution seinen Anfang nahm. Gegen Ende dieses Soziopods, auch geschuldet durch die Thesen Adornos, ließen sich keine wohlwollende Ansatzpunkte finden, um als Mensch bzw. Gesellschaft, mehr in die "Seins-Logik" zu gelangen und weniger die "Habens-Logik" zu bedienen. Ich dachte darüber noch einige Zeit nach, und kam zu dem Schluss, dass die Gründe, warum uns der Kapitalismus so stark gepackt hat und permanent packt, tiefer zu suchen sein müssen...


    Einige Monate nach Geburt eines Babys, sagt das Geschöpf "HABEN" und wo man auch hinsieht - ob Kita, Schule, Freundeskreis, Arbeit, etc. - nahezu alles wird "VERNUTZT". Kaum noch etwas geschieht um der reinen Freude und des reinen Seins wegen, ohne Zweck und ohne Ziel. Also frage ich Euch im Forum, gibt es einen Theoretiker, eine Theoretikerin, die sich dabei den Trieben, den biologischen Unabdingbarkeiten, der Seele des Menschen zuwendet und darin mögliche Antworten auf den Zwang zum Konsum findet? Also gewissermaßen einen biologischen Effekt ausmacht...


    Ist Euch da draußen irgendetwas bekannt? Das würde mich brennend interessieren. Denn allein die industrielle Revolution als Begründung zu liefern, erklärt für mich in keinster Weise die Heftigkeit, Zwänge und die Macht des Kapitalismus, und die permanente Reproduktion desselben. Denn obschon es vielen Menschen rein kognitiv schon lange klar und bewusst ist, dass Geld und Konsum allein nicht glücklich macht, läuft das Hamsterrad trotzdem unablässig weiter - in jedem System und jeder Zelle. Warum ist das HABEN wollen so stark? Warum bietet das SEIN nicht genügend (An)Reize, ihm zu folgen?


    Ich freue mich sehr auf alle Antworten, kann es kaum erwarten...


    Liebe Grüße, Ruth