Beiträge von Martin Finger

    Und wenn wir nun bedenken das alle Materie zu 99,8% aus Energie besteht, also nur 0,2% Materie enthält wirds richtig spannend.

    Du meinst das Materie nach unserem heutigen Alltagsverständnis zu 99,8% aus Leere/Nichts besteht und nur zu 0,2% aus Materie/Energie? Denn Nach Einstein ist Materie nur eine andere Zustandsform von Energie daher auch E=mc². Wenn man sich den Blogbeitrag anschaut, könnten wir vielleicht doch durch die Wand laufen (auch ohne Tür), wenn nur unsere Elektronen entsprechen eingestellt sind.

    Bezugnehmend auf Max Weber: „Unter Wertungen sollen praktische Bewertungen einer durch unser Handeln beeinflußbaren Erscheinung als verwerflich oder billigenswert verstanden sein."

    Diese Definition kann sowohl moralisch als auch pragmatisch interpretiert werden, je nachdem wem die Entscheidung überlassen wird, was als verwerflich oder billigenswert gilt und was das Kriterium ist. Ist es eine Entscheidung des Subjekts, welches seine eigenen Handlungen bewertet, könnte es pragmatisch sein, obwohl wir auch selbst zu moralischer Verurteilung unserer eigenen Handlungen neigen können. Wird die Handlung des Subjekt von einem andere Subjekt oder im Namen einer Gruppe bewertet, wäre es auf jeden Fall eine moralische (Be)Wertung.

    eine Wertung in der Astronomie nichts zu suchen hat

    Ein moralische Bewertung ist sicher schwerer im Inhalt auszumachen. Eine Bewertung und Klassifizierung findet hier ebenso statt. Wie bei der der Kategorisierung von Sonnen entsprechend dem Hertzsprung-Russell-Diagramm oder der Ordnung des Kosmos in Strukturen wie Sonnensysteme und Glaxienhaufen. Damit ist auch diese Wissenschaft notwendig normativ, entsprechend meiner Definition, weil sie Normen setzt.


    Ob in der Suche nach Planeten und hier speziell nach erdähnlichen Planeten in der Habitablen Zone eines Sonnensystems eventuell sogar eine moralische Komponente enthalten ist, wäre sicher ein Punkt der diskutiert werden könnte.

    Für mich ist jede Form von Kategorisierung eine Bewertung eines Sachverhaltes. Ob die Kategorien nun mit richtig/falsch, gut/schlecht, süß/sauer oder normenkonform/nicht normenkonform bezeichnet werden, stellt für mich keinen Unterschied in der Handlung dar. Allerdings ist nicht jede Bewertung auch gleichzeitig eine moralische Bewertung, zumindest nicht zwingend. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass für jemanden die Kategorien süß/sauer eine moralische Komponente enthalten, so wie für manche die Kategorien Fleisch/Vegetarisch/Vegan.


    Um das ganze zurück zur Wissenschaft zu bringen und ihrem "Neutralitätsgebot". Da Wissenschaft im Regelfall nicht nur deskriptiv ist sondern gleichzeitig Modelle und Theorien entwirft in welche die Beobachtungen einsortiert werden und besonders in der Soziologie die Beobachtungen interpretiert werden, kann sie nicht neutral sein. Statt der Vorstellung zu huldigen, es gäbe neutrale Wissenschaft wäre es aus meiner Sicht hilfreicher sich klar zu machen, es sind Menschen die eine Wissenschaft betreiben und diese Menschen haben einen soziologischen Kontext in welchem sie leben und aufgewachsen sind. Mit dem Bewusstsein können wir dann versuchen so objektiv wie möglich etwas zu betrachten und uns kritisch beobachten welche Werte wir implizit als gesetzt annehmen, weil wir diejenigen sind die wir sind.

    Wenn Du sagst: "es ist so" dann enthält diese Aussage einen Allgemeingültigkeitsanspruch. Wenn Du sagen würdest: "Für mich ist es so." oder noch schwächer "Für mich erscheint es im Moment so ..." wäre dieser Allgemeingültigkeitsanspruch nicht mehr enthalten, zumindest dem Wortlaut nach. Du könntest es natürlich immer noch meinen. Wenn Du etwas mit Allgemeingültigkeit aussagst, setzt Du eine Norm. Eine Norm kann nicht mehr neutral sein, denn sie Teilt in "richtig" und "falsch". Das muss nicht mal im klassischen Sinne auf Grundlage von Werten wie Gerechtigkeit erfolgen. Bein DIN und ISO würde sicher niemand an Werte denken, trotzdem sind es Normen und damit nicht neutral dem Sein gegenüber.

    allein die beschreibung das die welt eine kugel ist ist ja schon etwas das die welt verändert hat ohne normen aufzustellen.

    oder ist nicht eine beschreibung schon normativ weil sie sagt "so ist es"?

    Ja, eine Beschreibung wird normativ, wenn sie mit dem Attribut "Wahrheit" ("so ist es") versehen wird. Eine solche Beschreibung ist dann nicht mehr im "wertneutralen" Bereich. Selbst die Worte welche bei einer Beschreibung gewählt werden, können bereits eine implizite Wertung transportieren, so dass keine Neutralität mehr vorhanden ist, selbst wenn vom Autor gar nicht beabsichtigt, weil er die Konnotation eines Wortes sich nicht bewusst gemacht hat.


    Entsprechend schwer ist es eine deskriptive Beschreibung so zu verfassen, dass diese eine neutrale Beschreibung darstellt und diese keinen Anspruch aufstellt objektiv zu sein, sondern es jedem selbst überlässt für sich zu prüfen ob die Beschreibung dem entspricht was wir als unsere Realität begreifen. Etwas als objektiv zu postulieren ist ein normativer Vorgang.

    Wenn man Gesellschaft nicht religiös gestalten will, bleiben doch nur wissenschaftliche Theorien. Marxismus ist ja nur eine, Merkantilismus, Sozialdarwinismus, Ökonomie des freien Marktes usw.

    Ich wüsste nicht, wo beim Marxismus und der Ökonomie des freien Marktes das wissenschaftliche in den Theorien stecken soll und worin sich diese von Religionen unterscheiden sollten. Beide Theorien können sicher mit einer ähnlichen Anzahl von Toten aufwarten wie andere Weltreligionen und ebenso mit Anhängern die zum Töten bereit sind.

    Schließen sich Glücksempfinden und Gleichmut nicht aus?

    Warum meinst Du das? Ist für Dich Gleichmut gleichbedeutend mit Emotionslosigkeit oder Beliebigkeit? Gleichmut meint nicht, dass mir alles egal ist, sondern nur, dass die Umstände mich nicht zwingend in einen bestimmten Zustand versetzen können, wenn ich nicht gewillt bin es zulassen.


    Solange keine gemeinsame Glücksdefinition vorliegt, wird man sich nie darauf einigen können, was zum Glück führt.

    Da die Empfindung als auch die Bewertung von Glückszuständen subjektiv ist, was sollte so eine Glücksdefinition umfassen können? Statt einen Weg zum Glück finden zu wollen, wäre es sicher einfacher den Zustand des Glücks selbst zu erfassen. Je nach Körperchemie mögen die Werte von Person zu Person variieren, letztlich könnte man aber versuchen zu Messen wie der Hormonspiegel aussieht und Werte festlegen welche dann objektiv als glücklich angesehen würden.

    Ein Ansatz zur Definition von Glück findet sich im Bruttonationalglück anhand dessen in Buthan beurteilt werden soll, ob es gelingt einen Rahmen zu schaffen, in welchem die dort lebenden Menschen, in der Lage sind glücklich zu sein.


    Beim Glücksatlas der deutschen Post geht es primär um Zufriedenheit mit den Lebensumständen.


    Ich denke, dass glücklich sein möglich ist, auch wenn es Umstände gibt, mir denen man unzufrieden ist. Mir geht es zumindest so. Letztlich hängen unsere Gefühle nur davon ab, wie wir die Umständen in denen wir leben bewerten. Je besser es mir gelingt den Umständen in denen ich lebe mit Gleichmut zu begegnen und ohne Wertung zu sein, um so eher gelingt es mir Glück zu empfinden und mich über mein Leben zu freuen.

    Ich verfolge zum Glück nicht irgendwelche Diskussionen oder Nachrichten zum Thema. Mir ist das Thema bisher nur durch die Soziopod Live Folgen begegnet und was mich bei Diskussionen immer kirre macht ist die Verwendung solcher Buzzwords (zu dem Digitalisierung inzwischen verkommen ist) die inzwischen so oft gewaschen und durch die Mangel gedreht wurden, dass sie von jeglichem Inhalt befreit sind.


    Sollte die offenkundig falsche Nutzung des Begriffs geändert werden?

    Da der Begriff zum Modebegriff geworden ist, ist für mich der einzige Weg den Begriff zu ignorieren und mir jeweils vom Gegenüber erklären zu lassen, was er denn nun meint wenn er von Digitalisierung spricht und welche diese Inhalte er aus welchem Grund für problematisch hält. Wenn der Begriff in der von Dir geäußerten Häufigkeit verwendet wird und dabei vorwiegend in einem negativen Setting (?) hat der Begriff wohl inzwischen eine negative Konnotation erhalten. Was ich sehr schade fände.


    Findet tatsächlich eine deutliche Erhöhung des Automatiserungsgrades statt und womit könnte man das messen?

    Variante 1: Nimm ein beliebiges Produkt (z. B. ein Auto oder einen Bleistift) und ermittle wie viele menschliche Arbeitsstunden noch benötigt werden, um eines oder 1.000 dieser Produkte herzustellen und wie sich dieses in den letzten 30 Jahren verändert hat.

    Variante 2: Du suchst nach aktuellen Zahlen wie sie in diesem Bericht (Die Informatisierung der Arbeitswelt von Werner Dostal) verwendet wurden und schaust ob die geschätzte Entwicklung sich stärker beschleunigt hat als damals angenommen.

    Variante 3: Du schaust wie viele Jobs es noch gibt welche nicht innerhalb einer Dekade komplett durch eine Maschine oder aktuell eher durch einen Algorithmus bzw. eine KI ersetzt werden können.


    Die eigentliche Automatisierung (menschliche Arbeit wird durch Maschinen/Roboter ersetzt) besitzt aus meiner Sicht nur noch geringe Relevanz. Die eigentlich Welle die auf uns zu rollt ist nicht materiell, denn es betrifft vor allem die Menschen welche heute am Rechner respektive in Büros arbeiten. Alle Menschen die nur mit Informationen hantieren dürfen um ihr Erwerbseinkommen bangen.


    Geht es beim Thema Job-Verlust nur um die Digitalsierung der Kommunikation als Ursache?

    Aus meiner Sicht zeigt sich hier, dass der Begriff der Digitalisierung nicht wirklich der Problemstellung gerecht wird. In einer der Folgen hatte Herr Breitenbach als Beispiel einen Busfahrer genannt. Es geht nicht darum das Kommunikation digital wird, also das Text, Sprache und Bilder in digitaler Form gespeichert vorliegen. Es geht darum, dass an vielen Stellen an denen heute noch eine Mensch-Mensch Kommunikation erfolgt/üblich ist, die Menschen dahin geführt werden (mit unterschiedlichsten Anzeizen: Effizienz, Preis, Trendy, Schnelligkeit), dass sie auch bereit sind eine Mensch-Computer Kommunikation zu akzeptieren. Die Digitalisierung ist also Voraussetzung und keine Ursache dafür, dass der Prozess XXX (bitte passenden Begriff einsetzen) überhaupt möglich ist. Die Ursachen sind, wie so meist, nicht die sichtbaren Symptome sondern die darunter liegenden Strukturen welche bestimmte Anreize setzen: Geld, Wirtschaft, Staat, Gesellschaft.


    Welche Aspekte der Automatiserung werden zu wenig erörtert?

    Ich gehe davon aus, dass der Begriff Automatisierung den Wandel welcher uns nun bevorsteht: Weg von der Dienstleitungsgesellschaft hin zur Informationsgesellschaft, nicht ausreichend wiedergibt. Es wird zu wenig deutlich, worin der Wandel besteht. Ich persönlich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Informationsgesellschaft mehr Beschäftigten eine Erwerbsarbeit ermöglicht, als diese in der Lage sein wird durch selbstlernende Algorithmen obsolet zu machen.

    Glaubst Du meinen Gedankengang ansatzweise zu verstehen oder blieb ich komplett nebulös oder neben der Spur für Dich?

    Was ich bisher aus dem was Du schreibst herauslese (bzw. hinein interpretiere) ist Deine Annahme, dass Fragen welche nicht einfach oder vielleicht sogar gar nicht oder zumindest für das Individuum nicht zufriedenstellend beantwortet werden können eher unzulässige Fragen darstellen und Du es vorziehen würdest solche Frage gar nicht zu stellen bzw. das sie nicht gestellt würden, da der Versuch einer Beantwortung Unzufriedenheit hervor bringt. Weil es aufdeckt wie beschränkt und unvollkommen entweder Kommunikation oder noch schlimmer unser Wissen um die Dinge und Sachverhalte in Wirklichkeit ist. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist eine Grenzerfahrung in mehrfacher Hinsicht: kommunikativ, moralisch, gesellschaftlich, persönlich.


    Insofern gehe ich davon aus, bis Du mir widersprichst, dass ich einige Aspekte von dem was Du aussagen wolltest in der Lage war nachzuvollziehen und somit vermutlich auch verstanden habe. Ich würde diese Deine Ansicht nicht teilen. Trotzdem sehe ich keinen Grund mir eine Wertung zu überlegen ob ich auch diese Spur fahren würde oder eben andere präferiere.

    Fandest Du neue Perspektiven in meinen Betrachtungen, die Du noch nicht kanntest?

    Die Frage kann ich schwer beantworten, weil ich keine vollständige Erinnerung habe was mir schon jemals begegnet ist oder was ich schon einmal irgendwann gedacht habe. Ich habe schon oft mit Menschen über den Sinn des Lebens diskutiert und immer wieder mit mir gerungen, um mit meiner aktuellen Definition im Frieden zu sein. Ich kann nur sagen, dass eine Sichtweise wie die Deine für mich keine Überraschung oder etwas Unerwartbares beinhaltet, weswegen sie in mir keinen Gedanken auslöst wie: "Auf den Gedanken wäre ich nie gekommen oder so würde ich es nie sehen."

    Ich denke, dass das Abgrenzungsproblem welches Du beschreibst sich auch in dem Aspekt niederschlägt, ob versucht wird den Sinn des Lebens subjektiv (von innen, individuell) oder objektiv (von außen, allgemeingültig) zu beschreiben.

    Das Problem liegt sicher auch in der Sprache, aufgrund der unterschiedlichen Aufladungen welche wir mit verschiedenen Begriffen haben, welche bei unserem Gegenüber anders ausgeprägt sind. Entsprechend irren wir, wenn wir bei unserem ersten Eindruck von vermeintlicher Übereinstimmung als auch vermeintlichen Differenzen nicht weiteren Austausch folgen lassen, um ein Verstehen im bestmöglichen Umfang zu erreichen. Ich möchte es mal kryptisch formulieren: Wir sind alle verschieden und dabei weniger verschiedener als wir meinen und verschiedener als wir glauben.


    Wenn Du Dir nicht sicher bist ob wir vom gleichen Inhalt des Begriffes Leben ausgehen, differenziere und erkläre. Nur dann können wir uns der inhaltlichen Bedeutung annähern. Für mich ist mit Leben an dieser Stelle nicht gemeint die bloße Existenz und ob es ein übergeordnetes Ziel für mein Leben gibt sondern Leben bedeutet hier das Füllen meines Daseins mit Tätigkeiten welche für mich darum sinnvoll sind, weil sie der Erfüllung von Zielen dienen, welche ich mir selbst gesetzt habe und als erstrebenswert ansehe.


    Sag Du mir ob Du anhand meiner Ausführungen den Eindruck hast verstanden worden zu sein, denn ich kann nicht sagen ob ich Dich verstanden habe, da ich nicht Du bin und dies ein subjektiver Eindruck von Dir ist. ;)

    Im Sinne des Allgemeinwohls profitiert sie aber schon von den höheren (absolut) Abgaben der Wohlhaberenden. Gäbs die nicht, wäre noch weniger Geld im Staatssäckel.

    Ich stelle dieses durchaus in Frage. Die zusätzlichen Steuern von den Wohlhabenden zahlt letztlich Lieschen Müller bei ihrem Einkauf und mit ihrer Miete selbst. Darüber hinaus landen mehr Gelder vom Staat in Bereichen von denen sie keinen Vorteil hat: Zinszahlung, Bankenrettung, BER, Universitäten um nur einige zu nennen. Profitieren würde sie wohl nur, wenn sie beim Staat putzt, dann käme zumindest ihr Einkommen aus Steuermitteln.

    Ist unser restlicher Körper in seinen Bestandteilen nicht EINE Antwort auf die jeweilige Fragestellung? Ein Beispiel: Fische können nicht laufen, wir schon. Schwimmen und Gehen sind vom Einzeller her gesehen, Antworten auf die Frage der Fortbewegung zur Nahrungs-, Flucht- und Partner-Suche. Alles schön stringent...

    Aus meiner Sicht ist die Vorstellung von Stringenz in Bezug auf die Evolution ein Fehlschluss, wenn man diese vom "Ende" (einem aktuellen Zwischenzustand, da letztlich nie zu Ende gehend) anschaut. Wenn ich jetzt mal die Blickrichtung ändere und vom Präkambrium auf die Gegenwart schaue, stellen sich mir viele Fragen und es wirkt nichts mehr stringent: Chlorophyll? Sauerstoff? Dinos? Säugetiere? Humanoide? Neandertaler? So viele Fehlschläge und Sackgassen.

    Im Prinzip gibt es dazu die progressive Besteuerung. Davon hat Lieschen Müller nur im Sinne des Allgmeinwohl etwas und nicht konkret für Ihr Auto.

    Ich glaube kaum, dass unser Putzfrau Lieschen Müller einen Vorteil aus der progressiven Besteuerung hat und am Ende einen sehr viel größeren Anteil ihres Einkommens an den Staat abgibt als andere in dem Beispiel. Sozialversicherungen heben den progressiven Einkommenssteuereffekt bei hohen Einkommen letztlich wieder auf. Insbesondere wenn unsere Freunde vom Chef auch noch Selbstständige sind und damit keine Sozialabgaben zahlen müssen.

    Schön wäre es (man darf ja mal Träumen), wenn die Beziehungen zu einigen Menschen so gestaltet wären, dass die Reicheren den Ärmeren einfach konkrete finanzielle Hilfe schenken.

    Wieso erst einen Rahmen dulden in welchem wenige Menschen reich werden können und dann darauf hoffen, dass diejenigen wieder etwas abgeben, statt von vorne herein die Strukturen so zu verändern, dass eine Akkumulation von Macht und Vermögen gar nicht möglich ist?

    Hallo,


    worin siehst Du denn das Dilemma? Mir ist nicht klar, was an dem Ergebnis so überraschend sein soll? Das sich Menschen innerhalb einer Gruppe so verhalten wie es die Menschen in ihrer Umgebung von ihnen fordern bzw. sie sich daran orientieren wie sich andere verhalten ist doch normal. Gesellschaftliches Verhalten ist ein erlerntes Verhalten und die moralische Bewertung von Handlungen dient dazu, Handlungen in erwünschte und unerwünschte zu unterteilen.


    So wie ich das Paper verstehe basieren die Ergebnisse auf Befragungen von Menschen aus der Gegenwart (+/- ein paar Jahrzehnte) welche angehöriger bestimmter Volksgruppen sind. Besonders kritisch sehe ich hier die ausgeführte Zustimmung zum 7. Punkt: Eigentum. Um einschätzen zu können in welchem Umfang diese Zustimmung zu verstehen ist, wäre es erst einmal nötig zu erfahren wie der Fragenkatalog ausgesehen hat mit welchem diese Resultate erhoben wurden. Weil Eigentum kann sein, der Kugelschreiber in Deiner Hand oder 90% der Landoberfläche der Erde.


    Was sollte die Aussagekraft einer solchen Befragung sein? Welche der befragten Gruppen sollte nicht mit dem Konzept von Eigentum infiziert sein und dieses inzwischen als "Normalität" betrachten sowie positiv konnotieren. Ich finde es in dem Zusammenhang allerdings erschreckend, dass nur 9 von 60 der befragten Gruppen zu Punkt 6 (Fairness - Kooperation statt Kampf um strittige Ressourcen) einen positiven Bezug haben sollen.


    Mit freundlichen Grüßen
    Martin

    Aus meiner Sicht kann es keine Perspektive geben, welche objektiv für jeden "richtig" wäre, da es bei "fair" um eine moralische Bewertung einer Handlung bzw. Situation geht. Da Moral etwas sehr subjektives ist, ist es kaum möglich allgemeingültige Aussagen zu treffen, welche dann überhaupt noch einen relevanten Inhalt haben. Natürlich könnten wir versuchen ein messbares Kriterium zu definieren und dann festlegen wann wir etwas als "fair" oder "unfair" bezeichnen. So wie wir objektiv die Temperatur von Wasser messen können und dann für uns festlegen könnten <25°C = kalt und >=25°C = warm.


    Ich würde in der Situation Lieschen Müller empfehlen sich eine andere Werkstatt zu suchen. Meine Werkstatt (auch Opel) gewährt bei Fahrzeugen welche älter als 5 Jahre sind z. B. 10% Rabatt auf Inspektion/Ölwechsel. Es ist eben eine Frage der Konkurrenz und Strategie der Werkstatt wie sie mit ihren Kunden umgeht oder umspringt.


    Mal angenommen es würden noch mehr Personen außer Dir entscheiden, dass Lieschen Müller hier unfair behandelt wird und das es nicht in Ordnung sei. Es wird dann neben der moralischen Bewertung auch erwartet, dass irgendwelche Handlungen von irgendwem zu erfolgen haben. Nach der (durchaus auch für mich nachvollziehbaren, wenn auch nicht geteilten) moralischen Empörung über einen solchen Sachverhalt ist dann für mich die entscheidende Frage: Was fordern die empörten Menschen und von wem? Wenn Du es entscheiden könntest, welche Deiner Vorschläge fändest Du fair, wenn Du Dein Chef, der Finanzboss oder Lieschen Müller wärest und warum?

    Die sachliche Auseinandersetzung mit der Ansicht hält er nicht für nötig, weil er deren Anhänger für verblendete Untermenschen hält.

    Wenn ich auf diese Aussage jetzt Antworten würde: Klingt wie eine Debatte im Bundestag.


    Wäre so etwas dann in dem Stil den Du meinst? Keine Argumente sondern einfach die mit der Gruppe geteilten Ansichten abrufen und die eigenen Ressentiments pflegen ohne sie wirklich zu benennen. Wenn man die gleichen Ansichten teilt, muss man die ja nicht aussprechen um auch so verstanden zu werden.