Beiträge von joergy

    hmmmmmmmmmmmmmmmmmmm

    ok aber nein mir kommt das komisch vor weil...


    das bums machen kommt doch vor dem einigungsprozess.

    dann wäre das bums machen doch die wahrheit auch ohne das danach etwas passiert?

    Eben nicht. Wahrheitsfindungen sind immer retrospektiv. Du analysierst vergangenes und bildest kollektiv ein Urteil. Zukünftiges ist unbestimmt und kann daher keine Wahrheit sein. An dieser Stelle (eigentlich in der Gegenwart) berühren sich Wahrheit und Wirklichkeit.

    Hm....
    Das mit der "Wahrheit" scheint mir im Grunde sehr einfach, was die Tücke einschließt es zu verwechseln (mit Wirklichkeit).
    IMHO ist Wahrheit das Resultat eines Einigungsprozesses über das, was innerhalb der Gruppe der Beteiligten als "wahr" gilt oder was nicht. Fertig, mehr nicht. In aller Subjektivität, in aller Kontext-Anhängigkeit.

    Lieber Patrick, lieber Niels,
    auf dem Nachhauseweg mit Euch aus München im Ohr hat es mich schier zerissen. Es ist für mich einfach nicht fassbar, wie egoistisch und subtil man aneinander vorbeireden kann. So geschehen auf Eurem sehr bewegenden Podcast zum Thema Europa. Es ist für mich geradezu magisch, wie es dazu kommen kann, dass derart viele Personen, Euch nicht verstehen, Dinge sagen, die nichts mit den diskutierten Themen zu tun haben und dann doch wieder. Ein schlimmes Kuddelmuddel der Egoismen. Es muss Euch fürchterlich ergangen sein, danach, und wahrscheinlich seid ihr genauso ratlos wie ich.
    Was ich bei fast allen Diskutanten vermisse ist ein Gestaltungswille, bei allem durchaus eloquenten Gerede. Vielleicht ist dies der Nucleus der Frustration, dass man nicht einmal in Ansätzen glaubt, etwas gestalten zu können.
    Am besten Gefallen hat mir – ja, es gab' auch Positives – Eurer: Demokratie ist eben gerade nicht, seine persönlichen Präferenzen erfüllt zu sehen sondern sich mit der andersmeinenden Mehrheit zu arrangieren und das was jener Herr um 1:10:00 sagte.
    Ich befürchte, Euer Podcast wird nichts hinsichtlich Europa beeinflußt haben. Er ist aber beredtes Zeugnis davon, wie komplex ein Meinungs- oder Europa-Bildungsprozess ist.

    Von Herzen wünsche ich Euch Life-Events und Podcasts, die Euch und die Zuhörer weiterbringen.

    Leider nur bedingt, lieber Patrick.
    Die Ängste, die sich mit der Digitalisierung verbinden, sind doch hauptsächlich die Befürchtungen des Arbeits- und Bedeutungsverlusts, die sich durch höhere Grade an Automatisierung ergeben. Wie technisch automatisiert wird, ist dabei nebensächlich. Und ich halte die Aspekte Verbilligung der Microcontroller und Zuspitzung der Folgen der seit Jahrzehnten fotgesetzen Automatisierung für bedeutsamer, als die Technik (Digitalisierung) die dahinter steht. Du deutest es ja auch an indem Du schreibst: "Industrialisierung ist mehr als nur die Maschine an sich".

    Die Internet Affinen, wie vermutlich Du und ich, sehen in der digitalisierten Kommunikation im Grunde eine große Zukunfts-Chance und verbinden damit zunächst keine Sorgen. Das persönliche Wissen um die Dinge und Gegebenheiten wird vermehrt, die Welt wächst zusammen und deshalb denkt man in Zukunft (oder schon heute) hoffentlich kollektiver und weniger dumpf-egoistisch.
    Natürlich lassen sich aus der digitalsierten Kommunikation und den damit verbundenen soziokulturellen Phänomenem auch Ängste ableiten.
    Ich habe jedoch das Gefühl, dass dies der kleinere Teil der Besorgnis ist und somit auch der kleinere Teil der Motivation hinter dem breiten Diskurs um das Thema.


    Und ich habe ein Gefühl, wie bei vielen Anglizismen, man versteckt sich hinter einem Begriff, den, ehrlich besehen, die wenigsten richtig verstehen, um weniger angreifbar zu bleiben. Liege ich da völlig falsch?
    Das Verstecken schafft Freiraum für Hysterie, die monetär lukrativer ist. Vielleicht steckt auch diese Motivation dahinter und es spitzt sich in Wirklichkeit nichts zu. Sondern es ist eine ganz "normale" Phase der Automatisierung, wie wir sie bei Buchdruck, Dampfmaschine, Industrialisierung, Telegrafie usw. immer wieder durchlebt haben. (Es ist klar, dass all diese "Errungenschaften" auch von heftigen Schmerzen begleitet wurden).

    Fakt aber bleibt, dass das eine wie das andere nicht neu ist. Was also sind die Ursachen für den Hype des Themas? Und ist er gerechtfertigt? Spitzt sich etwas zu oder wird das nur herbeigeredet?


    Ich hoffe ich konnte zumindest ein wenig sensibilisieren, dass auch dieses Thema in seiner Begrifflichkeit problematisch ist.
    Mehr will ich nicht.
    Sorry für die vielen Worte...

    Martin Finger, ich habe den Eindruck, dass Du mich in Teilen schon verstehst. Allerdings akzentuierst Du anders. Und so manche Deiner Aussagen dienen wohl wirklich dem Versuch zu verstehen. Denn sie sind weder Zustimmung noch Widerspruch.
    Ich habe versucht mich dem Themenkomplex Sinnfrage von verschiedenen Perspektiven zu nähern. Vor allem bin ich im Laufe der Jahre auf die drei genannten Möglichkeiten gestoßen, dass die Frage im Grunde falsch oder unzulässig ist. Ich meine in dem Sinne falsch, dass sie die Nicht-Beantwortbarkeit impliziert. Meine Aussagen enthalten notgedrungen Worte, die diskutabel sind. Es geht mir aber nicht um diese Worte (Stringenz z.B.). Sondern darum, mit Ihnen bestimmte Perspektiven auszuleuchten.
    Zwei Fragen daher umgekehrt an Dich:
    Glaubst Du meinen Gedankengang ansatzweise zu verstehen oder blieb ich komplett nebulös oder neben der Spur für Dich?
    Fandest Du neue Perspektiven in meinen Betrachtungen, die Du noch nicht kanntest?
    Schönen Restsonntag.

    Aus meiner Sicht ist die Vorstellung von Stringenz in Bezug auf die Evolution ein Fehlschluss, wenn man diese vom "Ende" (einem aktuellen Zwischenzustand, da letztlich nie zu Ende gehend) anschaut. Wenn ich jetzt mal die Blickrichtung ändere und vom Präkambrium auf die Gegenwart schaue, stellen sich mir viele Fragen und es wirkt nichts mehr stringent: Chlorophyll? Sauerstoff? Dinos? Säugetiere? Humanoide? Neandertaler? So viele Fehlschläge und Sackgassen.

    Mit stringent meinte ich nicht "zwingend". Es ist jedoch jeweils EINE (nicht die einzig mögliche) direkte Antwort (Lösung) auf eine Fragestellung (Notwenigkeit). Wieso entsteht in unserem Kopf eine Frage auf die es keine, na sagen wir befriedigende Antwort gibt? Natürlich kann man jetzt diskutieren, ob Gehen eine befriedigende Antwort auf die Notwendigkeit (kann man auch in Frage stellen) sich fortzubewegen ist. Aber es scheint mir ein direktere/stringentere Antwort zu sein, als die möglichen Antworten auf die Sinnfrage.

    Und Deine "Blickrichtungsänderung" ist genau das was ich mit "Außerhalb des Systems" meine. Du schaust von außen auf die Fortbewegungsmöglichkeit. Das geht in diesem Fall, weil Du das System (Körper, Bewegung) durch Systembegrenzung in Zeit und Raum definierst.
    Genau das versucht der Satz "der Sinn des Lebens ist Fortpflanzung" auch. Aber das lässt den schalen Geschmack zurück, dass die Systemabgrenzung dem "Leben" nicht gerecht wird, sprich unvollständig bleibt. Verstehst Du was ich meine?

    Vielleicht ist das Problem auch ein Sprachliches: Was ist eigentlich genau mit "Leben" gemeint, dessen Sinn wir suchen?
    Vielleicht führt die Ungenauigkeit des Begriffs zum Dilemma keine zufriedenstellende Antwort zu finden.

    Zahllose Medienbeiträge in Printmedien, Blogs und Foren drehen sich gefühlt seit 2-3 Jahren um die gesellschaftlichen Veränderungen durch Digitalisierung. Jedenfalls wird das so formuliert.

    Mich stören daran zwei Aspekte. Zum einen wird der Begriff Digitalisierung vermutlich falsch verwendet und zum anderen werden wichtige Dinge rund um das Thema überhaupt nicht oder zu wenig reflektiert.

    Der Begriff Digitalisierung bezeichnet ursprünglich das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate.

    Also an "digitalen Formaten" soll es jetzt plötzlich liegen, dass die Gesellschaft sich ändert und ändern muss? Digitalisiert wird schon seit mehr als 5 Jahrzehnten. Es ist also weder ein wirklich neuer Vorgang noch sind seine gesellschaftlichen Auswirkungen neu.

    Ich glaube, in den zahllosen Beiträgen ist eigentlich von Automatisierung die Rede. Warum verwendet man diesen Begriff nicht mehr?


    Und auch die gesellschaftlichen Veränderungen durch Automatisierung sind nicht neu. Genauso wenig, wie die Zunahme der Geschwindigkeit und des Umfangs mit der sie vonstatten geht.

    Was genau ist also anders als, sagen wir, vor 20 Jahren?


    Vermutungen

    1. Die Produktion von Mikrokontrollern in Billiglohnländern hat zu einer Flutung der Märkte mit diesen Mini-Steuerungs-Computern geführt. Sie können heute zur vereinfachten Automatisierung eingesetzt werden, wo früher nur die Anschaffung neuer, teurer Maschinen stand. Durch drastisch gesunkenene Preise hat die weltweite Automatisierung einen Schub erfahren.

    2. Die digitalen Möglichkeiten zur Speicherung und späterem Abruf von Kommunikation (auch schriftlich) haben welweit die Kommunikation beschleunigt und vereinfacht (Stichwort Internet). Dies ist tatsächlich eine Folge der Digitalisierung und nicht der Automatisierung. (Eine gesellschaftliche Veränderung hat dadurch stattgefunden, aber nur wenig hinsichtlich einem Verschwinden von Arbeitsplätzen, oder ist gerade dieser Teilsapekt mit den Veränderungen durch Digitalsierung gemeint?).

    3. Hinsichtlich der Klimaveränderung weiß man heute auch nur unwesentlich mehr (vielleicht irre ich mich) als vor 10 Jahren. Trotzdem verzeichnen wir eine Zunahme der Diskussionen rund um das Thema. Das liegt vielleicht am lauteren Auftreten der Leugner, vielleicht aber auch daran, dass die Lage sich gefühlt, also nicht nur faktsich, zuspitzt. Vielleicht verhält es sich mit dem Automatiserungsgrad genau so, hier scheint sich eine Lage zuzuspitzen. Bedauerlicher Weise erfährt man darüber, außer via kruder Thesen rund um die Themen Blockchain und KI, wenig.


    Fragen

    Sollte die offenkundig falsche Nutzung des Begriffs geändert werden?

    Findet tatsächlich eine deutliche Erhöhung des Automatiserungsgrades statt und womit könnte man das messen?
    Geht es beim Thema Job-Verlust nur um die Digitalsierung der Kommunikation als Ursache?

    Welche Aspekte der Automatiserung werden zu wenig erörtert?

    Ich glaube kaum, dass unser Putzfrau Lieschen Müller einen Vorteil aus der progressiven Besteuerung hat und am Ende einen sehr viel größeren Anteil ihres Einkommens an den Staat abgibt als andere in dem Beispiel. Sozialversicherungen heben den progressiven Einkommenssteuereffekt bei hohen Einkommen letztlich wieder auf. Insbesondere wenn unsere Freunde vom Chef auch noch Selbstständige sind und damit keine Sozialabgaben zahlen müssen.

    Deshalb schrieb ich "im Prinzip". Konkret wird ihr nicht geholfen. Im Sinne des Allgemeinwohls profitiert sie aber schon von den höheren (absolut) Abgaben der Wohlhaberenden. Gäbs die nicht, wäre noch weniger Geld im Staatssäckel.


    Wieso erst einen Rahmen dulden in welchem wenige Menschen reich werden können und dann darauf hoffen, dass diejenigen wieder etwas abgeben, statt von vorne herein die Strukturen so zu verändern, dass eine Akkumulation von Macht und Vermögen gar nicht möglich ist?

    Siehe mein letzter Satz...


    "Die Frage der Fairness wird also permanent untereinander ausgehandelt, vor allem durch Benennung dessen was einem als "unfair" gilt. Ist ein bißchen wie mit der "Freiheit", die merkt man vor allem dann wenn Menschen unfrei werden."

    Diese Einsicht ist IMHO elementar wichtig und mindert den Fragedruck :)
    Ich vermute aber howlin' mad Wolf wird mit allen Antworten unzufrieden sein, denn sein beispielhafter Fall wird ja gerade nicht mehr (seit vieln Jahrzehnten und voraussichtlich noch viele Jahre) "ausgehandelt".
    Irre ich mich oder sucht er eigentlich eine Antwort auf die Frage, wie schaffen wir es, dass solche "Ungerechtigkeiten" wieder "verhandelt" werden?
    Ohne jetzt sagen zu wollen, es ist alles gut wie es ist, scheinen mir viele solche Fragestellungen aus praktischen Gründen unevrrückbar, nicht mehr verhandelbar zu sein. Wie sollte denn eine Bewertung der "Zahlungsfähigkeit" gestaltet werden?
    Im Prinzip gibt es dazu die progressive Besteuerung. Davon hat Lieschen Müller nur im Sinne des Allgmeinwohl etwas und nicht konkret für Ihr Auto.
    Schön wäre es (man darf ja mal Träumen), wenn die Beziehungen zu einigen Menschen so gestaltet wären, dass die Reicheren den Ärmeren einfach konkrete finanzielle Hilfe schenken.
    Was natürlich unbedingt wieder in die "Aushandlung" muss, ist die existentielle Bedrohung einer zunehmenden Zahl von Menschen in unserer so hochgradig automatisierten und daher reichen Gesellschaft.

    Hallo Patrick,
    zunächst möchte ich sagen, dass ich Deine Anregung zu einem "Philosophy Jam" total super finde. Die Idee hätte von mir sein können, da ich genau auf die gleiche Weise zur Philosophie gekommen bin (ohne sie studiert zu haben).

    Zum Thema:
    In unserem Bewußtsein gibt es ein eigenartiges Phänomen, bei dem ich immer rätsele, wieso ist das eigentlich so? Ich meine damit, dass wir Fragen stellen können auf die wir keine Antworten finden. Ist doch banal, denkt ihr vielleicht, aber nähert Euch mal aus evolutionärer Sicht: Ist unser restlicher Körper in seinen Bestandteilen nicht EINE Antwort auf die jeweilige Fragestellung? Ein Beispiel: Fische können nicht laufen, wir schon. Schwimmen und Gehen sind vom Einzeller her gesehen, Antworten auf die Frage der Fortbewegung zur Nahrungs-, Flucht- und Partner-Suche. Alles schön stringent...

    Was hat das aber nun mit der Sinnfrage zu tun? Nun, ganz einfach, vielleicht ist dies eine der Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Also so etwas wie eine falsche, unzulässige, sinnlose Frage. Darauf deutet noch eine zweite Überlegung hin.

    Wenn wir ein System als in Zeit und Raum abgeschlossenes Gebilde betrachten, dann kann ein solches System Eigenschaften haben. Diese Eigenschaften können wir im Kontext des "im System Seins" erfassen und sie werden sich unterscheiden von Eigenschaften, die wir im Kontext "des außerhalb des System Seins" erfassen. Das, was wir über ein System sagen, kann also viel viel weitgefasster sein, weil das uns zur Verfügung stehende Instrumentarium (Kontext) außerhalb viel umfangreicher ist. D.h. wir beobachten das System unter Aspekten, die "innen" gar nicht möglich sind (weil sie nicht zum System gehören, Abgrenzung).


    Die Sinnfrage scheint mir ebenfalls unter diesem Dilemma zu leiden. Sie impliziert quasi, dass wir etwas "über" das System "Leben" aussagen. So, als würden wir außerhalb des Lebens stehen können. Wir sind aber Lebewesen und sind daher im System "Leben" gefangen. Vielleicht ist also auch aus diesem Grund, die Frage unzulässig oder einfach falsch gestellt.
    In den Antworten hier finden sich fast alle Betrachtungsweisen. Auch jene, die das Leben versuchen von "aussen" zu sehen. Z.B. die Antwort über Ernährung, Fortpflanzung, Evolution. Fragwürdig erscheint mir daran, dass etwas versucht wird, was gar nicht geht, sich "außerhalb" des Systems "Leben" zu stellen.

    Zum Schluß noch meine persönliche Antwort:
    Ich sehe den Sinn des Lebens darin, sich versuchen zu verbessern. Auf die daraus folgende Frage "In welche Richtung", habe ich leider keine befriedigende Antwort gefunden. Ich stochere da im Nebel herum, auf der Suche nach dem, was meine kognitiven Fähigkeiten, unter Berücksichtigung aller äußeren und inneren Umstände, als "besser" erachten. Der Gedanke überschneidet sich mit dem "tu was Du wirklich willst" aus der unendlichen Geschichte, was weiter oben aufgeführt wurde. Und es überschneidet sich mit dem Försterschen Imperativ, sich für das zu entscheiden, was die Zahl der Möglichkeiten erhöht.

    Hugh!

    es wäre ja schön, wenn die Regierung abgewählt werden könnte, leider ist es nur möglich eine Regierung durch eine andere zu ersetzen. Eine Abwahl ist in unserer Demokratie nicht vorgesehen. Solange sich eine neue Regierung nicht konstituiert hat, bleibt die alte Regierung kommissarisch im Amt.

    Hm, Du machst ein neues Fass auf: Manche sagen, der Vorzug der Demokratie gegenüber allen Regierungsformen, sei die Abwahl. Natürlich nicht in die Anarchie, sondern Wahl anderer Interessensvertreter...


    Wir haben anscheinen sehr unterschiedliche Vorstellungen von Freiwilligkeit. Wenn eine Abstimmung mit 50% +1 Stimme gegen mich ausgeht und ich danach gezwungen bin mich dieser Entscheidung zu unterwerfen, würde ich nie von Freiwilligkeit sprechen. Natürlich steht es mir immer frei mich freiwillig zu unterwerfen oder Widerstand zu leisten. Solange Gewalt (egal ob physisch oder psychisch) im Spiel ist, ist es für mich aber keine freiwillige Entscheidung.

    Noch ein Fass:
    Mir gefällt das mit den 50% + 1 auch nicht. Ich wollte aber nicht noch die politischen Gesellschaftssysteme in Frage stellen. Allerdings muss ich offen halten, dass ein BGE das erforderlich machen würde. Fasziniert hat mich immer das den Indianern Zugeschriebene: Solange verhandeln, bis alle die Entscheidung wollen. (Das impliziert die Zurücknahme der eigenen Begehrlichkeiten...)

    1. Einem Menschen zu vermitteln nach welchen Werten und Überzeugungen diese Gesellschaft funktioniert.

    2. Dem Menschen zu erlauben selbst zu entscheiden nach welchen Werten er sein Leben gestalten möchte.


    Beides leider etwas, was in unserer Gesellschaft nicht für notwendig gehalten wird.

    Bin ich bei Dir, bzw. zu wenig ...
    ... und die alte Frage: Wer erzieht den Erzieher?

    Lieber Martin Finger ,

    Gehe ich davon aus, dass ein Mensch der versorgt ist, keinen Beitrag mehr zur Gesellschaft leisten wird, kann ich einer bedingungslosen Versorgung nicht zustimmen, sondern muss jedeLeistung an Bedingungen knüpfen.

    Hm, das ist doch gerade der Witz der Idee eines BGE: Grundversorgung ohne Zwang zu arbeiten (im Sinne eines Beitrags zur Gesellschaft).
    Die Gretchenfrage ist doch, wollen wir es uns als Gesellschaft leisten, ein paar "schwarze Schaafe" mit durchzufüttern, wenn umgekehrt durch Wegfall der Existenzangst Potentiale freigesetzt werden, die insgesamt das Zusammenleben besser machen? Oder anders formuliert, wieviele schwarze Schaafe würde es bei einer von allen getragenen Existenzsicherung geben und wäre die Zahl noch tolerierbar?


    Soll das Grundeinkommen entsprechend der staatlichen Logik als Anspruch(Recht) gegen den Staat formuliert werden, oder sind wir bereit, uns davon zulösen, und es als freiwillige Leistung der Gesellschaft zu gewähren?

    In einer Demokratie sollte diese Frage irrelevant sein. Denn die Aufwendungen werden dort ja freiwillig erbracht. Würde man die Leistungen (Steuern) nicht mehr freiwillig erbringen, müsste man die Regierung abwählen.
    Ich glaube, ein BGE müsste "staatlich" und damit als Anspruch eingeführt werden. Einfach aus praktischen Gründen. Zunächst wäre natürlich die Einführung demokratisch (freiwillig) zu beschließen und dann müsste sich jeder dran halten. Es wäre, glaube ich, mühsehlig jedes Kind beim Heranwachsen entsprechend zu überzeugen.
    Natürlich wäre es schöner ein BGE auf freiwilliger Basis zu haben, da es einen bewussteren Umgang mit der Gesellschaft nötig machen würde und damit das Miteinander stärken würde, wie Du selbst schreibst. Leider kommt mir das aber wie ein zusätzlicher idealisitischer Anspruch an uns Menschen vor. Sozusagen eine noch umfassendere Forderung.

    Ich wäre für ein BGE, sehe da aber unlösbare Probleme:


    1. Finanzierung

    Ich hab's mal selbst ganz grob versucht, da ich keine nachvollziehbare Berechnung bisher gesehen habe:

    (Die folgenden Zahlen einfach nur, dass man mal weiß von was für Dimensionen wir sprechen)


    Ausgaben

    Bevölkerung: 80 Millionen

    Grundeinkommen 1000/Monat

    Gesamtaufwand: 960.000 Millionen / Jahr, also ungefär 1 Billion


    Mögliche Einnahmequellen

    Quelle: https://www.destatis.de/DE/Zah…erungssaldoJaehrlich.html

    Millionen Euro:

    Bund: 376.138

    EU-Anteile: 20.704

    Länder: 383.299

    Gemeinden/Gemeindeverbände: 247.723

    Sozialversicherung: 624.924

    Öffentlicher Gesamthaushalt: 1.367.850, also ungefär 1,4 Billionen


    Zieht man von sämtlichen Steuern und Sozialausgaben die Kosten für ein BGE ab, müsste der Staat für alle "sonstigen" Leistungen mit weniger als 30% seines heutigen Etats auskommen.

    Das Argument der Einsparung von Bürokratie durch das BGE greift m.E.n. zu kurz, da dessen Anteil nur einen Bruchteil der 1,4 Billionen ausmachen dürfte.


    Finanztransaktionssteuer:

    Es ist extrem schwierig, den Gesamtumsatz aller deutschen Börsen herauszufinden.

    Wer dazu eine gute Quelle hat, bitte hier posten.

    Folgende Quelle: https://www.dgb.de/themen/++co…2f-11e8-84dc-52540088cada

    kommt auf Einnahmen von 22.000 Millionen Euro bei 0,1% Transaktionssteuer auf Aktien/Anleihen und 0,01% auf Derivate.

    Für ein BGE müsste das x45 genommen werden und würde dann die Börsen ins Jenseits befördern.


    2. Was ist das BGE?

    Leider gibt es nicht DAS eine BGE. Manche sagen alle Sozialleistungen (auch Renten) seien inbegriffen, andere das Gegenteil oder teilweise. Manche wollen es vom Lohn abgezogen wissen andere nicht. Manche denken sich die Lohn-/Einkommenssteuer davon abgezogen andere nicht.

    Im Grunde ist es sehr schwammig was genau unter dem BGE zu verstehen wäre. Wie soll man das also vernünftig diskutieren? Wäre es fair alle Rentenansprüche etc. zu nivellieren?


    3. Neu-Bewertung der Arbeit

    Ein wie immer geartetes BGE könnte meiner Meinung nach nur durch eine völlig neue Bewertung sämtlicher bezahlter Arbeitsverhältnisse finanziert werden. € 1000 heute wären dann etwas völlig Anderes.

    Die beispielhaften € 1000 sollen ja einer Grundsicherung dienen. Die Kosten sollten "solidarisch" finanziert werden. D.h. starke Schultern tragen mehr als Schwache (Steuerprogression). Und die Dinge des täglichen Bedarfs und der gesellschaftlichen Teilhabe haben heute einen bestimmten monetären Wert.

    Steuerbelastungen und monetäre Werte von Leistungen und Gütern müssen so abgestimmt sein, dass zum einen das BGE bezahlbar ist und gleichzeitig der Staat auch die "sonstigen" Leistungen (Straßenbau, Militär, Entwicklungshilfe, Bildung usw.) finanzieren kann. Für mich kommt es also zwangsläufig zu gravierenden Änderungen in unserem Wirtschaftsgefüge. Hinzu kommt, dass "schlechte" Arbeiten deutlich teurer werden, sonst macht sie keiner.

    Das wäre alles irgendwie machbar, wenn die Gesellschaft eines Landes das wirklich will. Was ist aber mit dem Ausland? Wenn "schlechte" Arbeiten hier teurer werden, kauft man sie billiger im Ausland ein. Welche Konsequenzen das hat, muss ich nicht ausführen.

    Ebensowenig ließe sich das Wirtschaftsgefüge im Alleingang wohl nicht anpassen. Das BGE wäre also nur weltweit gleichzeitig einführbar.


    4. Was mich interessiert

    Was haltet Ihr von einer Grundsicherung ohne Geld, also quasi Kost, Gesundheit & Logis auf einem zu definierenden Niveau frei?