Beiträge von Martin Finger

    Ein Ansatz zur Definition von Glück findet sich im Bruttonationalglück anhand dessen in Buthan beurteilt werden soll, ob es gelingt einen Rahmen zu schaffen, in welchem die dort lebenden Menschen, in der Lage sind glücklich zu sein.


    Beim Glücksatlas der deutschen Post geht es primär um Zufriedenheit mit den Lebensumständen.


    Ich denke, dass glücklich sein möglich ist, auch wenn es Umstände gibt, mir denen man unzufrieden ist. Mir geht es zumindest so. Letztlich hängen unsere Gefühle nur davon ab, wie wir die Umständen in denen wir leben bewerten. Je besser es mir gelingt den Umständen in denen ich lebe mit Gleichmut zu begegnen und ohne Wertung zu sein, um so eher gelingt es mir Glück zu empfinden und mich über mein Leben zu freuen.

    Ich verfolge zum Glück nicht irgendwelche Diskussionen oder Nachrichten zum Thema. Mir ist das Thema bisher nur durch die Soziopod Live Folgen begegnet und was mich bei Diskussionen immer kirre macht ist die Verwendung solcher Buzzwords (zu dem Digitalisierung inzwischen verkommen ist) die inzwischen so oft gewaschen und durch die Mangel gedreht wurden, dass sie von jeglichem Inhalt befreit sind.


    Sollte die offenkundig falsche Nutzung des Begriffs geändert werden?

    Da der Begriff zum Modebegriff geworden ist, ist für mich der einzige Weg den Begriff zu ignorieren und mir jeweils vom Gegenüber erklären zu lassen, was er denn nun meint wenn er von Digitalisierung spricht und welche diese Inhalte er aus welchem Grund für problematisch hält. Wenn der Begriff in der von Dir geäußerten Häufigkeit verwendet wird und dabei vorwiegend in einem negativen Setting (?) hat der Begriff wohl inzwischen eine negative Konnotation erhalten. Was ich sehr schade fände.


    Findet tatsächlich eine deutliche Erhöhung des Automatiserungsgrades statt und womit könnte man das messen?

    Variante 1: Nimm ein beliebiges Produkt (z. B. ein Auto oder einen Bleistift) und ermittle wie viele menschliche Arbeitsstunden noch benötigt werden, um eines oder 1.000 dieser Produkte herzustellen und wie sich dieses in den letzten 30 Jahren verändert hat.

    Variante 2: Du suchst nach aktuellen Zahlen wie sie in diesem Bericht (Die Informatisierung der Arbeitswelt von Werner Dostal) verwendet wurden und schaust ob die geschätzte Entwicklung sich stärker beschleunigt hat als damals angenommen.

    Variante 3: Du schaust wie viele Jobs es noch gibt welche nicht innerhalb einer Dekade komplett durch eine Maschine oder aktuell eher durch einen Algorithmus bzw. eine KI ersetzt werden können.


    Die eigentliche Automatisierung (menschliche Arbeit wird durch Maschinen/Roboter ersetzt) besitzt aus meiner Sicht nur noch geringe Relevanz. Die eigentlich Welle die auf uns zu rollt ist nicht materiell, denn es betrifft vor allem die Menschen welche heute am Rechner respektive in Büros arbeiten. Alle Menschen die nur mit Informationen hantieren dürfen um ihr Erwerbseinkommen bangen.


    Geht es beim Thema Job-Verlust nur um die Digitalsierung der Kommunikation als Ursache?

    Aus meiner Sicht zeigt sich hier, dass der Begriff der Digitalisierung nicht wirklich der Problemstellung gerecht wird. In einer der Folgen hatte Herr Breitenbach als Beispiel einen Busfahrer genannt. Es geht nicht darum das Kommunikation digital wird, also das Text, Sprache und Bilder in digitaler Form gespeichert vorliegen. Es geht darum, dass an vielen Stellen an denen heute noch eine Mensch-Mensch Kommunikation erfolgt/üblich ist, die Menschen dahin geführt werden (mit unterschiedlichsten Anzeizen: Effizienz, Preis, Trendy, Schnelligkeit), dass sie auch bereit sind eine Mensch-Computer Kommunikation zu akzeptieren. Die Digitalisierung ist also Voraussetzung und keine Ursache dafür, dass der Prozess XXX (bitte passenden Begriff einsetzen) überhaupt möglich ist. Die Ursachen sind, wie so meist, nicht die sichtbaren Symptome sondern die darunter liegenden Strukturen welche bestimmte Anreize setzen: Geld, Wirtschaft, Staat, Gesellschaft.


    Welche Aspekte der Automatiserung werden zu wenig erörtert?

    Ich gehe davon aus, dass der Begriff Automatisierung den Wandel welcher uns nun bevorsteht: Weg von der Dienstleitungsgesellschaft hin zur Informationsgesellschaft, nicht ausreichend wiedergibt. Es wird zu wenig deutlich, worin der Wandel besteht. Ich persönlich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Informationsgesellschaft mehr Beschäftigten eine Erwerbsarbeit ermöglicht, als diese in der Lage sein wird durch selbstlernende Algorithmen obsolet zu machen.

    Glaubst Du meinen Gedankengang ansatzweise zu verstehen oder blieb ich komplett nebulös oder neben der Spur für Dich?

    Was ich bisher aus dem was Du schreibst herauslese (bzw. hinein interpretiere) ist Deine Annahme, dass Fragen welche nicht einfach oder vielleicht sogar gar nicht oder zumindest für das Individuum nicht zufriedenstellend beantwortet werden können eher unzulässige Fragen darstellen und Du es vorziehen würdest solche Frage gar nicht zu stellen bzw. das sie nicht gestellt würden, da der Versuch einer Beantwortung Unzufriedenheit hervor bringt. Weil es aufdeckt wie beschränkt und unvollkommen entweder Kommunikation oder noch schlimmer unser Wissen um die Dinge und Sachverhalte in Wirklichkeit ist. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist eine Grenzerfahrung in mehrfacher Hinsicht: kommunikativ, moralisch, gesellschaftlich, persönlich.


    Insofern gehe ich davon aus, bis Du mir widersprichst, dass ich einige Aspekte von dem was Du aussagen wolltest in der Lage war nachzuvollziehen und somit vermutlich auch verstanden habe. Ich würde diese Deine Ansicht nicht teilen. Trotzdem sehe ich keinen Grund mir eine Wertung zu überlegen ob ich auch diese Spur fahren würde oder eben andere präferiere.

    Fandest Du neue Perspektiven in meinen Betrachtungen, die Du noch nicht kanntest?

    Die Frage kann ich schwer beantworten, weil ich keine vollständige Erinnerung habe was mir schon jemals begegnet ist oder was ich schon einmal irgendwann gedacht habe. Ich habe schon oft mit Menschen über den Sinn des Lebens diskutiert und immer wieder mit mir gerungen, um mit meiner aktuellen Definition im Frieden zu sein. Ich kann nur sagen, dass eine Sichtweise wie die Deine für mich keine Überraschung oder etwas Unerwartbares beinhaltet, weswegen sie in mir keinen Gedanken auslöst wie: "Auf den Gedanken wäre ich nie gekommen oder so würde ich es nie sehen."

    Ich denke, dass das Abgrenzungsproblem welches Du beschreibst sich auch in dem Aspekt niederschlägt, ob versucht wird den Sinn des Lebens subjektiv (von innen, individuell) oder objektiv (von außen, allgemeingültig) zu beschreiben.

    Das Problem liegt sicher auch in der Sprache, aufgrund der unterschiedlichen Aufladungen welche wir mit verschiedenen Begriffen haben, welche bei unserem Gegenüber anders ausgeprägt sind. Entsprechend irren wir, wenn wir bei unserem ersten Eindruck von vermeintlicher Übereinstimmung als auch vermeintlichen Differenzen nicht weiteren Austausch folgen lassen, um ein Verstehen im bestmöglichen Umfang zu erreichen. Ich möchte es mal kryptisch formulieren: Wir sind alle verschieden und dabei weniger verschiedener als wir meinen und verschiedener als wir glauben.


    Wenn Du Dir nicht sicher bist ob wir vom gleichen Inhalt des Begriffes Leben ausgehen, differenziere und erkläre. Nur dann können wir uns der inhaltlichen Bedeutung annähern. Für mich ist mit Leben an dieser Stelle nicht gemeint die bloße Existenz und ob es ein übergeordnetes Ziel für mein Leben gibt sondern Leben bedeutet hier das Füllen meines Daseins mit Tätigkeiten welche für mich darum sinnvoll sind, weil sie der Erfüllung von Zielen dienen, welche ich mir selbst gesetzt habe und als erstrebenswert ansehe.


    Sag Du mir ob Du anhand meiner Ausführungen den Eindruck hast verstanden worden zu sein, denn ich kann nicht sagen ob ich Dich verstanden habe, da ich nicht Du bin und dies ein subjektiver Eindruck von Dir ist. ;)

    Im Sinne des Allgemeinwohls profitiert sie aber schon von den höheren (absolut) Abgaben der Wohlhaberenden. Gäbs die nicht, wäre noch weniger Geld im Staatssäckel.

    Ich stelle dieses durchaus in Frage. Die zusätzlichen Steuern von den Wohlhabenden zahlt letztlich Lieschen Müller bei ihrem Einkauf und mit ihrer Miete selbst. Darüber hinaus landen mehr Gelder vom Staat in Bereichen von denen sie keinen Vorteil hat: Zinszahlung, Bankenrettung, BER, Universitäten um nur einige zu nennen. Profitieren würde sie wohl nur, wenn sie beim Staat putzt, dann käme zumindest ihr Einkommen aus Steuermitteln.

    Ist unser restlicher Körper in seinen Bestandteilen nicht EINE Antwort auf die jeweilige Fragestellung? Ein Beispiel: Fische können nicht laufen, wir schon. Schwimmen und Gehen sind vom Einzeller her gesehen, Antworten auf die Frage der Fortbewegung zur Nahrungs-, Flucht- und Partner-Suche. Alles schön stringent...

    Aus meiner Sicht ist die Vorstellung von Stringenz in Bezug auf die Evolution ein Fehlschluss, wenn man diese vom "Ende" (einem aktuellen Zwischenzustand, da letztlich nie zu Ende gehend) anschaut. Wenn ich jetzt mal die Blickrichtung ändere und vom Präkambrium auf die Gegenwart schaue, stellen sich mir viele Fragen und es wirkt nichts mehr stringent: Chlorophyll? Sauerstoff? Dinos? Säugetiere? Humanoide? Neandertaler? So viele Fehlschläge und Sackgassen.

    Im Prinzip gibt es dazu die progressive Besteuerung. Davon hat Lieschen Müller nur im Sinne des Allgmeinwohl etwas und nicht konkret für Ihr Auto.

    Ich glaube kaum, dass unser Putzfrau Lieschen Müller einen Vorteil aus der progressiven Besteuerung hat und am Ende einen sehr viel größeren Anteil ihres Einkommens an den Staat abgibt als andere in dem Beispiel. Sozialversicherungen heben den progressiven Einkommenssteuereffekt bei hohen Einkommen letztlich wieder auf. Insbesondere wenn unsere Freunde vom Chef auch noch Selbstständige sind und damit keine Sozialabgaben zahlen müssen.

    Schön wäre es (man darf ja mal Träumen), wenn die Beziehungen zu einigen Menschen so gestaltet wären, dass die Reicheren den Ärmeren einfach konkrete finanzielle Hilfe schenken.

    Wieso erst einen Rahmen dulden in welchem wenige Menschen reich werden können und dann darauf hoffen, dass diejenigen wieder etwas abgeben, statt von vorne herein die Strukturen so zu verändern, dass eine Akkumulation von Macht und Vermögen gar nicht möglich ist?

    Hallo,


    worin siehst Du denn das Dilemma? Mir ist nicht klar, was an dem Ergebnis so überraschend sein soll? Das sich Menschen innerhalb einer Gruppe so verhalten wie es die Menschen in ihrer Umgebung von ihnen fordern bzw. sie sich daran orientieren wie sich andere verhalten ist doch normal. Gesellschaftliches Verhalten ist ein erlerntes Verhalten und die moralische Bewertung von Handlungen dient dazu, Handlungen in erwünschte und unerwünschte zu unterteilen.


    So wie ich das Paper verstehe basieren die Ergebnisse auf Befragungen von Menschen aus der Gegenwart (+/- ein paar Jahrzehnte) welche angehöriger bestimmter Volksgruppen sind. Besonders kritisch sehe ich hier die ausgeführte Zustimmung zum 7. Punkt: Eigentum. Um einschätzen zu können in welchem Umfang diese Zustimmung zu verstehen ist, wäre es erst einmal nötig zu erfahren wie der Fragenkatalog ausgesehen hat mit welchem diese Resultate erhoben wurden. Weil Eigentum kann sein, der Kugelschreiber in Deiner Hand oder 90% der Landoberfläche der Erde.


    Was sollte die Aussagekraft einer solchen Befragung sein? Welche der befragten Gruppen sollte nicht mit dem Konzept von Eigentum infiziert sein und dieses inzwischen als "Normalität" betrachten sowie positiv konnotieren. Ich finde es in dem Zusammenhang allerdings erschreckend, dass nur 9 von 60 der befragten Gruppen zu Punkt 6 (Fairness - Kooperation statt Kampf um strittige Ressourcen) einen positiven Bezug haben sollen.


    Mit freundlichen Grüßen
    Martin

    Aus meiner Sicht kann es keine Perspektive geben, welche objektiv für jeden "richtig" wäre, da es bei "fair" um eine moralische Bewertung einer Handlung bzw. Situation geht. Da Moral etwas sehr subjektives ist, ist es kaum möglich allgemeingültige Aussagen zu treffen, welche dann überhaupt noch einen relevanten Inhalt haben. Natürlich könnten wir versuchen ein messbares Kriterium zu definieren und dann festlegen wann wir etwas als "fair" oder "unfair" bezeichnen. So wie wir objektiv die Temperatur von Wasser messen können und dann für uns festlegen könnten <25°C = kalt und >=25°C = warm.


    Ich würde in der Situation Lieschen Müller empfehlen sich eine andere Werkstatt zu suchen. Meine Werkstatt (auch Opel) gewährt bei Fahrzeugen welche älter als 5 Jahre sind z. B. 10% Rabatt auf Inspektion/Ölwechsel. Es ist eben eine Frage der Konkurrenz und Strategie der Werkstatt wie sie mit ihren Kunden umgeht oder umspringt.


    Mal angenommen es würden noch mehr Personen außer Dir entscheiden, dass Lieschen Müller hier unfair behandelt wird und das es nicht in Ordnung sei. Es wird dann neben der moralischen Bewertung auch erwartet, dass irgendwelche Handlungen von irgendwem zu erfolgen haben. Nach der (durchaus auch für mich nachvollziehbaren, wenn auch nicht geteilten) moralischen Empörung über einen solchen Sachverhalt ist dann für mich die entscheidende Frage: Was fordern die empörten Menschen und von wem? Wenn Du es entscheiden könntest, welche Deiner Vorschläge fändest Du fair, wenn Du Dein Chef, der Finanzboss oder Lieschen Müller wärest und warum?

    Die sachliche Auseinandersetzung mit der Ansicht hält er nicht für nötig, weil er deren Anhänger für verblendete Untermenschen hält.

    Wenn ich auf diese Aussage jetzt Antworten würde: Klingt wie eine Debatte im Bundestag.


    Wäre so etwas dann in dem Stil den Du meinst? Keine Argumente sondern einfach die mit der Gruppe geteilten Ansichten abrufen und die eigenen Ressentiments pflegen ohne sie wirklich zu benennen. Wenn man die gleichen Ansichten teilt, muss man die ja nicht aussprechen um auch so verstanden zu werden.

    Bin ja echt mal gespannt, ob jemand von euch meinen Eindruck teilt oder mehr dazu sagen kann.

    Deine Beschreibung erinnert mich sofort an Platon und seine Kritik an den Sophisten. Insofern ist das Verhalten - sich an Scheinargumenten abzuarbeiten um das Gegenüber zu diskreditieren - schon ganz gut mit dem Begriff Sophismus umschrieben und findet seine Analyse wohl in der Rabulistik. Was meinst Du? Sind die Schreiberlinge welcher Du Dich erinnerst "rechthaberische Wahrheitsverdreher"?

    ist es so besser zu verstehen?

    Auf jeden Fall habe ich so die Möglichkeit zu Erfahren, was in Dir lebendig ist und kann abgleichen ob es wiederum bei mir parallelen dazu gibt. Danke dafür. Es zeigt sich eben, das wir alle wie ein Kaleidoskop aufgebaut sind. Einzelne Scherben können identifiziert werden und es gibt starke Ähnlichkeiten. Als Ganzes sind wir dann jedoch so unterschiedlich, dass es mir gar nicht sinnvoll erscheint Vergleiche anzustellen. Es könnte unserem Erleben und unserer Persönlichkeit doch nicht gerecht werden.


    Währen ich mich in dem "dafür sein" statt "dagegen sein" sofort identifizieren kann und es etwas ist, was ich in meinem Leben schon sehr früh im Rückblick zuordnen kann, ergibt die Aufspaltung von Bewusstsein und Intuition für mich keinen direkten Anknüpfungspunkt, da Denken (der Teil welcher im Bewusstsein stattfindet) immer schon meine Hauptbeschäftigung war und die Intuition für mich immer noch ein schwer zu fassender Begriff ist. Je nachdem was jemand damit aussagt, kann ich dieses mal bei mir wiederfinden (Unterbewusstsein welches durch Denken programmiert wurde) oder es einfach nur stehen lassen (irgendwelche "Bauchempfindungen" oder "Gefühle" ohne Gedanken).

    Die Überzeugungen betreffen halt selten nur einen selbst sondern auch die Mitmenschen und die Welt um einen herum. Ich muss meine Weltsicht schon verteidigen wenn ich einem FPÖ Wähler erkläre, dass ich seine Weltsicht falsch und gefährlich finde.

    In dem Moment wo ich die Weltsicht eines anderen als falsch und gefährlich ablehne gebe ich ihm damit die Erlaubnis auch meine Weltsicht abzulehnen und mir Vorgaben machen zu dürfen, wie meine Weltsicht zu sein habe mit allen Folgen welche es mit sich bringt. Ich führe in diesem Fall die Auseinandersetzung also auf der gleichen Ebene wie mein Gegenüber mit den gleichen Mitteln.

    Also gerade bei dem Gedanken jeder soll machen was ee will bin ich verwirrt. Einerseits will ich niemandem sagen was er tun soll oder behaupten ich wüsste was zu tun sei andererseits habe ich das Gefühl, dass ich aus diesem Grund Probleme hab Dinge mit denen ich nicht übereinstimmen kann zu kritisieren.

    Meine Argumentation erfolgt auf einer anderen Ebene bzw. aus der anderen Richtung. Statt meinen "Schutz" darin zu sehen, dass ich die Weltsicht meines Gegenüber unterbinde und mich durchsetze, schließt mein "jeder darf machen was er will" die Weltsicht meines Gegenüber ein. Ich verwende hier explizit dürfen statt sollen, da -Sollen=Forderung=Übergriffe erlaubt- im Gegensatz zu -Dürfen=Erlaubnis=Grenze ist ein anderes Wollen-. Das "Einschließen" kann hier sogar Wörtlich genommen werden, denn durch das Zulassen des Anderen erlange ich den nötigen Schutz für mein anders Sein. Würde er nun immer noch fordern, dass die Welt nach seinem Willen in Gänze zu funktionieren habe, kann ich ihn mit seiner eigenen Forderung schlagen ohne auf seine Ebene zu wechseln.


    Seinen Willen auszuleben schließt nicht ein, sich über den Willen eines Anderen hinwegsetzen zu dürfen. Das ist der Fehlschluss der bei "Tu was Du willst." zwar auf der Hand liegen mag, weil unsere Welt so funktioniert, bleibt aber ein Fehlschluss. Für mich erfolgt hier ein Wechsel von einer Welt des "Sollens" in eine Welt des "Wollens". Die Reichweite einer Person in der Welt des Wollens umfasst nur sie selbst, während in der Welt des Sollens ständig Übergriffe auf andere Personen an der Tagesordnung sind, gegen die sich jeder zur Wehr setzen darf so gut er kann. Es ist an der Stelle aus meiner Sicht langfristig hilfreich dieses zur Wehr setzen so zu praktizieren, dass zukünftige Übergriffe delegitimiert werden statt sie zu legitimieren.

    Martin ich verstehe dich gut! Ich habe diese Phase auch durchlebt.

    ThomasG mir wird leider nicht klar, was Du mit "Phase" meinst und auf was Du Dich dabei beziehst. Ich habe gelernt bis zum Anschein eines Verstandenseiens erst mal skeptisch zu bleiben was bei meinem Gegenüber wirklich angekommen ist. Ich finde die Technik des Paraphrasierens sehr viel hilfreicher, um einander zu verstehen, als die Behauptung von Verstehen.

    Deine Ausführungen wecken bei mir den Eindruck, als wolltest Du Aussagen, dass seinem eigenen Willen zu folgen und zu sich selbst zu finden im einem Gegensatz dazu stünde für sich selbst und andere den Raum der Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.

    Aus meiner Sicht ist der Sinn des Lebens das eigene Leben zu leben. Die Herausforderung dabei ist, wirklich das zu finden was das Eigene ist. Entsprechend der Inschrift auf dem Auryn: "Tu was Du willst."


    Allerdings lässt mich dieser Glaube ans experimentieren und an die Fluidität solcher Überzeugungen in letzter Zeit oft straucheln, wenn es darum geht meine Überzeugungen gegenüber anderen Überzeugungen zu verteidigen, von denen ich denke, dass sie gefährlich oder destruktiv sind. Ich weiß einfach nicht woher ich mir in meiner persönlichen Philosophie das Recht nehmen kann die Weltanschauungen von jemand anderem kategorisch abzulehnen und manchmal fühlt sich das an wie eine Schwäche auf dem schnelllebigen Schlachtfeld von Ideen, das das unsere vernetzte Welt mitunter sein kann.

    Warum sollte ich meine Überzeugungen verteidigen müssen? Weil jemand seine Überzeugungen auf mich projiziert? Da brauche ich keine Verteidigung, sondern verbitte mir jede Anmaßung, dass jemand anderes meint entscheiden zu wollen, was ich mit meinem Leben zu machen hätte. Wenn sich jeder um sein eigenes Leben kümmert, hat er bereits genug für ein ganzen Leben zu tun. Im nächsten Leben hat er dann Gelegenheit, sich um ein anderes Leben zu kümmern.

    Gleichzeitig scheint sich der Gegensatz von ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen durch ein BGE oder Ausgleichszahlungen nicht aufheben zu lassen, was weitere, damit einhergehende, gesellschaftliche Prozesse und auftretende Exklusionsmechanismen situiert.

    MBuber89 : Worin sollte denn der Gegensatz zwischen einem Arbeitgeber und einem Arbeitnehmer bestehen, welcher durch ein Grundeinkommen nicht aufgehoben werden könnte? Vorausgesetzt das Grundeinkommen ist so hoch bemessen, dass keine Notwendigkeit besteht eine Arbeit annehmen zu müssen, um leben zu können.


    Jedoch dürfen wir in unserer Demokratie keine Unterschiede der Verteilung machen da formal jeder vor dem Gesetzt gleichgestellt sein muss.

    Jakob Mothes : Ist diese Aussage ironisch gemeint? Wenn unsere Demokratie die formale Gleichstellung vor dem Gesetz damit gleich setzen würde, wie die Verteilung von staatlichen Mitteln zu erfolgen hätte, hätte man sich die ganze Ausdifferenzierung eines Sozialgesetzbuches sparen können.

    Ich glaube, dass die scheinbaren Gegensätze eher daher rühren, dass wir irrtümlich annehmen, dass nur weil wir die gleichen Worte benutzen damit auch das gleiche meinen. Die Sprache ist, gerade in so einem Kontext, eine zur Unterkomplexität neigende Kommunikationsform. Leider habe wir bisher noch keine bessere allgemeine Kommunikationsform. Weil was genau meint jemand wenn er von Konstruktion oder Realismus spricht?


    Aus neurologischer Sicht ist es plausibel davon auszugehen, das etwas konstruiert wird, da Nervenimpulse nur fragmentarische Informationen über die Beschaffenheit einer eventuell vorhanden Realität an das Gehirn weitergeben können und in diesem dann damit etwas passiert. Inzwischen können einzelne spezialisierte Verarbeitungszentren identifiziert sowie deren Zusammenwirken beobachtet werden. Solche spezialisierten Bereich können inzwischen in künstlichen Neuronalen-Netzen in Form einer schwachen KI nachgebildet werden. Wie genau das Gesamtbild einer "Wirklichkeit" entsteht kann jedoch (noch?) nicht nachvollzogen werden. Entsprechend sind wir bisher auch nicht in der Lage eine starke KI zu erstellen.


    Aus Sicht eines philosophischen Realismus wird eine Wirklichkeit postuliert. Da diese notwendigerweise als Axiom vorausgesetzt wird, kann diese

    Wirklichkeit keine Folge einer Aktivität im Gehirn sein oder gar von dieser abhängig. Um zu dieser postulierten Wirklichkeit Aussagen machen zu können, muss ich zu dieser einen direkte Zugang haben. Eine wie auch immer geartete Kopie/Konstruktion reicht nicht, da ich sonst niemals in die Lage kommen würde die "Echtheit" der Kopie überprüfen zu können, da ich meine Erkenntnisse immer nur an einer Kopie abgleichen könnte.


    Nach den Aussagen und Argumentationen welche in beiden Sendungen von Markus Gabriel getätigt wurden, stellt sich mir vor allem die Frage worum es eigentlich geht. Ich gehe davon aus, dass die Positionen am Ende nicht so radikal auseinander sind, wie er versucht dieses zu postulieren. Mir scheint es eher so, dass es ihm um die Reaktivierung des Begriffes der "Wahrheit" geht. Damit dieser in gesellschaftlichen Diskussionen genutzt werden kann, um andere Interessen in Diskursen leichter abschmettern zu können, soweit diese keine Argumente entsprechend seiner Wahrheitsdefinition vorgebracht haben. Aus meiner Sicht eine problematische Rückkehr und gerade eine seriöse Wissenschaft sollte sich vom Wahrheitsdogma eher fernhalten. Ich denke für die verschiedenen gesellschaftlichen Diskurse ist "Wahrheit" gar nicht nötig, da die beabsichtige Verbesserung aus meiner Sicht bereits darüber erreicht würde wenn in Diskussionen eben argumentiert würde und nicht einfach Behauptungen aufgestellt oder Emotionen geweckt werden dürften ohne Argumente vorbringen zu müssen. Aussage wie "Es ist so weil ich (oder irgendwer) es sage." oder Begründungen wie "Weil ich (oder irgendwelche) es für richtig halte/n." sind eben keine Argumente.

    Für mich ist die Entscheidungssituation "X Leben retten und Y Leben opfern mit Y<X" nicht schwierig. Einfach in dem ich mich in die Postion desjenigen versetzte, welcher am schlechtesten in der jeweiligen Situation abschneidet. Möchte ich einfach geopfert werde, ohne in die Entscheidungsfindung mit einbezogen zu werden? Ganz sicher nicht. Entsprechend werde ich mir selbst auch nicht eine solche Entscheidung anmaßen.


    Gerade bei dem Brückenbeispiel ist die Frage: Warum kann man den Mann nicht einfach fragen, ob er bereit wäre sich vor den Zug zu stürzen? Natürlich ist mir klar, dass man es deshalb nicht macht, um die Situation leichter als Dilemma erscheinen zu lassen.


    Interessant wird die Frage bei autonomen Fahrzeugen. Da bin ich sehr gespannt mit welchem Algorithmus diese letztlich versehen werden und wie dieses begründet werden wird. Wenn es nach den Menschen geht, sollte man als alter übergewichtiger Mann besonders vorsichtig sein und lieber nicht bei Rot über die Straße laufen. Im Buch QualityLand wird das Problem prima beschrieben mit Killer Car vs. Suizid Car. Als Fußgänger bevorzugt man natürlich, dass nur Suizid Cars unterwegs sind und als Insasse möchte man lieber in einem Killer Car sitzen. Die KI kann das Problem gerade nicht lösen, solange wir solche Situationen als Dilemmata ansehen, weil wir sich widersprechende moralisch Regeln zur Anwendung bringen und keine klare und einheitliche Werteorientierung haben, welche in jeder Situation zum gleichen eindeutigen Ergebnis führt.

    Lieber ChrisH ,


    ich habe länger hin- und herüberlegt, ob ich mich zu Deiner Fragestellung äußern soll oder ob es besser für mich wäre, mich gar nicht erst in eine solche Diskussion einzubringen, da diese Diskussion nur schwerlich einen positiven Beitrag leisten kann, für den Umgang miteinander. Wie Du sehen kannst, habe ich mich entschieden mich zumindest zu äußern, in dem Versuch das eröffnete Thema aus einer anderen Perspektive zu betrachten.


    Zunächst einmal etwas Innenschau

    Was sind meine emotionalen Trigger, weshalb das Thema es schafft meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen? Für mich waren dieses zunächst die Schlüsselworte „wir“ und „seriös“.


    Wenn jemand mir gegenüber eine Ausführung oder ein Argument, vorbringt und dieses mit dem Wort „wir“ schmückt, hat dieses für mich sofort eine Abschwächung des Argumentes zur Folge und weckt mein Misstrauen. Weil ich ab diesem Zeitpunkt davon ausgehe, dass die vorgebrachten Argumente zu schwach sind, um für sich allein stehen zu können und daher die „Unterstützung“ durch eine Menschenmenge benötigen. Manchmal wird auf diesem Weg auch versucht eine Meinung als ein Argument erscheinen zu lassen, weil eine Meinung, welche von mehreren Menschen geteilt wird, bestimmt inhaltlich stichhaltig sein müsse und dieses leider oft unkritisch stehen gelassen wird. Richtig kritisch wird es, wenn jemand versucht mich in die Verwendung von „wir“ mit einzuschließen, ohne hierfür eine explizite Erlaubnis von mir erhalten zu haben. Ein solches Vorgehen empfinde ich als vereinnahmend.


    Die Verwendung von „seriös“ löst bei mir etwas Ähnliches aus. Da „seriös“ für mich eine moralische Bewertung darstellt, erfolgt damit gleichzeitig eine Ab- und Ausgrenzung von etwas anderem als unseriös.


    Überlegungen zu den gemachten Ausführungen

    Ich finde es mindestens merkwürdig, wie im Namen der Offenheit eine Überlegung vorgetragen werden kann, welche explizit auf den Ausschluss bestimmter Themen bzw. bestimmter Personen hinausläuft. Ich frage mich dann wie es jemandem gelingt, eine für mich so offensichtlich widersprüchliche Aussage zu vertreten. Man kann ja durchaus die Meinung vertreten und sich wohler fühlen, wenn man ungestört in seiner Filterblase verweilen kann. Aufgrund der Äußerungen von Herrn Köbel und Herrn Breitenbach würde ich unterstellen, dass das Forum nicht inhaltlich pauschalen Beschränkungen unterworfen werden soll. Eine pauschale Themenbeschränkung würde aus meiner Sicht der Idee, welche ich als „Last uns miteinander diskutieren.“ beschreiben würde, des Soziopods mehr Schaden, als Meinungen zu tolerieren, welche man selbst nicht teilt und den Drang verspürt sich von diesen abgrenzen zu müssen.


    Positionierung zum Inhalt

    Es ist schon einige Zeit her, dass ich mir Interviews von Ken Jebsen angeschaut habe. Für mich waren diese schnell langweilig, da ein Teil der Interviews wiederholt darauf hinaus lief, dass sich Herr Jebsen durch suggestive Fragestellungen versuchte von seinem Gesprächspartner seine Weltsicht bestätigen zu lassen. Leider kam es nur selten zu einem Widerspruch des Interviewpartners, so dass eben nur eine einseitige Perspektive vermittelt wurde. Nachdem ich mir einige Interviews von Richard David Precht angeschaut habe, hatte ich den gleichen Eindruck. Beide haben ihre Sichtweisen auf die Dinge und sie verwenden suggestive Fragestellungen, um ihre Interviewpartner in ihrem Sinne zu lenken und ihr Thema zu vermitteln bzw. sich zu profilieren. Auch wenn man selbst die einzelnen Standpunkte nicht teilt, halte ich es für problematisch eine Haltung einzunehmen von vorneherein einen Dialog abzulehnen und das Gegenüber moralisch abzuwerten und damit auf Kosten des Anderen die eigene Meinung aufzuwerten. Offener Dialog sieht anders aus, aber den muss man wollen und emotional damit umgehen können und ich bevorzuge es, wenn ein solcher Dialog argumentativ und ohne moralisierende Grabenkämpfe erfolgt.


    Mit freundlichen Grüßen

    Martin Finger

    Hier der 2. Teil meiner Antwort, da eine Nachricht maximal 10k Zeichen umfassen darf. ;)


    Es bleibt am Ende also eine eher geringe Zahl von Menschen, welche bereit sein könnten, mehrfach Gewalt- oder Tötungsdelikte auszuführen und keine Bereitschaft haben, ihre Taten zu verantworten. Wenn sie jedes Angebot der Gemeinschaft, in welcher sie gegenwärtig leben, ablehnen würden und auch nicht freiwillig bereit sind, sich eine andere Gemeinschaft zu suchen, in welcher ihr Verhalten regelkonform wäre, würde am Ende irgendeine Form von Ausschluss stehen. Eine Option sehe ich in der Verbannung aus einer Stadt oder Gemeinschaft. Da Städte nicht unbedingt von Stadtmauern umgeben sind, müsste die Person, vielleicht auch gegen ihren Willen, mit einem Sender versehen werden und eine Art Wachschutz sorgt dafür, dass die Person außerhalb der Stadt verbleibt. In Verbindung mit Videoüberwachung und Gesichtserkennung könnte vielleicht auch auf einen Sender verzichtet werden. In einer Folge von „Twilight Zone“ wurde jemand mit „Unsichtbarkeit“ bestraft. Ich sehe diese Form der Bestrafung durchaus ambivalent und kann nicht einschätzen ob sie im Falle von Gewaltdelikten sinnvoll wäre. Eine endgültige Antwort auf diese Frage habe ich letztendlich nicht. Ich bin nur zuversichtlich, dass auch hier Lösungen gefunden werden, welche einer freiheitlichen Gesellschaft angemessen sind und soweit wie irgend möglich auf Gewalt verzichten. Da der Übergang viele Jahre benötigt, ist auch genügend Zeit hierfür freiheitliche Lösungen zu finden.


    Das bedeutet jeder Mensch muss in der Lage sein ein solche Projekt anlegen zu können [...]

    Nein. Dafür gibt es die verschiedenen Ebenen, auf denen Delegierte gewählt werden können, welche dann die Aufgabe übernehmen, ein solches Projekt zu erstellen. Durch die finanzielle Unterstützung ihrer Wähler können diese auch Unterstützung von Fachpersonal zu Rate ziehen und müssen nicht alle Kompetenzen selbst besitzen.


    Wie stellt das neue System sicher [...]

    Sichergestellt wird ein einheitlicher Bildungstand nicht. Wird es heute letztendlich auch nicht. Es wird weiterhin Schulen geben, die allerdings über die Grundversorgung, welche jeder Mensch erhält, finanziert werden müssen. Schulen dienen nicht mehr dazu Menschen zu kategorisieren und zu benoten, sondern helfen dabei, das zu erlernen, was den jeweiligen Menschen interessiert und darüber hinaus Angebote zu machen. Wer etwas lernen möchte, für den wird es Möglichkeiten und Wege geben, dieses zu tun. Was genau sollte durch den Wegfall der Schulpflicht verloren gehen?


    Wie wird eine Machtakkumulation der Wissenden verhindert?

    Warum sollte Wissen mit einer Machtakkumulation verbunden sein und welche Gefährdung sollte von Menschen mit einem Wissensvorsprung gegenüber anderen in einer Gesellschaft ausgehen, in welcher es keine Herrschaftsposten zu besetzen gilt? Welches Herrschaftswissen könnte es in einer herrschaftsfreien Gesellschaft geben?


    Was geschieht wenn ein Projekt mit Hilfe von Gewalt [...]

    Jede Form von Werbung ist eine Form der Manipulation und Propaganda ist nur eine Unterform der Werbung. Welche Maßnahmen stellen Sie sich hier vor, welchen aus Ihrer Sicht zu begegnen wäre? Der Verzicht auf Gewalt, auch psychischer Art, entspringt der Selbstverpflichtung basierend auf der Freiheitsregel. Wenn jemand psychische Gewalt gegen jemanden einsetzt, z. B. in Form von Erpressung (oder welche Form psychischer Gewalt ist hier gemeint?), dann würden die gleichen Schutzmechanismen greifen wie im Beispiel 1 oben beschrieben. Generell würden in der freiheitlichen Gesellschaft Menschen mehr darüber aufgeklärt werden, wie sie manipuliert werden können, um ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, sich gegen Manipulationen zu wappnen.


    Es gibt Menschen, die fordern das Recht auf totaler sexueller Selbstbestimmung. [...]

    Was genau schließt dieses Recht ein? In der freiheitlichen Gesellschaft gäbe es kein Recht, welches eine Person einseitig von einer anderen einfordern könnte. Wenn jemand öffentlich onanieren würde, wäre das zunächst einmal seine Sache. Würde ein Exhibitionist sich vor anderen Menschen gegen deren Willen entblößen und ihnen einen psychischen Schaden zufügen, müsste er sich dafür wiederum verantworten. Nacktheit wäre sicher kein Delikt. Jeder Laden oder jedes Einkaufszentrum könnte allerdings Bekleidungsregeln festlegen und ihnen ein Betreten untersagen, wenn sie nackt sind.


    Was geschieht vor allem bei Freiheitskonflikten [...]

    Es gibt keine Unter- oder Überordnung der Freiheit des einen gegenüber der Freiheit des anderen. Sie können sich letztendlich nur in irgendeiner Form einig werden. Selbst wenn sie sich entscheiden, ihren Konflikt einem Dritten zur Lösung zu übergeben, müssen sie diese Entscheidung freiwillig treffen.


    Banales Beispiel: Ein Mensch möchte nachts das Haus renovieren [...]

    Natürlich wird sich nicht jeder automatisch mit jedem verstehen. Da ist das Konzept von Recht bereits heute das größte Hindernis. Ist ein Mensch überzeugt, im Recht zu sein, wird er nicht auf den anderen zugehen, um mit ihm einen Konsens zu finden oder notfalls, falls sich kein Konsens finden lässt, einen Kompromiss zu vereinbaren. Wenn der Konflikt der Nachbarn über mehr als eine Nacht besteht und sie miteinander nicht reden können, können sie immer noch über Dritte versuchen miteinander indirekt zu reden. Die 1. Option wären hoffentlich die Lebenspartner, welche hier einwirken können und miteinander reden. Als 2. Option könnte eine Mediation genutzt werden und als letzte Option ein Schiedsgericht. Darüber hinaus könnte es noch andere Gremien in einer Siedlung geben, welche bei Konflikten vermitteln. Das alles funktioniert aber nur, wenn beide zu einer Klärung des Konfliktes bereit sind. Ich gehe davon aus, dass eine solche Bereitschaft umso höher sein wird, je weniger noch das Konzept von Recht Anwendung findet.


    Verstehen Sie "Gesetze" [...] also nicht als Teil des Gewaltmonopols?

    Doch, natürlich ist ein Gesetz Bestandteil des Gewaltmonopols. Ein Gesetz ohne Gewaltmonopol ist nur noch ein Text ohne Bindungskraft für irgendjemanden.


    [...] mich interessiert aber viel mehr ob in ihrer Gesellschaft überhaupt noch institutionelle Gesetze und Regeln vorhanden sind?

    Institutionelle Gesetze könnte es qua Definition, was ein Gesetz ist, logischerweise nicht mehr geben. Regeln kann es in beliebigem Umfang geben und diese auch durch Institutionen vertreten werden. Die Anwendung dieser Regeln erfolgt nur durch Selbstverpflichtung. Bestes Beispiel hierfür sind ISO und DIN, soweit deren Normen nicht per Gesetz als verbindlich erklärt wurden, denn diese Ebene entfällt.


    Sie gehen von einem Grundzustand aus, der nicht annähernd derzeit existiert [...]

    Ich gehe nicht davon aus, dass jeder Mensch, welcher in unserer heutigen Gesellschaft sozialisiert wurden, einfach so in der Lage sein wird gewaltfrei zu leben. Dafür sind wir viel zu sehr von Gewalt geprägt und von ihr umgeben. Nur bin ich zuversichtlich, aufgrund dessen was ich bisher über Gewalt gelesen habe, sei es zu Quellen und Ursachen von Gewalt, Formen von Gewaltprävention sowie der Möglichkeit, Gewalt ohne Gewalt zu begegnen, dass Menschen im Umgang miteinander keine Gewalt benötigen. Gewalt wird genutzt, weil sie entweder leichter nutzbar erscheint oder Alternativen gar nicht bekannt oder gewollt sind. Es sind einige Änderungen nötig, um sich von Gewalt abzuwenden und der aus meiner Sicht größte Schritt dorthin wäre die Ächtung jeglicher Gewalt, insbesondere und vor allem der staatlichen.


    Momentan gibt es Gesetze und Strafvollzug. [...]

    Natürlich ist nicht die Androhung von Strafen die Ursache für Verbrechen. Allerdings gilt für einen Teil von Handlungen, dass diese erst durch den Staat zu Verbrechen deklariert wurden. Der Strafvollzug trägt wenig dazu bei, Menschen zu schützen. Je nach Ursache für ein Verbrechen sind hier ganz andere Maßnahmen wichtig, um Werte zu vermitteln und dem Menschen eine Perspektive für sein Leben zu geben. Ich habe weiter oben schon einige Wege beschrieben, wie die Gesellschaft mit Menschen umgehen kann, welche bereit sind, ihre Freiheit auf Kosten anderer auszuleben. Die letzte und brutalste Antwort ist letztlich: Jeder Mensch hat die gleiche Freiheit, die Freiheit eines anderen Menschen zu verletzen. Ich meine dies nicht als Warnung oder Drohung, es ist eine Realität, in welcher wir auch heute bereits leben. Die Menschen machen es sich nur nicht bewusst. In einer Gesellschaft von Menschen, welche gelernt haben, miteinander Konflikte friedlich und ohne Gewalt zu lösen, ist die Gefahr Gewalt zu erfahren sicher geringer als es heute der Fall ist.