Beiträge von Frank Koehler

    Wunderbares Format. Und eine kraftvolle Lisa Rosa, deren Gegenwartskritik ab Minute 41:30 mich natürlich besonders angesprochen hat.


    Schön und lehrreich auch die historische Einordnung des heutigen Bildungsbegriffs. Wie Recht sie hat, wenn sie sagt ohne historische Vogelperspektive verweile man in einem nichtssagenden "Film Still".


    Spruch der Folge: "Schau hin Du Depp, damit Du weißt wie's geht!" 😅

    Ich denke, eine absolut endgültige, wahrhaft moralisch "richtige" Entscheidung, kann es in einem solchen Dilemma gar nicht geben. Moralvorstellungen sind immer geprägt vom Subjekt selber, wie es die Welt erfasst, anschaut, reflektiert usw. Würde man beginnen, blind einzelne Leben abzuwägen und nach Quantität zu entscheiden, wäre dies (als Utilitarist denkend) z.B. moralisch rechtfertigend; ein Humanist würde nach anderen Kriterien vorgehen.

    Wichtig wäre sicherlich, bei einer solchen Entscheidung Wert auf den Hergang des Entscheidens zu legen, diskursiv mit möglichst allen Beteiligten darüber zu diskutieren und nach Vernunft und weniger nach Emotionen zu handeln.

    Stimmt, eine absolut endgültig richtige Entscheidung kann es nicht geben. Aber das ist auch gar nicht notwendig. Moral unterliegt dem zeitlichen Wandel. Es reicht daher vollkommen, dass die Entscheidung die beste ist, die man zum Zeitpunkt ihres Beschlusses finden konnte.


    Natürlich setzen wir alle unsere subjektiven Schwerpunkte bei moralischen Urteilen. Das heißt aber nicht, dass sie deshalb alle gleich stark, gleich überzeugend wären. Es gibt moralische Reflexion auf verschiedenen Komplexitätsleveln. Es gilt, alle Vorschläge auf den Prüfstand zu stellen, und daraus den überzeugendsten herauszuarbeiten. Ich glaube, dass dies möglich ist.


    In der Zukunft, unter Einsatz von KI, wird dieser Prozess glaube ich eine erhebliche Vereinfachung und Berschleunigung erfahren.

    Sind wir in einem wirklichen Dilemma nicht absolut frei in unserer Entscheidung?

    Ein wirkliches Dilemma, was wäre das? Eines, in dem nach Abwägen aller verfügbaren Informationen und Wertungen die Waagschale genau in der Mitte stehenbleibt? Ja, in so einem Fall gäbe es tatsächlich nicht die eine, bestmögliche Entscheidung. Aber Dilemmata dieser Qualität sind in der Praxis die absolute Ausnahme. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, es gibt sie nur theoretisch.

    Martin Finger

    Top Kommentar! Viel Wahres, viel Schlaues. Freut mich sehr, dass ich auch mal bei jemand anderem außer mir selbst die unbedingte Forderung der Reduzierung unserer Wirtschaftstätigkeit lese, schlicht aus Gründen des Überlebens des Planeten und somit der Menschheit. So trivial und naheliegend diese Erkenntnis ist, so tabuisiert ist sie immernoch.


    Dein Paper werde ich mir gerne mal anschauen. Vielleicht macht es Sinn zwei Arten des Nachdenkens über ein BGE zu unterscheiden. Die eine Variante versucht die Umsetzung weitestgehend innerhalb jener Rahmenbedingungen, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft traditionell prägen. Die andere stellt alle Prämissen infrage und fordert zu einem komplett neuen Nachdenken auf - mit einem weißen, leeren Blatt Papier quasi. Deine Ausführungen Martin lassen mich eher an zweitere Variante denken. Und da muss man sich mit der nicht unberechtigten Frage nach der Umsetzbarkeit herumschlagen.


    Liebe Grüße!

    Gerade dieses Gedankenexperiment bringt mich zum nachdenken. Was in der Situation tun? Im Prinzip gibt es dann keine guten Entscheidungen mehr. Ist es dann nicht eher vernünftig, dies zu akzeptieren? In unseren Köpfen können wir auch ewig nach einer Lösung suchen. Im realen Leben muss eine Entscheidung her. Und zwar leider immer eine schlechte.

    Knifflig, ja. Aber ich meine, nicht unlösbar. Jedenfalls würde ich davor warnen wollen, vor der vermeintlichen Komplexität des Problems zu kapitulieren. Dazu gibt es keinen Grund. Schwierig empfinden wir moralische Dilemmata deshalb, weil wir nie gelernt haben die ihnen zugrundeliegenden Prinzipien zu erkennen und zu gewichten.


    Eigentlich ein bemerkenswerter Befund (wenn er stimmt): Wir urteilen unentwegt unter Zuhilfenahme unserer Moralvorstellungen. Dies geschieht aber sehr oft ausschließlich intuitiv. Fragen wir nach, wie wir unsere Urteile begründen können, kommen viele von uns (mich eingeschlossen) ganz schön ins Schwimmen. Wer aber nicht weiß, warum er urteilt wie er urteilt, kann dessen Entscheidung überzeugen?


    Ich finde moralische Fragestellungen hochspannend und würde es gerne sehen, wenn sie fester Bestandteil aller Lehrpläne würden. Moralisch reflektiertes Urteilen ist in meiner Welt so wichtig wie die Grundrechenarten. Wir haben nicht zu viel Moral, sondern dessen Rückzug auf allen Ebenen. So jedenfalls mein Eindruck.


    Zum Strassenbahn-Problem selbst: Mir scheint, als sei das Abwägen von Menschenleben, ihr gegenseitiges Aufsummieren, eine Art Büchse der Pandora. Wer diese Logik in Bezug auf Menschenleben erst mal zulässt, der kommt in moralisch schweres Fahrwasser.


    Liebe Grüße!

    Hallo Ihr Lieben,

    zum Thema BGE mag ich folgendes anmerken:


    dada87
    Deine kleine Bio hat mich berührt. Wir sind da nah beieinander. Ich fühle die Enttäuschung mit, die aus der geplatzten Illusion entstammt, genügend Engagement allein ebne den Weg in eine (wirtschaftlich) erfolgreiche Zukunft. Die Zeiten sind längst vorbei.


    Pro BGE

    Ich bin ebenfalls Pro BGE. Denn ich mag die "Positive Verstärkung" als Anreizsystem deutlich mehr als irgendein repressives Modell wie etwa Hartz IV. Mir ist kein Beispiel bekannt, in welchem jemals Bestrafung zu besseren Ergebnissen geführt hätte als Motivation. Hartz IV ist ein historischer Fehler für die SPD und eine Bankrotterklärung in Puncto favorisiertes Menschenbild.


    Denn darum geht es meines Erachtens im Kern beim BGE - um das Menschenbild. Wenn wir glauben, dass die Ausstattung von Menschen mit "Möglichkeiten" selbige reihenweise in Faulenzer verwandelt, dann kann man nicht für ein BGE sein. Wenn man allerdings der Überzeugung ist, dass Menschen ganz überwiegend die Chancen zu nutzen versuchen die man ihnen bietet, dann muss man geradezu Sympathie haben für BGE-Konzepte. Von Aspekten wie der Menschenwürde und dem Recht auf soziale Teilhabe haben wir dann noch gar nicht gesprochen. Mir gefällt, dass große Teile der BGE-Befürworter selbiges als Menschenrecht verstehen, und aus dieser Haltung heraus auch begründen, warum es zwingend bedingungslos und an ausnahmslos alle gerichtet ist. Grundrechte kennen keine Bedingungen...


    Die Finanzierung

    Die Debatte um das BGE war lange Zeit geprägt von einem, wie ich fand schizophrenen Verhalten der Befürworter zur Finanzierungsfrage. Ewig lange hat man drumrum diskutiert und versucht, die Debatte auf die Werte-Ebene zu reduzieren. Das "Wie-bezahlen-Problem" stand wie der Elefant im Raum. Bis Wortführer wie DM-Gründer Götz Werner die kryptischen Worte vom "heute längst schonfinanzierten BGE" platziert hatten. Weder haben die Nachschwätzer je verstanden was genau er damit meint, noch hat er sich je detailliert dazu öffentlich geäussert. Ich habe viel Zeit damit verbracht auf Facebook jemanden zu finden der mir näher erläutern mag was das bedeuten soll. Heute, etliche Jahre später, scheint sich folgende Gewissheit herauskristallisiert zu haben: Natürlich ist ein BGE finanzierbar - die Frage ist nur, von WEM? Da hat der Frosch die Locken 8o


    Mein Erkenntnisstand: Wer ein BGE will, muss wissen, das dieses nur durch eine Umverteilung von Oben nach Unten realisiert werden kann. Und das in einem Umfang, der zumindest in der jüngeren deutschen Geschichte einmalig wäre. Ich bin skeptisch, ob dies in absehbarer Zukunft gelingen kann.


    Liebe Grüße!